Der
echte Nelkenwurz wächst seit Jahrzehnten in meinen Gärten, wo ich ihn stellenweise auch rode, da er sonst andere Pflanzen verdrängt und überwuchert. Die Früchte mit den Häkchen (Verbreitung) sind manchmal auch etwas lästig.
Wie ich gerade glesen habe hybridisiert er auch gerne mit Bachnelkenwurz. Die Hybride Geum urbanum x rivale nennt sich Geum × intermedium und hat eher nickende Köpchen wie bei Geum rivale.
Deine
Frage zum Gebrauch kann ich nicht selbst beantworten, aber im allgemeinen wird das Kraut fast gar nicht mehr verwendet, obwohl man die jungen Triebe und Blätter wohl Salaten beigeben kann. Tee aus dem Kraut, besser aus dem Wurzelstock ist ein Adstringens, Stärkungsmittel und entzündungshemmend.
Wurzelauszüge (alkoholische) eignen sich als Zusatz für Zahnpasta und Likör.
Anwendung in der Volksheilkunde früher auch als Aphrodisiakum, zielt deine Frage darauf ab?
Jedenfalls sind keine Nebenwirkungen zu befürchten. Die ätherischen Öle (Eugenol), Gerb und Bitterstoffe sind nach meinem Heilpflanzenbuch (vom Apotheker M. Pahlow) auch heute noch mit Recht als wirksames Tonikum und Kräftigungsmittel im Gebrauch. Die Gerbstoffe des Wurzelstockes sind mit der Wirkung von Blutwurz und Eichenrinde vergleichbar (weitaus geringer im Kraut). Anwendung als Abkochung=Tee zum Gurgeln oder für Umschläge, aber auch zur inneren Anwendung gegen Magen und Darmstörungen.
Als Bedendiktenkraut wurde es früher auch beim Bierbrauen zugesetzt (gegen das sauer werden) oder zum Aromatisieren von Wein verwendet oder zur Herstellung von Likör.
Teezubereitung:
1 geh. Teelöffel Wurzeln (luftgetrocknet!) in 1/4 l kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten ziehen lassen.
Abseihen und dann 2-3 Tassen davon am Tag zu sich nehmen (nicht Überdosieren wegen des hohen Gerbstoffgehaltes).
Übrigens galten die Wurzeln früher, in einem Beutelchen getragen, als Schutz vor Hexen und Dämonen, bzw. wurden pulverisierte Wurzeln dem Malefizpulver zugesetzt, einem Mittel gegen Hexen und Teufel, da aufgrund des starken Duftes dem Echten Nelkenwurz eine antidämonische Wirkung zugesprochen wurde.
Wegen des intensiven Geruches diente Geum deshalb in getrockneter Form früher auch als Ersatz für das teure exotische Nelkengewürz.
Ein Bad in dem Tonikum soll übrigens auch gegen Frostbeulen und bei Hämorrhoiden wirksam sein.
Für Zierpflanzenfreunde gibt es auch besonders attraktiv blühende Arten wie den rotblühenden Geum coccineum vom Balkan (in verschiedenen Laubfarben, 'Eos') oder in orange 'Borisii' bzw gelborange - aprikosefarben 'Coppertone' oder 'Koi' (Farbmischung ähnlich 'Mai Tai') und aus Chile Geum chiloense mit halbgefüllten Blüten in Sorten wie 'Goldball' / 'Lady Stratheden' oder ‘Feuerball’ / 'Mrs Bradshaw' oder in aprikotfarbener Mischung 'Mai Tai'.
sehr attraktiv wäre auch der Gletscher-Nelkenwurz Geum reptans (Östereich) für einen Alpin-Garten
LG Spinnich
