Vermehrung von Eichen durch Aussaat?

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kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
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Vermehrung von Eichen durch Aussaat?

Beitrag von kurt »

Es geht um 3 naturbelassene Waldwiesen von total ca. 1,5 ha. Die drei un-
ten angefügten Bilder sollen einen Eindruck von deren gegenwärtigem Zu-
stand vermitteln. Auf eine frühere Anfrage betreffs Pfanzdistanz bekam ich
Antworten von 0,16 - 1 m2 pro Baum. Bei 1,5 ha ergäbe das 15 - 93000
Pflanzen. Diese Arbeit will ich mir nicht antun. Nun meine Idee. Kann ich
unter benachbarten Eichen einfach im Herbst Eicheln vom Boden aufsammeln und breitwürfig im hohen Gras der Wiesen verteilen? Wird zumindest ein grösserer Prozentsatz keimen und im nächten Jahr im ho-
hen Gras heranwachsen? Das Thema "Schutz gegen Wildverbiss" bearbei-
tet mein Berner Sennenhund relativ zuverlässig und erfolgreich.
Anmerkung: Klima und Bodenbeschaffenheit sind hier im Burgund an mei-
nem Wohnort geradezu ideal für Eichen.

thomas
Beiträge: 9
Registriert: 15 Mai 2006, 19:32

Beitrag von thomas »

Wenn du im Wald(Friehhof,Parks) im Frühfahr die gekeimten Eichel sammelst ist die Erfolgsrate höher.Thomas
Wenn eine Eiche in 120 cm Höhe einen Umpfang von 340 cm hat,wie alt ist sie etwa?

kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo Kiefer, "Esche", Thomas und Co.
Thomas, du hast mir geantwortet,sonst niemand. Angekeimte
Eicheln einzusetzen, leuchtet mir ein. Ich habe von einem Camping-
platz in der Algarve angekeimte Mandelbaumpflänzchen, in Yoghurt-
becher eingetopft, mitgebracht, sie haben sich zu gesunden Bäumchen
entwickelt. Ein Bekannter von mir hat gleichzeitig vom gleichen Ort noch
nicht angekeimte Mandeln mitgebracht, Erfolg gleich Null.
Jetzt aber meine Rückfrage:
Warum soll ich ausgerechnet vom Friedhof oder bei der Kirche Eicheln
sammeln? Keimen sie dort besser, was sowohl auf dem Friedhof als auch
neben der Kirche vorstellbar wäre, wenn auch aus verschiedenen Grün-
den?
Warum antwortet sonst niemand auf meine Frage? Ist es nicht mehr "in",
nicht nur in die Baumschule zu rennen, wenn man etwas pflanzen will,
sondern möglichst natürliche und zudem kostengünstige Möglichkeiten
zu suchen?
Ich bedanke mich im voraus für konstruktive Beiträge. ich bin wirklich daran interessiert.

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

Hallo kurt,
es macht meines Erachtens keinen Unterschied, ob du die vorgekeimten Eicheln nun auf dem Friedhof oder im Wald sammelst. Es geht wohl einfach darum, daß bei vorgekeimtem Material die Ausfallquote durch abgestorbene Eicheln geringer und der Anwachserfolg höher ist.

Ich hab noch ein paar passende Tips gefunden (war hier allerdings nicht für solch ein "Großprojekt" gedacht :wink: ):
Die Samen müssen hiberniert werden, das heißt sie brauchen eine gewissen Zeit lang Frost und die Sämlinge brauchen eine Mykorrhiza-Gemeinschaft, sonst überleben sie bei bester Pflege nicht.

