Bodenbeschaffenheit

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kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Bodenbeschaffenheit

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen

Trotz langjährigem Googeln bin ich mir nicht sicher, wie man fachlich richtig und aussagekräftig den hier charakteristischen Boden bezeichnet.
Einige Fakten:

- Der vom Maulwurf hochgestossene Boden reagiert sauer, pH 5-6.
- unter einer ca. 20 cm tiefen Grasschicht beginnt die lehmig-klebrige gelbliche Schicht.
- Wasserdurchlässigkeit: Wenn man ein gösseres Loch gräbt, hat man einen Teich.
-Nach einer mehrwöchigen Trockenperiode im Sommer bekommt man ohne sukzessives Wässern keinen Pfahl in den Boden.
- Früher wurden aus diesem Bodenmaterial die "Pisé"-Hausmauern erstellt.
- Im Wald hat man nach einigem Regen eine gelbliche pampige Klebemasse an den Stiefeln.

Ist das Sand-Lehm-Ton, nährstoffreich-nährstoffarm, basisch-sauer, sauerstoffarm-sauerstoffreich, Staunässe etc.? Für welche Baumarten geeignet-ungeeignet?

Die obigen Informationen sind vielleicht etwas dürftig, ich kann ja noch welche nachreichen, falls gewünscht.

Gruss
Kurt

Grus

Sebastianii
Beiträge: 462
Registriert: 30 Mai 2008, 22:28

Beitrag von Sebastianii »

Wenn man nur Spaß dran hat gibts an Boden soo viel zu analysieren...

Gehe ich richtig in der Annahme, dass Dich nur die vegetations- und nicht bautechnischen Eigenschaften interessieren?

kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
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Beitrag von kurt »

Richtig. Mich interessieren nur die vegetationstechnischen Eigenschaften. Dass diese Erde zum Erstellen von Mauern geeignet ist, wurde von den früheren Bewohnern ja schon bewiesen.

Gruss
Kurt

Sebastianii
Beiträge: 462
Registriert: 30 Mai 2008, 22:28

Beitrag von Sebastianii »

Also würd ich mal zusammenfassen was Dich interessiert:

I) Säuregehalt
II) Nährstoffgehalt
III) Wasserdurchlässigkeit
IV) Humusgehalt
V) Korngrößenverteilung (Ton, Schluff, Lehm, Sand...)

Den PH-Wert hast Du ja schon ermittelt.

Wenn Du ähnlich genau über den Nährstoffgehlat bescheit wissen willst, musst Du Bodenproben in einem Labor untersuchen lassen. In Deutschland machen das - auch postalisch - u.a. die Landwirtschaftskammern. Eine andere, nicht ganz so genaue Möglichkeit sind Zeigerpflanzen. Das heißt, dass Du Dich umsiehst, welche Pflanzen sich im Laufe der Zeit von alleine dort breit gemacht haben. Dabei sind Pflanzen, die für verschiedene Bedingungen tolerant sind natürlich nicht so aussagekräftig. Listen mit zuverlässigeren Zeigerpflanzen gibt es viele. Sogar in einer betreffenden DIN sind einige aufgelistet. Allerdings gibt es in Frankreich sicher auch andere, weitere Zeigerpflanzen.
http://www.bio-gaertner.de/Articles/II. ... anzen.html

Auch über die Wasserdurchlässigkeit kann man anhand von Zeigerpflanzen etwas erfahren. Ackerschachtelhalm fällt mir da zB ein als Zeichen für Staunässe auf verdichtetem Boden. Aber das die Durchlässigkeit zumindest in tieferen Schichten sehr gering ist hast Du ja schon herausgefunden.

Der Gehalt an organischen Bestandteilen kann meines Wissens nach außerhalb des Labors nur anhand von Farbe, Geruch und Erfahrung eingeschätzt werden.

Zur ungefähren Ermittlung der Korngrößenverteilung im Feldversuch hab ich was in nem Buch, das ich Dir scannen möchte. Will nächste Woche mal meine Kollegen fragen, ob einer nen Scanner hat.



Achja dann gibts da außerdem noch sowas wie Bodenprofile, -horizonten und so, Stichwort zB "tiefgründig". Dazu habe ich in Büchern schon viele interessante Bilder gesehen... und weiter geblättert. Bin ja kein Land- oder Forstwirt.

kurt
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Beitrag von kurt »

Hier ein Beispiel, warum ich mich für die Definition der Bodenqualität interessiere. Was ist z.B. ein frischer, tiefgründiger Boden? Warum steht auf dem zuvor beschriebenen Boden eine riesige Fagus sylvatica, obwohl sie doch angeblich kalkliebend ist?

Gruss
Kurt
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rolf7
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Beitrag von rolf7 »

Hallo kurt

Also ein frischer Boden bezeichnet ein Boden mit einer ausgeglichenen Wasser und Luftkapazität. Die Wasser- und die Luftkapazität wir im einzelnen durch die Poren der Bodenpartikel bestimmt. Viele Grobporen erhöhen die Luftkapazität (=einfach gesagt, die Menge Luft, die ein Boden enthalten kann), reduzieren aber gleichzeitig die Wasserkapazität (=Menge Wasser die ein Boden enthalten kann).
Die Wasserkapazität eines Bodens wird hauptsächlich durch die Mittelporen beeinflusst.

Ein frischer Boden hat also ausreichend Mittelporen für die Wasserspeicherung und ebenso ausreichend Grobporen, damit der Gasaustausch gut funktioniert.

