Neophyten-Register

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Myricaria
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Neophyten-Register

Beitrag von Myricaria »

Abgesehen von den "Alt-Bekannten" treten in Mitteleuropa immer wieder Verwilderungen von bisher nicht eingebürgerten Pflanzen auf. In unserer Gegend (Mühlviertel/Oberösterreich) fallen mir zur Zeit besonders Viburnum rhytidophyllum, Prunus laurocerasus, und die beiden Cotoneaster-Arten horizontalis und divaricatus auf.
Diese sind zwar alle schon wildwachsend bekannt, allerdings ist beispielsweise der Kirschlorbeer noch nicht überall als Neophyt bekannt. Hier im Donauraum haben wir allerdings WHZ 7a, die ihm genau entspricht.

Vielleicht könntet ihr eure Beobachtungen von "neuen" wildwachsenden Pflanzen, vorrangig Gehölze, hier reinzustellen. Nach ungefähr einem Jahr könnten dann die Ergebnisse zusammengetragen und an dafür zuständige Naturschutzbehörden gesendet werden, sodass diese völlig neue Arten in ihre Studien und Forschungen miteinbeziehen können.

Es ist nur mal ein Vorschlag, könnte aber in Zukunft hilfreich sein, beispielsweise, wenn jemand eine Art beobachtet, die extrem wuchert, dies aber anderen nicht bekannt ist, die die Pflanze ev. gepflanzt hätten. So kann man vielleicht eine weitere Ausbreitung einer potenziell invasiven Art verhindern oder zumindest lindern.

Ich hoffe, der Thread stört hier im Forum nicht, aber mich interessiert's ganz einfach sehr, auch unter dem Aspekt, welche Pflanzen sich bereichernd in ein Ökosystem eingliedern können, oder welche keine langfristigen Wildpopulationen sondern nur "Gelegenheits"-Verwilderungen bilden können.

Mit vielen Grüßen,
Johannes

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Eintrag:
Cotoneaster horizontalis
Cotoneaster divaricatus
Prunus laurocerasus; noch nicht in freier Natur, aber sich in einem größeren Garten ausbreitend, unter Nadelbäumen, d.h. sehr waldähnliche Zustände. Somit ist stark mit einer Verbreitung durch Vögel in der Natur zu rechnen.
Viburnum rhytidophyllum; im Siedlungsbereich auftretend.

Standort: Feldkirchen an der Donau/Oberösterreich.

So könnte mal schematisch ein Eintrag aussehen, kann oder sollte aber vielleicht sogar lockerer gehandhabt werden...?

LG. :wink:
Johannes

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

oh je, Johannes
damit hast du ne Sisyphos-Aufgabe angefangen:
ich war vor 3 Jahren an der Weser um Bad Karlshafen unterwegs im Sommer. Alle Tourenmitglieder freuten sich über die massenhaft blütenreichen roten Pflanzen am Weserufer, allesamt Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera). Ich weiß ungefähr, wie es um die Verbreitungsstrategie der Pflanze aussieht.... :roll:
Meinst du so etwas....
Baumlaeufer-Wolfgang
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Hallo Wolfgang,
Nein, ich meine eher die bisher Unbekannten, und da gehört das Indische Springkraut nicht dazu... :wink:

Wenn es sonst niemanden interessiert, dann bitte ich eh einen mod., den Thread zu löschen.

LG.
Johannes

Taxus
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Beitrag von Taxus »

Nicht löschen bitte, ist doch interessant, wobei ich nicht so fürs Ausrotten bin. Mehr für das Beobachten, denn das ist Evolution, was wir da bemerken. Uli

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Hallo Uli,
Vom Ausrotten war ja nicht die Rede, abgesehen davon, dass dies bei Pflanzen wie dem Jap. Staudenknöterich so gut wie unmöglich ist.

Evolution ist es aber meiner Meinung nach nicht, wenn vom Menschen verschleppte Pflanzen seltene, heimische Arten verdrängen. Klar, auf lange Sicht werden sich immer neue Arten bilden, aber als natürlich kann man die Ausbreitung von Pflanzen über tausende von Kilometern eher nicht bezeichnen. Keine andere Art erreicht eine solch starke "Verschiebung" von Spezies wie der Mensch.

Das Einwandern südeuropäischer Pflanzen durch die Erderwärmung würde ich wiederum als Evolution bezeichnen.

LG.
Johannes

Karola
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Beitrag von Karola »

Taxus hat geschrieben:... denn das ist Evolution, was wir da bemerken.
Nein, das ist eine (durch menschlichen Eingriff verursachte) Verbreitung von Pflanzen (und auch Tieren) quer über die Kontinente, die teilweise außer Kontroller gerät bzw. geraten ist und in einigen Fällen zu einer Verarmung der jeweiligen einheimischen Flora (und Fauna) führt. Da entsteht nicht was Neues, sondern etwas schon lange Existierendes - nur eben nicht an dem betreffenden Standort - breitet sich aus.

Grüße
Karola

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo zusammen

Ich bin an einem Neophyten-Register interessiert, weil ich dann mein Land daraufhin beobachten und notfalls eingreifen kann.
Was Taxus anspricht, ist sicher nicht die klassische Evolution nach Darwin, aber eine moderne Variante, verursacht durch die Globalisierung. Evolution heisst ja ganz einfach Entwicklung. Der Konkurrenzkampf der Neofphyten mit den Einheimischen läuft ja auch auf eine Entwicklung hinaus, die , nebenbei bemerkt, einfach nicht aufzuhalten ist. Man kann nur auf den Selbstregulierungsprozess vertrauen.

