Wassertriebe an Gemeiner Esche

Hier findet ihr Platz für sonstige Themen

Moderatoren: stefan, LCV, tormi

Antworten
Dieter_
Beiträge: 16
Registriert: 14 Aug 2020, 14:53
Wohnort: Wald

Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Dieter_ »

Hallo an alle,

in meinem Garten steht erfreulicherweise eine etwa 120-130 Jahre alte Gemeine Esche, die sich bester Gesundheit erfreut, soweit ich das beurteilen kann (Brusthöhenumfang 2,42 m, Kronendurchmesser 17,10 m).
Nun hörte ich vor längerem von Wasserschießern oder - trieben, die man unbedingt entfernen solle.
Auch an meiner Esche finden sich diese.

Nun meine Fragen:

1. Sind das überhaupt Wassertriebe, oder zählt das zum „normalen“ Astzuwachs?

2. Müssen diese Triebe entfernt werden, weil sie dem Baum insgesamt schaden könnten (bzw. Nährstoffentzug von Hauptästen oder auch unnötige Last für Hauptäste etc.)?

3. Gibt es vielleicht sogar Gründe, diese gerade nicht zu entfernen?

Meine Auffassung ist, dass man die Natur so lange, wie es möglich ist, sich selbst regulieren lassen sollte.
Auch weil diese „Schießer“ über die ganze Krone verteilt an vielen Ästen entstehen, denke ich, dass hiermit nichts wirklich „Schädliches“ oder „Unnormales“ gegeben ist.
Nicht zuletzt scheint es dem Baum wirklich „gut“ zu gehen.

Wie seht ihr das?

Gruß Dieter. :)
IMG_20200815_111044.jpg
IMG_20200815_111044.jpg (237.83 KiB) 214 mal betrachtet
IMG_20200820_093944.jpg
IMG_20200820_093944.jpg (224.55 KiB) 214 mal betrachtet
IMG_20200820_093902.jpg
IMG_20200820_093902.jpg (196.23 KiB) 214 mal betrachtet
IMG_20200820_093842.jpg
IMG_20200820_093842.jpg (195.73 KiB) 214 mal betrachtet
IMG_20200820_093825.jpg
IMG_20200820_093825.jpg (264.75 KiB) 214 mal betrachtet

Andreas75
Beiträge: 3960
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Re: Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Andreas75 »

Hallo,

wenn man die abschneidet, wird die Esche neue bilden. Ist also eine relativ sinnbefreite Aktion, zumal die Zweige dann irgendwann ausschatten, absterben und abfallen, wenn sie absolut nicht passen, der Baum sich also selber aushilft.
Nährstoffe, Kraft etc. nehmen sie nicht weg, das ist ein riesiger und auf vieles pauschalisierter Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Insgesamt erneuern sich Eschen auf diese Weise von innen heraus, denn wenn man 600 Jahre alt werden, aber nicht immer weiter nur außen weiter wachsen kann, weil sonst irgendwann allein die Zweige zu schwer werden (vor allem auch beim groben und schweren Gezweig der Esche), muss man das Vitalbleiben anders lösen. Bei der Esche eben durch solche langen Jungtriebe, die im Laufe der Zeit die äußeren Kronenbereiche erneuern und ersetzen. So bleibt der Baum lange kompakt und in der Statik zentriert, und kann erst dadurch hohes Alter generieren.
Bei Eichen und Buchen ist das bereits anders, die bauen immer weiter außen dran (Eichen lösen das Problem teils durch den knorrig werdenden Wuchs), und irgendwann knackt die Krone auseinander, wie vor einigen Jahren bei der Bavariabuche in Pondorf geschehen. Die einfach zu ausladend und statisch ungünstig wurde.

Bleib' bei der Maxime, die Natur machen zu lassen, wenn niemand durch die Selbstausputzerei des Baums zu Schaden kommen kann :).

Beste Grüße,
Andreas
Zuletzt geändert von Andreas75 am 20 Aug 2020, 16:42, insgesamt 2-mal geändert.

Dieter_
Beiträge: 16
Registriert: 14 Aug 2020, 14:53
Wohnort: Wald

Re: Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Dieter_ »

Genau das hatte ich vermutet und bei bereits abgestorbenen Austrieben auch schon beobachtet.
Also regelt die Natur die Sache selbst!

Sie erfüllen sicherlich auch ihren Zweck im Lebensprozess des Baums. (Wie in deiner erweiterten bzw. bearbeiteten Antwort sehr schön erläutert!)

Vielen Dank für die informative Antwort!

Grüße von Dieter. :)

Cryptomeria
Beiträge: 9388
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Re: Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Cryptomeria »

Man muss noch einmal betonen, dass diese Esche so formschön und gesund aussieht, wie man sie selten zu sehen bekommt.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Dieter_
Beiträge: 16
Registriert: 14 Aug 2020, 14:53
Wohnort: Wald

Re: Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Dieter_ »

Vielen Dank, das hört man gern!

Diese Esche hat aber auch ideale Wuchsbedingungen - besonders weil sie frei stehend von keinem anderen größeren Baum bedrängt wird.
Im unteren Bereich wurden einige starke Äste entfernt - vor meiner Zeit und sicherlich um Wege und Garten frei zu halten. Wenn man sich diese hinzudenkt, ergäbe sich wohl eine „perfekte“ volle Rundkrone, deren Astenden bis zum Boden reichten.
Ich dachte ursprünglich, dass Eschen weniger runde Kronen ausbilden und eher gerade nach oben wachsende Hauptäste bilden.

Wünschen wir ihr noch viele gesunde Jahre!

Gruß Dieter. :)

Cryptomeria
Beiträge: 9388
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Re: Wassertriebe an Gemeiner Esche

Beitrag von Cryptomeria »

Ja , das wünschen wir ihr.
Ich kenne auch keine Esche hier ganz im Norden , die so eine schöne Rundkrone ausgebildet hat. Bei uns wachsen alle gerade nach oben. Allerdings stehen auch viele nicht frei sondern in unseren Knicks oder sonstigem Verband und dann ist der Drang nach oben natürlich überlebenswichtig. Da kann man als Baum nicht an eine perfekte Krone denken, zumal Baum oft noch zusätzlich vom Pilz befallen ist.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Antworten