Baumgrenzen

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babayaga
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Baumgrenzen

Beitrag von babayaga »

Hallo zusammen,

bin am Wochenende mal ein paar alte Urlaubsfotos durchgegangen,
insbesondere einen 'Passhopserurlaub', also das Bewegen zwischen
Pässen von Italien und Schweiz.

Ich kann mich noch gut an das Holzsammeln unterhalb der Baumgrenze erinnern, weiter oben hatte man kaum noch Lagerfeuerholz zum sammeln.

Damals hab ich nicht so drauf geachtet, aber jetzt, wenn ich mir die alten
Fotos so anschaue, sehe/erkenne ich im Baumgrenzbereich nur noch Nadelbäume, respektive Pinus mugho spec..

Mir dünkt ganz oben wachsen überhaupt kaum noch Laubbäume, wenn überhaupt, so ab 1500-max.2000 ist ja eh' Fini ;-)

Um es mal so auszudrücken:

Ist es richtig, dass die Baumgrenze der Nadelbäume höher liegt als die der Belaubten?
Andersrum pauschal zB Laubbaumgrenze bei 1000-1250 / Nadelbaumgrenze bei 1200-1750 ?
Ab 1750-200 mag ich nimmer von Bäumen reden, da wären dann nur noch Kiefernbüsche ...

... und Murmeltiere :)

Ich weiss nicht, ob das Thema schonmal da war, mir fiel es nur an den Bildern auf.
Kann es sein, dass es da schon fertige Erhebungen gibt, was bis wohin (höhenbezogen) wachsen kann?

Anbei noch ein paar der alten Fotos von 2002, ich hoffe man kann erkennen worauf ich hinauswill und dass da imho kein einziger Laubbaum mehr erkennbar ist (naja - für mich zumindest)

Viele Grüße,
Nancy
--
78% aller Eichen sind Laubbäume - NOCH! :wink:
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Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

Hallo,

ja, du hast richtig beobachtet, die Grenze der Nadelbäume liegt um einiges höher als die der Laubbäume.

Hier zur Verdeutlichung (obwohl die Graphik meiner Ansicht nach nicht hundertprozentig stimmt): Klick

Edit: Das hier ist besser, Kapitel 3. Vegetationsstufen der Alpen Klack

Editedit: Ich denke hier auf dem ersten Bild ist es ganz gut zu erkennen Klickklack, unten im Tal sehr viel Alnus incana, Sorbus aucuparia usw. (A. incana klettert so wie ich es beobachtet hab, von den Laubbäumen mit am höchsten, immer an den Bächen entlang, wenn ringsherum schon nur noch Nadelbäume stehen), dann kommt der Fichtenwald und später unter der Waldgrenze der Zirben-Lärchenmischwald. Die Zirben (Pinus cembra), die durch ihren dichten Wuchs viel Schatten warfen, wurden aufgrund ihres besonderen Holzes herausgefällt, so daß sich die lichthungrige Lärche vermehrt ausbreiten konnte und die Zirben größtenteils vollständig verdrängt hat. Über der Waldgrenze kommt die Krummholzzone mit viel Pinus mugo, vermengt mit Alpenrosen und später Heidelbeeren, die nach oben hin mit kriechenden Wacholder- und Zwergweidenarten die Oberhand gewinnen. Weiter gehts mit mehr oder weniger schütteren Rasenflächen, Flechten und Moosen, Fels, Gipfelkreuz...
Zuletzt geändert von Harztroll am 01 Dez 2008, 21:55, insgesamt 2-mal geändert.
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -

kurt
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Beitrag von kurt »

Das mag für die Alpen zutreffen. Ich habe, Irrtum ausgeschlossen, in Bamyan im afghanischen Hindukusch, bekannt wegen seiner Buddhastatuen, ein Birkenwäldchen gesehen. Bamyan liegt auf ca. 2500m Höhe.

Gruss
Kurt

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Nancy,

das mit den Baumgrenzen ist sicher von Gebirge zu Gebirge verschieden. Tatsache ist, dass Nadelbäume größere Höhen vertragen, wenn die Höhe überhaupt das Kriterium ist. Ich glaube eher, dass die mit der Höhe zunehmende Kälte und der Wind entscheidend sind. Und natürlich der Breitengrad. Der Wind dürfte auch verantwortlich sein, dass in den Alpen oberhalb von 2000 m nur noch Latschenkiefern zu finden sind. Die kriechen praktisch am Boden und bieten den heftigen Stürmen so kaum Angriffsfläche. Interessant ist aber, dass auf den Klippen an der spanischen Nordküste, nur 50 m über dem Meer, die Vegetation sehr ähnlich aussieht. Aber dort pfeift fast das ganze Jahr ein heftiger Wind.
Andererseits hat man am Wochenende bei einer Skiübertragung aus den USA gesehen, dass dort Bäume noch weit oberhalb 3000 m zu finden sind. Offenbar ist das eine geschütztere Lage und obwohl - 40° C keine Seltenheit sind, überstehen die das. Es kommen also immer mehrere Dinge zusammen.

