Kornelkirsche: Generative Vermehrung

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pakett
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Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo zusammen,

es geht um die generative Vermehrung von Kornelkirschen. Ich habe dieses Jahr in Deutschland in verschiedenen Regionen (am Bodensee, Ostwestfalen-Lippe, Mittelsachsen, Südliches Niedersachsen) in der Nähe von großen, fruchttragenden Kornelkirschen gezielt nach Jungpflanzen gesucht, habe aber keine einzige Jungpflanze gefunden. Scheinbar vermehren sich die Kornelkirschen in Deutschland relativ selten von alleine. Habt ihr andere Erfahrungen gemacht? In welchen Regionen und an welchen Standorten habt ihr Jungpflanzen gefunden?

Nun zur gezielten generativen Vermehrung von Kornelkirschen: Im Netz wird oft beschrieben, dass die Samen nach dem Entfernen des Fruchtfleisches eine Stratifizierung benötigten, um im nächsten Frühjahr/Sommer zu keimen. Zur Art der Stratifizierung gibt es unterschiedliche Angaben, hier drei Beispiele:
  • Quelle 1: 3-4 Monate warm-feucht bei etwa 20°C, anschließend 3-4 Monate kalt-freucht bei etwa 4°C
  • Quelle 2: "Die Samen werden 2 Monate lang in feuchten Sand oder ein Sand-Torf-Gemisch eingeschichtet und täglich wechselnden Temperaturen zwischen 21 °C und 30 °C ausgesetzt. (Diese warme Stratifikation kann auch durch eine Behandlung der Samen mit Schwefelsäure oder durch ein Anritzen der Samenschale ersetzt werden.) Danach wird das eingeschichtete Saatgut 4 bis 6 Monate lang bei 4 °C gehalten. Aussaattermin ist April bis Mai."
  • Quelle 3: 3-4 Monate kalt und anschließend im zeitigen Frühjahr säen, anschließend kann es bis zur Keimung bis zu 18 Monaten dauern
Hat hier schon jemand selbst Kornelkirschen aus Samen gezogen? Wie sind eure Erfahrungen? Wie habt ihr die Samen stratifiziert?

Freundliche Grüße, Pakett

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stefan
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von stefan »

Hallo Pakett,

ich habe keine Erfahrung mit der Aussaat von Kornelkirschen.
Aber da es ein heimisches Gehölz ist, würde ich die Kerne jetzt (ohne Fruchtfleisch) in einer sandigen Erdmischung im Blumentopf nach draußen stellen.
Die Natur macht es genauso!

Gruß
Stefan
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(Rabindranath Tagore)


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Spinnich
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von Spinnich »

hallo Pakett,

Welchem Zweck sollen deine Kornelkirschen denn dienen?

Ich habe selbst einen Kornelkirschenbaum, der (fast) jedes Jahr schön blüht, meist auch gut fruchtet, aber die Früchte bleiben wegen des sehr trockenen Standortes und wegen der Allerweltssorte sehr klein und fallen oft frühzeitig ab. Dieses Jahr war es ja so extrem, dass die Früchte (blieben sogar lange am Baum) praktisch nur aus Kern und Haut bestanden, so gut wie kein Fruchtfleisch entwickeln konnten.
Keimlinge finde ich dort äußerst selten, obwohl der Boden immer mit Rindenhäcksel und Laub bedeckt wird. Immerhin gibt es in Stammnähe gelegentlich Wurzelschösslinge und auch viele stammbürtige Triebe, die sich sicher auch zur Vermehrung eigneten.
Ich würde mich aber mit der Vermehrung solcher beliebigen Wildsorten nur abmühen, wenn es darum geht ein paar Kornelkirschen als Heckengehölz nachzuziehen.
Andernfalls würde ich dazu raten ein paar Euro springen zu lassen und mehrere großfruchtige Edelsorten (gibt auch gelbe) zu pflanzen.
Davon kann man dann schon eher mal vernünftige Früchte ernten und Marmelade, Mus, Likör, Wein oder Saft herstellen und natürlich auch mal frisch vom Baum naschen.
Wenn man von solchen Bäumchen dann gezielt Stecklinge etc. vermehrt, kann man sich preiswert auch eine größere Zahl dieser Obstbäume generieren.

LG Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

pakett
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo,

danke für die Informationen und Tipps. Ich möchte gezielt heimische, wildwachsende Exemplare vermehren. Bei gekauften Pflanzen lässt sich in der Regel nicht nachvollziehen, woher die Elternpflanzen stammen.
Wenn es mit der Aussaat klappt, soll der Großteil der Pflanzen in Feldhecken gepflanzt werden. Ein kleiner Teil soll als Veredelungsunterlagen für verschiedene Sorten (Jolico, Kazanlak, ...) dienen.

Freundliche Grüße, Pakett

AndreasG.
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von AndreasG. »

Meine Vermutung wäre, dass die Kornellkirsche erst mal durch einen Vogel durch muss. Wenn du genug Früchte zur Verfügung hast und jemanden kennst, der Hühner hält, wäre das einen Versuch wert. Manche Früchte, die durch einen Aufenthalt im Vogelmagen besser keimen, können alternativ für eine Weile in Säure gelegt werden, ein paar Stunden vielleicht.
Manchmal hilft bei keimunwilligen Samen auch, sie mit kochendem Wasser zu übergießen. Ausprobiert habe ich das nur bei anderen Baumarten, aber wie gesagt, bei genügend Samen wäre es einen Versuch wert.

Spinnich
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von Spinnich »

Bei einigen Sämereien kann mittels dem Phytohormon GA3 (Gibberellinsäure) die Keimhemmung (durch Abscisinsäure) aufgehoben werden.
Ob das nur bei Lichtkeimern oder auch bei Dunkelkeimern wirkt kann ich aber nicht sagen. Interessanterweise können Samen der gleichen Art nach Sorte und Alter sowohl als Licht- oder eben als Dunkelkeimer daherkommen. :?
Jedenfalls konnte ich schon eindeutige Erfolge mit GA3 erzielen.
Wäre möglicherweise auch mal bedenkenswert.
LG Spinnich :wink:
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- Georg Christoph Lichtenberg -

Totto
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Re: Kornelkirsche: Generative Vermehrung

Beitrag von Totto »

pakett hat geschrieben:
17 Nov 2018, 14:54


Hat hier schon jemand selbst Kornelkirschen aus Samen gezogen? Wie sind eure Erfahrungen? Wie habt ihr die Samen stratifiziert?

Freundliche Grüße, Pakett
Ich hatte bis jetzt kein Glück mit dem Samen. 3 Monate im Kühlschrank. Aus viellen Samen ist nur einer gekeimt und den hat mir draußen auch noch eine Schnecke abgefressen.....
Gruß
Totto
Im Mittel haben Pendler 17km Arbeitsweg. Wenn 10 % aller Pendler auf Motorräder umsteigen würde sich 40% der Staus verringern. Da hat es sich dann mit dem Feinstaub. Bei 25 Prozent gäbe es gar keine Staus mehr.

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