Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Hier findet ihr Platz für sonstige Themen

Moderatoren: stefan, LCV, tormi

Antworten
Chelterrar
Beiträge: 212
Registriert: 01 Aug 2017, 00:00
Wohnort: WHV 8a

Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Chelterrar » 19 Aug 2019, 00:09

Moin liebe Freunde der großen Biodiversität,

Während in Deutschland über Co2 Steuer und eine Wiederbeforstung artenarmer Mischwälder nach dem zu erwartenden Zusammenbruch der noch viel artenärmeren Fichtenmonokulturen diskutiert wird, werden in den artenreichen und erhaltenswerten Lebensräumen des tropischen Regenwaldes in Brasilien, Afrika und Indonesien Fakten geschaffen. Nachdem Borneo, einzigartig mit seiner Vielfalt an fleischfressenden Pflanzen und Hotspot der majestätischen Flügelfruchtgewächse, seit Jahren in Flammen lodert, weil die Bewohner lieber Palmöl verkaufen, als ihre einzigartige Natur zu schützen, meint Bolsonaro aktuell, der Amazonas solle lieber Kühen, statt tausenden seltener Arten unterschiedlichster Ordnungen einen Lebensraum bieten. Die Hölzer sollen dann noch gewinnbringend verkauft werden.

Und dies ist genau der Punkt, denn viele scheinen zu glauben, dass der Regenwald in den Tropen so tickt, wie der mitteleuropäische Buchenwald. Der besteht überwiegend aus Buchen, und zwar fast nur aus Buchen. Wenn der abgeholzt wird, dann ist das vielleicht für den Wald schade, für die Buche als Spezies überhaupt kein Problem, da diese noch ein vielfaches an Wäldern an Reserveflächen hat. Doch selbst die Vernichtung eines Eichen-Hainbuchenwaldes oder auch eines Erlenbruchwaldes ist für die Artenvielfalt gar kein Problem, da diese Spezies durch das Entfernen eines Waldstückes und selbst durch die Auslöschung in der Natur immer noch erhalten blieben, und wenn auch nur als Eicheln und Zapfen in irgendeiner Samendatenbank.

Insgesamt kommt jede Baumart in so einem Wald sehr häufig vor und er wirkt sehr monoton, die Wechselwirkungen sind beschränkt, der Konkurrenzdruck gering, da der Lebensraum aufgrund der starken Artenarmut in vielen Nischen ungenutzt ist.
Doch der Regenwald ist da komplett anders, in ihm wird der Lebensraum nahezu vollständig genutzt, jede Nische ist von irgendwas besetzt, selbst die Bäume beherbergen häufig mehr Pflanzenarten aus unterschiedlicheren Familien, als in einem Quadratkilometer großen Eichen-Hainbuchenwald.
Doch selbst die Bäume sind besonders, gefühlt scheint jeder Baum einer anderen Art anzugehören, doch es gibt keine Monotonie, denn der Regenwald ist durchsetzt und gesäumt mit Reliktarten und botanischen Schätzen, die noch völlig unerforscht sind. Doch auch äußerlich ist der Regenwald ein Ökosystem, welches verschiedenste Lebensräume bildet. Während der Buchenwald oben eine Krone, bildet, in der vielleicht ein paar Vögel und Insekten einen Lebensraum finden, verfügt der Regenwald über mehrere Stockwerke, die von der umfangreichen Strauchschicht bis zu den Baumriesen geht, die bis zu 90m Höhe erreichen können und vereinzelt aus dem grünen Meer herausragen, ein Waldtyp, der allein schon mangels Arten hier nicht natürlich realisiert werden kann. So ist es wahrlich beeindruckend, dass quasi ein jeder Meter eine eigene Flora und Fauna aufweist, während der glatte Stamm einer Buche Meter für Meter wohl nur abenteuerlustigen Flechten und Moosen einen Lebensraum gibt.

