massiver Rückschnitt bei Ulmen

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Rostreich
Beiträge: 2
Registriert: 27 Feb 2017, 14:54

massiver Rückschnitt bei Ulmen

Beitrag von Rostreich »

Hallo,

ich habe das Forum hier durch google gefunden und hoffe, dass hier vielleicht jemand meine Fragen beantworten kann.

Kurz vorab zu mir: ich habe (noch) wenig bis keine Ahnung von Bäumen - was dumm ist, da ich kürzlich ein Haus samt Grundstück mit etlichen Bäumen erworben habe. Daher versuche ich mich derzeit etwas "weiterzubilden" - auch wenn es vielleicht letztlich doch besser professioneller Hilfe durch den Gartenbauer o.ä. bedürfen wird.

Ich habe eine geschätzt ca. 45 Jahre alte Ulme im Garten, Höhe locker 15m. Wie man auf den Bildern (belaubt vom letzten Jahr, die anderen Bilder aktuell) sieht ist der Baum immens in die Höhe geschossen und wurde offensichtlich schon länger nicht mehr geschnitten. Der Zustand des Baumes ist meiner laienhaften Meinung nach recht gut, es gibt quasi keine toten, trockenen Äste etc. Auffällig war, dass die Farbe der Blätter im nach oben "herausgeschossenen Stück" deutlich dunkler und satter war als der rectliche Baum.

Die Ulme wächst, wie man auf den Bildern sieht, seitlich in die auch recht stattliche Thuja hinein und ist auch in der Höhe einfach mittlerweile deutlich zu hoch.
Ich suche daher nach Infos, ob die Ulme einen recht massiven Rückschnitt vertragen, ertragen bzw. überleben würde. Im Prinzip müsste sie rund 1/3 Ihrer Höhe verlieren, also das gesamte "nach oben herausgeschossene Stück". Auch im Umfang bzw. der seitliche Ausbreitung wäre eine gewisse Reduzierung durchaus wünschenswert. Insgesamt ist der Baum sehr dicht beastet (kann man auf den aktuellen Bildern ja ein wenig "erahnen"). Würde der Baum einen derart massiven Rückschnitt überleben? Wie geht man in einem solchen Fall am sinnvollsten vor?

Der Baum gefällt uns insgesamt sehr gut und soll auf jeden Fall erhalten werden - aufgrund der schieren Größe und Nähe zum Haus muss aber eine gewisse Reduktion der Größe leider einfach sein.

Welches Vorgehen würdet ihr empfehlen?

Freue mich auf Anregungen,
Grüße
Robert
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AndreasG.
Beiträge: 2760
Registriert: 10 Jun 2007, 14:08
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Beitrag von AndreasG. »

Ulmen werden gerne mal doppelt so groß wie das gezeigte Exemplar.
Deshalb kann ich den Wunsch nach einen kräftigen Rückschnitt durchaus verstehen. Mein Schnittvorschlag wäre in etwa so wie auf der Skizze. Dabei muss man sich aber im Klaren sein, dass der Baum für etliche Jahre verunstaltet wird.

Meistens sieht das nicht besonders schön aus und an der Schnittstelle beginnt früher oder später Fäulnis, weil der Baum solch große Wunden nicht mehr überwallen kann.
Deshalb wäre es eventuell besser, den Baum komplett zu fällen und durch eine niedrig bleibende Art zu ersetzen.
Wenn es denn unbedingt eine Ulme sein soll, muss die regelmäßig geschnitten werden. Denn wenn man regelmäßig auf die gewünschte Größe stutzt, nimmt der Baum weniger Schaden, weil die Schnittstellen kleiner bleiben.

Im Falle einer Fällung neigen Ulmen dazu, wieder auszutreiben. Es kann also gut sein, dass ringsum ein neuer Baum heranwächst, vermutlich sogar mehrere.

