Pygmäentoilette

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kurt
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Pygmäentoilette

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen

Dieser Pilz und noch mehrere im Jugendstadium wachsen am Fuss einer grossen Stieleiche in meiner Nachbarschaft. Ich will möglichst viel über ihn erfahren, um zu verhindern, dass der Baum aus Unwissenheit bezüglich der Gefahren für den Verkehr auf der Strasse vorsorglich gefällt oder die Pilze entfernt werden. Die Grösse des Pilzes lässt sich anhand der Borke abschätzen. Sieht ein bischen aus wie eine kleine Kombitoilette für Vater, Mutter und Kind Ich habe den grossen Kosmos-Naturführer Pilze, aber wie gewohnt nichts vergleichbares gefunden. Das nachstehende Foto ist mehr als 5-fach verkleinert, ich kann also Detailaufnahmen nachliefern, falls gewünscht.

Gruss
Kurt
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Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo Kurt,

das sieht nach dem Eichen-Feuerschwamm, wissenschaftlicher Name: Phellinus robustus, aus.
Habe vor Jahren eine Eiche gesehen, die damit schon seit Jahrzehnten ihre Fehde führte. Der Pilz frisst ein wenig Rinde und junges Splintholz, der Baum baut neues Holz rund um den Pilz auf um ihn einzudämmen. Das kann viele, viele Jahre so gehen, ohne dass der Baum ernsthaft gefährlich wird.
An den Leberpilz Fistulina hepatica denke ich abdiesem Stadium eher nicht, der müsste sich jetzt schon richtig entfalten.

Gruß, Bernd

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Mahaleb

Ich habe gehofft, dass du dich meldest. Ich werde deinen Hinweis weiterverfolgen. Zur Sicherheit noch ein originalgrosser Ausschnitt.

Danke
Kurt
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kaikong
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Beitrag von kaikong »

Hallo Kurt,

wie Mahaleb schon berichtet hat, wird es darauf ankommen, wie fit und vital die Eiche ist, um sich durch Abschottung des Pilzes zu erwehren. Wenn die Bäume ansonsten gesund, können Sie noch lange standsicher sein.
Beobachte mal, ob der Baum in den nächsten Jahren ein verstärktes Dickenwachstum zeigt. Bei Buchen bilden sich richtige Ausstülpungen am Stammfuß.

VG kai

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Das kann da etwa so aussehen,
diese Eiche lebt schon über zwanzig Jahre mit dem Eichen-Feuerschwamm.
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tormi
Moderator
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Beitrag von tormi »

Hallo Bernd,

ist das die Eiche aus die wir während der Jungdendrologentagung in Hamburg gesehen haben?
LG Nalis

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo Tom,

genau diese Eiche ist das. :)

Gruß
Bernd

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo zusammen

Die Eiche ist vorläufig gerettet, der Eichenh-Feuerschwamm auch. Ich habe mit dem Besitzer gesprochen. Letztes Jahr hat er erwachsene Pilze entfernt, weil ihm ein Bekannter "jwd" geraten hat, die Pilze zu entfernen, da sie die Eiche zerstören. Ich habe natürlich mit mit meinen Beziehungen zu den führenden deutschen Dendrologen angegeben. Das hat mächtig Eindruck gemacht. Die Stieleiche und die Feuerschwämme sind vorläufig gerettet. Vor der Kompetenz deutscher Wissenschaftler hat man hier grossen Respekt.

Gruss
Kurt

kaikong
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Beitrag von kaikong »

Hallo Zusammen,

habe hier nochmal eine kompakte Zusammenstellung aus dem Netz herausgesucht, die die"Gefährlichkeit" des Pilzes beschreibt.

www.baumwert.de/schaden/pilze/EichenFeuerschwamm.pdf


Also, der Baum kann trotz des Befalls sehr alt werden.

