Seite 1 von 1

Apfelbaum lieber "freilassen"?

Verfasst: 02 Sep 2016, 00:25
von Andreas75
Hallo zusammen!

Ich hoff', hier Kenner anzutreffen, die mich ein bisschen schlau machen können...

Es geht um meinen 'Golden Delicious', seines Zeichens mein Leib- und Magenapfel seit ich Kleinkind war ^^...

Habe mir 2012 einen Buschbaum gekauft, zusammen mit einem 'Cox Orange' (Leib- und Magenapfel meiner Frau). Doch während der Cox knallhart im Nehmen ist, bereits zwei Nahezu- Exitus- Wühlmausattacken überlebt hat und dies Jahr endlich mal richtig gewachsen ist, macht mir der Goldi Sorgen...

Den belästigen zwar trotz Gelegenheit die Mäuse nicht, er muss aber auf M9- Unterlage stehen oder sowas, jedenfalls ist der nicht- die- Spur stabil in Stamm oder Astwerk...
Jedes Jahr hat er sich bislang mindestens einmal lang hingelegt, und hingen letztes Jahr beim ersten nennenswerten Ertrag nur ein paar Äste, hängt dies Jahr quasi die ganze Krone...
Kein bisschen stabiles Holz, das Teil, und daher überlege ich zweierlei:

a) Ob ich die Gurke einfach rausziehe (viel Aufwand wird das nicht brauchen...) und durch den Häcksler schiebe und mir stattdessen einen richtigen Halbstamm hinstelle

oder b) Ob ich den nicht einfach "freilasse"...
Sprich, da er in leichter Hanglage steht, ich nicht einfach hangabwärts ein Brett davor prügele, dahinter mit Komposterde auffülle und so die Veredlungsstelle unter die Erde bringe.
Schon früh zeigte sich in zB Mulch, dass der Goldi unheimlich gerne über der Veredlung wurzeln möchte, es kamen in geschütztem Milieu immer wieder Wurzelspitzen, was ich bislang aber immer verhinderte, weil freigemachte Edelsorten ja dem Vernehmen nach gerne riesig werden.

Das wäre mir aber langsam egal, weil es mir inzwischen echt leid tut, den armen Baum stets quasi in sich zusammensinken zu sehen, sowie die Fruchtansätze walnussgroß sind (ich sage ja, die Unterlage ist echt lächerlich!). Ich dünne den Fruchtansatz zwar schon immer aus, alles zu kleine oder missgeformte raus und sowieso auf nur 2- 3 Ansätze pro Blütenbüschel, aber selbst dies übrige ist zuviel Gewicht für das Holz...

Zu welcher Variante würdet Ihr nun raten?
Ich wäre ja für's Freilassen, denn mein Gott, soll er halt groß werden, habe ich wenigstens schöne viele Äpfel ^^... Und warum neu kaufen, wenn schon was vorhanden ist...

Oder spräche entscheidendes dafür, die Edelsorte sich nicht freimachen zu lassen, und stattdessen wie gesagt einen anständigen Halbstamm zu pflanzen?

Danke und Grüße,
Andreas

Verfasst: 02 Sep 2016, 09:42
von AndreasG.
Oder Variante c) kräftig zurückschneiden, so dass er nicht mehr umkippen kann.
Pro Blütenbüschel nur einen Apfel stehen lassen.
Allerdings ist Golden Delicious und seine Nachkömmlinge bekannt dafür, sehr anfällig für alles mögliche zu sein und in deinem Klima ist es sicher nicht der richtige Apfel.
Aber mach lieber mal ein Foto und dann können wir schauen, ob durch Schnittmaßnahmen was verbessert werden kann.

Verfasst: 02 Sep 2016, 11:06
von Andreas75
Hy!

Nein, wenn ich den regelmäßig so zurückschneide, dass er nicht mehr kreuz und quer zusammenbiegt, kann ich ihn auch gleich raushauen.

Der gedeiht hier an und für sich schon sehr gut, hat quasi keinerlei Schädlinge oder Krankheiten außer bissel Stippigkeit auf den Früchten, auch die Äpfel geraten lecker.

