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Krankheiten an Obstbäumen
Verfasst: 05 Nov 2020, 20:38
von Adal
Liebe Alle,
ich habe einen etwa 8-jährigen Apfelbaum (Brettacher) auf meiner Wiese stehen. Seit einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass dieser am Stamm eine riesige Läsion aufweist, an der sich keine Rinde mehr befindet. Diesen Sommer habe ich mich einmal näher damit beschäftigt, da es nicht von selbst geheilt ist, sondern sich im Gegenteil ausgebreitet/verschlimmert hat. Die Baumkrone wird nur noch von einem relativ schmalen Band versorgt.
Mir ist aufgefallen, dass er im unteren Stammbereich (nur in dem Bereich, wo die Rinde noch lebt) sehr stark wuchert und sehr viel Borke gebildet hat. Als ich die Borke entfernt habe sind mir diese Würmer (siehe Bild mit Rebschere) aufgefallen. Könnten diese der Grund dafür sein? Das Bild, wo der untere Teil des Stamms abgebildet ist, ist von der Seite fotografiert, wo noch intakte und dicke Rinde vorhanden ist (hab da den Draht noch nicht weggemacht;).
Ich bin leider völlig ratlos, was das für ein Phänomen ist. Ist der Wurm der primäre Schädling oder nur sekundär durch die übermässige Borkenbildung? Was mir Sorgen bereitet, ist, dass der Nachbarbaum ähnliche Symptome beginnt zu zeigen und ob es etwas infektiöses sein könnte.
Könnt ihr mir weiterhelfen? Die Wiese befindet sich in Mittelhessen, falls das hilft.
Liebe grüsse
adal
Re: Krankheiten an Obstbäumen
Verfasst: 05 Nov 2020, 22:11
von Spinnich
Vermutlich ein Befall durch den
Blausieb, Zeuzera pyrina einen Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer (Cossidae), dessen Raupen im Holz von verschiedensten Baumarten, besonders auch im Kulturapfel leben.
LG Spinnich

Re: Krankheiten an Obstbäumen
Verfasst: 06 Nov 2020, 06:51
von Hilmar
Hallo Adal,
die Würmer sind sicher nicht der Grund dafür, dass am Apfelbaum ein derart großer Schaden entstanden ist. Die Würmer leben halt in Bereichen, in welcher eine höhere Luftfeuchtigkeit vorhanden ist. Für eine annähernde Bestimmung ist das Bild aber leider zu unscharf.
Als Ursache für den Stammschaden sehe ich eher Schafe, Kaninchen oder Rasenmäher. Daneben können ungünstige Bodenverhältnisse (Staunässe, Verdichtung) auch zu Obstbaumkrebs (Nectria galligena) führen. Dafür spräche das Bild mit dem Kaninchendraht.
Allgemein kann auch der Bettacher nicht für den Standort geeignet sein.
Eine Heilung halte ich fast für ausgeschlossen. Um den Apfelbaum so lange wie möglich zu erhalten, kann man diesen nun an einem Pfahl anbinden.
Oder man trennt sich und pflanzt eine für den Standort geeignete, evtl. regionale Sorte an.
Gruß Hilmar
Re: Krankheiten an Obstbäumen
Verfasst: 06 Nov 2020, 14:44
von Adal
Danke für eure Antworten! @Hilmar @Spinnich
Also Frass durch Wildvieh kann ich fast 100%ig ausschliessen. Einerseits ist der Baum durch Hasendraht geschützt und andererseits waren nie Frasstellen erkennbar. Diese Bilder kamen erst zutage, als ich sehr unphysiologisch dunkle Rinde vom Stamm abgelöst habe. Es kann natürlich sein, dass jemand mal mit dem Messerbalken reingemäht hat, aber das hat bisher nie ein solches Bild ergeben.
Ansonsten habe ich noch vergessen zu erwähnen, dass der Baum an einem sehr trockenen und eher kargen Boden Platz auf der Wiese. Diese Bäume auf der obersten Etage musste diesen Sommer zusätzlich giessen, da schon Trocknungsschäden entstanden sind. Die Staunässe erscheint mir daher auch wenig plausibel.
Meine Befürchtungen sind weiterhin etwas infektiöses.
@Spinnich Ich habe die Holzbohrer mal gegugelt und das könnte theoretisch schon passen. Aber nach der Beschreibung müssten die viel grösser sein (wenige cm). Kann es trotzdem sein?
Allerdings kann es natürlich immer noch sein, dass dieser schödling erst sekkundär aufgetreten ist.
lg
Re: Krankheiten an Obstbäumen
Verfasst: 06 Nov 2020, 21:59
von Spinnich
Die Raupe des Blausieb entwickelt sich über 2 Jahre, daher kann ein Befall im ersten Stadium auch nur kleine Raupen zeigen. Besonders gerne werden junge Bäume befallen.
Dennoch ist der immense Schaden vermutlich nicht allein durch einen diesjährigen Befall erklärbar. Auch wenn die These von Staunässe nach deinen Hinweisen unpassend ist, bei extremer Trockenheit werden junge Bäume extrem vorgeschädigt und können, besonders wenig robuste Sorten, auch besonders im Spätwinter/Frühjahr durch Spätfröste Rindenschäden etc. erleiden. Dass sich dann noch weitere Schädlinge über den angeschlagenen Baum hermachen ist nur natürlich.
Ich habe selbst ein Hanggrundstück mit kargem Boden und es dauerte mindestens !0 Jahre bis meine Halbstämme (Apfel) über das Gröbste heraus waren und ins Wachsen kamen, eine Birnensorte 'Madame Verte' ist auch nach 2 Jahren abgestorben. Auf dem Nachbargrundstück waren kostenlose Hochstämme (von der Flurbereinigung gestiftet) zwar zunächst besser vorangekommen, aber ohne Obst zu generieren. Nach zig-fachem Astabwurf zur Umveredelung haben jetzt einige dieser Bäume auch Obst angesetzt, aber mehrere haben diese Torturen nicht überlebt und sind mittlerweile abgestorben.
Auf kargem Gelände braucht es sehr robuste Sorten, gute Bodenvorbereitung, Bewässerung bei Trockenheit und Hitze (wie in den letzten Jahren) und ein wenig Geduld, sowie Glück, damit nach der Blüte Spätfröste nicht (wie dieses Jahr bei mir) die komplette Ernte (sogar Quitten) zu nichte machen.
Stünde der Baum in gutem Gartenboden, könnte man diesen versuchen noch ein Weilchen zu erhalten (derart Tod geweihte Bäume tragen in ihren letzten Jahren oft extrem üppig), aber auf einem so kargem Gelände sehe ich da keinen Sinn und würde ggf. fällen und eine andere Sorte pflanzen, z. B. 'Landsberger Renette', meine ertragreichste Sorte.
Prinzipiell sollte aber auch die Sorte 'Brettacher' robust sein und wenig anfällig für Krankheiten, eher würde die Obstqualität bei mageren Böden oder zu kühler Witterung leiden.
LG Spinnich
