Nadelgehölze in der Stadt
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Nadelgehölze in der Stadt
Guten Tag,
ich recherchiere gerade zum Thema Verwendung von Nadelgehölzen im urbanen Raum, da diese im Vergleich zu Laubbäumen deutlich unterrepräsentiert sind. Dabei stoße ich immer wieder auf die gleichen Darstellungen:
-Nadelgehölze sind weniger ökologisch wertvoll
-Nadelbäume binden Luftschadstoffe besser als Laubbäume (was ja für eine Verwendung an Straßen etc. spräche)
-Nadelbäume ertragen weniger Luftschadstoffe, da sie ihre Nadeln über Jahre behalten und sich nicht wie die meisten Laubbäume regelmäßig nach Beendigung der Vegetationsperiode ihrer entledigen können.
- Nadelbäume sind evolutiv gut an Trockenheit angepasst
Insbesondere zum ersten Punkt finde ich so gut wie nie eine Begründung. Vielleicht kann mir ja hier jemand einen Hinweis geben.
ich recherchiere gerade zum Thema Verwendung von Nadelgehölzen im urbanen Raum, da diese im Vergleich zu Laubbäumen deutlich unterrepräsentiert sind. Dabei stoße ich immer wieder auf die gleichen Darstellungen:
-Nadelgehölze sind weniger ökologisch wertvoll
-Nadelbäume binden Luftschadstoffe besser als Laubbäume (was ja für eine Verwendung an Straßen etc. spräche)
-Nadelbäume ertragen weniger Luftschadstoffe, da sie ihre Nadeln über Jahre behalten und sich nicht wie die meisten Laubbäume regelmäßig nach Beendigung der Vegetationsperiode ihrer entledigen können.
- Nadelbäume sind evolutiv gut an Trockenheit angepasst
Insbesondere zum ersten Punkt finde ich so gut wie nie eine Begründung. Vielleicht kann mir ja hier jemand einen Hinweis geben.
Nadelgehölze sind tatsächlich ökologisch weniger wertvoll. (mein Lieblingsthema)
1. Es sind ausschließlich Windbestäuber, so dass für Bienen und & nicht viel Nahrung bleibt.
2. Nur wenige Vögel nisten in Nadelbäumen.
3. Die Früchte bzw. Samen sind mit wenigen Ausnahmen für die meisten Tiere nicht fressbar.
4. Im Vergleich mit z.B. der Eiche leben nur wenige Insekten und deren Larven auf und von Nadelbäumen und in der Folge haben es dann Vögel schwerer, dort Nahrung zu finden.
5. Die meisten Nadelbäume im städtischen Raum sind Exoten und die darauf spezialisierten Tiere kommen bei uns nicht vor. Es gibt überhaut nur wenige in Mitteleuropa heimische Nadelbäume, die zudem ohne menschlichen Einfluß meist nur an Extremstandorten vorkommen würden. Viele bei uns in den Gärten angepflanzten Nadelbäume kommen auch in ihren Ursprungsgebieten auf Extremstandorten vor. Unsere heimische Tierwelt ist dagegen eher an Laubbäume angepasst.
6. Es gibt auch Ausnahmen von den obigen Punkten.
1. Es sind ausschließlich Windbestäuber, so dass für Bienen und & nicht viel Nahrung bleibt.
2. Nur wenige Vögel nisten in Nadelbäumen.
3. Die Früchte bzw. Samen sind mit wenigen Ausnahmen für die meisten Tiere nicht fressbar.
4. Im Vergleich mit z.B. der Eiche leben nur wenige Insekten und deren Larven auf und von Nadelbäumen und in der Folge haben es dann Vögel schwerer, dort Nahrung zu finden.
5. Die meisten Nadelbäume im städtischen Raum sind Exoten und die darauf spezialisierten Tiere kommen bei uns nicht vor. Es gibt überhaut nur wenige in Mitteleuropa heimische Nadelbäume, die zudem ohne menschlichen Einfluß meist nur an Extremstandorten vorkommen würden. Viele bei uns in den Gärten angepflanzten Nadelbäume kommen auch in ihren Ursprungsgebieten auf Extremstandorten vor. Unsere heimische Tierwelt ist dagegen eher an Laubbäume angepasst.
6. Es gibt auch Ausnahmen von den obigen Punkten.
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quellfelder
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- Registriert: 29 Dez 2010, 16:46
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Hallo,
das Nadelgehölze weniger ökologisch wertvoll sein sollen, höre ich so das erste Mal. Deshalb wirst Du dafür auch kaum eine brauchbare Begründung finden.