Je eine Eichel in einen 10 cm-Topf stecken, mit 1 - 2 cm Erde bedecken und auch wie oben beschrieben draußen stehen lassen. Keimrate bei Quercus robur (Stieleiche) ca. 50% wegen eventuellen Befalls der Larve des Eichelbohrers (Rüsselkäfer).
Mykorrhiza-Gemeinschaft ist das Zusammenleben mit bestimmten Pilzen, die im Waldboden vorkommen und die mit den Waldbäumen in Symbiose leben. Inwieweit diese Gemeinschaft nun wirklich Bedingung für ein erfolgreiches Anwachsen ist, vermag ich nicht hundertprozentig zu sagen. Nur soweit, daß wir während meiner Baumschultätigkeit Traubeneichensamen in bestimmten Waldabschnitten gesammelt und in der Baumschule auf Saatbeeten zur Anzucht ausgesät haben.

Viele Grüße

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Harztroll
Habt ihr die Anzuchterde mit Mykorrhiza geimpft?
Auf meinen 3 Naturwiesen wachsen bereits junge Eichen. Hat sich dort be-
reits genügend Mykorrhiza gebildet oder muss ich welches verstreuen?
Wieso sind auf den Wiesen überhaupt einzelne Eichen gewachsen? Haben die Vögel und Eichhörnchen, die die Früchte verbreitet haben, auch die Mykorrhiza mitgebracht?
Ich frage so hartnäckig, weil ich den Zusammenhang verstehen will.
Danke für jede Information.

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

Hallo,

nein, die Saatbeete waren meines wissens nicht geimpft. Dann hätten wir Substrat aus dem entsprechenden Herkunftswaldstück mitnehmen müssen. Deshalb auch meine Zweifel, ob diese Mykorrhiza-Gemeinschaft hier wirklich sooo wichtig ist.

Die Verbreitung findet wohl hauptsächlich durch Vögel statt. Allerdings wird es denen kaum möglich sein, die Mykorrhiza zu verbreiten, da sie dann den Waldboden mit sich führen müßten. Wenn wie du sagst, auf den Wiesen schon Eicheln keimen und aufwachsen, seh ich eigentlich überhaupt keine Probleme. Extra Material zu verstreuen wird nicht nötig sein. Der Pilz wird sich, wenn er passende Bedingungen vorfindet, von selbst ansiedeln. Bei den Eichen (Stiel- und Trauben-Eiche) handelt es sich eh um Bäume, die laut potentiell natürlicher Vegetation in weiten Teilen Deutschlands bestandsbildend vorkommen würden. In trockeneren, warm-sonnigen Lagen die Trauben-Eiche, sonst die Stiel-Eiche. Ich weiß jetzt nicht, ob du den Begriff 'potentiell natürliche Vegetaton' (pnV) kennst, das ist die Vegetation, die ohne den Eingriff des Menschen, d.h. ausschließlich durch die natürlichen Gegebenheiten bedingt aufkommen würde.

Ein Beispiel für Pflanzen, die ohne den Pilz nicht überleben können, wären die heimischen Wildorchideen. Deshalb wäre es ziemlich sinnlos, wenn man sie trotz Verbot ausgraben und in den eigenen Garten pflanzen würde. Wie gesagt, dies als Beispiel.

Also ich sehe wie gesagt keine Probleme für dein Vorhaben.

Viele Grüße

Cryptomeria
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Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Kurt

Ich kann dir zwar nicht helfen, habe aber bei deinen Fotos und deiner Anfrage spontan an die sehr hübsche, kleine Geschichte von Jean Giono gedacht: "L`homme qui plantait des arbres". Im Deutschen :"Der Mann, der die Bäume pflanzte".Handelt von einem Schäfer, der in der Provence Hunderttausende Eicheln sammelt, aussortiert in gut und schlecht und mit einer Eisenstange Löcher in die Erde bohrt und Eichel für Eichel hineinlegt und so Eichen wachsen lässt........