Doch genug von meiner Vorstellung des tropischen Regenwaldes. Nun zu meiner Frage, die mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Werden durch die Brandrodung und durch das Abholzen der tropischen Regenwälder hunderte wenn nicht tausende von Tier- und Pflanzenarten, die tausende bis Millionen Jahre brauchten, um überhaupt zu entstehen, für diese Welt unwiederbringlich aussterben? Oder ist jede dieser Arten ausreichend erforscht und besitzt eine Überlebenspopulation in irgend einem botanischen Garten/Zoo/Samenbank ?
Denn wäre dies nicht so, würde das ja bedeuten, dass der Mensch das artenreichste, über Jahrmillionen von Jahren gereifte Ökosystem der Erde für ewig entwerten und zerstören würde. Auch wenn ich noch nie in einem solchen Wald war, wäre es schon bedrückend zu erfahren, dass ich ihn nie in seiner beeindruckendsten Form erfahren werden kann.

Dann würde mich noch eure Meinung hierzu interessieren: Findet ihr es auch schade, dass der tropische Regenwald abgeholzt wird und findet ihr, dass der Welt dadurch sehr viel unwiederbringlich verloren geht oder ist es euch egal, weil es ja weit weg ist und es lieber mehr Menschen statt mehr Tier- und Pflanzenarten auf der Welt geben sollte? Und wie findet ihr die Haltung der westlichen Welt, statt sich politisch dafür einzusetzen, dass dieser Lebensraum nicht zerstört wird mithilfe von Sanktionen/militärischen Maßnahmen (der Regenwald ist ein Naturerbe globalen Ausmaßes, welches im Gegensatz zum Buchenwald sich ökologisch auf einem anderen Niveau befindet und daher über die Ländergrenzen hinweg geschützt werden sollte, meiner Meinung nach zumindest), sondern stattdessen im Beispiel von Brasilien irgendwelche Entwicklungshilfe einzustellen, die den Bolsonaro nicht einmal mit der Wimper zucken lassen und es mehr oder minder unter den Teppich zu kehren?

Ich bin gespannt, denn ich finde dieses Thema sehr spannend und traurig zugleich.

Nachtrag: Ich kritisiere übrigens hier weder die Buchen, noch die Eichen oder Erlen, ich kritisiere lediglich die im Vergleich zu den tropischen Regenwäldern grassierende Artenarmut der Wälder Mitteleuropas und den Einsatz zehntausender Deutscher für einen Wald in NRW, der ersetzbar und dessen Abholzung zu keiner Zeit eine Art gefährdet hätte, während in derselben Zeit hunderte Arten anderswo in einem wirklich erhaltenswerten und kostbaren Wald den Flammentod sterben und dies ohne Proteste stillschweigend hingenommen wird.

LG Chelterrar

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 8421
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von LCV » 19 Aug 2019, 10:57

Der Regenwald verdient den Namen Wald, während in Europa die meisten Wälder eigentlich Holzgewinnungsplantagen sind. Die Monokulturen entstanden, um die "Ernte" zu erleichtern. Man hat aber vor 200 Jahren sicher nicht bedacht, dass eine Monokultur auch sehr anfällig für Schädlinge und Windbruch ist. Erst in letzter Zeit bemüht man sich, Mischwälder aufzuforsten. Aber bis auf wenige Naturschutzgebiete und einige Flächen im Osten Europas dienen die Wälder Europas vorrangig der Holzgewinnung, sind also kommerziell genutzte Kulturen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, solange die Natur, wenn auch menschbestimmte, erhalten bleibt. Es ist schon ein Fortschritt, dass man von Monokulturen abkommt und in unseren "Wäldern" inzwischen auch Tierarten wieder einen Lebensraum finden, die hierzulande schon fast ausgestorben waren.

