Seite 1 von 1
Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 22 Okt 2020, 17:41
von Cosmea
Hallo zusammen,
im Garten des Hauses in dem wir zur Miete wohnen steht eine Nordmanntanne. Zunächst dachte ich, sie habe die heißen Sommer nicht gut vertragen, aber inzwischen denke ich, dass sie eine Krankheit (Pilz) hat. Auf dem Boden ist, seit wir vor vier Jahren eingezogen sind, ab und an ein weißer Belag zu sehen und dort wachsen in Herbst auch Pilze. Aber nicht direkt am Stamm. In der Rinde ist seit ein paar Wochen ein Riss zu sehen, aus dem etwas Harz kommt. Die braunen Äste werden immer mehr. Zuerst waren nur einige Stellen innen braun. Der Baum ist etwa 20-30 Meter hoch und könnte so etwa 40-55 Jahre alt sein (grob vom Nachbarn geschätzt).
Der Vermieter hat zum Einzug einen Rückschnitt bezahlt (vom professionellen Baumpfleger), aber ich denke für aufwendige Erhaltungsmaßnahmen ist er nicht zu haben. Meint ihr der Baum ist noch zu retten? Wenn er nicht zu retten ist, muss er dann schnell gefällt werden oder bleibt er noch eine Weile so stehen?
Herzlichen Dank für eure Antworten!
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 22 Okt 2020, 19:48
von Yogibaer
Fotos von den Pilzen würden helfen die Krankheit einzugrenzen. Also bitte mal je ein Foto von der Ober- und Unterseite des Pilzes einstellen. Ich setze darauf das es sich um eine Hallimasch-Art handeln wird.
Gruß Yogi
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 23 Okt 2020, 10:03
von Cosmea
Hallo Yogi,
vielen Dank für die Antwort. Ich hänge ein paar Bilder von den Pilzen an. Die anderen waren größer, sind aber dem Rasenmäher zum Opfer gefallen. Sie riechen wie Champignons.
Lieber Gruß,
Alina
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 23 Okt 2020, 17:18
von bee
Hallo,
Entwarnung, keine Hallimasch - die würden zu vieeelen direkt am Holz bzw. Wurzelholz sitzen.
Sind deiner Meinung nach alles die gleichen Pilze?
Was der oberste Knubbel ist bzw. wird, kann ich nicht erkennen - das könnte durchaus ein Agaricus spec. werden (es gibt da viele Arten), die Lamellen müssten dann bei Reife dunkelbraun werden.
Gibt es vom 2. Pilz auch eine Unterseite?
Die letzten 3 Bilder gehören zusammen? Da scheinen die Lamellen hell zu bleiben, mit dem Stiel, dem Ring und allg. halte ich das für eine Leucoagaricus-Art (Egerlingsschirmpilz), rel. häufig kommt Leucoagaricus leucothites vor.
Da passt aber nicht diese grau erscheinende Oberfläche. Es gibt da aber z.B. auch Leucoagaricus cinerascens, der sollte aber bei Alterung etwas schuppig werden (kenne ich selbst noch nicht ...)
https://www.mycodb.fr/fiche.php?genre=L ... inerascens
Diese Pilze tun dem Baum nichts, sie zersetzen Material im Boden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Egerlingsschirmlinge
Übrigens kann man alle Pilze (auch die hiesigen Giftpilze) ohne Probleme mit unbehandschuhten Fingern anfassen, sie enthalten keine Kontaktgifte.
(Ein asiatischer Pilz, Trichoderma cornu-damae, ist allerdings hochgradig giftig auch bei Berührung)
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 23 Okt 2020, 17:59
von Spinnich
Im Garten recht häufig (auch zu dieser Jahreszeit) findet man Egerlingsschirmlinge mit Geruch wie Egerling:
https://www.123pilzsuche.de/daten/detai ... rmling.htm
https://www.123pilzsuche.de/daten/detai ... rmling.htm
https://www.123pilzsuche.de/daten/detai ... erling.htm
Kann man aber von hier aus schwer beurteilen.
LG Spinnich

Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 23 Okt 2020, 20:09
von bee
Ich würde auf jeden Fall so ein Exemplar mal liegen lassen und auf die Verfärbungen achten.