Der menschliche Faktor gibt hier sicherlich den Ausschlag. Die Laubbäume bringen einfach mehr Abwechslung ins Spiel. Sie blühen relativ regelmäßig, was man von den Nadelbäumen nun nicht gerade sagen kann, dazu die Fruchtbildung und der Rausch der Farben im Herbst.
Aber in allen anderen Dingen haben die Nadelgehölze die gleichen Eigenschaften wie die Laubbäume. Der eine mehr, der andere weniger.
Viele Grüße
quellfelder
das Nadelgehölze weniger ökologisch wertvoll sein sollen, höre ich so das erste Mal. Deshalb wirst Du dafür auch kaum eine brauchbare Begründung finden.
Der menschliche Faktor gibt hier sicherlich den Ausschlag. Die Laubbäume bringen einfach mehr Abwechslung ins Spiel. Sie blühen relativ regelmäßig, was man von den Nadelbäumen nun nicht gerade sagen kann, dazu die Fruchtbildung und der Rausch der Farben im Herbst.
Aber in allen anderen Dingen haben die Nadelgehölze die gleichen Eigenschaften wie die Laubbäume. Der eine mehr, der andere weniger.
Viele Grüße
quellfelder
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Cryptomeria
- Beiträge: 9539
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- Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge
Um nur einen Punkt deiner Darstellung zu hinterfragen: Woher meinst du denn stammt der "Tannenhonig" den die obengenannten Bienen und auch andere Insekten als Nahrung aufnehmen?AndreasG. hat geschrieben:Nadelgehölze sind tatsächlich ökologisch weniger wertvoll. (mein Lieblingsthema)
1. Es sind ausschließlich Windbestäuber, so dass für Bienen und & nicht viel Nahrung bleibt.
.
Welche Ökoleistung muss ein Lebewesen erbringen damit es wertvoll ist?
LG Rolf
Tannenhonig nennt man die Ausscheidungen der Blattläuse und Co, die im Hochsommer von den Bienen gesammelt werden. Paradoxerweise ist dieser Tannenhonig, der häufig auch Waldhonig genannt wird, weil er nicht nur von Tannen, sondern von allen möglichen Pflanzen stammt, für die Bienen selbst recht unbekömmlich. Wenn davon im Herbst zu viel im Wintervorrat enthalten ist, kann ein Bienenvolk daran sterben oder sich zumindest stark schwächen.
Aus menschlicher Sicht ist er allerdings ein Spitzenhonig und wird ziemlich teuer gehandelt.
Aus menschlicher Sicht ist er allerdings ein Spitzenhonig und wird ziemlich teuer gehandelt.
Das meine ich keinesfalls. Blattläuse kommen so ziemlich überall vor.rolf7 hat geschrieben:Schön dass du eingestehst dass sich an Koniferen auch noch Blattläuse ernähren, die dann Vögeln und weiteren Insekten als Nahrung dienen - also doch sehr wertvoll!
Außerdem bezog sich die Fragestellung nicht auf artenreiche Fichtenmonokulturen, sondern auf Koniferen in der Stadt. Und dort werden sehr häufig Exoten angepflanzt, die noch weniger Arten einen Lebensraum bieten als heimische Koniferen. Vergleiche doch einfach mal die Artenvielfalt, die auf einer Blaufichte existieren kann, mit der auf einer Pappel oder Birke.
Echter Tannenhonig wird übrigens nur dort in größeren Mengen produziert, wo es eine nennenswerte Anzahl Tannen gibt, und das ist bei uns wohl nur der Schwarzwald. Die Insekten, die diesen echten Tannenhonig produzieren, sind auf Tannen angewiesen und kommen nicht auf anderen Koniferen vor. Sonst könnte man den Tannenhonig überall ernten.
Das habe ich eigentlich schon beantwortet, je mehr Tiere an und von einem Baum existieren können, desto wertvoller ist er aus ökologischer Sicht.rolf7 hat geschrieben: und was meinst du zu meiner zweiten Frage?
LG Rolf
Im übrigen sollte das hier keine Grundsatzdebatte über den Wert eines Lebewesens werden, sondern nur die eingangs gestellte Frage beantworten.
In ihren jeweiligen Ursprungsländern sind Thuja oder chin. Wacholder mit Sicherheit innerhalb des Ökosystems wichtig, aber bei uns gibt es kaum etwas öderes als eine Thuja-Hecke. Wenn dort mal eine Amsel brütet, dann aus Verzweiflung und weil sie nichts besseres finden kann.