Wenn du sie nicht kennst:ISBN 3-927915-05-X

Viel Spaß beim Lesen

Cryptomeria

Cryptomeria
Beiträge: 9538
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

doch noch eine kleine Ergänzung:

Ich habe im letzten Frühjahr (März/April/Mai??) Eicheln im Wald gesammelt, bei denen die Keimwurzel schon 1-4 cm groß war und an Kinder verteilt. Eingepflanzt in Joghurt-Becher(versch.Erde) wuchsen die Eichensämlinge prima (also nichts mit Mykorrhiza).Wenn du deine Eicheln direkt auf der Wiese auswirft, hätte ich Bedenken, dass ein Großteil erstickt oder vertrocknet bei deiner Grasnarbe. Vielleicht versuchst du es nach dem System Benjes-Hecke oder steckst doch erst alles in ein Saatbeet und pflanzt später aus.Ich würde mehrere Möglichkeiten probieren.

Bei mir sind die Rehe übrigens ungeheuer penetrant, ein Hund müsste wahrscheinlich Tag und Nacht draußen sein, das ganze Jahr.


Viel Glück

Cryptomeria

kurt
Beiträge: 3254
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Beitrag von kurt »

Hallo Cryptomeria
Genau diese Befürchtung habe ich auch. Bei Wiese 2 habe ich keine
grossen Bedenken, aber bei 1 und 3. Ich kenne hier einen Landschafts-
gärtner, der einen rieigen Traktor hat, an den er einen "Broyeur" montie-
ren kann. Das ist eine über Zapfwelle angetriebene Walze mit Zähnen, die den Boden einige Zentimeter tief aufreisst und den Bewuchs praktisch zu
Mulch verarbeitet. Das hat natürlich auch Nachteile:
- Kleine Bäumchen fallen der Aktion natürlich zum Opfer.
- Es bildet sich eine ganz andere Gras- und Staudenvegetation, was wohl
nicht so schlimm ist, weil sie sich bei zunehmender Beschattung durch die
heranwachsenden Bäume ja sowieso ändert.
Was hältst du vom Broyeur?

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Kurt

Mit dem Broyeur finde ich gut, wenn der Boden nicht zu verfestigt oder zu steinig ist, denn sonst kommst du nicht tief genug.Auf jeden Fall bleibt deine Wiese weitgehend erhalten.
Wenn du umpflügst bzw.fräst und dann wieder eggst, hast du alles lockerer, das habe ich vor Jahren gemacht, hatte aber dann im nächsten Jahr Tausende Disteln. Das war Mist. Da beschwerten sich die Bauern.
Die Veränderung der Vegetation spielt keine Rolle, da die Eichen später - wie du schon sagst -viel Schatten werfen und die Zusammensetzung der Gräser und Stauden sich sowieso ändert.Mit den kleinen Bäumchen muss das nicht so schlimm sein, sie sind oft sehr biegsam und elastisch und richten sich wieder auf oder du richtest sie wieder etwas gerade und trittst die Wurzel wieder fest. Lass dir vom Landschaftgärtner Schnittgut fahren, so einen halben Meter hoch aufschütten, nach kurzer Zeit ist das Gras darunter durch die Dunkelheit vergangen und dann werfe auch dort deine Sämereien hinein bzw. vieles besorgen da auch die Vögel (Prinzip Benjes-Hecke). Viele Samen gehen dort auf (Holunder,Wildrose...)Ich weiß allerdings nicht, ob die Eicheln in dieser "Dämmerung" keimen.Wenn du genug Leute kennst, bekommst du einiges, die meisten sind froh, wenn sie ihren Abfall los sind. Und wenn du nur mit einem Streifen beginnst und im nächsten Jahr weitermachst.Du kannst ja mehrere Möglichkeiten gleichzeitig ausprobieren.
Übrigens wenn du im Herbst sammelst, die Eicheln sollen überhaupt keinen Feuchtigkeitsentzug vertragen, vor allem weil ölhaltige Inhaltsstoffe fehlen.also gleich wieder in die feuchte Erde bringen,( es gibt versch. komplizierte Verfahren sie zu lagern).Deswegen wird die Herbstaussaat heute allgemein vorgezogen (s. Gehölzvermehrung von A.Bärtels).

