Bäume in Entwässerungsmulden

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clausmitc
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Bäume in Entwässerungsmulden

Beitrag von clausmitc »

Hallo Experten,
kann mir mal jemand verraten, welche Baumarten ich in Mulden mit belebter Bodenzone pflanzen kann, d.h. es kann länger anstauendes Wasser vorhanden sein. Zu beachten wäre noch, dass es nicht allzu pflegeintensive Arten sein sollten, außerdem ist es ein Parkplatzbereich, also sollte der Baum keine Harze oder ähnliches abwerfen. Was muss man da denn sonst noch so alles beachten?

Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

In der Regel sind Stiel-Eiche (Quercus robur) und Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) gute Kandidaten, die vertragen kurzzeitige Überstauungen, sind aber nicht so auf Nässe angewiesen wie z.B. die Erle, da Parkplätze im Sommer recht trocken sein können. Bei der Eiche hast du noch den Vorteil, daß das Laub im Herbst lange am Baum haften bleibt und somit nicht während der Hauptregenzeit in der Mulde liegt und damit die Versickerung behindert. Im Frühjahr muß die Mulde gereinigt werden, um auch hier die Versickerungsfähigkeit wieder herzustellen.

Viele Grüße
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -

kurt
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Beitrag von kurt »

Auch mein Tipp, obwohl für euch meine Fixierung auf Stieleiche und Esche wohl so langsam mühsam wird. Aber es sind die beiden Bäume, die auch länger dauernde Staunässe hervorragend vertragen und dabei langlebig sind. Hervorragende Schattenspender im Sommer, praktisch keine Pflege erforderlich.

Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo,

es kommt natürlich darauf an , was du pflanzen möchtest: In staunassen oder überschwemmten Boden passt natürlich auch wunderbar Metasequoia und Taxodium ascendens und Taxodium distichum. Die beiden letzteren kannst du sogar ins Wasser pflanzen.

Sie haben besonders eindrucksvolle und damit abwechslungsreiche Herbstfärbung. Sehen aber auch im Frühjahrsaustrieb sehr attraktiv aus.
Absolut winterhart. Meta schnellwachsend,Taxodium langsamwachsend.

Ein glückliches Händchen wünscht

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Gerry
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Beitrag von Gerry »

Hallo - du meinst schnellwachsend, Metasequoia glyptostroboides? 10 Jahre = 10 meter hoch? Oder?

Ja ich such gerade auch für so nasse Gegend (alter Bachlauf) paar Bäume
ich dachte an einen Satz Betula so 10 Stück die pumpen doch am meisten
das Wasser hoch oder lieg ich falsch.

Grusanalle

Gerry

clausmitc
Beiträge: 2
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Beitrag von clausmitc »

Soweit so gut, die Eiche wäre mir schon sympatisch für meinen Parkplatz, ich habe mir jedoch auch sagen lassen, dass bei der Grüngestaltung von Parkplatzanlagen besonders darauf zu achten sei, dass Bäume verwendet werden, welche im Sommer keinen Honigtau absondern. U.a. auf Ahorn, Eiche, Linde und Pappel sollte man daher wohl bei Parkplätzen besser verzichten. Oder ist das gar nicht so schlimm?
Das bedeutet, dass die Esche als beste Lösung übrig bleibt, da die Vorschläge von Kurt für mein Projekt nur bedingt in Frage kommen. Ich habe auch noch einen Bebauungsplan zu berücksichtigen und nach diesem sollen "einheimische" Laubbäume gepflanzt werden...

Grüße, Claus

kurt
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Beitrag von kurt »

Ich habe doch Eiche und Esche vorgeschlagen. Ich mache jeden Mittag, wenn das Wetter es zulässt, meine Siesta unter einer 200-jährigen Eiche. Ich habe knapp 1000 Eichen und bei keiner diese Honigtauabsonderung festgestellt, seltsamerweise auch nicht bei der grossen Linde, obwohl hier im Forum schon von wahrem Honigtauregen berichtet wurde.

Gruss
Kurt

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LCV
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Beitrag von LCV »

@ Gerry:

Ich denke, die natürlichste Art, einen alten Bachlauf zu bepflanzen, wäre mit Weiden. Vielleicht kann man den alten Bachlauf sogar zum Gartenteich umfunktionieren. Dann wären Weiden verschiedener Arten sicher sehr schön.