Ansonsten ist diese sogenannte Goldulme im Handel erhältlich.
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Andreas75
Beiträge: 3995
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Beitrag von Andreas75 »

Rostreich:
Säg' alles um, dann kann nix mehr passieren mit dem Haus und Co. ...
Denn weder die Ulme noch die Thuja werden nach einem drastischen Rückschnitt nochmal bzw. je wieder harmonisch aussehen- beide sind so wie sie da stehen Solitärgehölze, die erst durch ihre ausgewachsene Form wirklich wirken.
Einmal geschnitten (und bei diesem einen Mal wird es nach dem ersten Mal nicht bleiben) sind Form und Zweck dieser Bäume komplett dahin, weswegen man am besten gleich Kaminholz draus macht. Denn nichts verschandelt einen Garten wirkungsvoller als verschnittene Bäume bzw. die überall zu bestaunenden Beispiele hausmeisterartiger Schnittkunst- sprich jährlich getrimmte Riesenkugeln, Ostereier und dergleichen Formschnitte mehr.

Pflanzt stattdessen ein paar Kugelahorne, Kugelrobinien oder Kugel- Trompetenbäume, die niemals höher als vllt. 5 m werden, damit dürfte dann allem zweckdienlich geholfen sein.

Grüße,
Andreas
- vom Berufs wegen Landschaftsgärtner, Garten- und Baumpfleger
Zuletzt geändert von Andreas75 am 27 Feb 2017, 23:50, insgesamt 1-mal geändert.

Dioscorea
Beiträge: 118
Registriert: 20 Mär 2014, 10:25

Beitrag von Dioscorea »

Wenn man es wie bei der Bonsaigestaltung machen würde ?
Die dicken Äste herrausnehmen. Den Rest einkürzen und im nächsten Jahr weiter noch einmal kräftig reduzieren.(Gestaltungsschnitt)
Weiter: jährlich wie es gefällt (bzw. den Zuwachs oder die unteren Äste reduzieren).
( Erhaltungsschnitt)
Ulmen treiben gern neue Triebe aus, so dass die groben Schnittstellen bald nicht mehr auffallen.
Ziel: eine Krone machen, die tiefer liegt. ( etwa in Höhe des Nachbarhauses).
Oder noch ne Idee aus der Bonsaipraxis:
In Mannshöhe kappen und die neuen unbrauchbaren Triebe jährlich entfernen.
Kann aber Jahre dauern bis aus den neuen sich bildenden Büscheln was optisch ansprechendes wird.
Ich habe das mal mit einem grossen Süsskirschbaum gemacht ohne Erhaltungsschnitt. Folge: jetzt ist er breiter wie höher.
Ein pflückfreundlicher Schattenbaum.

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Dumm an der Sache nur, dass die Goldulme an und für sich eine Säulenform ist- wenn Du die wie beschrieben zusammenkappst, kannst Du sie pietätvollerweise auch gleich ganz umsägen, denn Säule in breiten Wuchs gezwungen = zwecklos...

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Wenn man sich so die Diskussion anschaut, prallen wieder Welten aufeinander.
Die Ulme zeigt dem etwas erfahrenen Baumpfleger dabei schon, was hier weg darf und was nicht, weg darf nur der dunkelgrün durchschießende Trieb. Was übrig bleibt wäre eine typische Altersform der Sorte.
Diese selektive Herausnahme des zurückgeschlagenen dunkelgrünen Wipfeltriebs ist ohnehin erforderlich, da ansonsten die gelbgrüne Basis verliert. (nee, das sind keine politischen Äußerungen im Walhjahr... :lol:).

Ich gebe aber Kiefer recht, dieses recht dumpfe Einkürzen zeugt von grobem Misstrauen und völliger Ahnungslosigkeit.
So manche Tage wünschte ich mir die "wütende Weide" aus Harry Potter vor Ort, wenn den Baumfrevler mit der Säge kommt, was wäre das ein Spaß. 8)

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Was mich persönlich immer wundert: Baum in der Nähe vom Haus = störend.
Also die Thuja würde ich ohne mit der Wimper zu zucken umsägen. Die gibt's ja an jeder Ecke. Aber so eine Goldulme liefert das gesamte Jahr über so ein prächtiges Farbenspiel...
Wird das Grundstück zu stark verschattet, oder was ist das Problem? Eine Umsturzgefahr ist ja eher nicht auszumachen.

Viele Grüße

che80
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Beitrag von che80 »

Hi ihrs,
mit dem Rückschnitt schließe ich mich mahaleb an, alles andere wäre deutlich zu viel. Die Thuja fällen um die Ulme als Solitär zu fördern. Und an sich sollte die Ulme auch ihre Endhöhe erreicht haben. Goldulmen werden nicht so hoch wie die wilden Verwandten. Und so eine alte, wie die die in deinem Garten steht, Robert, sieht man nicht alle Tage.