Gruss
Kurt

Sebastianii
Beiträge: 462
Registriert: 30 Mai 2008, 22:28

Beitrag von Sebastianii »

Haben sich Pflanzen nicht schon sehr viel länge mit Hilfe von Tieren verbreitet, als es Menschen überhaupt gibt?
baumlaeufer hat geschrieben:Alle Tourenmitglieder freuten sich über die massenhaft blütenreichen roten Pflanzen am Weserufer, allesamt Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera). Ich weiß ungefähr, wie es um die Verbreitungsstrategie der Pflanze aussieht.... :roll:
Ein schönes Beispiel für das Glück des Unwissens.

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Hallo Sebastianii,
Ja, aber bei weitem nicht in solchem Ausmaß.

LG.
Johannes

Taxus
Beiträge: 271
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Beitrag von Taxus »

Wahrscheinlich wird es in diesem Punkt nie einen Konsens geben. Für mich macht es jedoch keinen Unterscheid ob eine Gans Fischleich in ihrem Gefieder über tausende Kilometer mitschleppt, ein Pelztier Kletten im Haar, oder Ozeanschiffe Gäste im Ballastwasser haben. Auch der Mensch mit all seinen Unarten ist ein Produkt der Evolution und das bedeutet Veränderung. In 1000 oder mehr Jahren wird diese Welt völlg anders aussehen, besonders durch unser Einwirken. Schon 2050 soll sich die Menschheit verdoppelt haben, d.h. irgendwann sieht bestenfalls alles aus wie in Holland, mit der Nagelschere geschnitten, oder alles ist zubetoniert.
Und was sind 1000 Jahre für unsere Erdgeschichte? Nix!!!!
Ich verstehe zwar das Bestreben alles so zu halten wie es ist, aber es wird nicht so bleiben. Schon die letzten 100 Jahre brachten Veränderungen im Zeitraffer. Jetzt wollen wir Landschaften bewahren, die vor 1000 Jahren völlig anders aussahen, es wird uns höchstens partiell gelingen.
Mit etwas Wehmut grüße ich Euch, Uli

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Johannes,

ich "züchte" gerade eine der invasiven Pflanzen in einem kleinen Aquariumglas in meinem Büro. Damit ist gewährleistet, dass zumindest ich nicht zu weiterer Verbreitung beitrage. Mich hat es nur interessiert, weil aus Blumenerde von der Biodeponie (genaue Herkunft somit nicht zu ermitteln) ein Keimling hervor kam. Ich habe irgendwann im Mai 2008 dies hier auch gezeigt. Erst nachdem sich die Blätter immer weiter entwickelt hatten, konnte man die Pflanze als Duchesnea indica (jetzt in Potentilla indica umbenannt) identifizieren. Die indische Scheinerdbeere ist wohl essbar, aber schmeckt fast nach garnichts und fühlt sich im Mund ein wenig wie Watte an. Man befürchtet, dass diese irgendwie eingeschleppte Pflanze im Schwarzwald die viel schmackhafteren Walderdbeeren verdrängen könnte. Deshalb werden in der Landeshauptstadt Stuttgart Fundorte registriert. Ich selbst habe bislang nur einen einzigen Standort entdeckt: Im Kurpark Bad Bellingen, wo man das unter Kontrolle halten kann. Im Wald bisher noch nicht.

Ich denke aber, dass diese Pflanze zu den etwas unbekannteren Neophyten gehört, wie Du sie gemeint hast. Die Blüten sehen fast aus wie bei Fragaria, sind aber hellgelb, auch die Beeren sehen sehr ähnlich. Die dreigeteilten Blätter könnte man für Fragaria halten, aber die Zähnung ist etwas anders konturiert. Du kannst danach googeln oder den alten Thread mal anschauen.
viewtopic.php?t=3007&highlight=duchesnea

Ich hoffe, dass ich in diesem Frühjahr auch Blüten zu sehen bekomme.

Gruß Frank

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Hallo Frank,
Danke, dass die Scheinerdbeere schon regional eingebürgert ist, wusste ich nicht. Ich habe sie vor ein, zwei Jahren im BoGa Linz gesehen, die "Erdbeeren" gekostet und den Mund verzogen... :wink:

Was mich persönlich interessiert: Kennt vielleicht jemand verwilderten Bambus, bzw. hat davon gelesen?

LG
Johannes

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo Taxus

Ich glaube, ich weiss jetzt, warum wir eine unterschiedliche Sicht der Dinge haben. Du setzst Veränderung mit Evolution gleich. Ich nicht. Was du beschreibst, ist Aenderung (Obama "We will change") der Zusammensetzung von Flora und Fauna (z.B durch Neueinwanderung auf Grund der Globalisierung). Für mich ist Evolution (Entwicklung) auch eine Veränderung, aber auf genetischer Ebene, eine Genmutation. Dazu braucht es keine Einwanderung. Ich finde, das sind zwei grundverschiedene Dinge.

Gruss
Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Kurt,

die Natur ist immer im Fluss. Für mich ist das nicht trennbar. Tiere wandern ein und ab (Bienenfresser,Türkentaube,Blaurake....).Gleichzeitig gibt es mit jeder neuen Generation genetische Veränderungen und Anpassungen an die jeweilige Umwelt ( flugunfähige Vögel+Schmetterlinge auf Inseln,Trennung von Vogelarten während der Eiszeit...).Evolution beinhaltet beides. Es heißt die Evolution des Pferdes/ des Menschen. Hier sind genetische wie globale Veränderungen gemeint.

So jedenfalls mein Standpunkt. Natürlich hier in der Kürze schlecht darstellbar.Denkt man nicht in Menschengenerationen sondern in Eichengenerationen verändert sich der Standpunkt schon gewaltig.Geht man in erdgeschichtliche Dimensionen....

Viele Grüße

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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