Es ist aber richtig, wenn es Proteste gegen die sinnlose Abholzung von Wäldern wegen des Braunkohleabbaus gibt, der zwar von der Politik inzwischen als unnötig bis schädlich eingestuft wird, dennoch ein Ausstieg nicht umgehend verfügt wird, sondern erst mal auf 2038 vorgesehen ist. In diesem speziellen Fall ist es nicht nur irgendein Wald, sondern auch ein Symbol. Es bleibt ja nicht dabei, dass der Wald abgeholzt wird, es wird die ganze Natur zerstört und selbst ganze Dörfer werden plattgemacht. Zurück bleibt eine Art Steppe, die längere Zeit braucht, um sich zu regenerieren. Es ist nicht nachvollziehbar, dass man den Ausstieg beschlossen hat, aber trotzdem noch jahrelang weiter machen will. Man argumentiert mit Arbeitsplätzen und Kosten, aber der Schaden an solchen großen Flächen und die Entschädigung der zwangsweise umgesiedelten Menschen kostet vermutlich noch mehr. Selbst wenn man jedem dort beschäftigtem Arbeitnehmer sein Gehalt bis zu Rente weiterzahlen würde bzw. einen Ausgleich, falls ein anderer Job weniger einbringt, wäre das billiger.

Der Regenwald steht im Gegensatz zu hiesigen Wäldern auf relativ unfruchtbarem Boden. Er kann nur deshalb bestehen, weil ein kompliziertes und noch kaum erforschtes System diesen Mangel ausgleicht. Ein Zusammenspiel vieler verschiedener Pflanzen und Tiere ist das Rezept. Man hat ja schon in der Vergangenheit gesehen, dass die Brandrodung unsinnig ist. Im ersten Jahr waren ganz gute Erträge auf der Asche erzielt worden. Nach 3 oder 4 Jahren musste man das nächste Stück Wald roden, weil der Ertrag den Aufwand nicht mehr lohnte. So wird der Wald ständig kleiner, Wüsten und Steppen immer größer. Regenwald und Wüsten bestimmen aber das "Weltwetter". Da man aber den Verursachern nicht beikommt, konzentriert man sich lieber auf den einzelnen Bürger, um ihm in die Taschen zu greifen. Es ist ja viel einfacher, der Masse (ohne wirkliche Lobby) die Schuld zu geben und diese abzukassieren, als sich mit der Großindustrie und ganzen Staaten anzulegen.

Unsere Regierung will gern das Vorbild für die Welt spielen. Um z.B. CO2 beim Betrieb der Fahrzeuge zu vermindern, hat man E10 "erfunden". Das hierfür benötigte Ethanol wird z.B. in Brasilien aus Zuckerrohr gewonnen. Dafür wird Regenwald vernichtet. Zwar wächst Zuckerrohr nicht genau dort, aber anderes wird in die Regenwaldgebiete verdrängt, also indirekte Wirkung. Aber Frau M. spricht von nachhaltig! Dasselbe gilt für Palmöl. Und was pusten die Tanker in die Luft, die das Zeug nach Europa schippern? Die schaden der Umwelt und dem Klima mehr als was das ganze Ethanol oder Palmöl beim Schadstoffausstoß verbessert. Diese ganzen Aktionen seitens der Politik sind genau genommen kontraproduktiv, sorgen aber für ein schlechtes Gewissen beim Bürger und erschließen Einnahmequellen für den Staat. Würde Europa Brasilien oder Indonesien das Zeug nicht abkaufen, müssten die auch keine Natur zerstören. Für den Eigenbedarf (in BR fahren fast alle Autos mit Alkohol) hatte es immer gereicht. Erst als Exportartikel wurde es interessant.

Hier hatte ich eine Aktion angestoßen:
viewtopic.php?f=10&t=8292&hilit=E10+Aufkleber

Damit das nicht falsch verstanden wird, ich bestreite keineswegs, dass der Mensch am Klimawandel beteiligt ist. Es ist nur die Frage, was man dagegen tun kann, wie groß unser Einfluss tatsächlich ist und was z.B. erhöhte Sonnenaktivitäten, Vulkanausbrüche usw. anrichten. Man hat sich auf CO2 eingeschossen, weil es eine Größe ist, die direkt mit dem Verbrauch zusammenhängt, sich perfekt instrumentalisieren lässt. Dabei wird aber vergessen, dass bei zu ambitionierten Grenzwerten, der Ausstoß anderer Schadstoffe steigen kann. Aber es ist typisch für die Politik, dass man nur das Offensichtliche groß herausstellt und aus dem Zusammenhang reißt. Bestes Beispiel: Elektroauto. Kein Auspuff dran, kein Schadstoffausstoß, also das Wunderheilmittel für das Klima! Aber was bei der Herstellung passiert, wird verschwiegen. Das benötigte Lithium für die Akkus wird im großen Stil in den Anden gewonnen, wo die Natur zerstört wird und die dort lebenden Menschen verdrängt werden. Dieser ganze E-Hype war ein wenig durchdachter Schnellschuss und es wäre besser gewesen, andere Lösungen zu erforschen. Aber es wurde ja quasi verordnet und die Hersteller hatten keine Wahl. Mich stört nicht, dass man etwas gegen den Klimawandel tun will, egal wie groß der Anteil der Menschen sein mag, sondern dieser blinde Aktionismus und dass man nicht da ganz konsequent ansetzt, wo auch die größte Wirkung erzielt wird, z.B. beim Schutz der Wälder.

