Eine Wald- Beobachtung und die Rolle von Megaherbivoren...

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Andreas75
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Eine Wald- Beobachtung und die Rolle von Megaherbivoren...

Beitrag von Andreas75 »

Hallo zusammen!

Brombeeren sind zwar eher Stauden als Gehölze, dennoch möchte ich einmal was nachdenkliches fragen und schildern...

Und zwar ist ja gerade wieder Pilzsaison. Anlässlich dessen beging ich eine Stelle nahe des Dorfes nun zum dritten Mal im Abstand von je einem Jahr (nicht auf den Tag genau, aber das ist auch unwichtig).

Diese gute Maronenstelle, an der ich dies Jahr auch erstmals Pfifferlinge fand, ist gebildet von schon älterem Fichtenhochwald, einem Saum aus jungen Eichen und anderen Gehölzen, und mitten dazwischen eine Schneise, die auf einem Windwurf von Kyrill beruht.
Da wurden zwar Fichten und Douglasien wieder aufgeforstet, aber neben einem artenreichen, jungen Laubholzbestand gedeihen da, wir hier im westerwäldischen üblich, auch Brombeeren bestens.
Und da gibt es so ein altes Loch, wo nach Eisenstein gegraben wurde, mit einem Wall Aushub zur Schneise hin. 2012 war zwischen dem Jungwuchs auf der Schneise und dem Wall noch ein etwa 3- 4 m breiter, kaum bewachsener Streifen (außer Moos und Fichtensämlinge).

Heuer, drei Jahre später, sind die Brombeeren nicht nur dort, sondern bis auf einzelne Stellen, bis an den Wall heran, bzw bis hart an den Saum der Altfichten heran gewuchert.
Das ist nicht nur darum schade, weil da nun keine Pilze mehr wachsen, sondern auch vor allem darum, weil diese Brombeeren (die Variante mit den unterirdischen Ausläufern und mehr oder weniger langen Schossen) alles an Selbstverjüngung des Waldes unter sich schlichtweg ersticken.

Und da fragte ich mich, weil das Bild an vielen, vielen Stellen in den umgebenden Wäldern dasselbe ist, ob es da nicht besser wäre, wenn man regional wieder einen Hirschbestand zulassen würde oder zumindest im Winter in einzelnen Arealen die Waldweidewirtschaft wieder einführen sollte?
Der Wildbestand ist bei uns sehr gering, in unserer knapp 5 km²- Gemeinde werden im Jahr um die 12 Stück Rehwild geschossen, Damwild ist nur seltenes Wechselwild, Rotwild gibt es östlich erst im Rothaargebirge bzw. westlich in der Wahner Heide wieder. Und ich kenne Gegenden, wie im Havelland um Buckow /Trappengebiet), wo mindestens 12 Rehe auf einen km² kommen...

Jedenfalls: Ich frage mich ehrlich, wo der Unterschied zwischen diesen Brombeeren und irgendwelchen invasiven Neophyten wie dem Staudenknöterich oder dem Indischen Springkraut ist, teils auch der Spätblühenden Traubenkirsche, außer dass die Brombeeren heimisch sind?
Die Neophyten werden bekämpft wo es geht, weil sie keinerlei natürliche Verjüngung zulassen, wo sie wachsen, jedoch die Brombeere ist mindestens genau so schlimm.
Ohne menschliche Hilfe kommen durch die Brombeeren keine Junggehölze durch, weil erstere binnen drei Jahren einen hüfthohen, völlig verwucherten geschlossenen Bestand bilden. Letztere haben nur eine Chance, wenn es entweder schnellstwüchsige Pionierbäume sind, wie Birken und Holunder, die mit zwei/ drei Jahren schon zwei bis drei Meter hoch sein können, oder es sich um Buchen und Eichen handelt, die als Jungbäume sehr schattentolerant sind und auf diese Weise die Brombeeren langsam durchwachsen, um sie schließlich zu überwachsen und bald auszuschatten.
Alle anderen Gehölze haben quasi nicht die geringste Chance gegen die Brombeere, die jegliche Artenvielfalt, Heide- wie Heidelbeerfluren, Jungbaumkulturen wie Naturverjüngungsflecken unterschiedslos überwuchern und ersticken und da wirklich absolut unterschiedslos zu wie gesagt der Spätblühenden Traubenkirsche ist, die im Walde und auf Heiden ähnlich schlimm ist...