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Cryptomeria
- Beiträge: 9539
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Ich sehe das aus eigener Erfahrung völlig anders. Wenn man in einer Gegend mit viel Laub wohnt und Nadelbäume im Garten hat, wirken diese geradezu wie ein Magnet auf sehr viele Vogelarten. Viele schlafen in den blickdichten Bäumen, denn diese bieten Schutz vor Greifen,Wind,Kälte und sehr viele nutzen sie - gerade im zeitigen Frühjahr - ebenfalls zum Brüten ( Dompfaff,Grünfink,Hänfling,Amsel,Singdrossel,Schwanzmeise usw.). Ebenso suchen viele Arten ( Goldhähnchen,Meisen...) die Nadelbäume gezielt nach Insekten + Spinnen ab, weil diese auch viel Überwinterungspotential ( Sichtschutz )für Insekten + Spinnen bieten.
Was ich sagen wollte, so tot, wie dargestellt, sind sie keineswegs.
Vg Wolfgang
Was ich sagen wollte, so tot, wie dargestellt, sind sie keineswegs.
Vg Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.
Den Wert eines Gehölzes kann man sicher nicht allgemeingültig festlegen. Da gibt es ja immer die individuellen Ansprüche. Aus der Sicht des Menschen kommt es auf den Verwendungszweck an. Aus der Sicht bestimmter Tierarten kann das sehr unterschiedlich sein. Und klimatechnisch ist es auch wieder anders. Als Straßenbaum kommt es auf andere Qualitäten an als im Garten oder Wald. Aus der Sicht anderer Pflanzen sieht es nochmal anders aus. Ist das Gehölz invasiv und verdrängt einheimische Arten?
Also: Die Eingangsfrage lässt sich nicht pauschal beantworten.
Also: Die Eingangsfrage lässt sich nicht pauschal beantworten.
... einem Laubbaum, zum Beispiel einer Platane!AndreasG. hat geschrieben:Vergleiche doch einfach mal die Artenvielfalt, die auf einer Blaufichte existieren kann, mit ...
Und an dieser Stelle merkt Ihr hoffentlich, wie witzlos es ist, die Sinnhaftigkeit von Bäumen an der Frage Laub- oder Nadelbaum festzumachen. Vertragt Euch!
Ostergrüße!
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Cryptomeria
- Beiträge: 9539
- Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
- Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge
Wir vertragen uns und ich hatte auch lange überlegt - da es nicht die Eingangsfrage war - , ob ich überhaupt etwas dazu sage. Denn wie Frank schon richtig schreibt, bei Straßenbäumen kommt es auf völlig andere Qualitäten an.
Ebenfalls schöne Ostergrüße
Wolfgang
Ebenfalls schöne Ostergrüße
Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.
Um einmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen.
Nadelgehölze spielen in der Landschafts- und Parkgestaltung eine Rolle - sie sind u.a. Strukturgeber, und jeder, der im Winter diurch einen Park spaziert, in dem auch größere Nadelgehölze stehen, kann die strukturierende und spannungsreiche Einbindung dieser Gruppe leicht sehen.
Als Straßenbegleiter sind die immergrünen Nadelgehölze bei uns vor allem deshalb nicht vorangig auf der Verwendungsliste, da sie im Winter ein Problem verursachen können: Schneebruch und Schneerutschen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, und wer schon einmal in den Alpen oder in Mittelgebirgslagen Nadelgehölze (in diesem Fall meist Fichten) als Straßenbäume gesehen hat, findet auch dies sehr schön. Im Scheizer und Französischem Jura gibt es solche Beispiele.
Und nur ein winziger Satz noch zum "Nutzen": warum müssen wir gerade in der Diskussion vom Nutzen von Pflanzen immer auf die Ökologie hinweisen? Wenn ein Haus gebaut wird, ein Auto auf der Straße fährt oder ein Platz betoniert wird, um Parkraum zu schaffen, oder landwirtschaftliche Flächen für Maisanbau für Biogasanlagen umgewandelt werden, wird auch nicht generell jede Einzelmaßnahme kritisiert. Aber als Gestalter und Verwender und Gärtner muß man sich mittlerweile fast bei jeder Pflanzung eines Nadelbaumes rechtfertigen. Ich hoffe sehr, dass auch in Zukunft unsere Parks und Gärten vielfältig sind und auch den spielerischen Umgang des Menschen mit der Natur ohne Nutzendiskussion (im ethischen Sinne von "ökologisch wertvoll") dokumentieren können. Sonst würde uns wirklich eine Verarmung drohen.
