Sicherung von Baumkronen

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baumlaeufer
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Sicherung von Baumkronen

Beitrag von baumlaeufer »

Hallo Baumfreunde,

auf Foto 2 haben sich 3 finstere Gesellen versammelt, um ein Unikum von Baum mit einer bizarren Kronen/stammsicherung zu fotografieren.8)
Scherz beiseite, diese Buche im Kreis Gütersloh bei Greffen hat vor ca 5 Jahren wohl einen Teil ihrer Krone verloren. Da es ein ND ist- 6 Meter Stammumfang :!: - hat man neben der Kronensicherung mit Abspannseilen noch Grasmatten in 2006 angebracht und dem Baum einen Verband gegen Sonnenbrand verpasst.
Inzwischen kommt die ganze "Technik " in Bewegung, wie man auf dem Vergleich der Fotos sieht.
Aber Sinn und Zweck soll hier sein, vielleicht mal die unterschiedlichen Maßnahmen von Kronensicherung mittels Abspannseilen etc zu beschreiben.
ich bin nicht der Fachmann dafür, aber es gibt hier sicher welche....
Baumlaeufer-Wolfgang
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Digitalis
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Beitrag von Digitalis »

Also sowas hab ich noch nie gesehen=>und wenn ich mir auf Bild 1 den Stumpen anschaue,wo da geschnitten wurde,bin ich davon überzeugt,das es keine Fachfirma geswesen sein kann,die den Baum so verpackt hat.

Und das mit den Grasmatten=naja

Gegen die Einwicklung von Jutebandagen ist nix einzuwenden,aber der Rest=naja.

Die Verspannungen sieht man leider nicht auf deinem Bild=hast du da noch ein Besseres??
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LJB
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Beitrag von LJB »

Hallo Wolfgang,

leider ist das Kronensicherungssystem auf die Bilder nicht zu erkennen. Da ein Modernes System lediglich die Spitzenbelastungen bei Wind, Regen oder Schneebelastung abfangen sollte ist es grundsetzlich nicht richtig von Abspannseile ader abspannen zu reden. Die Kronenteile sollen, nachdem der Sicherung eingebaut wurde, immer noch bewegen können.

Für Kronensicherungssysteme gelten Normen die in der ZTV-Baumpflege beschrieben sind (Ö-Normen in Österreich). So sollten sie zb. mindestens 7 Jahre nach dem Einbau immer noch die angeschriebene Bruchlast garantieren. Momentan sind Systeme auf der Markt mit Bruchlasten von 2 Tonnen bis 20 Tonnen, die meiste Hersteller garantieren die Bruchlast für 15 Jahre. Die verschiedene Systeme haben alle bestimmte Vorteile. Unterschiede in der Qualität von die bekannte marken sind mir unbekannt, Budget und einfache Montage sind für mich entscheidend welches System verwendet wird.

Um instabile Kronenteile zu stabilisieren sind dynamische Systeme zu verwenden. Um Abbruch gefährdete Kronenteile gegen Absturz zu sichern sind statische Systeme zu verwenden. Auf keinem Fall sollten Sicherungen aus Metall eingebaut werden. Weiter sind die Höhe wo das System eingebaut wird und die Winkel indem die Seile eingebaut werden sehr wichtig um das gewünschte Resultat zu erreichen. Werden die Seile falsch eingebaut können bei Spitzenbelastungen (durch Hebelwirkung oder Torsion) Kräfte entstehen wodurch Bruchschaden verursacht werden.

Der Schutz gegen Sonnenbrand mit Schilfmatten und Jute funktioniert ganz gut. Die Materialien werden mit der Zeit zerfallen und so kann sich der Buche langsam an die neue Lichtverhältnisse gewöhnen. Auf die Bilder sieht es aber so aus das die Schutz nicht ganz optimal angebracht ist.
Grüße Leo

Roseo-Marginata
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Beitrag von Roseo-Marginata »

Wieso braucht eine Buche, die seit Jahrhunderten hier heimisch ist, Schutz gegen Sonnenbrand?
LG Roseo

LJB
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Beitrag von LJB »

Weil Teile der Krone ausgebrochen sind, dadurch wird der Sonneneinstrahlung auf der Rinde schlagartig um ein vielfaches vergrößert. Notwendig ist gar nichts, es sind alles Natürliche Schäden und nur weil wir meinen der Baum mit alle Gewalt so lange wie möglich behalten zu müssen werden solche Maßnahmen durchgeführt. Da es nur mehr wenige Solitäre Bäume von dem Kaliber gibt spricht nichts dagegen, obwohl ein Naturdenkmal eigentlich der Natur überlassen werden sollte.
Grüße Leo

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

LJB hat geschrieben: ....
Um instabile Kronenteile zu stabilisieren sind dynamische Systeme zu verwenden. Um Abbruch gefährdete Kronenteile gegen Absturz zu sichern sind statische Systeme zu verwenden. Auf keinem Fall sollten Sicherungen aus Metall eingebaut werden....
Hallo Leo, dann verstehe ich dich recht, gibt es doch zwei Systeme zum Schutz gegen Ausbrechen. Die statischen verhindern tatsächlich, daß beim Absturz von Kronenteilen diese nicht in den Verkehrsraum fallen. Das konnte ich bislang nicht so recht verstehen. Die dynamische als solche kenne ich, allerdings nur nicht von Namen her.