Ich bin der festen Überzeugung, dass hier ganz dringender Handlungsbedarf besteht, um die ohnehin schon geringe Artenvielfalt in den heimischen Wäldern nicht noch weiter zu gefährden, denn wo Brombeeren erstmal Fuß gefasst haben, wird man des Krams nicht mehr Herr, überwuchert sie alles. Sei es durch Ausläufer, bewurzelnde Kriechsprosse oder auch einfach nur Wurzelbrut oder Sämlinge, die innert vier Jahren ebenfalls eine Fläche dichtwuchern können.

Und die Flächen gehen nicht nur für die Forstwirtschaft oder den Artenreichtum verloren, sondern ebenso für's Wild. Das kann die Brombeerbestände jung noch als guten, sicheren Einstand nutzen, sowie der Bestand aber hüfthoch kreuz und quer dicht verwuchert ist, kommt da allenfalls noch eine dickfellige Wildsau durch, und selbst die kriegen da sicherlich ihre Probleme...

Was meint Ihr nun?
Zählt die Brombeere mehr als die genannten invasiven Neophyten, weil sie ja heimisch ist? Ist es darum egal, ob sie genau so schlimm haust wie jene?
Wäre es im Sinne des Natur- und Artenschutzes, und auch der Verjüngung des Waldes nicht mehr als sinnvoll, in bestimmten Regionen die Wilddichte wieder zu erhöhen oder die Besiedlung durch Hirsche wieder zuzulassen? Oder da, wo man es nicht will, zumindest im Winter mal Ziegen drauf zu stellen, in reinen Brombeerlokalitäten wie unserer Schneise auch gerne ganzjährig?

Man wird Brombeeren wie jeder anderen Pflanze nur dadurch Herr, wenn man sie konsequent mehrmals im Jahr niedermäht und keinerlei Aufwuchs zulässt, der älter als drei Wochen wird. In den Wäldern kann keiner mähen, das wäre unbezahlbar.
Wenn ich mir aber anschaue, welche enormen Flächen binnen drei Jahren, sogar binnen eines Jahres auf guten Standorten, durch die Brombeeren verloren gehen, ehrlich, da ist dringender Handlungsbedarf geboten...

Wie sieht es bei Euch aus?
Die ihr eventuell in wildreicheren Gebieten lebt? Oder wo Ziegen etc. zu eben diesem Zweck genutzt werden? ich würde mich sehr über Eure Meinungen, Erfahrungen und Beobachtungen freuen, und bin der festen Ansicht, dass ein freies Schalten und Walten lassen der Brombeere mindestens so verheerend ist wie bei diversen invasiven Neophyten...

Grüße,
Andreas

Remstalbewohner
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Re: Eine Wald- Beobachtung und die Rolle von Megaherbivoren...

Beitrag von Remstalbewohner »

Kiefer hat geschrieben:Hallo zusammen!
Was meint Ihr nun?
Zählt die Brombeere mehr als die genannten invasiven Neophyten, weil sie ja heimisch ist? I
Die Brombeere zählt mehr, weil sie besser schmeckt! :roll:

