Feige an Stelle von Mirabelle

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Windflüchter
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Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Windflüchter » 11 Jul 2019, 22:23

Hallo zusammen,

heute morgen ist im Garten meiner Eltern leider die alte Mirabelle unter der Last ihrer Früchte und dem Regen zum Großteil zusammen gebrochen. Das ist sehr schade und wir machen uns auch ein wenig Vorwürfe, dass niemand bemerkt hat, dass der Baum hätte gestützt werden müssen. Etwa ein viertel der Krone steht noch und die darin hängenden, noch unreifen gelben Zwetschgen, sollen noch bis zur Ernte reifen. Nach der Ernte jedoch soll der Baum weichen und Platz für einen anderen Obstbaum machen.

Jetzt habe ich gelesen, dass man nicht die selbe Art an gleicher Stelle Pflanzen sollte, wohl aufgrund von Krankheitserregern im Boden oder ausgelaugte Nährstoffe im Grund. Ob das wirklich stimmt weiß ich nicht.
Es soll aber auch gar keine neue Mirabelle gepflanzt werden, sondern ein Feigenbaum.
Die Frage an die Profis hier ist nun, ob irgend etwas dagegen sprechen würde, ein Feigenbaum an der Stelle zu setzten, an der vorher die Mirabelle stand?

Ein junger Feigenbaum von etwas über zwei Meter Höhe, welcher letztes Jahr sage und schreibe drei Früchte getragen hat, wäre bereits vorhanden. Die Feige ist allerdings nicht im Kübel sondern bereits im Boden gepflanzt, deshalb stellt sich mir eine weitere Frage. Wann sollten wir den Baum am besten umsetzten, noch dieses Jahr oder erst im nächsten Frühjahr, damit der Baum den Winter noch an gleicher Stelle aussetzten kann?

Vielen Dank vorab für eure Ratschläge und schöne Grüße,
Windflüchter

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LCV
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von LCV » 11 Jul 2019, 22:40

Hallo,

wenn der Feigenbaum fest im Boden verwurzelt ist und schon erste Früchte bringt,
würde ich den dort stehen lassen. Es ist ja nicht sicher, ob er die Umsetzung überlebt.
Wäre doch schade. Dann doch lieber am Ort der Mirabelle irgendetwas anderes oder
eine zweite Feige setzen.

Beim Ackerbau gibt es die sog. Fruchtfolge, wonach ein bestimmter Wechsel
vorgenommen wird, auch mal 1 Jahr brach liegen lassen. Bei Kräutern, besonders
Petersilie ist das ganz wichtig. Wenn man die am selben Ort wieder pflanzt oder
säht, soll sie giftig sein. Werde es lieber nicht ausprobieren.

Bei Bäumen habe ich davon noch nicht gehört.

Gruß Frank

Windflüchter
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Windflüchter » 11 Jul 2019, 23:29

Vielen Dank für deine Einschätzung Frank,

es freut mich, dass grundsätzlich erst mal nichts gegen einen Feigenbaum spricht.

Ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass der vorhandene Feigenbaum an einer sehr ungünstigen Stelle gepflanzt wurde und vermutlich sowieso in wenigen Jahren dort nicht mehr haltbar wäre (ca. 50cm vom Nachbargrundstück, welches an der Stelle auch bebaut ist). Von daher denke ich, sollten wir das Risiko einer Umsetzung in Kauf nehmen.

Bleibt also nur noch die Frage, wann das denn am besten gemacht werden sollte?

Gibt es dazu einen Leitfaden den ihr mir empfehlen könnt oder habt ihr noch Tipps für mich. Was ich bis jetzt gelesen habe ist, dass eine Umsetzung in der Vegetationsruhe, sprich im Winter erfolgen sollte. Wieso ist mir ehrlich gesagt schleierhaft, ich hätte eher gedacht, dass es besser ist den Baum umzusetzen wenn er im Wachstum ist, damit er schnell Fuß fassen kann am neuen Standort, aber damit liege ich wohl falsch.