Welche Formen die Seile in der Buche sind , überlasse ich den Fachleuten.Es sind auf dem nachgereichten Bild einige zu sehen. Aber man kann die Krone und die Sicherungsmaßnahmen wahrscheinlich nur im Ganzen beurteilen. Da hilft mein Foto nicht ganz, ich mache solche Fotos ...leider .. zu häufig aus dem ästhetischen Gefühl, nicht wegen der Technik. :cry:
Grueße vom Baumlaeufer-Wolfgang
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kurt
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Beitrag von kurt »

Was ist mit einer Patientenverfügung für Bäume? Ich finde es unwürdig, einen Baum so zusammenzubinden, nur damit einer sagen kann, mein Baum ist 300 Jahre alt. Erlaubt ihm ein würdiges Ende.

Gruss
Kurt

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Hy Kurt
kurt hat geschrieben: Was ist mit einer Patientenverfügung für Bäume?

:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:
kurt hat geschrieben: Ich finde es unwürdig, einen Baum so zusammenzubinden, nur damit einer sagen kann, mein Baum ist 300 Jahre alt. Erlaubt ihm ein würdiges Ende.


Das komische an dem Baum ist, das das mit den Verbänden keiner gewesen sein will. Die Naturdenkmalbehörde war's jedenfalls nicht. Und der Eigentümer hält sich bedeckt....

ich finde es okay, wenn für solche einzigartige Naturschöpfungen finanzielle und materielle Aufwendungen gemacht werden, um sie begrenzt der Nachwelt zu erhalten.

Wolfgang
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babayaga
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Beitrag von babayaga »

Hallo zusammen,

gehe hier in einer Linie mit Kurt in Sachen 'Patientenverfügung'.

Das Verbinden der Äste ist mir schleierhaft, ebenso wie die - im wahrsten Sinne des Wortes - einschneidende 'Hilfe' durch Stahlseile.

'Sterbehilfe' im Sinne von Husqvarna & Co fände ich vorerst nicht optimal.

So wie es scheint, steht der Baum recht exponiert, mit wenigen Mitteln liesse
sich eine Art Absperrung drumrum anbringen und man könnte der Natur ihren freien Lauf lassen & beobachten/studieren/lernen, was ihm nach den Gesetzen der Natur noch alles zusetzen wird und wie er kämpft.

In Würde altern lassen wäre auch meine Intuition als 'am Tropf',
ich will garnicht wissen, wieviele Tiere/Insekten etc an und von diesem 6m Stamm leben.


Grüße Nancy
--
ps: [Ironie] Verband & Seile ab und mit Lava übergiessen, schwupps isser konserviert - mumifiziert, oder äh ... versteinert :wink: [/Ironie]
'Warum ich?' fragte der Frosch.
'Reine Geschmackssache.' sagte der Storch.

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

babayaga hat geschrieben:Hallo zusammen,

gehe hier in einer Linie mit Kurt in Sachen 'Patientenverfügung'.

Das Verbinden der Äste ist mir schleierhaft, ebenso wie die - im wahrsten Sinne des Wortes - einschneidende 'Hilfe' durch Stahlseile.


In Würde altern lassen wäre auch meine Intuition als 'am Tropf',
ich will garnicht wissen, wieviele Tiere/Insekten etc an und von diesem 6m Stamm leben.
Nancy, ich gehe mal davon aus, das nahezu bei jedem dritten Naturdenkmal mittels Seilabspannung etwas zur Kronensicherung unternommen wird... zumindest innerhalb der Bebauung.

Fachmännisch angebracht ist sie nicht einschneidend und hier m.E sinnvoll.
Hier in dieser Buche sieht man neben neuen Verspannungen auch noch die alten Formen mit Metalankern im Holz. Die Technik ist inzwischen überholt.

Dieser Baum steht tatsächlich mitten in den Feldern. Gleichwohl finde ich es gut, daß man nach der massiven Kronenschädigung hier zum Erhalt etwas beigetragen hat mit Seilen. Denn die teil-offene Krone ist ein guter
Windangriffspunkt. Die Verbände finde ich allerdings etwas bizarr, aber wie wir oben erfahren haben, durchaus effektiv.