Wobei ich jetzt was irritiert bin. Ich habe das Buch "Der Wald, ein Nachruf" von Peter Wohlleben gelesen. Darin war ein hoher Wildbestand im Wald, der die Jungbäume wegäst einer der Hauptproblempunkte. Daß sie jetzt durch wegfressen der Brombeere denen Jungbäumen jetzt mehr nützen als schaden sollen? - Gute Frage...
Und ich dachte Brombeeren wären Waldrand bzw. Waldlichtungs-Pflanzen, die so ein Ausbreitungsdrang haben, weil sie ihrerseits von den Waldbäumen dann immer wieder verdrängt werden. Ich denke, das müsste man über längere Zeiträume beobachten.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Meine Erfahrungen aus Mittelhessen + hier aus Angeln sind völlig anders.
Die Brombeeren wachsen nur am Waldrand und hier oben in den Knickrändern, dort wo genügend Sonne hinkommt. Sie sind heißbegehrt und werden jetzt fast komplett abgeerntet für leckeren Gelee/Marmelade. Da sie ja mehr in Bodennähe ranken, sind sie diejenigen, die sich sehr strecken müssen gegen Weißdorn,Schlehe , Haselnuss,Holunder und co. Aber durch ihre langen Ranken überleben sie.
Rehe fressen bei mir über Winter nur die Blätter ab, alles andere bleibt stehen. Wenn man Rehe, Hirsche, Ziegen einsetzen würde wäre bis zu einer erreichbaren Höhe alles abgefressen oder verbissen/geschält. Der Schaden wäre immens. Außerdem wandern Hirsche viele Kilometer in einer Nacht. Sie ziehen also immer mal durch, sind aber niemals stationär da. Genau so ist es bei uns hier, wenn man nicht einzäunt. Die Schäden sieht man im Wald ( kein Bodenbewuchs, keine Jungbäume ) und natürlich auch in den Gärten. Ohne 1,40 m hohen Zaun brauchst du keine Rosen pflanzen. Die Rehe haben keine Feinde ( außer Straßenverkehr, geschossen werden meist nur Böcke ). Sika- und Damwild wurden vor ca. 100 Jahren von den großen Gütern ausgesetzt zwecks Jagd im eigenen Wald und ziehen heute vagabundierend über viele Kilometer umher, längst sind sie aus den Gutswäldern herausgewachsen.


Viele Beispiele zeigen immer wieder. Wo der Mensch Tierarten aussetzt, geht auf Dauer alles schief. Ein positives Beispiel ist hier der Fasan. Ein schöner Vogel, der sich gut hält und die Landschaft bereichert. Aber warum auch er hier vorkommt besagt schon sein 2. Name : Jagdfasan.

Eine schöne Beobachtung im Herbst bei uns hier oben. Wenn du Brombeeren pflückst oder die Augen offen hälst, findest du jetzt etliche Laubfrösche, die auf den Brombeerblättern sitzen und auf an Früchten naschende Insekten lauern.

VG Wolfgang
P.S. : Ich wollte noch anfügen, dass ca. 70 Schmetterlingsarten auf die Brombeere angewiesen sind und ca. 30 Vogelarten die Früchte verzehren.
Zuletzt geändert von Cryptomeria am 10 Sep 2015, 10:18, insgesamt 1-mal geändert.
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

AndreasG.
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Re: Eine Wald- Beobachtung und die Rolle von Megaherbivoren...

Beitrag von AndreasG. »

Remstalbewohner hat geschrieben: Ich denke, das müsste man über längere Zeiträume beobachten.
Dem würde ich mich anschließen. Die Brombeere ist heimisch und somit ist die Natur in irgendeiner Form daran angepasst. Irgendwann setzen sich doch "richtige" Bäume durch und vorher reichert die Brombeere den Boden mit Stickstoff an. (via Knöllchenbakterien)
Ansonsten helfen Ziegen, die Brombeere kurz zu halten. Die lieben es, wenn es beim Kauen piekst.
Bei mir im Garten wachsen Brombeeren übrigens sehr langsam. Ich hätte gerne wenigsten ein paar zum Naschen, aber da passiert irgendwie nichts.

tormi
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Beitrag von tormi »

Hallo,

es stimmt schon, dass diese Pflanzen sehr stark wuchern können, bin aber AndreasG`s Meinung. Mit der Zeit werden sich Laugehölze finden die ich gegen die Brombeere durchsetzen können. Dieses werden in erster Linie Bäume sein deren Saatgut sich mit dem Wind verbreitet, also Eschen, Birken, Berg-Ahorn uä sein. Diese werden die Brombeeren nicht ganz vertreiben können jedoch denke ich, dass sie nicht mehr so dicht wuchern kann. Somit ensteht Platz für weitere Gehölze.