Gruß Frank

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

@kurt: Ja, war direkt auf die Alpen bezogen

@LCV: stimmt, wie Kurt schon sagte, das ist von verschiedenen Faktoren und somit von Region zu Region unterschiedlich --> Kurze Zusammenfassung
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -

wolfram
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Beitrag von wolfram »

Nancy schrieb:
"78% aller Eichen sind Laubbäume"
Abgesehen davon, daß Eichen zu 100% Laubbäume sind, spielen Eichen in den südlichen Hochgebirgen Europas ( und sicherlich nicht nur hier) eine größere Rolle, als die feuchtigkeitsliebenden Buchen, Ahorne etc., die im wesentlichen auf die Nordseiten der mitteleuropäischen Hochgebirge beschränkt sind.

Die Höhe der Waldgrenze ist heute in den Alpen auf grund der starken und Jahrhunderte andauernden Bewirtschaftung kaum noch da zu finden, wo sie eigentlich sein könnte. So verhält es sich auch mit der Baumgrenze, die eigentlich identisch mit der Waldgrenze ist.
Aber das ist ein Thema ohne Ende.
Viele Grüße, Wolfram

babayaga
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Beitrag von babayaga »

Hallo zusammen,

Danke für eure Beiträge. Ich denke auch dass das stark standortabhängig ist,
evtl. spielen vielleicht auch noch Untergrund und Bodenbeschaffenheit eine Rolle.

Etwas seltsam oder anders, bemerkenswert finde ich jedoch, dass ausgerechnet
die immergrünen Nadelbaume am höchsten hinaufmachen und die Laubabwerfenden
weiter unten siedeln.
Liegt doch die Gefahr durch Schneebruch bei Immergrünen deutlich höher.

Wolfram schrieb:
"Abgesehen davon, daß Eichen zu 100% Laubbäume sind ..."

Wolfram, ich wollte niemand auf den Arm nehmen,
das war einfach so eine Nonsense-signatur, wie z.B. auch:

'5 von 4 Leuten haben Probleme mit Teilmengen.'
oder
"There are only 10 types of people in the world:
Those who understand binary, and those who don't"


Kleiner Joke ;)

Viele Grüße,
Nancy
--
my other signature is more intellectual

Matlan
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Beitrag von Matlan »

Hallo Nancy,
ich habe mal die Theorie gelesen, dass die Nadelbäume (bzw. die Nacktsamer allgemein) langsam aber sicher von den (evolutionär erfolgreicheren) Laubbäumen (vulgo Bedecktsamern) verdrängt werden. Daher sind sie nur mehr in den 'Randbereichen/speziellen Ökonischen' in der Überzahl. Ob das stimmt, keine Ahnung - klingt aber irgendwie plausibel.
LG,
Matlan

campoverde
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Wohnort: Bremen

Beitrag von campoverde »

Hallo,
wie Wolfram schon sagte, ist das ein Thema ohne Ende, mit unendlicher Literatur usw.
Grob lt Lexikon der Forstbotanik, natürlich auch vereinfacht, bilden die Baumgrenze:
"im kontinental getönten, winterkalten Europa Nadelhölzer (am Alpennordrand Fi, in den Zentralalpen Lä und Arve),
...in wintermilden, aber schneereichen Gebieten Laubhölzer (Randhöhen Skandinavien, wärmere atlantische Gebieten, Vogesen, westl. Jura, ...,"

Zu Deiner Aussage :"Etwas seltsam oder anders, bemerkenswert finde ich jedoch, dass ausgerechnet die immergrünen Nadelbaume am höchsten hinaufmachen und die Laubabwerfenden weiter unten siedeln.": Immerhin ist Lärche nicht immergrün.

Gründe für Waldgrenze: lt Ellenberg i.d.R. nicht einzelner Faktor, sondern gesamter Klimacharakter, am wichtigsten wohl: Zusammenwirken von günstigen Wuchsbedingungen im Sommer und Frosttrocknis im Winter.

wolfram
Beiträge: 3419
Registriert: 03 Mai 2007, 16:59

Beitrag von wolfram »

babayaga hat geschrieben: Etwas seltsam oder anders, bemerkenswert finde ich jedoch, dass ausgerechnet
die immergrünen Nadelbaume am höchsten hinaufmachen und die Laubabwerfenden
weiter unten siedeln.
Liegt doch die Gefahr durch Schneebruch bei Immergrünen deutlich höher.
@Nancy
Welche Laubbäume meinst Du, würden zwischen 1800 und 2400 m gedeihen?
Das ist weniger eine Frage des Schneedrucks, als vielmehr der Temperatur und Frosttrocknis, sowie der Dauer, die die Pflanze zur Regenerierung und Ausreifung neuer Triebe braucht. Da steht Laub immer hintenan.
Hartlaubige Eichen vielleicht, aber die kommen mit der Kälte nicht zurecht.
Alnus viridis (kein Baum, wie weiter oben geschrieben) verträgt den Schneedruck aufgrund seiner sehr flexiblen Zweige, ebenso wie Pinus mugo. Die legen sich halt hin.
Viele Grüße, Wolfram

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