Spinnich
Beiträge: 2135
Registriert: 27 Jul 2010, 01:14
Wohnort: nördl. Unterfranken

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Spinnich » 19 Aug 2019, 23:41

Ich möchte hier ungern politisieren, aber wer sich mit den wissenschaftlich belegten und belegbaren Fakten auseinandersetzt, kann die entsetzlichen Folgen, die uns jetzt so nahe bevorstehen auch nicht einfach wegwischen.
Wenn man sich aber die Daten und (zurückhaltendsten) Prognosen der Forschung zum CO2-Anstieg inklusive anderer Klimagase (Methan) und die erwartete Erwärmung von 2,5-4,9 °C bis zum Ende des Jahrhunderts anschaut, muss man sich darüber im Klaren sein welche Auswirkungen das für unser Weltklima und die Zunahme katastrophaler extremer Wetterereignisse hat, darüber hinaus für die Versauerung der Ozeane und den Anstieg der Meeresspiegel usw.
Es gibt triftige Hinweise dass diese Annahmen noch übertroffen werden, wenn wir nicht den CO2-Ausstoß drastisch drosseln und dass wir gezwungen sein werden Milliarden bis hin zu Billionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre wieder zu entfernen (spätestens ab 2050), um das Ziel des begrenzten Klimaanstiegs < 2°C erreichen und halten zu können.
Wird das Ziel dagegen deutlich verfehlt, droht der Erde ein derartiges Inferno, dass statt der heutigen immer noch steigenden Bevölkerung von ca. 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde in 2.100 max. nur noch 1 Milliarde Menschen existieren könnten.
Legt man dieses Szenario zugrunde darf man den Präsident Jair Messias Bolsonaro vielleicht bald als den größten (zukünftigen) Massenmörder aller Zeiten der Weltgeschichte bezeichnen und alle seine politischen Freunde als Komplizen des Untergangs der Menschheit, wie wir sie noch erleben dürfen.
Es bleibt keine Zeit diese Schurken ihre Komplizen und die Unzahl untätiger Mitläufer gewähren zu lassen. Die Auswirkungen der Kriege aller Despoten und Faschisten (die ja leider vielerorts gerade wieder aus den Rattenlöchern kriechen und sich erfolgreich mit ihrer Polemik als Rattenfänger unter uns breit machen) können nicht an die unausweichlichen Folgen dieses verbrecherischen Tuns dieser Menschheitsfeinde unserer Epoche heran reichen.

Mit Bedauern zur Kenntnis
Spinnich :cry:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Chelterrar
Beiträge: 212
Registriert: 01 Aug 2017, 00:00
Wohnort: WHV 8a

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Chelterrar » 20 Aug 2019, 22:01

Moin Frank und Spinnich und danke für die Anregung.

Nachdem ihr eine Einschätzung der Auswirkung der Abholzung der Wälder auf das Klima gegeben habt, würde mich noch interessieren, wie eure Einschätzung zum Aspekt der Artenvielfalt und deren potenziellen Schwund durch die Zerstörung des Regenwaldes ist.