Die Bilder bei 123 zeigen auch für L. carneifolius jung graue Hüte. (Wobei man 123 immer noch mit anderen Quellen vergleichen sollte, die franz. Seite hatte ich bewusst verlinkt.)
Anderswo im Web sah ich kürzlich L. mit hellgrauen Hüten, die jung minimal schuppig waren, die makroskopisch als L. cinerascens bezeichnet wurden (Das wird eventuell noch überprüft).
Bei mir kommt nur der extrem häufige L. leucothites vor (bis jetzt) - und den kenne ich nicht so grau (und der Hut auf dem einen Bild ist sogar grau-braun).
Auf jeden Fall sieht das interessant aus!
Die Gattung in Deutschland:
http://www.pilze-deutschland.de/organis ... coagaricus
Hier im Dänischen Pilzatlas wird carneifolius als Varietät von leucothites angesehen (keine Funde verzeichnet) - und in der "Gallery" von L. leucothites kommen 2 Pilze vor, die ziemlich grauhütig sind (und von Experten überprüft wurden).
Das Suchergebnis kann ich nicht direkt verlinken
https://svampe.databasen.org/en/search/
Über die Namensuche (ganz unten dann auf die Lupe klicken) kann man sich Listen anzeigen lassen und oben auch "Gallery", wo man dann wieder auf die einzelnen Bilder klicken kann.
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 26 Okt 2020, 12:39
von Cosmea
Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Antworten! Am Wochenende bin ich mit zwei Kleinkindern so eingebunden, dass ich nicht zum Schreiben komme.
Der obere Pilz stand näher am Baum und etwas abseits der anderen Pilze. Bei ihm konnte man keine Lamellen am der Unterseite erkennen. Ich hänge ein Bild von der Seite an. Mehr habe ich leider nicht gemacht.
Ich habe die anderen Pilze auch bei den Nachbarn gefunden und nochmal fotografiert. Ich denke schon, dass es Egerlinge sein könnten. Wobei die französische Seite ja angibt, dass die eher auf trockenen Böden vorkommen und bei uns ist seit Ende August eher feucht. Wir wohnen am Fuß eines kleinen Berges.
@Bee: Die Pilze habe ich mit Handschuhen angefasst um unnötiges Händewaschen zu vermeiden.

Ich muss gerade so oft Handedesinfektionsmittel benutzen, dass meine Haut sehr angegriffen ist...
Hat jemand von euch noch eine Idee, was der Tanne fehlen könnte? Ich habe das Gefühl, es geht ihr Tag für Tag schlechter und kenne mich leider gar nicht aus!
LG Alina
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 26 Okt 2020, 17:44
von Babs
Kannst du vom Belag und von Riss ein deutlicheres Foto machen?
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 26 Okt 2020, 18:05
von Spinnich
Bei den Pilzbildern in deiner letzten Antwort dürfte es sich um "gewöhnliche" Egerlinge, also vermutlich eine der sehr zahlreichen essbaren Champignons handeln. Wegen der beigebraunen Hutoberseite käme z. B auch ein Kulturchampignon (Brauner Zuchtegerling, Gartenegerling) in Betracht, also kein gewöhnlicher Wiesenchampignon (Feldegerling, Gartenegerling), es kommen aber auch weitere bräunliche Egerlingsarten in Betracht.
Der unansehnliche Pilz im ersten Bild dieser Fotoserie ist wohl in größerem Umfang ein Mahl von Schnecken gewesen.
Egerlinge sind Folgezersetzer (Naturdung, Kompost etc.).
Während unsere heimischen Egerlinge nicht Baumbezogen sind, gibt es etliche Pilzarten die über ihr Myzel (Mycel) mit dem Baum (Wurzel) in Symbiose leben.
Nur wenige Arten, wie Hallimasch dringen über das Myzel auch über die Wurzel in den Baum ein um in zu schädigen. Die meisten anderen Schadpilze gelangen aber direkt über Verletzungen am Holz in den Baum.
In den vorrausgehenden Bildern hatten die Pilze, soweit sichtbar helle Lamellen, also keine Egerlinge, sondern eventuell Egerlingsschirmlinge.
Egerlinge haben anfangs rosa, später kaffeebraune bis dunkel-schwarzbraune Lamellen.
