Saatkrähenplage

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LCV
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Saatkrähenplage

Beitrag von LCV »

Hallo,

ich bin ja gewiss ein Tierfreund und für mich muss ein Tier nicht
ausdrücklich unter Schutz gestellt werden. Aber da der Mensch die
Lebensbedingungen der Tiere drastisch verändert, gibt es eben
wenige Gewinner und sehr viele Verlierer. Saatkrähen mögen in
bestimmten Regionen durchaus schutzbedürftig sein, aber hier im
Markgräflerland nehmen sie extrem überhand.

Das Foto zeigt nur etwa 1/3 des Schwarmes, der wiederum nur einer
von meist 10 - 15 ist, die ich allein vom Fenster aus sehen kann.
P1060089.JPG
P1060089.JPG (47.87 KiB) 381 mal betrachtet
Etwa ab 16 Uhr sammeln sich die Krähen zunächst in solchen
kleineren Schwärmen, um sich später zu einem gewaltigen Schwarm
zu vereinen und die Schlafplätze in den diversen Platanenalleen
anzufliegen. Leider ist es dann zu dunkel, um das mit einer normalen
Kamera zu fotografieren. Am Morgen geht es wieder los. Dann sammeln
sich die Krähen auf Dächern und Bäumen, um dann wohin auch immer
aufzubrechen. Die Bilder erinnern an Hitchcock's "Vögel".
Ganze Dächer schwarz, Bäume rappelvoll.

Gleichzeitig mache ich aber die Beobachtung, dass allein gegenüber
dem Winter 19/20 andere Vogelarten nahezu verschwunden sind.
Momentan gibt es relativ viele Sperlinge, einige Brieftauben, ganz
wenige Türkentauben, hin und wieder Elstern. Auch Falke und
Bussard sind extrem selten, lediglich der Rotmilan ist noch da.

Noch im letzten Jahr tummelten sich am Futterplatz Blaumeisen,
Kohlmeisen, Sumpfmeisen, Buch- und Bergfinken, Grünfinken,
sogar ab und zu ein Dompfaff. Sonst im Garten diverse Spechte,
Garten-, Hausrotschwanz, Rotkehlchen, Zaunkönig, Bachstelzen.
Auch Amseln sind weg. Ich habe seit dem letzten Sommer keine
einzige Meise gesehen. Dafür sind noch kurz vor Weihnachten
hier größere Schwärme von Staren herumgeflogen, als ob sie
überlegten, ob sich der Zug in den Süden noch lohnt.

Man sollte dringend untersuchen, ob der extreme Schwund an
Singvögeln auf diese Massen von Krähen zurückzuführen ist.
Notfalls müsste man (regional begrenzt) die Jäger anweisen,
die Bestände zu dezimieren. Man kann nicht einen Vogel schützen
und viele andere werden ausgerottet.

AndreasG.
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von AndreasG. »

Ja, über dieses Thema wird heiß gestritten, aber ein großer Prozentsatz der Vögel dürften Wintergäste aus Osteuropa sein, die im Frühjahr wieder verschwinden. Ärgerlich wird es, wenn sie mitten in einer Wohngegend eine Nistkolonie errichten. Aber ganz ehrlich, solche und noch viel größere Schwärme gab es schon immer.

Hilmar
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Hilmar »

Die fehlenden Singvögel in diesen Wintermonaten sind nicht nur mir selbst schon aufgefallen. Und regional sind keine großen Krähenschwärme, geschweige denn Brutkolonien vorhanden. Sonst tummelten sich ganze Finkenschwärme am Futterplatz, so dass die Röhre täglich neu gefüllt werden musste. Jetzt ist die Futterröhre nach zwei Wochen immer noch halb voll.

Gruß Hilmar

AndreasG.
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von AndreasG. »

Ist vermutlich schon vorüber, aber hier gibt es eine Erklärung.
https://www.nabu.de/news/2021/01/sdw-ergebnisse.html

Spinnich
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Spinnich »

Wie viele "Wintertage" hattet ihr denn bisher!