Schöne Grüße,
Windflücher

Spinnich
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Spinnich » 11 Jul 2019, 23:48

Ich weiß ja nicht in welcher klimatischen Region Du zu Hause bist, aber bei uns in Unterfranken oder in Mittelfranken ist der beste Platz für eine Feige der (geschützt) vor einer Hauswand. Eine ausgepflanzte Feige in meinem Gemüsegarten hat jetzt seit etwa 10 Jahren erstmals aus den Holztrieben des Vorjahres erneut ausgetrieben, davor sind alle Triebe immer bis zur Grasnarbe zurück gefroren. Da nur an 2 jährigem Holz Früchte angesetzt werden, ernte ich leider nur von Kübelpflanzen. die Pflanze vor der Hauswand bei meinem Bruder (trockener Sandboden) wuchert dagegen und trägt jedes Jahr.

Ich würde daher den angewachsenen Baum stehen lassen!!!
Eine Neupflanze kostet ja auch nicht viel, eventuell Nachzuchtpflanzen bei ebay-Kleinanzeigen googeln.

LG spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Palme
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Palme » 12 Jul 2019, 13:56

Alle Feigenbäume die ich kenne stehen warm und geschützt an einer Hauswand. Dort fühlen sie sich in unserem Klima wohl. Ich rate von einer Umpflanzung ab, wenn überhaupt eine Neupflanzung. Den betroffenen Mirabellenbaum würde ich neu veredeln.
:) Martin
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Windflüchter
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Windflüchter » 12 Jul 2019, 16:01

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

Klimatisch befinden wir uns im nördlichen Ruhrgebiet. Der Baum ist ein Ableger von einem anderen Feigenbaum aus der unmittelbaren Nachbarschaft, und der Mutterbaum (sagt man das so?) steht eigentlich auch frei im Garten und hat schon eine stattliche Größe erreicht.

Ihr ratet jetzt zwar alle davon ab, den vorhandenen Feigenbaum umzupflanzen, aber mit Bebauung meinte ich keine schützende Hauswand, sondern ein kleines Gartenhäuschen vom Nachbarn, in dem die Technik für seine Fischteiche untergebracht ist. Wirklich schützen wird das im Laufe der Zeit glaube ich nicht und der Baum ist mMn viel zu nah daran gepflanzt worden.

Ich werde heute mal bei meinen Eltern vorbei fahren und Fotos machen, dann habt ihr einen besseren Eindruck was ich meine.

Die Möglichkeit von Palme, die alte Mirabelle neu zu veredeln, klingt auch interessant. Daran hatte ich noch nicht gedacht und auch keinerlei Erfahrungen mit dem Vorgehen. Mir stellt sich aber als erstes die Frage, ob es sinnvoll ist einen alten Baum, der vielleicht schon teilweise morsch ist, neu zu veredeln?

Grüße,
Windflüchter

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Palme
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Palme » 12 Jul 2019, 16:13

Auf die Veredelung bin ich gekommen, weil ein bekannter Gärtner auf einen alten Apfelbaum 3 neue Sorten veredelt hat. Alle drei tragen Früchte. Ich selbst habe schon auf Rosenstöcke andere Farben veredelt. Deshalb bin ich von meinem Vorschlag überzeugt. Was vor 20 Jahren beim Apelbaum und vor 50 Jahren bei Rosen geklappt hat, das sollte bei deiner Mirabelle heute erst recht möglich sein. Google hilft dir bestimmt dabei.
Ob es sich lohnt kann ich natürlich nicht beurteilen.
:) Martin
:) Martin

Windflüchter
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Windflüchter » 12 Jul 2019, 21:43

Hier sind die versprochenen Bilder:

Als erstes die alte Mirabelle:
Mirabelle_1.jpg
Mirabelle_1.jpg (193.35 KiB) 272 mal betrachtet
Mirabelle_2.jpg
Mirabelle_2.jpg (166.97 KiB) 272 mal betrachtet
Mirabelle_3.jpg
Mirabelle_3.jpg (218.95 KiB) 272 mal betrachtet
Mirabelle_4.jpg
Mirabelle_4.jpg (228.9 KiB) 272 mal betrachtet
Mirabelle_5.jpg
Mirabelle_5.jpg (216.88 KiB) 272 mal betrachtet
Man sieht, dass der Baum schon etwas morsch war und ist, ich möchte deshalb nochmal fragen, ob ein veredeln hier wirklich noch Sinn macht? So wie ich das Thema verstehe, müssen es dann auch andere Arten der Pflaume sein, mit denen man eine Veredelung versuchen würde, oder wäre z.B. die Feige mit der gleichen Ordnung (Rosales) taxonomisch nah genug an der Mirabelle damit das funktioniert?