Nadelgehölze spielen in der Landschafts- und Parkgestaltung eine Rolle - sie sind u.a. Strukturgeber, und jeder, der im Winter diurch einen Park spaziert, in dem auch größere Nadelgehölze stehen, kann die strukturierende und spannungsreiche Einbindung dieser Gruppe leicht sehen.
Als Straßenbegleiter sind die immergrünen Nadelgehölze bei uns vor allem deshalb nicht vorangig auf der Verwendungsliste, da sie im Winter ein Problem verursachen können: Schneebruch und Schneerutschen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, und wer schon einmal in den Alpen oder in Mittelgebirgslagen Nadelgehölze (in diesem Fall meist Fichten) als Straßenbäume gesehen hat, findet auch dies sehr schön. Im Scheizer und Französischem Jura gibt es solche Beispiele.
Und nur ein winziger Satz noch zum "Nutzen": warum müssen wir gerade in der Diskussion vom Nutzen von Pflanzen immer auf die Ökologie hinweisen? Wenn ein Haus gebaut wird, ein Auto auf der Straße fährt oder ein Platz betoniert wird, um Parkraum zu schaffen, oder landwirtschaftliche Flächen für Maisanbau für Biogasanlagen umgewandelt werden, wird auch nicht generell jede Einzelmaßnahme kritisiert. Aber als Gestalter und Verwender und Gärtner muß man sich mittlerweile fast bei jeder Pflanzung eines Nadelbaumes rechtfertigen. Ich hoffe sehr, dass auch in Zukunft unsere Parks und Gärten vielfältig sind und auch den spielerischen Umgang des Menschen mit der Natur ohne Nutzendiskussion (im ethischen Sinne von "ökologisch wertvoll") dokumentieren können. Sonst würde uns wirklich eine Verarmung drohen.
Schöne Grüße,
Buck
Buck
Wirklich? Das wäre ja toll.Buck hat geschrieben:
Aber als Gestalter und Verwender und Gärtner muß man sich mittlerweile fast bei jeder Pflanzung eines Nadelbaumes rechtfertigen.
Bei uns in der Kleingartenanlage sind Nadelbäume übrigens nur bis zu einer gewissen Größe erlaubt. Da mussten in der letzten Zeit in mehreren Gärten etliche Blaufichten dran glauben und ich musste mich bei der Gartenübernahme vertraglich verpflichten, die großen Koniferen (insgesamt 10 Bäume mit größtenteils mehr als 10 m Höhe) zu entfernen.
Wacholder sind als Birnengitterrost-Überträger komplett unerwünscht. Aber eine größere Eibe habe ich stehen gelassen und nur ein bisschen zurückgeschnitten.
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Kiefernspezi
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- Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
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Wie ist das hier anzuwendende Wort, das bei der gezielten Diskriminierung und Verunglimpfung von Menschengruppen als Rassismus bezeichnet wird?
Es gibt unzählige wenig nützliche bis schädliche oder bei Menschen Allergien hervorrufende Laubgehölze. Zudem sind nicht alle Lebewesen, die in und von den Bäumen leben erwünscht.
Andererseits leben deutlich mehr Insekten und Vögel in Nadelgehölzen, als das es hier dargestellt wird. Zudem sind die Samen Lebensgrundlage vieler Tiere.
Für die Städte dürfte eines in anderer Form wie für die Wälder gelten: eine gesunde Mischung und die Nutzung der Vorteile von Laub- und Nadelgehölzen ist sicher genauso zielführend und besser als die Schaffung von Feindbildern und rassistischer Ausgrenzungsdiskussionen.
Viele Grüße
Es gibt unzählige wenig nützliche bis schädliche oder bei Menschen Allergien hervorrufende Laubgehölze. Zudem sind nicht alle Lebewesen, die in und von den Bäumen leben erwünscht.
Andererseits leben deutlich mehr Insekten und Vögel in Nadelgehölzen, als das es hier dargestellt wird. Zudem sind die Samen Lebensgrundlage vieler Tiere.
Für die Städte dürfte eines in anderer Form wie für die Wälder gelten: eine gesunde Mischung und die Nutzung der Vorteile von Laub- und Nadelgehölzen ist sicher genauso zielführend und besser als die Schaffung von Feindbildern und rassistischer Ausgrenzungsdiskussionen.
Viele Grüße