VG kai

kurt
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Beitrag von kurt »

Der Feuerschwamm entwickelt sich rasant. Wenn ich durch euch nicht wüsste, dass er die Stieleiche nicht gravierend schädigt, würde ich mir um den Baum Sorgen machen. So langsam beginnt sich die Schirmform herauszubilden. Schade, dass er nicht auf meinem Land steht. Werde weiter dokumentieren.

Gruss
Kurt
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kurt
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Beitrag von kurt »

Der Eichen-Feuerschwamm nähert sich immer mehr seinem adulten Habitus.

Gruss
Kurt
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kurt
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Beitrag von kurt »

Ein Foto von heute, das zeigt, wie rasant er sich entwickelt. Ich bin richtig verliebt in ihn.

Hallo Mahaleb und kaikong
Ist es wirklich der Eichen-Feuerschwamm?

Gruss
Kurt
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Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo Kurt,

der Pilz wächst für einen Eichen-Feuerschwamm zu schnell, also war's ein Schnellschuss mit der Diganose, schade... :? Ich weiß allerdings auch nicht, ob es vielleicht bei Euch eine andere Unterart gibt, oder ob der Pilz sich bei Euch etwas anders verhält :?: .

Meine Erachtens kommt hier unter anderem im Frühstadium der Tropfende Schillerporling Inonothus dryadeus oder ganz profan der Zottige Schillerporling Inonothus hispidus bzw. sein naher Verwandter Inonothus cuticularis in nähere Betrachtung, wobei die weitere Entwicklung zu beobachten ist. Einen Lackporling möchte ich für's erste ausschließen.

Alle Schillerporlinge sind Wundbesiedler, der tropfende Schillerporling kann dabei auch schon bedenkliche Holzmengen abbauen und die Bruchsicherheit des Baumes mindern. Am besten aber warte ab, ob sich auf den Pilzfruchtkörpen rostbraune Tropfen absondern, dann hat man den tropfenden Schillerporling sicher entlarvt.
Ich sehe auf den Fotos alte verwachsene Wundränder, das macht die Auswahl nicht unbedingt leichter, aber es lässt sich zumindest eingrenzen.

Gruß
Bernd

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Mahaleb

Die verwachsenen Wundränder rühren vermutlich vom Entfernen des letztjährigen Pilzes her. Jetzt habe ich mich mit der Kompetenz der deutschen Dendrologen bei meinem Nachbarn so weit aus dem Fenster gelehnt, dass der Pilz unbedingt bestimmt werden muss. Wenn es ein anderer ist, kann ich ihm mit Hinweis auf die nicht eindeutige Jugendform noch eine plausible Erklärung liefern. Was nicht passieren darf, ist, dass irgendein Eingeborener spontan den Pilz identifiziert und uns als Nieten hinstellt. Erschwerend käme hinzu, dass der Pilz eventuell wirklich eine Gefahr für den Baum darstellt. Der Ruf der dreiköpfigen deutschen Diaspora in Cuiseaux ist eventuell in Gefahr. Ich weiss, dass ich die Verantwortung und Arbeit auf euch abschiebe, ich habe aber zu wenig Kenntnisse und Literatur, um selbst eine Bestimmung durchführen zu können. Falls du weitere Details brauchst, ich werde alles mögliche liefern.

Gruss
Kurt

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Hallo Kurt,

man sollte hier den Verlauf beobachten, und der kann atypisch sein.
Das ist ein Grund warum ich den Eichen-Feuerschwamm nicht vollständig ausschließen möchte. Ich kenne die Durchschnittstemperaturen bei Euch nicht und das macht's eben komplex. Andererseits haben viele Pilze einen bis mehrere fast sehr ähnliche Doppelgänger, so dass es keine wirkliche Schande ist, auch mal daneben zu liegen.

Übringens, über den tropfenden Schillerporling bin ich auf der BUGA 2007 in Gera / Ronneburg reihenweise gestolpert... nur da war er schon alt und gammelig... und alle Bäume standen noch - was mich freute.

Gruss,
Bernd

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