LG Chelterrar

Spinnich
Beiträge: 2135
Registriert: 27 Jul 2010, 01:14
Wohnort: nördl. Unterfranken

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Spinnich » 21 Aug 2019, 00:39

Im Amazonasgebiet gibt es sowohl bei der Flora, als auch der Fauna mehr Arten als auf dem Rest der Erde.
Es werden noch über 1 Million unbekannter Tierarten dort vermutet. Viele werden ausgerottet sein bevor wir sie überhaupt je entdecken.
Bei den Pflanzen ist es sicher ähnlich. Nur ganz wenige Arten sind häufig und Bestands bildend, die meisten Baumarten sind übrigens extrem selten.
Im Prinzip gilt das für alle gefährdeten Urwälder, aber mit der Artenvielfalt des Amazonas - Urwaldes können die anderen Hotspots nicht ganz mithalten.

LG Spinnich :!:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 8421
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von LCV » 21 Aug 2019, 09:38

Das sehe ich ganz genauso.

biloba
Beiträge: 1610
Registriert: 07 Nov 2005, 10:38
Wohnort: Gera

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von biloba » 25 Aug 2019, 20:29

An dieser Stelle fordere ich von der Bundesregierung und von der EU, dass ein umgehendes Embargo gegen importiertes Soja aus Südamerika und gegen Ethanol und Pflanzenöle zum Zwecke der Energieerzeugung bzw. zur Verwendung als Kraftstoff verhängt wird.

Nur so lässt sich der ökonomische Druck von den Regenwäldern nehmen.
Frank hatte ja schon mal einen Ansatz platziert, der leider nicht energisch genug gewesen ist.


Energische Grüße!

Spinnich
Beiträge: 2135
Registriert: 27 Jul 2010, 01:14
Wohnort: nördl. Unterfranken

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Spinnich » 25 Aug 2019, 22:43

Die Produktion von Kraftstoffen aus Ethanol hat eine besonders schlechte Energiebilanz (ähnlich unseren "Bio"-Gasanlagen) und fördert den CO2 -Anstieg, den wir doch dringend reduzieren sollten. die Zwangsbeimischung (E10) ist genauso aberwitzig (mein alter Passat brauchte damit deutlich mehr Sprit!), wie die Verordnung der hochgiftigen Energiesparlampen kurz vor dem absehbaren Durchstarten der LED-Leuchten.
Beim massenhaften Sojaanbau profitieren auch nur ein paar Agrarindustrielle, aber man müsste den Staaten schon auch nicht nur mit Auflagen kommen, sondern die Erhaltung der Natur oder wenigstens eine sanfte kleinbäuerliche Nutzung entsprechend vergüten, statt CO2-Emissionshandel den Großkonzernen zu überlassen.

LG Spinnich :?
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

biloba
Beiträge: 1610
Registriert: 07 Nov 2005, 10:38
Wohnort: Gera

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von biloba » 25 Aug 2019, 23:33

Spinnich hat geschrieben:
25 Aug 2019, 22:43
wie die Verordnung der hochgiftigen Energiesparlampen kurz vor dem absehbaren Durchstarten der LED-Leuchten.
Über den Unsinn von Biokraftstoffen sind wir uns einig.
Aber ehrlicherweise muss man gestehen, dass es keine Verordnung zu diesen Giftlampen gab, sondern nur ein Verbot von Glühlampen. Und wir dürfen davon ausgehen, dass die LED vor allen deshalb so durchstarten konnten, weil mit diesem Glühlampenverbot der Markt für sie frei geräumt wurde. Es bleibt zu spekulieren, ob so intensiv an LEDs geforscht worden wäre, wenn Glühlampen noch den Markt beherrschen würden.

Spinnich hat geschrieben:
25 Aug 2019, 22:43
Beim massenhaften Sojaanbau profitieren auch nur ein paar Agrarindustrielle, aber man müsste den Staaten schon auch nicht nur mit Auflagen kommen, sondern die Erhaltung der Natur oder wenigstens eine sanfte kleinbäuerliche Nutzung entsprechend vergüten, statt CO2-Emissionshandel den Großkonzernen zu überlassen.
Einspruch, Euer Ehren!
Kleinbäuerliche Erzeuger zu fördern, wird die Lebensmittelproduktion schon von Natur aus teurer machen. Die können allenfalls die Lebensmittel für die Bevölkerungsschichten produzieren, die sich leisten kann, ihre Sachen im Bioladen oder im Fair-Trade-Laden zu kaufen. Wer den Groschen vor dem Ausgeben zweimal ausgeben muss, für den werden solche kleinbäuerlichen Produkte unerschwinglich.

