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Schmetterlinge - (geringe) Artenvielfalt ?

Verfasst: 30 Jul 2020, 11:24
von Christian
Hallo allerseits,
nachdem ich vor 2 Jahren zwei Sommerfliederbüsche gepflantz hatte, haben sich beide in diesem Jahr sehr schön entwickelt und blühen entsprechend üppig. Zu meiner Überraschung werden sie trotzdem fast ausschließlich vom Kaisermantel und Kohlweißling besucht, ganz selten mal ein Pfauenauge, nicht ein einziger (kleiner) Fuchs oder Admiral, nicht einmal ein Zitronenfalter .

Ich kann mich noch erinnern, dass die - leider lägst abgestorbenen - Exemplare im Garten meiner Eltern zu meiner Kinderzeit jedes Jahr zahlreiche Pfauenaugen, Admirale, Füchse und Zitronenfalter anlockten, regelmäßig tauchten sogar Schwalbenschwänze auf. An die Kaisermäntel kann ich mich dagegen nicht erinnern, das mag aber auch an meinem (kindlichen) Erinnerungsvermögen liegen.

Ist das eine regionale Erscheinung (Rhein-Main Gebiet), oder ist es in Euren Regionen ebenso traurig um die Artenvielfalt bestellt ?
Dass der Kaisermantel derart die Überhand gewonnen hat, wundert mich, aber möglicherweise ist dessen Raupe am anpassungsfähigsten ?

Eure Beobachtungen würden mich interessieren.

Viele Grüße
Christian.

Re: Schmetterlinge - (geringe) Artenvielfalt ?

Verfasst: 30 Jul 2020, 12:07
von LCV
Mich wundert der Zitronenfalter. Den sieht man im Frühjahr
zuallererst, später - wenn Buddleja blüht - eher selten bis
überhaupt nicht. Unsere Buddleja wird aber häufig von
Distelfaltern besucht, oft in Schwärmen.

Wahrscheinlich ist das regional bedingt.

Hier im Süden haben wir eine Saatkrähenplage. Wenn die sich
morgens auf Dächern sammeln, sitzen da so viele, dass kaum noch
Dachziegel durchschauen. Außerdem haben die ihre Brutkolonien
in den alten Platanen. Folge: jeden Morgen unerträglicher Lärm
und auf keinen Fall Autos dort parken.

Andere Vogelarten werden von den Saatkrähen verdrängt. Obwohl
unter Naturschutz, in manchen Gegenden sicher angebracht, sollte
man hier mal diese vielen 1000 Räuber ab und zu dezimieren.

Ob die Krähen auch Schmetterlinge fangen, kann ich nicht sagen,
aber das Gleichgewicht ist schon stark beeinträchtigt.

Re: Schmetterlinge - (geringe) Artenvielfalt ?

Verfasst: 30 Jul 2020, 13:10
von Cryptomeria
Hallo Chris,
nach meinen Beobachtungen ( und Meldungen ) gibt es dieses Jahr regional sehr wenige Schmetterlinge ( aber sehr viele Hummeln ). Dort wo es sehr viele Raupen- und Schmetterlingsfutterpflanzen gibt, ist die Artenvielfalt gut, aber dort, wo es sowieso weniger zu fressen gibt, ist die Schmetterlingsanzahl dieses Jahr sehr gering. Vor 2 Jahren hatten wir ein " Schmetterlingsjahr"( jedenfalls bei uns hier in SH ) und letztes Jahr hatten wir den Durchzug von zig-Mio Distelfaltern( bis zum Nordkap ) Aber das schwankt und hängt mit dem Zusammentreffen von optimalen Raupenbedingungen zusammen.
Also dieses Jahr nicht außergewöhnlich deine Beobachtungen, vielleicht gibt es nächstes Jahr wieder mehr. Ein stetiges Abnehmen kann man aus den Beobachtungen nicht schließen, aber aufgrund der bekannten Ursachen bleibt die Insektenanzahl in vielen Regionen gering.
VG Wolfgang

Re: Schmetterlinge - (geringe) Artenvielfalt ?

Verfasst: 30 Jul 2020, 18:48
von AndreasG.
Ich habe in diesem Jahr überhaupt noch keine Schmetterlinge gesehen, andere Insekten (Bienen, Fliegen, Hummeln) durchaus.

Re: Schmetterlinge - (geringe) Artenvielfalt ?

Verfasst: 30 Jul 2020, 23:29
von Spinnich
Die Anzahl der Schmetterlinge und die Zusammensetzung der Arten ist natürlich von mehreren Faktoren abhängig, aber ganz sicher stark rückläufig, wie auch die gesamte Anzahl an Insekten Biomasse und der Atenvielfalt.
In meinem Garten Finden sich noch kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Weißlinge, Russischer Bär, Kaisermantel an einem Schmetterlingsflieder.
Da es zahlreiche andere Blütenpflanzen dort gibt, verteilt sich aber auch die Zahl der Schmetterlinge auf andere Hotspots im Garten.
Nicht nur Bienen und Hummeln auch etliche Schmetterlinge saugen ebenso gerne oder lieber an Pflanzen auf meinem Kräuterbeet, besonders an Ysop.
Da konnte ich auch den Malvendickkopf und das Ochsenauge beobachten.
Zitronenfalter und Schwalbenschwanz (selten mal einen Segelfalter) beobachte ich vorwiegend im Frühjahr bis Frühsommer, dann auch immer mal Schachbrett. Distelfalter und Admiral sind Wanderfalter und kommen mal in Schwärmen oder eben nur vereinzelt (zur Zeit eher spärlich).
Der Admiral ist im Herbst bei mir aber meist häufiger.
Leider sind viele andere Falter eher kaum mehr zu sehen, ob Perlmutt und Scheckenfalter, Widderchen und die Vielfalt der Augenfalter und der Bläulinge, da ist auch in den besten Biotopen nicht mehr allzu viel geboten. Einen Eisvogel auf dem Waldweg zu finden ist schon ein Highlight.

Man sollte nicht vergessen , dass die passenden (giftfreien und nicht mit Stickstoff überdüngten) Raupenfuttterpflanzen die Vorraussetzung für das Überleben der Falterarten sind.

Zum Glück können zumindest die Arten die auf Gräser und Wiesenkräuter angewiesen sind auf meiner Streuobstwiese noch Futterpflanzen finden.

LG Spinnich :shock: