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Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 17 Okt 2020, 20:47
von Elster
Hallo,
Ich hab aktuell ein Grundstück, auf dem ich in den nächsten 1-1,5 Jahren 23 Walnussbäume anpflanzen möchte.
19 davon sollen spezielle Sorten sein und drei Wild aufgegangene.
Und da wär ich beim Thema: einer davon ist ein Zwiesel, den ich eigentlich genau deshalb genommen hab (mal was andres ^^).
Jetzt bin ich mir aber nicht sicher ob das ein V-Zwiesel oder ein U-Zwiesel ist bzw ob der Baum im Alter mit einer hohen wahrscheinlichkeit auseinanderbricht :/
Vielleicht hat hier jemand mehr Ahnung als ich und kann mir weiterhelfen?
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 18 Okt 2020, 13:52
von Andreas75
Hallo,
würde ich für einen V- Zwiesel halten. Bei der Größe kannst Du noch ein/ zwei Jahre beobachten. Bildet sich ein Schlitz zwischen den Stämmlingen, weil sich da wie bei einem V- Zwiesel typisch, die Rinden aneinander drücken, ist es ein V, und ein Stämmling muss/ sollte weg. "Sollte", weil es jahrzehntelang gut gehen kann, dann aber bei einem ungünstig kommenden Sturm oder einer Orkanböe die ganze Sache in Sekunden auseinander gehen kann.
Auch, wenn sich zwischen beiden eine Höhlung/ Vertiefung bildet, sollte ein Stämmling ab. Steht dauerhaft Nässe zusammen mit bakterienhaltigem Mulm in einer Walnuss- Höhlung, beginnt es recht bald, auszufaulen. Was später bei einem kronenbildenden Stämmling auch fatal enden kann.
Ein U- Zwiesel wäre es, wenn die Rinde darin quasi wie bei einem Sattel glatt bleibt, die Biegung stets ebenso ausgeglichen, das sehe ich hier aber eher nicht. Ist gegenwärtig noch "beides", wird aber höchstwahrscheinlich ein V.
Ich würde daher, auch wenn es verständlicherweise mal eine Abwechslung ist, einen der beiden im nächsten Sommer abnehmen, da die beiden immer konkurrieren werden, bzw. Walnüsse auf einstämmiges Wachstum ausgelegt sind. Der zweite Stämmling kann auch zu einem Starkast abgedrängt werden, würde dann aber von der drüber befindlichen Hauptkrone eher ausgeschattet werden, für schattige Walnüsse typisch dann lang zur Seite ausweichen, und auch irgendwann ausbrechen. Was so nah am Wurzelbereich gleich das Aus für den ganzen Baum bedeuten würde, weil der dann bis in die Wurzeln auseinander brechen würde, womit die Standfestigkeit des Hauptstammes dann schlagartig halbiert wäre. Und Wunden über 15 cm kriegt eine Walnuss nicht schnell genug überwallt. Die macht mehr dicke Holzwülste um die Wunde und wächst weniger auf die Fläche hinaus.
Zudem sieht der Boden schwer und feuchtigkeitsspeichernd aus, so dass zum ganzen noch dauerhafte Feuchtigkeit am freigelegten Holz im Wurzelbereich käme.
Darum mein baumpflegerischer Rat, der Verzweigung wegen beizeiten (also im nächsten Juli/ August) am besten den linken Stämmling abzunehmen. Plus ein bisschen Wundverschlussmittel, von dem man zwar heutzutage großenteils abgekommen ist, welches aber doch das Kambium am Rand vor der Austrocknung bewahrt, so dass die Wunde schneller zu überwallen beginnen kann. Auch haben Walnüsse markgefüllte Jungtriebe, die Mitte der Wunde würde also recht schnell ausfaulen. Mit Wundverschluss drauf kann der Baum in Ruhe von innen abschotten, von außen bei einem so jungen Baum schnell überwallen, und so hätte man den geringstmöglichen Schaden.
Viel Erfolg mit der Walnussplantage,
Andreas

Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 18 Okt 2020, 16:57
von Elster
Dann erstmal danke für die schnelle Antwort
Dann werde ich die Sache mal beobachten und ggf. nächstes Jahr den linken Stämmling entfernen.
Ich hoffe nur, das sich der Baum dann noch gerde "zieht".
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 18 Okt 2020, 18:06
von AndreasG.