Was den Schnitt angeht, so kenne ich mich da selbstredend schon selbst aus, habe nicht zuletzt auch unsere von den Vorbesitzern "geerbten" und vom Grundstückspfleger völlig verschnittenen Altäpfel und die beiden uralten Buschbirnen in mehrjähriger, feinfühliger Arbeit wieder hinbekommen. Der bei Grundstückskauf fast vergreiste Winterrambur hat uns letztes Jahr nach vier Sommern Arbeit mit fast 150 Kilo Äppel totgeschmissen- mussten vor Verzweiflung schon anfangen zu saften :lol:.

Es ist wirklich einzig und ausschließlich das kaum stabile Holz, was unsäglich nervt, und das will ich möglichst stabil kriegen- eben durch a) Halbstamm pflanzen oder b) freimachen lassen :).

Verfasst: 02 Sep 2016, 11:30
von AndreasG.
Kiefer hat geschrieben:Hy!

Nein, wenn ich den regelmäßig so zurückschneide, dass er nicht mehr kreuz und quer zusammenbiegt, kann ich ihn auch gleich raushauen.
Da gehen die Meinungen sicher auseinander, aber ohne Foto lässt sich das kaum beurteilen.
Wenn es für deine Region besser angepasste Apfelsorten gibt, mach ihn raus.
Wenn du ihn stehen lässt und nichts unternimmst, verwildert er und bekommt nur noch winzige Früchte.
Aber das weist du vermutlich selbst.
Du kannst ja an der Stelle einen Malus sylvestris pflanzen.
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung (auch hier in den Baumlisten) stammt der Kulturapfel nicht vom heimischen Wildapfel ab, sondern von Malus sieversii aus Kasachstan. M. sylvestris ist für die hiesige Tierwelt vielleicht ganz interessant, und gefährdet ist die Art auch. Liefert halt kaum verwertbare Früchte.

Und wenn dir die Äpfel so gut schmecken, propf halt ein/zwei Zweige auf einen anderen Apfelbaum auf.

Verfasst: 02 Sep 2016, 11:55
von LCV
Hallo Kiefer-Andreas,

ich weiß ja nicht, ob die Bodenverhältnisse und das Klima passen, aber ich würde die Sorte Santana pflanzen. Ich bin darauf gekommen, weil wir jemanden in der Familie haben, der auf alle anderen Äpfel allergisch reagiert. Santana ist aber perfekt und schmeckt obendrein sogar.

Wir haben hier einen "Apfelbauern", der Santana im Sortiment hat, leider nur kleine Mengen. Dadurch konnte ich den verkosten.

Gruß Frank

Verfasst: 02 Sep 2016, 14:01
von Andreas75
Hy Ihr!

Danke für Eure Antworten, aber die beantworten nicht wirklich meine Fragen...

Wenn ich was anderes als Golden Delicious gewollt hätte, hätte ich mir was anderes gepflanzt- und sein biegsames Holz kommt sicher nicht davon, dass der grundsätzlich nicht hierher passen würde.

Da hat wohl die veredelnde Firma Schiete gebaut und eine Spindelunterlage verwendet, die M9 ja ist, und als deren Problem zu weiches Holz bekannt ist. Weswegen der Baum lebenslang (etwa 20 Jahre) einen Pfahl braucht und, richtig, nur eine Frucht pro Ansatz behalten soll.
Dass unter einem als Buschbaum verkauften Teil dann allerdings so eine Nulpen- Unterlage sitzt, kann ja niemand ahnen, weil man irgendwie so nirgends mitgeteilt bekommt, auf was die veredelt sind, weil keine Gärtnerei mehr selber anzieht, sondern nur noch beliefert wird (mit dem jedes und jedes und jedes Jahr selben Müll...).

Spindelbäume jedenfalls haben 'nen maximalen Kronendurchmesser von 2,5 m- den einzigen Fehler, den ich mir da vorzuwerfen hätte ist, dass unser Boden für sowas winziges anscheinend zu gut ist. Was ja aber vorher auch keiner weiß...

Dann werde ich es also mit Freimachen lassen versuchen, und schaue dann mal weiter...