Ich drücke dir die Daumen

Cryptomeria

kurt
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Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Ich werde, falls mich nicht noch jemand umstimmt, Wiese 2 und 3 mit Eicheln "beregnen" und wohl etwa 2 Jahre zusehen, was passiert. Wiese 1 werde ich der Natur überlassen. Bei der Vermehrung von Bäumen muss man ja sowieso in Generationen denken, nicht in Jahren.
Ich danke allen recht herzlich. Auf obige Idee bin ich erst durch den Kontekt mit euch gekommen.

Andreas75
Beiträge: 3995
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Beitrag von Andreas75 »

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Zuletzt geändert von Andreas75 am 22 Apr 2017, 23:45, insgesamt 1-mal geändert.

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Kiefer,
Wegen der Artenvielfalt auf den Wiesen an Bäumen kann ich dich beruhigen. Es gibt dort schon natürlich versamte oder von mir verpflanzte Wildlinge und junge Bäume: Eichen, Buchen, Eschen, Schwarzerlen, Walnussbäume, Edelkastanien, Vogelkirschen, etc. Die eingestellten Bilder zeigen nicht alles. Die umliegenden Wälder habe ich mir schon früher angeschaut. Sie sind ähnlich zusammengesetzt.
Mein Land ist ein bischen grösser als auf den Bildern dargestellt. Es stehen darauf (laut einer Zählung vom vergangenen Herbst) vom kleinen Wildling bis zur 2,90 m im Umfang messenden Eiche :
918 Eichen
282 Zitterpappeln
166 Schwarzerlen
78 Birken
51 Eschen
23 Walnussbäume
16 Edelkastanien
etc. Total ca. 1600 Bäume.
Warum ich soviel von Eichen rede, hat 2 hauptsächliche Gründe:
- Ich finde, Umweltschutz und Oekologie schliessen wirtschaftliche Nutzung nicht aus: Kleinere Bäume, die beim Auslichten anfallen als Brennholz, weil ich nur mit Holz heize, ab und zu einen grossen Baum für das Sägewerk, um den kleineren mehr Licht zu verschaffen (und mir einige Euros). Dafür eignen sich natürlich Eichen. Es ist sowieso nicht für mich, sondern für folgende Generationen.
- Ich liebe Eichen, das ist wohl der Hauptgrund
Jetzt muss ich aber aufhören zu plappern, das Forum ist ja nicht nur für mich da.

kurt
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Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
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Beitrag von kurt »

Hallo zusammen,
Betrifft Mykorrhizia
Nach intensiven Nachforschungen in durchaus zuverlässigen Quellen wie z.B. die Uni Hamburg bin ich zu einigen Erkenntnissen gekommen, die ich hier vereinfacht wiedergebe und von denen ich denke, dass sie von allgemeinem Interesse sind.
- Mykorrhizapilze verbessern die Wasser- und Nährstoffaufnahme um ein Vielfaches.
- Ein zusammenhängendes Mycel verbindet vielfach die Wurzelsysteme benachbarter Bäume der gleichen oder verschiedener Arten.
- Mykorrhizapilze wurden noch im Abstand von 300 m von dem Altbaum nachgewiesen.
- Wind und andere Vektoren (Wildschweine, Rehe, Bodentiere) verbreiten die Sporen.
- Wie wichtig die Anwesenheit der "richtigen" Mykorrhizapilze für ein Baumwachstum ist, ergibt sich u.a. aus der Erfahrung, dass Grasland (Prairie), das weitgehend frei von diesen Arten ist, nur schwer aufzuforsten ist.
- Die Ektomykorrhizia ist für eine Samenkeimung und in den frühen Entwicklungsstadien der Baumkeimlinge entbehrlich.
- Wildlinge oder Pflanzen aus "fliegenden Saatbeeten" sind bereits "natürlich" vormykorrhiziert.
- Die Sporen können sogar an einer Eichel an den neuen Keimort mitgeschleppt werden.
Hoffentlich ist das für einige von euch interessant,
Grüsse
Kurt
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