Deine Beobachtung ist sehr interessant, sie müsste nur noch einige Jahre fortgesetzt werden, je länger desto besser.
LG Nalis

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Sowas dauert mitunter recht lang.
Ich kenne Schlehenhecken, bei denen ich mir bereits als Kind blutige Knie geholt habe, und die sich seit dem langsam ausbreiten, weil in der Umgebung die Bewirtschaftung reduziert/eingestellt wurde. Diese Hecken sind relativ stabil. Nennenswerter Baumbestand kommt dazwischen nur sehr, sehr langsam hoch. Das geht halt in anderer Geschwindigkeit, als wir es gewohnt sind. Aber irgendwann werden doch Bäume hochkommen und die Schlehen verdrängen.

Deshalb keine Panik und viel Spaß beim Brombeerpflücken. (Ich hoffe, es sind wenigstens wohlschmeckende Früchte.)
Aus den Blättern soll man einen gesunden Tee brühen können. Keine Ahnung, wie der pur schmeckt, aber Brombeerblätter sind in vielen Kräuterteemischungen enthalten.

Hilmar
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Beitrag von Hilmar »

Brombeere kann regional durchaus invasiv auftreten und ich kenne lichte Baumbestände, welche aufgrund der darin wachsenden Brombeeren nur unter erschwerten Bedingungen und mit entsprechender Kleidung betreten werden können. An Bestandesrändern bilden Brombeerdickichte zum Teil bis 3 m hohe undurchdringbare Bestände.
Ich führe das invasive Wachstum auf Veränderungen der Waldstruktur zurück. In geschlossenen Beständen und bei einer lockeren Strauchschicht im Unterwuchs tritt kaum Brombeere auf. Mittlerweilen sind die Wirtschaftswälder jedoch so ausgelichtet, dass die Sonne über einen längeren Zeitraum bis auf den Boden scheinen kann. Hinzu kommen Trockenheit und Bodenverdichtung. Diese Veränderungen fördern das Wachstum der Brombeere, welche dann zunehmend den natürlichen Aufwuchs beschattet und neuen Aufwuchs sofort unterdrücken. Die Zunahme der Brombeere in waldartigen Beständen ist somit nicht nur auf die Veränderungen des Klimas zurückzuführen, sondern weist eher auf den naturfernen Umgang mit den natürlichen Ressourcen hin.

Einerseits betrachte ich die Brombeere auch nur als floralen Stacheldraht, die ein oder andere Schramme hinterlassend und mit Flüchen bedacht. Jedoch ist gerade die Brombeere ein interessantes botanisches Gebiet, bei welchen sich wohl nur wenige Spezialisten zweifelsfrei auskennen mögen.
Schaut man in die Roten Listen der einzelnen Bundesländer, findet man eine Vielzahl an Brombeerarten, welche mit dem Vermerk gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht oder gar ausgestorben versehen sind.
Und über die Letzten ihrer Art flucht es sich viel leichter und noch besser, hilft aber auch, eine gewisse Toleranz einzuräumen.

Gruß Hilmar

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Sicher habt ihr Recht, und danke für die Antworten.
Hier allerdings, wie gesagt Nordrand Westerwald um Altenkirchen rum, nimmt das wirklich überhand.

Erstmal die ganzen Kyrill- Windwürfe.
Da waren zumeist Birken und Fichten in den entscheidenden ersten vier Jahren schneller, in den lockeren Beständen machte sich zwischendrin Heide breit, und ganz richtig, an den Rändern Brombeeren.
Nun aber lichten sich die inzwischen achtjährigen und teils bereits über 5 m hohen Jungholzbestände von unten langsam auf, und die Brombeeren rücken nach.
Der in unseren Wirtschaftswäldern höchst wichtige Lebensraum von Eidechsen geht somit flöten, gleichziehend mit der viel artenreicheren und ökologisch wertvollen Heidegesellschaft.