Ohne Schnee und Frost kommen kaum Singvögel an die Winterfutterstellen. Ausnahmen sind eventuell ortstreue Sperlinge. Wenn in unmittelbarer Nähe Brutplätze also Reviere für Amseln und Meisen gegeben sind und spätestens ab November immer mal etwas Obst (faule Äpfel) und Meisenklöße angeboten werden, dann bleiben auch einige Vögel in diesen Revieren.
Sobald es weniger Futter zu finden gibt und die Witterung umschlägt, kommen diese Vögel regelmäßig zu den Futterstellen und locken dann auch andere Vögel an. So kann ich derzeit bei Frost und Schnee hin und wieder einen Trupp Sperlinge, einige Meisen, mal ein Rotkelchen, Amseln, mehrere Grünfinken und Buchfinken beobachten. Im Herbst und im Spätwinter sieht man auch mal Distelfinken und Bluthänflinge, diese sind aber zur Zeit eher nicht in den nahen Gärten sondern auf den Feldern (ökologische Flächen) mit Sonnenblumen Disteln und Karden zu beobachten.
Schwärme von Seidenschwänzen und Bergfinken verlaufen sich in den letzten milderen Wintern kaum noch mal bis in unsere Regionen, dazu ist es in ihrer Heimat nicht mehr kalt genug, zumindest müssen sie nicht mehr so weit ziehen.

LG Spinnich :)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Cryptomeria
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Cryptomeria »

Bei uns hier oben in SH ist auch alles völlig normal. Ganz normaler Besuch an den Futterplätzen, wenige Wintergäste , da noch nirgends sehr tiefe Temperaturen oder Nahrungsmangel herrscht und die Krähenschwärme auch bei uns , alles Wintergäste. Wir sind allerdings sehr dünn besiedelt und die Wintergäste schlafen im Wald. Wir haben ab Frühjahr eine Saatkrähenkolonie mitten im Nachbarort mit vielen Nestern , die die Anwohner natürlich durch Kotverschmutzung + Lärm massiv stört, aber es sind eben nur ganz wenige Anwohner, die betroffen sind. So leben seit Jahrzehnten die Saatkrähen und bauen ihre Nester. Einen Zusammenhang Krähe - wenige Singvögel sehe ich nicht. Oft fehlt in den Gärten oder im offenen Land Nahrung und/ oder Brutmöglichkeiten . Deshalb sind manche Vogelarten rar.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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LCV
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von LCV »

Na ja, mit dem Winter hat es nichts zu tun. In den letzten Wochen
war es hier kälter und es gab auch ab und zu Schnee, was in den
Jahren davor total ausblieb. Ungewöhnliche - 8° C in der Nacht und
tagsüber noch leicht unter 0. Dennoch waren damals bei viel wärmeren
Bedingungen die Vögel da. Jetzt hätten sie ja Anlass, zur Futterstelle
zu kommen, aber keine einzige Meise oder Fink zu sehen. Nur ein
paar Spatzen.

Die Krähenschwärme sind hier keine temporäre Erscheinung, sondern
über das ganze Jahr das gleiche Bild, nur werden es immer mehr.

Wir haben im Ort zwei Platanenalleen mit sehr großen Bäumen.
Die werden offenbar bevorzugt. Da sind hunderte von Nestern drin.
Wer dort wohnt, hat sicher keine Freude daran. Aber das geht mich
nichts an, wir haben keinen Nistbaum in unmittelbarer Nähe.

Cryptomeria
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Cryptomeria »

Die Saatkrähenkolonie ist bei uns nur ab Frühjahr vorhanden. Nach der Brutzeit bzw. ab Herbst ziehen sie weg , kommen aber im Frühjahr mit lautem Getöse an den Nestern wieder, bessern aus und brüten. Die Wintergäste bei mir, die sich jeden Abend im Nachbarwald zum Schlafen sammeln, sind ca. 500 bis 1000 Rabenkrähen, mal mehr mal weniger, immer spät abends an die Schlafplätze heimkehrend. Ab Frühjahr sind sie dann wieder weg.
Aber wie schon gesagt, das Fehlen der Singvögel müsste eine andere Ursache haben. Dort wo bei uns die Saatkrähen brüten, kann man auch keine Veränderung im Singvogelbestand feststellen.
Frank, sind denn die Gärten so gestaltet, dass genügend Insekten , Sämereien für die Brut vorhanden sind und gibt es genügend Nischen , Schutz , Dickicht usw. für Brutplätze bei dir und in der Nachbarschaft ?
VG Wolfgang
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Chelterrar
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Chelterrar »

Mit Saatkrähen gibt es hier auch keine Probleme, es sind auch alle Singvögel hier, die ich in den letzten Jahren auch gesehen habe (Rotkehlchen, Amseln, Blaumeise, Kohlmeise usw.) Allerdings scheint das Nahrungsangebot so gut zu sein, dass die Vögel nicht an die Sträucher zum Beeren sammeln gehen, aber vielleicht kommt das ja noch.

