Fichtenblüte

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captainplanet
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Fichtenblüte

Beitrag von captainplanet »

Es ist wieder mal soweit. Der "Wald" blüht. Gut, im Großen und Ganzen blüht er jedes Jahr, aber dieses Jahr blühen auch die Fichten (meist in unseligen Monokulturen gepflanzt die ich mich eigentlich weigere als Wald zu bezeichnen).

Und während die Allergiker rotieren frage ich mich woher denn die Fichten wissen daß sie alle sieben (oder waren es neun?) Jahre zu blühen haben und vor allem warum sie es alle gleichzeitig tun können. Das setzt doch eigentlich irgendeine Art von Kommunikation voraus. Wie funktioniert das?

Mit verwirrten Grüßen
Georg

jantrautner
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Beitrag von jantrautner »

Das habe ich mich auch kürzlich gefragt - wann entscheidet in unseren Breiten ein Baum, ob oder wieviele Blüten und Knospen er bekommt? Im Herbst vermutlich, oder? Dann müsste dieser Baum ein gutes Näschen für das Wetter des nächsten Jahres haben, damit diese "Pläne" gelingen können. Weshalb die Fichten jetzt so besonders irrsinnig blühen wäre mit dem Wetter jedenfalls gut zu erklären - der Herbst war okay, der Winter normal im altertümlichen Sinne :wink: , und der Frühling bisher spitzenmässig: warm, feucht, ideal durchmischt wie bestellt. Und soweit ich mich entsinne, haben die Fichten 2003 keine Spur von geblüht :roll: - und wann war gleich wieder dieser Horror-April ohne einen Tropfen Regen? PS: Schätze das war 2007: Über sieben Wochen kein Tropfen Regen in Bayern :shock:

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Georg, Jan,
daß Fichten alle 7 oder 9 Jahre besonders intensiv und dann koordiniert blühen, halte ich für ein Gerücht / Bauernregel. Das ist möglicherweise statistisch richtig, aber nicht von den Bäumen abgesprochen.
Die einzigen Pflanzen, die den Blühtermin "absprechen" - von denen ich weiß, ich weiß aber nicht wie sie es machen - sind Bambus!
Aber es gibt eindeutig sogenannte Mastjahre - Eichelmast, Buchenmast - wo besonders viele Früchte gebildet werden.

Wenn eine mehrjährige Pflanze blüht, dann ist die erste Frage: wann hat sie die Blüten angelegt?
Bei sehr vielen Bäumen, bei allen die im Frühjahr am alten Holz blühen, auch Fichten, ist es der vorige Sommer (oder Herbst). Der Ernährungszustand und vor allem die Sommerwitterung des Vorjahres sind die wesentliche Ursache dafür, daß viele Blüten angelegt werden. (Ernährungszustand zeigt sich am Beispiel des Apfelbaumes: wenn er viele Früchte trägt, legt er wenig Blüten an und umgekehrt; das führt zur sogenannten Alternanz: alle zwei Jahre eine gute Ernte.)
Wenn der letzte Sommer für die Fichten gut war, dann haben sie sehr viele Blütenknospen angelegt!

Die zweite Frage ist: wie sind Winter- und Frühjahrswitterung?
Sind Blütenknospen über Winter erfroren oder verfault?
Sind Blüten in Spätfrost gekommen?
Meine Beobachtung in diesem Jahr ist - an vielen Pflanzen:
(Das entspricht dem, was auch Jan schon geschrieben hat) der Winter war relativ lang und kalt. Damit wurde der Austrieb verzögert. Als es dann vor 4 Wochen wärmer wurde, wurde es schlagartig warm, es hat kaum geregnet, es gab keine Spätfröste. Das heißt alle Pflanzen haben sich gleichzeitig, schnell und gut entwickelt, nirgendwo hat es Verzögerungen durch Kälte- und Nässeperioden gegeben, keine Blüte ist durch Frost oder Nässe zerstört worden.

Wenn nicht noch irgendein Witterungsereignis die Fruchtreife stört, muß es nach dieser Blüte auch wieder ein Mastjahr geben!
Das ist alles.

Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
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jantrautner
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Beitrag von jantrautner »

THX für die Antworten!
zeigt sich am Beispiel des Apfelbaumes: wenn er viele Früchte trägt, legt er wenig Blüten an und umgekehrt; das führt zur sogenannten Alternanz: alle zwei Jahre eine gute Ernte
Das erklärt einiges... Schade, dann muss ich nächstes Jahr Äpfel kaufen :wink:

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Die Fichtenblüte ist dieses Jahr tatsächlich besonders stark ausgeprägt. Auch bei bestimmten Tannen ist eine stärkere Aktivität zu bemerken. Vieles hängt am Klima, aber auch an den Arten. Bestimmte Arten blühen und fruchten relativ kontinuierlich (z.B. Koreatanne), andere haben ausgeprägte Mastjahre (Edeltanne).
Außerdem haben wir durch das Klima dieses Jahr den Effekt, dass die Blüte verschiedener Arten aufeinander fallen, die sonst abweichende Blühtermine aufweisen. Dadurch wirkt die Blüte intensiver.

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stefan
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Beitrag von stefan »

Hallo Baumfreunde,
.... mir ist zum Beispiel noch nie aufgefallen, wieviele Ulmen, vermutlich Feldulmen, hier am Niederrhein in der Landschaft (auch entlang der Autobahn) stehen: sie sind übervoll mit reifenden Früchten, die den ganzen Baum hellgrün oder hellbraun aus der Umgebung hervortreten lassen.
Gruß, Stefan
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Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Mein Auto sieht auch immer wegen der Pollen aus, als hätte es an einer Wüstensafari teilgenommen.

coulterpine
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Fichtenblüte

Beitrag von coulterpine »

In tieferen und mittleren Lagen blühen die Fichten alle drei bis vier Jahre sehr reichlich. In Hochlagen dagegen meist alle sieben Jahre.
Ein besonders schönes Schauspiel ist es dann, wenn der Wind durch die Baumkronen sreicht und gelbe Wolken aufsteigen.
Alles ist dann mit einem dünnen gelben Film überzogen. Vor einigen Jahren war die Blüte so stark, das z.B. das Wasser des Sorpesees im Sauerland an vielen Stellen mit einer gelben Schicht überzogen war.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

So intensiv wird das wohl im Sauerland leider nicht mehr werden.
Aber es ist schon erstaunlich, was auch ein einzelner Zweig schon für eine Staubwolke erzeugen kann.
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