In alten, hochschäftigen Fichtenbeständen, die wieder genug Licht für Bodenflora durchlassen, kommt neben Fichten und anderem Baumjungwuchs auch die Brombeere prächtig auf. Und baut binnen wie gesagt drei Jahren 100 m² große undurchdringliche Bestände, wo nichts anderes mehr durchkommt...

Auf irgendwelchen Brachflächen im Wald dasselbe- durchaus jahrelang baut und hält sich ein artenreicher, und solche Flächen sind heute wichtiger denn je!, Krautbestand, der dann von diversen Pionierbäumen wie Birke und Salweide (die jeweils noch viel mehr Insektenarten beherbergen als die Brombeere) abgelöst würde, um dann den weiteren Weg der Sukzession zu gehen.
Kommen dann aber vom nahen Waldrand die Brombeeren rein, machen die kurzen Prozess, und binnen drei Jahren wächst da nichts anderes mehr...

Auf trockenen Magerstandorten, wo sich kaum Bäume oder große Sträucher halten können, dasselbe. Auch hierfür gibt es den passenden Brombeerklon, der sich durch unterirdische Ausläufer ausbreitet und nur bis 60 cm hohe fruchtende Triebe bildet, ohne bodenkriechende oder rankende und an den Zweigenden wurzelnde Vermehrung.
Die beanspruchen aber ebenfalls alles Wasser und die Nährstoffe für sich, so dass nur magerkeits- toleranteste Gräser dazwischen gedeihen, von einer artenreichen Magerwiesenflora und -fauna keine Spur.

Gegen jedes Unkraut und sonstwie invasive Zeug wird alsbald schärfstens angegangen, weil's ja die ökologische Vielfalt bedroht und seltene Arten verdrängt.
Die Brombeere tut nichts anderes, und sie soll man lassen? Nur weil sie ja, mit etwas Glück, leckere Früchte hat?

Sicher muss man bei Sukzessionen in Jahrzehnten rechnen, aber gälte das dann nicht im Gleichzuge für die so verhassten invasiven Neophyten? In einem gesunden Buchen- und Eichenwald halten sich auch keine Staudenknöteriche und Indischen Springkräuter...

Was Ziegen angeht, so meine ich natürlich nicht den ganzen Wald an sich, sondern gezielt die am stärksten verwucherten Partien. Sicher machen die auch erstmal alles andere darin platt, aber sind die Brombeeren geschlagen, hat man den Standort zurück gewonnen. Und alte Fichten schälen weder Hirsch noch Ziege...
Bei uns jedenfalls finde ich es ganz klar zu wenig Wild, vor allem größeres, obwohl die notwendige Fläche vorhanden wäre- gibt weitaus kleinräumigere Rotwildgebiete, wie die Wahner Heide östlich des Flughafens Köln- Bonn...
Und da ist die Natur trotz des Großwildes weit intakter als in jedem rotwildlosen Wirtschaftswald, denn ob man es glaubt oder nicht- Wild hat auch eine ökologische Rolle, und vernichtet nicht nur, oder ist nur da, um die Teller zu füllen... Das scheint mir immer so ein klein bisschen vergessen zu werden, wenn es um Wild geht...

Und Wolfgang: Du meinst doch nicht wirklich, wenn man heimisches Wild an einem Ort wieder leben lässt, dass da dann auf die Dauer alles schief geht?
Damwild haben sicherlich erst die Römer wieder hierher gebracht. Aber: Das war bereits vor der letzten Eiszeit hier heimisch, UND es kam vor der Entdeckung Amerikas hierher zurück, ist also genau wie Feldhase und manch anderes urprünglich hier nicht heimische Tier ein Archäozoon und somit einheimisch.
Da ist jedes Muffelwild im Flachland weit fehler am Platze.

Hilmar: Ja, richtig, botanisch gibt es kaum was interessanteres als Brombeeren, die aus quasi jedem Sämling eine neue Art bilden können.
Weil das allerdings so ist, ist es da ein wenig fehl am Platze, aussterbenden oder ausgestorbenen Arten hinterherzutrauern.
Potentiell lauern ja in jeder Samensaison ein paar neue Arten... Und eine Art erhalten würde bei der Brombeere nicht mehr bedeuten, als einen Klon zu erhalten...