LG Spinnich.
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 26 Okt 2020, 19:33
von bee
Hallo,
danke für die neuen Bilder.
Der oberste angefressene Pilz bleibt unbestimmbar,
im ersten Thread der letzte Pilz ist garantiert ein Egerlingsschirmpilz (ist kein Egerling, ganz andere Gattung), nur die genaue Art bleibt unsicher.
Bei den neuen Bildern sieht man Egerlinge (Champignons, Gattung Agaricus), was aber keinesfalls bedeutet, dass es sich um eine essbare Art handelt. Es gibt viele giftige Champignons (Sektion Xanthodermi, Karbolegerlinge, es gibt da mehrere - es sind auch zwei neue Arten dabei, einzuwandern).
Auch die gewöhnlich als essbar betrachteten Arten werden bis auf den Kulturchampignon inzwischen als durchaus "nicht gesund" betrachtet. Denn sie enthalten deutlich mehr Agaritin (einen potentiell krebserregenden Stoff) als der Kulturchampignon.
Die gilbenden Arten, die appetitlich nach Anis riechen, reichern Schwermetalle an. Dafür müssen sie nicht auf verseuchtem Boden stehen.
Manche Pilzberatungsstellen gehen jetzt dazu über, diese nicht mehr "freizugeben" bzw. auf den Sachverhalt deutlich hinzuweisen.
Bei Interesse hier weiterlesen (da wird Bezug genommen auf die Agaricus-Monografie von Parra)
https://forum.pilze-bayern.de/index.php ... l#msg25012
https://forum.pilze-bayern.de/index.php ... l#msg24967
https://forum.pilze-bayern.de/index.php ... l#msg25183
Egerlings-Bestimmung ist recht kompliziert, makroskopisch (auch mit makrochemischen Tests) kommt man häufig nur in die Sektion.
Man muss unbedingt den Geruch beachten und das Verfärbungsverhalten (Ankratzen der Stielbasis und dann den Pilz längs durchschneiden). Wesentlich sind auch die Farbveränderungen von ganz jungen Lamellen zu alten Lamellen und die Ringbeschaffenheit (aufsteigend, absteigend, doppelt, mit Zahnkranz ... so Sachen) und allg. natürlich die Oberflächen und Formen.
Hier bei den Pilzen meine ich z.B. eine deutliche Gilbung an der Stielbasis zu sehen - und oben deutlich abgeflachte Hüte. Hier würde also auch der Geruch interessieren. Könnte doch ein "Karboli" sein (mit bräunlicherer älterer Huthaut).
Einfacher Test (weil Gilben und Geruch sind nicht immer deutlich): in die Pfanne werfen und erhitzen.
Geruch und Verfärbung sollten deutlich werden (falls die "Richtung" stimmt).

Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 26 Okt 2020, 21:48
von Cryptomeria
Vielleicht hat das Schadbild überhaupt nichts mit Pilzen zu tun. Nordmanniana wächst im Kaukasus in den niederschlagsreichen, küstennahen Lagen ( 1400-2400mm) in 900 bis 2000 m Höhe. In den nördlichen Regionen ist es trockener ( 800mm -1200 mm), aber die untere Höhengrenze muss man als Trockengrenze verstehen, d.h. die letzten sehr trockenen Sommer hier können dem Baum auch so zugesetzt haben, dass er dieses Schadbild zeigt .Wir sehen doch bei ganz vielen Bäumen, dass der Wassermangel im Boden in den letzten Jahren sehr ausschlaggebend war.
Ich würde für den Anblick mindestens die trockenen Äste, soweit man drankommt, entfernen. Dann sieht das schon mal besser aus.
VG Wolfgang
Re: Kranke Nordmanntanne
Verfasst: 27 Okt 2020, 08:21
von Yogibaer
Sind unten am Stamm Kratzspuren von Katzen zu finden die dann natürlich auch einen Harzfluß erzeugen?
Harzfluß im unteren Stammbereich ist oft ein Anzeichen für Hallimasch- oder Wurzelschwammbefall. Hallimasch können wir wahrscheinlich ausschließen aber ein Befall mit Wurzelschwamm (Heterobasidion abietinum) wird oft erst äußerlich spät erkannt.
Gruß Yogi