Hier sind zwei Bilder der angesprochenen Feige:
Feige_1_1.jpg
Feige_1_1.jpg (187.95 KiB) 272 mal betrachtet
Feige_1_2.jpg
Feige_1_2.jpg (214.08 KiB) 272 mal betrachtet
Sie ist etwa 260cm hoch und bildet bereits wieder ein paar Früchte. Sie steht wie gesagt nicht weit vom Nachbargrundstück entfernt, gerade mal knapp über 30cm, das kann doch kein guter Standort sein oder?

Nebenbei gefragt: Was haltet ihr von den Birnenbäumen daneben? Vielleicht sind die eine bessere Option.

So und nun eine Überraschung an die ich nicht mehr gedacht hatte. Es gibt noch einen zweiten Feigenbaum, welchen mein Vater neben sein Gewächshaus gepflanzt hat. Auch dieser trägt ein paar Früchte und dürfte vielleicht in ein paar Jahren, dem Gewächshaus Probleme bereiten.
Feige_2.jpg
Feige_2.jpg (163.61 KiB) 272 mal betrachtet
Hier jetzt noch zwei Bilder der Mutterpflanze. Sie ist ca. 5m bis 6m hoch. Direkt daneben/ dahinter steht noch ein größerer Walnussbaum, welcher der Feige vielleicht Schutz bietet?
Feige_3_1.jpg
Feige_3_1.jpg (234.83 KiB) 272 mal betrachtet
Feige_3_2.jpg
Feige_3_2.jpg (166.33 KiB) 272 mal betrachtet
Ich bin gespannt wie Eure Einschätzungen jetzt ausfallen und freue mich über Eure Ratschläge.

Schöne Grüße,
Windflüchter

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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Palme » 12 Jul 2019, 22:11

Das sieht nicht gut aus.
Wenn das mein Baum wäre, dann würde ich ihn entsorgen und was neues Pflanzen.
Das könnte ein nettes Geburtstagsgeschenk sein.
https://www.mr-pflanzenvertrieb.de/mira ... nancy.html
Geht natürlich auch preiswerter mit einem Baum vom Discounter.
Den Feigenbaum würde ich nicht versetzen.
:) Martin
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Spinnich
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Spinnich » 12 Jul 2019, 23:38

Der Mirabellenbaum sollte - denke ich - aber wirklich gerodet werden. Was immer man sich als Obstbaum favorisieren mag, kann dort vermutlich nachgepflanzt werden. Die Frage ist allerdings wie man bei der Rodung vorgeht, um später aufkommende Wurzelbrut zu vermeiden.

Eventuell erst noch den Baumstamm ringeln und ein Jahr stehen lassen? Dadurch könnte die Versorgung der Wurzel unterbunden werden und der Austrieb von Stockausschlägen aus der Wurzel wird vermutlich mindestens reduziert.

Die Feige steht auch vor dem kleinen Gartenhäuschen geschützter als wäre sie frei gepflanzt. Wenn es den Nachbarn nicht stört also ruhig dort belassen.
Die zweite Feige am Gewächshaus ist aber kritisch zu sehen. Sie wird ihre Wurzeln unter das wärmere und feucht gehaltene Gewächshaus schieben und dort alles auszehren! Ähnliches hat auch mein Sichuanpfeffer nach einigen Jahren gemacht, als er dann mal richtig ins Wachsen kam.
Daher würde ich diese Feige verpflanzen, wohin auch immer. Vorher sollte allerdings ein sehr starker Rückschnitt erfolgen (Zweige und Wurzeln), da die Wurzel bei einer Entnahme sicher sowieso beeinträchtigt wird. Auch ein (sehr) großer Kübel käme vielleicht gerade noch in Frage. Im allgemeinen sollte die Feige ansrpruchslos genug sein um sich davon in wenigen Jahren zu erholen.