Schau Dir doch mal die Wertschöpfungskette an, in der Milchprodukte zum Beispiel in Bayern produziert werden.
1. Kleiner oder mittelständlicher bäuerlicher Betrieb
2. Molkereikonzern
3. Einzelhandelskonzern.
Die letzten beiden Schritte werden von großen Konzernen beherrscht, während den Erzeugern das Wasser Oberkante Unterlippe steht. Vom Endverkaufspreis für Milchprodukte bekommen die Bauern nur einen Bruchteil als Milcherzeugerpreis!

In Ostdeutschland sieht es da etwas optimistischer aus. Hier haben sich die großen Genossenschaften erhalten und die kommen mit den Einkäufern der Konzerne schon wesentlich näher an die Augenhöhe.

Ein besserer und zielführenderer Weg wäre die Umstellung der Subventionen auf kleinteiligere Pflanzenproduktion.

Spinnich hat geschrieben:
25 Aug 2019, 22:43
(ähnlich unseren "Bio"-Gasanlagen)
Die will ich in keinster Weise pauschal verurteilen! Das haben sie nicht verdient!
Überall dort, wo Biogasanlagen Abfälle vergären, die in der Landwirtschaft oder in Küchen ohnehin anfallen, dort haben diese Anlagen ihre volle Berechtigung. Allenfalls über das Vergütungsmodell für den Strom müsste man mal reden. Diese Anlagen sind nämlich spitzenlastfähig. Sie sind in der Lage, innerhalb kürzester Zeit von Null auf Hundert Prozent anzufahren, um Lastspitzen auszugleichen. Und sie sind in der Lage, auch nachts und im Winter Strom zu liefern, wenn es dunkel ist oder die PV-Anlagen massenweise im Schnee versunken sind.

Weiterhin darfst Du nicht vergessen, dass sich in einem solchen anaeroben Gärtank ein Prozess der Denitrifikation abspielt. Ein großer Anteil des Nitrates in der Gülle wird dadurch in unschädlichen molekularen Stickstoff verwandelt und entlastet damit das Grundwasser, wenn nicht mehr Gülle, sondern Gärrest auf die Felder ausgebracht wird. Willst Du darauf verzichten?

Zu verurteilen ist allerdings der Anbau von Mais und anderen Pflanzen, die schon von vorn herein für die Nutzung in Biogasanlagen vorgesehen sind. Würde ich mit meiner Forderung nach einem Embargo für Soja aus Brasilien durchkommen, wäre diese Frage wahrscheinlich auch schnell erledigt.


Unverstandene Grüße!

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 8421
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von LCV » 25 Aug 2019, 23:35

@ Biloba: Meine damalige Aktion ging an etwa 1000 Automobilclubs in Deutschland.
Es wurden nicht nur Aufkleber verteilt, sondern in den jeweiligen Clubmagazinen
auf den Unsinn hingewiesen. Hilfreich war, dass bei älteren Motoren sogar Schäden
entstehen konnten. Aber auch der Mehrverbrauch machte den Preisvorteil zunichte.
Es hat sich ja auch gezeigt, dass E10 ein Flop wurde. Nur ein paar gedankenlose
Pfennigfuchser (die nicht rechnen können) tanken das Zeug.

Ener
Beiträge: 43
Registriert: 08 Mai 2017, 14:14

Re: Zerstörung der Regenwälder, ökologischer Schaden und Artenschwund zugleich?

Beitrag von Ener » 26 Aug 2019, 08:02

Vielleicht besteht seitens der Politik ja mittlerweile tatsächliches Interesse, im Sinne des Naturschutzes wirkungsvoll zu handeln! Schön wäre es!

Sich nun den Regenwald Brasiliens rauszusuchen und einzig auf Bolsonaro zu zeigen ist mir aber eindeutig zu billig! Hier scheint Haltung an erster Stelle zu stehen.

https://www.nytimes.com/interactive/201 ... -maps.html

Antworten