Was am schnellsten wächst, ist Paulownia tomentosa. Mindestens 2 m/Jahr, manchmal mehr. Ich weiß nur nicht, ob sie den Standort verträgt. Auch muss man etwas aufpassen, dass sie sich nicht unkontrolliert ausbreitet.

@ Claus: Linde ist sicher ungünstig. Am schlimmsten aber Robinie, die zwar nicht wirklich heimisch ist und ziemlich invasiv, aber trotzdem gerade von Stadtgärtnern gern gepflanzt wird. Nicht nachvollziehbar, da Robinien besonders auf Parkplätzen das ganze Jahr Ärger machen.
Bei Eiche, Buche, Platane oder Esche hätte ich keine Bedenken. Die Früchte sind auch nicht so schwer, dass sie Autos beschädigen könnten wie große Kastanien.

Gruß Frank

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Gerry,

Betula kommt natürlich auch gut hin, verdunstet auch viel. Meta natürlich je nach Boden 6-10m.

Viele Grüße

Wolfgang
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kurt
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Beitrag von kurt »

Voll im Nassen stehende Betula hat nach meiner Erfahrung bei weitem nicht die hohe Lebenserwartung wie z.B. eine Stieleiche. Allgemein berücksichtigen wir hier zu wenig Nadelbäume, finde ich. Ich kann da nicht mitreden, wir sollten aber mehr die Ratschläge von Nadelbaumspezialisten wie z.B. Cryptomeria berücksichtigen.

Gruss
Kurt

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Ein weiterer Kandidat wäre z.B. Ulmus laevis, die Flatterulme. Sie kann als einzige heimische Baumart wirklich große Brettwurzeln ausbilden, verträgt ohne Probleme Überschwemmungen, da sie in Auwäldern zu finden ist, und ist noch dazu relativ selten. (Im Vergleich zu Ulmus minor oder immer öfter auch Ulmus glabra aber häufig).
Taxodium distichum und Metasequoia halte ich für sehr gute Vorschläge, Paulownia tomentosa kann sich, wie Frank schon erwähnt hat, schnell ausbreiten, wie invasiv sie dann wirklich ist, weiß ich nicht, da ich noch keine verwilderten Vorkommen in der freien Natur sah. (Dafür immer wieder Sämlinge mitten in der Stadt in Pflasterritzen, oder besorgte Gärtner, die an eine regionale Öko-Zeitschrift Leserbriefe schreiben, mit der Frage, welche extrem schnellwüchsige, exotisch wirkende Pflanze da in ihrem Garten aufgegangen ist...)
Ich vermute, dass sie auch bei uns invasiv sein kann, da sie sich so erfolgreich durch die Samen vermehrt. Aber das ist wieder ein anderes Thema. (Die Problematik der Robinie hat Frank schon treffend beschrieben)

Abseits davon ev. noch andere, nicht-heimische Alternativen, vielleicht Aesculus flava, die in Amerika an Flussläufen wächst, oder auch Nyssa sylvatica, der auch eher humosen, feuchteren Boden bevorzugt. Beides sehr ansehnliche Zierbäume.

LG.
Johannes

kurt
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Beitrag von kurt »

Ich würde von Aesculus abraten wegen der akuten Gefahr des Befalls durch die Miniermotte

Gruss
Kurt

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Nyssa ist ein sehr guter Vorschlag, vor allem auch wegen der feuerroten Herbstfärbung. Wächst auch im Wasser und ist absolut winterhart.
Ich dachte bei Betula mehr an die Moorbirke.

Viele Grüße

Wolfgang
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Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

kurt hat geschrieben:Ich würde von Aesculus abraten wegen der akuten Gefahr des Befalls durch die Miniermotte

Gruss
Kurt
Die Aesculus flava ist resistent. Ebenso wie die (meiner Meinung nach, auch vom Habitus, weniger reizvolle) Aesculus x carnea.

LG.

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Laut Bärtels Gehölzvermehrung können sich ältere Tupelobäume eine Menge Wurzelschösslinge ausbilden. Inwiefern stimmt das, bzw. ist es ein echtes Problem (Solange die Art selbst nicht verwildert, denke ich nicht...)

LG.
Johannes

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