LG Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

AndreasG.
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von AndreasG. » 13 Jul 2019, 09:46

Ich würde den Baum stehen lassen. Ein paar Jahre wird er noch leben und Früchte produzieren. So ein absterbender Baum ist, wenn erst mal Pilzbefall eingetreten ist, ein guter Lebensraum für viele Käfer.
Um solchen "Unfällen" aber zukünftig vorzubeugen, wäre ein ordentlicher Pflegeschnitt alle paar Jahre ratsam. Im gezeigten Beispiel würde ich die verbliebenen Äste reduzieren, damit dort die Belastung weggenommen wird.
Da gibt es viele Videos auf youtube zum Thema, mal mehr, mal weniger überzeugend. Faustregel; nach dem Schnitt sollte man einen Hut durch die Krone werfen können.

Windflüchter
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von Windflüchter » 14 Jul 2019, 22:27

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure weiteren Meinungen und Denkanstöße.

Der alte Mirabellenbaum wird nach dem ausreifen der aktuellen Früchte gerodet, soviel steht fest. Unser Plan ist die Krone abzusägen, die Wurzel möglichst weit frei zu graben und mit einen Kettenzug vom Pütt raus zu ziehen. Ob dann noch restliche Wurzeln austreiben werden, wird sich zeigen. Wenn ja, hoffen wir, dass es nicht allzu viele sein werden und man diese dann einfach abscheiden kann, bzw. der Rasenmäher ausreichen wird.

An der Stelle von der Mirabelle soll nun doch keine Feige, sondern der Birnenbaum, welcher ja auch schon vorhanden ist, gesetzt werden. Der ausschlaggebende Grund ist, dass dieser im Gegensatz zur Feige auch eine schöne Blüte zeigt, welche dann wiederum attraktiv für viele Insekten ist.

Die Feige vorm Gartenhäuschen darf ihren Standort dann jetzt behalten, hoffentlich wird sie in Zukunft viele Früchte tragen. Die zweite Feige am Gewächshaus darf auch noch stehen bleiben. Die Warnung von Spinnich bezüglich des auszehren des Bodens unter dem Gewächshaus ist aber nicht untergegangen, vielen Dank dafür. Salopp gesagt, wird im Gewächshaus regelmäßig gedüngt und auch immer wieder verrotteter Pferdemist verteilt, das soll hoffentlich reichen.

Vielen Dank nochmal.
LG,
Windflüchter

olrett
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Re: Feige an Stelle von Mirabelle

Beitrag von olrett » 18 Jul 2019, 21:38

Guten Abend,

Bezüglich der Mirabelle. Vor drei Jahren sind wir umgezogen, und die Vorgeschichten unserer Bäume kennen wir nicht. Bei uns steht jedenfalls ein (mir unbekannter, da ich erst dieses Jahr Früchte daran sehe) Obstbaum, um den ganz eng herum viele Stämmchen Mirabellen wachsen. Die hat bestimmt kein Mensch so eng aneinander gepflanzt. Die Mirabellen tragen prächtig jedes Jahr.

Vor 2 Jahren ist der dickste der Mirabellenstämme voller Früchte zusammengebrochen. Den Winter über blieb er liegen, im März wurde er entfernt. Dort, wo er stand, kam ein neuer Trieb.

Im Laufe des Jahres haben dann unsere beiden Schafe zwei der Mirabellenstämmchen an verschiedenen Stellen verbissen. Trotz Verband (Baumkitt und Folie) sind beide noch im selben Jahr abgestorben.

Mein Fazit: Wunden in der Rinde vertragen Mirabellen offensichtlich nicht. So große, wie auf den Bildern zu sehen, vermutlich erst gar nicht. ABER: Warum den Stock nicht stehen lassen? Oder zumindest die Neutriebe? Dann dürften doch die Chancen gut stehen, auch in Zukunft Mirabellen ernten zu können.

Die Stämmchen hier bei uns sehen aus, als wären sie so entstanden.

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