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Andreas, Wildbestände wie Rehe + Hirsche bringen nichts bei der Bekämpfung der Brombeere. Einzäunen und Ziegen drauf kann jeder auf seinem Grundstück abwägen. Ansonsten befinden wir uns auf fremdem Eigentum.

Und dass sich politisch etwas erreichen lässt, dazu ist die Brombeere viel zu harmlos. Wir haben hier das ganz massive Problem ( in Hektaren ) mit dem Jakobs-Kreuzkraut. Tiere sind schon verendet und Rückstände werden in Honig nachgewiesen. Das sieht anders aus.

Vg Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Soll ja nicht bekämpft werden, vom Wild, sondern in Maßen gehalten ;).
Jakobs- Kreuzkraut ist by the Way auch heimisch und war früher kein Problem.

Statt nun also, was auch für die Brombeeren gilt, an den Symptomen rumzudoktern, wäre es vielleicht eher angebracht, mal nach des Pudels Kern zu forschen.
Hilmar hat das ja schon ganz gut angesprochen- und so stellte sich die Frage- was tun, damit sich das wieder ändert?

Wobei die Brombeeren allerdings auch auf Standorten hochkommen, die sich nicht drastisch verändert haben, wie in von mir erwähntem altem Fichtenhochwald, der etwa 120 Jahre alt sein dürfte. Der dürfte bald flächig erntereif sein, ist bestens gepflegt (also ohne großes Befahren, Verdichten und dergleichen), aber dennoch machen sich die Broms da breit und breiter.

Wenn die da in den nächsten Jahren kahl machen und wieder aufforsten wollen, puh, dann will ich nicht die Felder aus Brombeer- Wurzelausläufern sehen, die umso prächtiger hochkommen, weil die Sonne wieder voll drauf knallt.
Und dieser alte Fichtenwald besteht zwei Hügelflanken von zusammen mehreren hundert Hektar. Ist zwar nicht meine Sorge, aber pff, wie will man denn sowas pflegen, so dass x- tausend Jung- Wasauchimmersiedaaufforstenwerden ungehindert hochkommen?

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Meinst du, dass auf Grund bestimmter Faktoren (Klimaerwärmung) die Brombeere einen ökologischen Vorteil hat und sich schneller ausbreitet als bisher?
Es könnte auch ein besonders "aggressiver" Klon sein. Hier jedenfalls gibt es diese Probleme nicht.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Bei uns sieht man eher größere Himbeer"felder".

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Ein einzelner Klon ist das nicht.
Blütenfarbe, Laub, Fruchtgröße und Beerenanzahl pro Frucht sowie Wuchsart differieren teils sehr kleinräumig- es sind also die Brombeeren allgemein.
Da die Brombeere ja ozeanisch- mildes Klima bevorzugt und die letzten drei Winter bis auf den krassen Kälteeinbruch im Februar '12 eigentlich gar keine waren, KÖNNTE man schlussfolgern, dass klimatische Einflüsse eine Rolle spielen.
Im Kontinentalklima Berlins zB waren wilde Brombeeren die ganz große Rarität, und hat man 'nen leckeren Busch gefunden, hat man den fast so geheim gehalten wie gute Pilzstellen...

Wohnt denn zufällig einer aus unseren Reihen im Rothaargebirge? Das ist ja nicht soweit vom Westerwald weg, da gibt es aber Rotwild.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Da Brombeeren teilweise wintergrün sind, werden sie von milden Wintern sicher profitieren.
Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, musst du wohl den Vögeln die Früchte wegfuttern.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Zur Vermehrung der Brombeerflächen trägt auch die moderne Forstwirtschaft bei. Von Kulturbegründung/ Naturverjüngung bis zum Abtrieb bleibt der Wald aus finanziellen sowie technischen Gründen lichter.
Gruß Yogi

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