Aber vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass die lieber den Kompost plündern, gestern erst wieder 3 auf dem Kompost am Scharren gesehen, hat mich ein wenig überrascht.

LG Chelterrar

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LCV
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von LCV »

In den Gärten in unserem Wohngebiet gibt es sehr viele Entfaltungsmöglichkeiten.
Außerdem hat sich daran nicht viel verändert in den letzten Jahren. Es gibt
zahlreiche Hecken, die bei uns besteht aus sehr vielen verschiedenen Gehölzen.
Mindestens 15, müsste mal gezielt durchzählen.
Unsere Straße grenzt an eine Kaserne und direkt dahinter ist ein größeres
Militärgelände, eher naturbelassen.

Die Saatkrähenkolonien sind keine Wintergäste, sondern permanent vorhanden.
Rabenkrähen sind Einzelgänger und leben normalerweise paarweise zusammen.
Schwarmbildung habe ich hier nicht gesehen, da nur selten mal zu sehen.
Andere Krähen auch Fehlanzeige. Kolkraben möglicherweise im Schwarzwald,
Nebelkrähen gibt es hier nicht, Dohlen waren früher mal vorhanden. Ab und
zu taucht mal ein Elsterpärchen oder ein Eichelhäher auf.

Auf jeden Fall ziehen "unsere" Saatkrähen nirgendwo hin, sondern bewegen
sich nur innerhalb enger Grenzen. Tagsüber gehen sie auf Felder oder in den
Auwald am Altrhein (Luftlinie 5 km).

Was sich gegenüber den letzten Wintern verändert hat, momentan ist es schon
über Wochen deutlich kälter, wobei - 8° C nicht viel ist, auch gab es immer
mal etwas Schnee. Den letzten kälteren Winter gab es 2006 mit 1 x - 12° C,
aber nach 2 Tagen war es das schon wieder. Durch diese Bedingungen finden
die Vögel genug Futter und müssen nicht ziehen. Übrigens, die Störche
bleiben auch zum Teil hier. Sind aber eher direkt nahe Auwald zu sehen. Dort
gibt es auch jede Menge Wasservögel.

Cryptomeria
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Cryptomeria »

Es gibt doch überall ornitho-Gruppen, die Vögel ins net eingeben, Gebietsbetreuer, NABU-Gruppen usw. Vielleicht ist vor Ort ein Kenner der speziellen Lage und kann besser beurteilen, warum so wenig Singvögel vor Ort sind und ob es tatsächlich mit den vielen Saatkrähen einen Zusammenhang gibt. Mir ist nichts bekannt, ich habe auch bisher nichts gelesen, lediglich dass dort, wo es viele Krähen gibt, keine oder viel weniger Elstern vorkommen sollen.
VG Wolfgang
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AndreasG.
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von AndreasG. »

Ja, Krähen vertreiben Elstern, manchmal jagen sie auch welche, auf jeden Fall plündern und zerstören sie deren Nester, wenn sie welche entdecken.


Spinnich
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Spinnich »

Um mal die Saatkrähen in Schutz zu nehmen, wie der Name sagt, sind diese in erster Linie Vegetarier und weniger auf Eier oder Jungvögel aus, als etwa Elstern, Rabenkrähen, Kolkraben, Eichhörnchen, Spechte und natürlich Hauskatzen die alleine in Deutschland geschätzt zwischen 20-100 Millionen Singvögel töten.

Einige Beiträge beleuchten die Thematik der beschuldigten Krähenvögel, die zugegeben, als neuerdings vermehrt in Städten siedelnd, lästig fallen können, ebenfalls weitere Gründe für den Rückgang von Vogelarten.

Thema Saatkrähen in Landau (pdf)

Das große Vogelsterben

Bedrohen Krähen die Singvögel?

Rueckgaenge Singvoegel (pdf)

meint Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Andreas75
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Re: Saatkrähenplage

Beitrag von Andreas75 »

Frank, Du als Katzenhalter beschwerst Dich über den Einfluss von Rabenvögeln auf kleinere Singvögel?
Und überlegst Dezimierungsmaßnahmen, ohne die geringsten Kenntnisse der Jahresperiodik und Ernährungsweise von Saatkrähen zu haben?

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