VG Sören

Rostreich
Beiträge: 2
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Beitrag von Rostreich »

Hallo,

vielen Dank schon einmal für die zahlreichen Antworten - auch wenn ich nach den ersten Antworten fast befürchtet hatte, außer der Säge gäbe es für mein Bäumchen keine "Rettung"!

Ganz klar: die Ulme soll bleiben!

Der Wunsch bzgl. Rückschnitt ist primär die doch kräftige Verschattung des Nachbargrundstückes. Ich denke, ich werde hier vor Ort mal nach einem Baumpfleger suchen und mit ihm erörtern, den nach oben herausgeschossenen Teil abzunehmen. Grundsätzlich darf der Baum ansonsten seine Form und Größe soweit gerne behalten.....was ich mit der Thuja mache muss ich noch schauen, sie bietet wunderbaren Sichtschutz den ich ansonsten direkt neu anderweitig erzeugen müsste...und außerdem ist sie schon, wenn man davor steht, eine imposante Erscheinung! An anderen Stellen des Grundstückes muss ich aber eh noch schauen was ich mache, 4 zwischen 15 und 20m hohe Fichten, eine große, häßliche Eibe, Goldregen, Flieder und untenrum diverse Stauden....alles eng beieinander/ineinander - 2 der Fichten wohl auch eher nicht mehr ganz fit...ich glaube ich muss euch hier mit noch mehr Fragen nerven! ;)

Vielen Dank schon einmal für Eure Antworten,
Grüße

Ratatöskr
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Wohnort: Oelsnitz /Vogtland

Beitrag von Ratatöskr »

Die "große, hässliche Eibe" bitte nicht ob ihrer Düsternis (manche meinen ja es sei ein Baum des Todes und der Friedhöfe, wiewohl er viel eher für beinahe ewiges leben stehen könnte) und zumindest subjektiv so empfundenen Hässlichkeit fällen- es ist wahrscheinlich eines der ökologischen wertvolleren Gehölze im Garten und bietet vielen Vögeln Schutz, Nistmöglichkeiten und Nahrung, obwohl fast alle Teile des Baumes giftig sind, wird der ungiftige Arillus gern gefressen, vor allem von Amseln, Singdrosseln und Kleibern. :-)
Was die Ulme anbelangt- sie sollte einen stärkeren Rückschnitt schon ertragen, ob das Ergebnis hinsichtlich der Ästhetik zufriedenstellt ist eine ganz andere Frage- wie schon erwähnt sollte, wenn, der nach oben überschießende Teil weggenommen udn seitlich moderat gekürzt werden- "verschandelt" ist der Baum dann aber ohne Zweifel, eben weil er als Solitär wirken sollte .
Gruß andré
"Wenn eine Raupe stirbt- wird ein Schmetterling geboren"
Elisabeth Kübler Ross

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Hallo, die Eibe, sollte sie tatsächlich groß sein, unbedingt stehen lassen - aber... Eiben gehören zu den Bäumen, die radikal geschnitten werden können - und sogar aus dem Stamm austreiben können. Mann kann wunderbare lebende Skulpturen daraus herstellen. Das Holz gehört zu den besten und dauerhaftesten überhaupt.
Leider habe ich die nächsten Tage keine Zeit, sonst könnte ich Dir solche fabelhaften Gestalten fotografieren. Aber vielleicht hat jemand anderes solche Bildbeispiele.
Vielleicht zeigst Du einfach die Situation wie sie ist. Der Stammumfang der Eibe ist interessant.

Viele Grüße

che80
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Wohnort: Celle

Beitrag von che80 »

Ich bin der Meinung das deine Fichten dringend gefällt werden müssen. Solche Bäume haben meines erachtens nichts auf kleinen Grundstücken verloren. Wobei ich klein schon bei 1500m² meine. Von den Bäumen die ich von Dächern herunter geschnitten habe, ist die Fichte die Nummer eins.
Und deine Eibe unbedingt erhalten ich finde Eiben einfach fantastisch. Beschäftige dich mal kurz mit dieser Art und du wirst Dinge lernen die du nicht für möglich gehalten hast.

VG Sören

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