Wir tun schon - ob bewußt oder nicht - genug gegen die Natur. Hier wird keiner mißhandelt. Einzig der Verbrauch von Steuergeldern wäre ne Diskussion wert,
bedenkt
Wolfgang
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Sebastianii
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Beitrag von Sebastianii »

Ich mag nen großen Baum mit n paar Seilen drin lieber als nen kleinen Nachfolger. (Und Absperrungen kann ich garnicht leiden.)

LJB
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Beitrag von LJB »

Hallo Leute,

ich finde es super das über dieses Thema diskutiert wird.

Die Maßnahmen schaden nicht, bleibt der Frage ob ein Naturdenkmal an ein so wenig frequentierte Platz nicht einfach zerfallen sollte? Und ob das würdig ist? Auf jedem Fall hat der Naturschutzbehörde entschieden das der Baum so wichtig und wertvoll ist das Investiert wird um sein Erscheinungsbild zu erhalten. So ein Baum wird nicht nur nach Naturwert beurteilt sondern auch nach Kulturelle Wert. Die Maßnahmen haben auf jedem Fall kein Einfluss auf die Naturwert. Auch kann mann davon ausgehen das wenn jetzt schon investiert wird in diese Baum, er sicher bis zum bitteren Ende da sein wird. In Deutschland werden sogar schon mal die ausgebrochenen Kronenteile unter dem Baum liegen gelassen.

Persönlich wurde ich diese Maßnahmen in der Stadt auch empfehlen, am Land wurde ich jedoch lieber sehen das der Natur öfters sein eigenen Lauf gehen kann. Aber sei froh, der Baum ist beschütz, solche Bäume ohne Naturschutz werden von Bauern oft ohne schlechtes gewissen gefällt weil sie im weg stehen.
Grüße Leo

LJB
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Beitrag von LJB »

@ wolfgang,

es gibt 2 Verwendungsmöglichkeiten für Kronensicherungssysteme (stabilisieren und abfangen bei Bruch). Äußerlich unterscheiden sich diese Systeme jedoch nicht wirklich. Seile für dynamische Sicherung haben bis 20% Dehnung für statische Sicherung sind es 5%. Dynamische Systeme werden eher waagrecht eingebaut, statische Systeme mehr oder weniger nach unten geneigt.
Grüße Leo

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

LJB hat geschrieben: Aber sei froh, der Baum ist beschütz, solche Bäume ohne Naturschutz werden von Bauern oft ohne schlechtes gewissen gefällt weil sie im weg stehen.
Wie war, wie war... Oftmals ist es den Bauern (nennen sich selbst "Pfleger unsrer heimischen Landschaft") scheißegal, ob irgend etwas geschützt ist oder nicht. Feldhecken z.B. (stehen bei überwiegendem Vorkommen heimischer Gehölze als geschützter Biotop unter Pauschalschutz der Naturschutzgesetze) seitlich weggestutzt, die Wurzeln bis an den Stamm heran weggepflügt, alte Obstbaumreihen totgespritzt... Wenn man da etwas für die wenigen verbliebenen alten markanten Wahrzeichen tut, find ich das begrüßenswert.

Bild Bild

Die Rot-Buche ist bei plötzlichem Lichteinfall sehr empfindlich gegen Sonnenbrand. Die Gefahr besteht bei Holzungen in einem Buchenwald, wenn dort noch ein paar Exemplare stehen bleiben sollen, oder eben, wenn Teile einer Buchenkrone entfernt werden und nun der vormals beschattete Stamm plötzlich der prallen Sonne ausgesetzt ist. Aus diesem Grund ist in der ersten Zeit solch ein Sonnenschutz nötig. Dieser beeinträchtigt bei richtiger Handhabung den Baum nicht weiter und zerfällt wie schon gesagt wurde nach einiger Zeit von allein.

Viele Grüße
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -

LJB
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Beitrag von LJB »

Zum Thema Bauern muss ich noch dazu sagen das es auch sehr viele Bauern gibt die sich schon um diese Landschaftselemente kümmern und sehr stolz darauf sind ein Baum zu haben wozu er Gesichten erzahlen kann. Auch passiert es immer wieder das mich Bauern anrufen weil sie zb. ca. 250 jahr alte Birnen stehen haben und diese Natur/Kulturerben auch für die nächste Generation erhalten möchten. Es gab leider auch mal ein beispiel wo anscheinend ein ca. 500 jährige Linde mit ein Seilwinde gerodet wurde, mitten im Feld.

Zum Gluck gibt es Naturdenkmäler und auch wenn die durchgeführten Maßnahmen nicht immer die best möglichen sind, es zeigt das ein guter Wille dahinter steckt.

Aber eigentlich geht es hier um Kronensicherungen oder?
Grüße Leo

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