Ja, in dem Alter wird er sich anschließen aufrichten. Es wäre gefährlich, den so weiter wachsen zu lassen. Walnussbäume faulen leicht und als großer Baum kann der durchaus auseinander brechen.
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 22 Okt 2020, 10:48
von Elster
Hallo nochmal
Hab gerade nochmal nachgeschaut und es handelt sich definitiv um einen V-Zwiesel, sprich: die Rinde ist an der V Gablung eingewachsen.
D.h. ich werde den linken Stämmling entfernen.
Zwei Fragen hierzu noch:
1. Der Baum wurde frisch ausgegraben und umgesetzt. Wäre es vorteilhaft den linken Stämmling noch dieses Jahr abzuschneiden (damit der Baum weniger Energie für die Versorgung braucht?)
2. Wo soll der Stämmling abgeschnitten werden?
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 22 Okt 2020, 18:06
von Andreas75
Hy!
1) Nein, wäre dies Jahr nicht mehr vorteilhaft. Die Bäume gehen jetzt in Ruhe und können die Wunde weder noch abschotten noch anfangen zu überwallen. Das heißt, die Wunde wäre bis nächsten Mai relativ schutzlos. Schneide, wie ich empfahl, im nächsten Spät- Juli oder bis etwa Mitte/ Ende August.
2) Direkt an der Verzweigung, ohne Überstand.
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 24 Okt 2020, 16:19
von Elster
Eine Frage hätte ich noch, hierbei geht es aber nicht um das Thema "Zwiesel" sondern Überwallung:
Und zwar hab ich von meinem BRuder ein Walnussbaum bekommen, welcher ca 5 cm über dem Boden eine Beschädigung hat. Die Überwallung hat hier schon eingesetzt.
Schätz der Baum ist 3-4 Jahre alt.
Wie würden sie die Chancen einschätzen, das die Wunde noch komplett überwallt?
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 24 Okt 2020, 18:55
von Andreas75
Das sollte bei gutem Wachstum innerhalb von drei Jahren zu sein

.
Steht der da so eng, oder sieht das nur so aus? Oder ist das nur vorübergehend?
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 25 Okt 2020, 01:36
von Elster
Der steht da tatsächlich so eng, werde ihn aber ggf. noch dieses, oder spätestens nächstes Jahr umsetzen.
Sieht man eigentlich eine Überwallte Stelle dann in z.B. 10 Jahren überhaupt noch?
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 25 Okt 2020, 14:13
von Andreas75
Irgendwann mit dem Verwittern der äußeren Rindenschicht, spätestens mit der Borkenbildung, wird man die ehemalige Wunde nicht mehr sehen.
Eine Umpflanzung würde ich noch dies Jahr vornehmen. Da steht sie definitiv zu eng, eine Walnuss kann in 30 Jahren 50- 60 cm Stammdurchmesser erreichen, wenn der Standort gut ist. Laut Wetterfröschen sind wirkliche Fröste erst gegen Ende November zu erwarten, von daher würde ich sogleich umpflanzen, schonend, dann kann der Baum davor noch etwas anwurzeln, was ihm den Start im nächsten Jahr erleichtern wird.
Re: Walnuss - Zwiesel
Verfasst: 25 Okt 2020, 14:48
von Elster
Nächste Woche wollte ich ohnehin meine bestellten Walnussbäume pflanzen, da setz ich den gleich mit um
Nochmal zum Thema Wunderverschluss:
Im www liest man alles mögliche darüber.
Was ich nicht vestehe: In einem Artikel empfiehlt man, den Wundverschluss nur auf die überwallten Stelle aufzutragen :/
Was soll das für einen Sinn haben? Die Überwallte Stelle ist doch nicht der Schwachpunkt, sondern das freiliegende Kernholz?
Dann wird darüber gesprochen, das eine vollständige Wundversieglung negative Auswirkungen haben kann -> wenn sich Risse in der Versiegung bilden, können Pilze etc. eindringen und dann unter der Schutzschich gedeihen.
Es wird zwar nicht generell abgeraten, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen.
Wenn ich jetzt aus meinen aktuellen Erkenntnissen Schlüsse ziehen müsste, würde ich beim Zwiesel (nach dem entfernen des Stämmlings) und dem zuletzt gezeigten Walnussbaum, Wunderversieglung (vollflächig) auftragen und bei Rissbildungen die Versieglung ausbessern.
Wenn meine gewonnenen Erkenntnisse falsch sind, bitte Einspruch erheben