Verfasst: 02 Sep 2016, 18:12
von Hessekopp
Ich habe heute mal mit nem Baumschulerkollegen darüber gesprochen und der sagte mir, daß das mit dem Verbuddeln der Veredlungsstelle auch in die Hose gehen kann und die Unterlage dabei draufgehen kann, was zu mehreren Jahren Krepelwuchs bis zum Tod des Gespanns führen KANN. Er empfiehlt, das Moped rauszureißen und durch nen Stämmchen oder Hochstamm zu ersetzen. Ich selbst habe davon keinen Plan.

Verfasst: 02 Sep 2016, 18:38
von Andreas75
Hy Hessekopp!

Aha, vielen Dank für's Nachfragen :)!
Hm, dass die Unterlage draufgehen könnte, wäre mir eigentlich ziemlich schnurz, denn die Wurzeln sind nicht mal stark genug, den Baum mit vielleicht 5/ 6 Kilo Jungfruchtbehang dran aufrecht zu halten (Bindung war gerissen (Jutezeugs)).

Dann werde ich ihn also mal trotzdem freimachen lassen, mich aber schon mal bei meinem ehemaligen Chefchen rückversichern, dass der im Bedarfsfalle 'nen Goldi- Halbstamm vorrätig hat :).
Oder ich kuck', dass ich an den Klarapfel vielleicht mal ein/ zwei Goldi- Augen dran veredle, wie schon vorgeschlagen. Wäre ja auch 'ne Variante.

Denke aber, auch wurzelecht sollte der Golden gedeihen, denn der Originalbaum wurde seinerzeit um die 70 Jahre alt, und viel viel älter werden ja die meisten veredelten Bäume auch nicht...

Verfasst: 02 Sep 2016, 18:58
von Hessekopp
Naja, ne sterbende Unterlage ist nen Traum für die kleinen Schmuddeldinger, die von unten kommen, zuallererst denke ich da an Eipilze (keine Pilze im biologischen Sinne) wie z.B. Phytophtora sp. (verursacht Kragenfäule) oder u.U. Pythium. Aber auch der ein oder andere echte Pilz wird sich da unten wohl fühlen.
Sollte das Gespann draufgehen, bekommst du bei Neupflanzung am selben Standort u.U. das Problem der "Nachbaukrankheit".
Ich habe da grad ein Problem mit eventuell Phytoplasmose an einer Birne und die Stadt schreibt an der Stelle ... ja genau, ne Birne vor. Sollte es sich wirklich um Phytoplasmose handeln, kann man sich jeden Anpflanzversuch von Birne oder Quitte dort klemmen.

Verfasst: 02 Sep 2016, 19:41
von Andreas75
Ah, ok...
Na, dann werde ich mal schauen, ob jetzt noch die Rinde löst, wenn ja, was umokulieren, und ansonsten nur schauen, ob Chefchen zufällig gerade 'nen Halbstamm da hat ^^.

Verfasst: 03 Dez 2016, 00:55
von Andreas75
Endstand:

Habe das Moped dann gestern beim etwas Grundreinemachen (Laub etc.) kurz entschlossen rausgehauen- ist zwar an sich gesund und wüchsig, die Sorte hier im "Mittelsieg- Bergland", aber die Äpfel sind immer stippig und reifen in der Tat nicht richtig aus- bringt also nix.

Bin zwar Optimist, aber auch nicht mit Blindheit geschlagen, und so werd' ich mir meine Goldis halt wieder woanders besorgen, ohne Baum, und der Klarapfel hat nach der letztsömmrigen Läuseplage wohl auch 'nen Virus intus und wird das nächste Jahr eventuell nicht überleben.

Ziemlich kagge das, aber ich habe ja noch den kerngesunden Sämling von meinem Golden Delicious als Hoffnungsträger, und anstelle des 'Golden Delicious' nun eine erheblich rarere und wertvollere Sorbus aucuparia 'Pendula Variegata' ausgepflanzt...

Werde als neue Apfelsorte auf einen Ast des Winterramburs 'nen Geheimrat Oldenburg (bzw. das knackige, großfrüchtige, saftige und höllenleckere, was sie meinem Nachbarn als solchen verkauft haben) veredeln und bin dann glücklich mit der vorhandenen Apfelei ^^...

Verfasst: 13 Dez 2016, 18:22
von Saruman
Klingt nach einer vernünftigen Lösung finde ich.