Die Gründigkeit eines Bodens beschreib die Dicke, Mächtigkeit der obersten zwei Schichten (A+B Horizont). Bei einem tiefgründigen Boden hat die Erdschicht also eine gewisse Mächtigkeit. Ich würde sagen ab ca 1.5m spricht man von tiefgründig, es kommt etwas auf den Bodenypus an.
Ob du ein tiefgründiger Boden hast, kannst du mit einen Bodenprofil herausfinden. Soweit die Bodenkundliche Theorie.
Die Begriffe frisch, humos, tiefgründig werden jedoch gartenbaulich nicht so eng gegfasst und erscheinen als ungefähre Bodenbezeichnung. Genauer wären chem. und physikalische Parameter wie sie Sebastianii schon erwänt hat.
Gruss rolf

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo rolf

Die Internetwelt ist klein. Ich bin Schwarzwälder, habe mit meiner Familie 7 Jahre in BS, total fast 30 Jahre in der Schweiz, gewohnt. An den Wochenenden sind wir mit unserem Söhnchen immer in die Natur Richtung BL gefahren, Richtung Liestal. Etwas getrübt wurde unser Naturerlebnis oft durch das "obligatorische" Herumballern. Das Verhältnis von Einkommen zu Ausgaben hat uns dann nach Frankreich verschlagen. Die Region Freiburg/Basel ist hier also vertreten.

Gruss
Kurt

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Hallo Kurt,
Ich denke, wir haben einen ähnlichen Boden wie bei euch, also, was die Durchlässigkeit betrifft. Bei uns hier etwa 20 km westlich von Linz im oberen Mühlviertel ist es ein sehr typischer Lehmboden. Dieser wird auch nur ca. einen Kilometer von uns entfernt, abgebaut.
Die Lastwagen benützen immer die Straße, obwohl sie extra einen zusätzlichen Waldweg zum Abtransport hätten, und sie die Straße nicht benützen dürfen. Warum? Weil bei nassem Wetter die Straße zu einem verdreckten Landweg wird, bei heiß-trockener Witterung einem der Staub ganz unangenehm in die Lungen gerät und die LKWs die Straße gemeinsam mit dem Frost ruinieren.
Aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall ist Staunässe und steinharter Boden auch bei uns ein großes Problem, d.h. der geplante Davidia involucrata wird einen super vorbereiteten Boden mit Kies, Sand, Rinden- und Laubhumus, ev. Vulkangesteins-Granulaten, Urgesteins-Mehl
etc. brauchen.

LG.
Johannes

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo ulmenfan

Was du vorhast, ist das, was ich nicht tun würde. Das soll nicht heissen, dass meine Ansicht die allein richtige ist. Ich pflanze nur, was sich ohne Hilfsmittel hier wohlfühlt, und das ist erstaunlich viel. Sie bekommen höchstens ein bischen Anwachshilfe. Auch die "kalkliebenden" Buchen, die ich angepflanzt habe, wachsen ausgezeichnet.

Gruss
Kurt

Sebastianii
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Beitrag von Sebastianii »

Die Buche scheint sich somit als recht tolerant und somit als Zeigerpflanze ungeeignet zu zeigen. Oder sie ist gepflanzt und dann kommt sie dafür sowieso nicht in Frage.

kurt
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Beitrag von kurt »

Rund um diese grosse Buche herum (im Gemeindewald) wachsen zahlreiche Nachkommen, von denen ich einige ausgegraben und zusammen mit anderen Arten wie Stieleichen, Eschen, Wildkirschen etc. auf einer bisher baumfreien Wiese bei mir eingepflanzt habe. Auch dort wachsen sie prächtig. Der Boden scheint ihnen zuzusagen. Es ist wohl ein Glücksfall, dass das ganze Gelände fast durchgehend ein Gefälle von ca. 5% aufweist, was Staunässe verhindert, obwohl die Lehm- (Ton-?) Schicht ja fast wasserundurchlässig ist. Es spielen halt viele Faktoren eine Rolle, deren Kombination erst die Charakteristik eines Bodens ausmacht.

Gruss
Kurt

Myricaria
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Wohnort: Feldkirchen an der Donau, Oberösterreich

Beitrag von Myricaria »

Hallo Kurt,
Du hast schon recht, allerdings wächst das Davidia-Exemplar im Botanischen Garten Linz sehr schön und ausladend. Dort haben sie einen ähnlichen Boden wie bei uns, er wächst zwar in leichter Hanglage, aber der Taschentuchbaum ist ja nicht unbedingt gänzlich lehm-unverträglich. (Zumindest habe ich darüber noch nichts gelesen). Im BoGa steht der Davidia sogar eher schattig bis halbschattig, obwohl es heißt, dass sonnige Lagen am besten geeignet sind. Also insofern... :wink:
Beispielsweise haben wir eine Zaubernuss im gemulchten Bereich stehen, die zwar etwas langsam, aber sehr schön wächst. Diese habe ich, als ich mit meinem Vater vor Jahren in der nahen Baumschule war, ihm ins Ohr gesetzt, und wir pflanzten sie, ohne zu wissen, dass sie einen recht humosen Boden braucht, einfach ohne großartige Beigaben ein. Sie blüht sehr schön und hat keine sichtbaren Krankheiten oder Wachstumsstörungen.

Wichtig ist vor allem ein wenig Drainage und Mulch, der die Erde feucht hält. Wenn man das beachtet, wächst sehr vieles mehr als zufriedenstellend. Und sicher ist die Pflanzung des Taschentuchbaums eh noch nicht... Ansonsten kommt halt ein trockenheitsverträglicher Geselle wie Ostrya oder Ptelea hin. :wink:

Grundsätzlich hast du aber natürlich recht, am intelligentesten ist eigentlich die Pflanzung von Pflanzen, die genau den jeweiligen Bodentyp brauchen.

LG.
Johannes

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