Biber zurück in der Zivilisation

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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

In Berlin lassen sich nicht nur die Füchse streicheln und füttern... Auch Wildschweine, sogar kleine Frischlinge führende Bachen, wo mir beim ersten Mal Beiwohnen echt fast das Herz in die Hose gesackt ist, als da so eine Frau mit Fahrrad ankam, abstieg, mit der Tüte raschelte und daraufhin die Bache angeschlendert kam und ihr das Brötchen aus der Hand nahm. Ich ehrlich so :shock: , denn gerade kleine Frischlinge führende Bachen waren bis dato mein persönlicher "living nightmare"... Und die da so ganz easy fliwatüt und tralala...

Was die Nilgänse angeht: Jo, die sind ziemlich militant, wenn's um die Verteidigung und Eroberung des Brutplatzes geht, da haben die auch keine Hemmungen, schon mal 'nem Habichtspaar den Horst zu enteignen...

Allerdings trifft es bei denen in aller Regel nur Arten, die sowieso allenthalben vorkommen (Stockenten, Blässhühner, vllt. auch und sogar Höckerschwäne, die sich aber wehren können) und deren Bruten schon sowieso so gefährdet sind, dass die auch locker im Juli noch eine Nachbrut machen können, oder sowieso zweimal im Jahr brüten... Haben also keine wirklich negativen Einflüsse auf heimisches Wassergeflügel.

Und die Kanadagans kann ich aus persönlicher Erfahrung als harmlos bestätigen, die habe ich in Berlin an die 12 Jahre intensiv beobachtet, studiert und da auch mit einer wissenschaftlichen Stelle für Neozoen zusammen gefasst. Die größte Gefahr durch die sind verschissene Strandpromenaden oder (unfruchtbare) Hybriden mit Graugänsen- aber auch die sind in der Regel auf den Siedlungsbereich beschränkt, influieren die Graugansbestände also nicht wirklich.
Auch, da die Hybriden wie gesagt steril sind, weil's Gattungshybriden sind (Anser x Branta).

Ist also alles ziemlich in Ordnung :)!

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

- ja, ich sehe das auch eher entspannt was die Nilgans anbelangt, welche inzwischen auch hier bbei mir im Vogtland an einigen Gewässern brütet, die Kanadagans tritt hier als Brutvogel nicht bzw. nur sehr sporadisch auf.
Noch ein kleiner Nachtrag zum Kolkraben, der war Mitte des letzten Jahrhunderts bis auf zwei Rückzugsregionen, den bayrischen Alpenraum und den äußersten Norden Deutschlands, namentlich Schleswig-Holstein, beinahe aus ganz Deutschland verschwunden und zwar meistenteils aufgrund direkter Verfolgung (Abschuss, Gifteier, Ausnehmen der Horste), erholte sich dann von dort nach Unterschutzstellung zunächste nur langsam und seit den 1970ern zunehmend sprunghaft.
Als ich so ganz zaghaft als Orni begann, Mitte der 1980er, gabs ihn im Vogtland nur vereinzelt, bei der letzten Kartierung für den sächsischen Brutvogelatlas (2004-2007) war er bei uns im Vogtland flächendeckend verbreitet. Laut Adebar -Atlas liegt der Bestand in Sachsen bei etwa 1400-1800 und Deutschlandweit bei 14000-22000 BP. Im Osten und Nordosten Deutschlands nimmt er aber nunmehr kaum noch zu, da sind die Reviere verteilt sind, in anderen Regionen füllt er unterbesetzte Gebiete noch auf- ich liebe diesen germanischen Wodansvogel (Hugin-Gedanke, Munin-Gedächtnis :-) der neben anderen Rabenvögeln wie Elster und Dohle und einigen Papageienarten zu den intelligentesten Gefiederten überhaupt zählt, auch die Rufe haben einen eigenen Zauber, dieses sonore "korr, korr"- ganz anders als das Krähengekrächze :-)

Beste Grüße aus dem verschneiten Vogtland
André
"Wenn eine Raupe stirbt- wird ein Schmetterling geboren"
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Merten
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Beitrag von Merten »

Ich würde genr mal einen zu Gesicht bekommen!

Merten
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Beitrag von Merten »

Was meint ihr, wo hat man die besten Chancen, einen zu sehen?

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Biber kannst du theoretisch an vielen größeren und auch kleineren Flüssen beobachten, sogar in Berlin und München wurden bereits welche gesichtet bzw. haben sich sogar welche angesiedelt.- Die größten Chancen bestehen aber an naturbelassenen Abschnitten z.B. der Elbe und der Oder, aber auch an vielen Flüssen Bayerns.
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Sehr schön geschrieben, André, die Anekdote mit den Raben :)!
Wir haben hier am Nordrand des Westerwalds auch ein Paar bzw. drei/ vier Junggesellen, die wohl den ganzen Landkreis Altenkirchen nach Aas abstöbern.
Meist sehe ich sie nur fliegen oder höre ihre Rufe, und freue mich jedes Mal, wenn sie vorbei kommen, einmal hatte ich aber auch das Riesenglück, sie ganz in der Nähe an einem Roadkill fünf Meter neben der Straße zu sehen- war wohl ein Hase, und es war sehr genial, diese typische Aasfresser- Hierarchie zu sehen.

Am Aas die Raben, in gebührendem Abstand die Krähen und noch etwas peripherer die Elstern, die ja dann immer die Knochen abputzen, wenn alle anderen fertig sind. War sehr nett, und ist hier im klinisch sterilen Deutschland, was das Verbleiben von Fallwild in der Gegend angeht, ja schon ein hoch exklusiver Anblick, den man so eher irgendwo in Norwegens Tundra erwarten würde ^^!

Bei den Raben wude sich übrigens nicht so "angestellt", als die sich wieder ausbreiteten...

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Da kann ich dir nur zustimmen :-) Raben zu beobachten ist immer etwas erhebendes, seien es die Flugspiele bei der Balz, spielerische Nahrungsübergaben oder sei es das Verhalten am Futterplatz- einmal hatte ich sogar das Glück einem "Luftkampf" zwischen einem Kolkraben und einem Habichtweibchen beiwohnen zu können- nach etwa 10 Minuten zog der Habicht, der sich offenkundig sehr übernommen hatte, ab.

Panikberichte in der BILD und Proteste der Schäfer gab es auch im Falle der Raben, namemntlich in Brandenburg, es wurde unterstellt, dass diese neugeborene Lämmer töteten, bei genauer Beobachtung stellte sich aber heraus, dass dafür kein Beweis erbracht werden konnte, die wenigen belegten Fälle betrafen Totgeburten, Nachgeburten oder kurz nach der Geburt verendete Lämmer um die sich die Mutterschafe nicht mehr kümmerten udn sie auch nicht verteidigten. Aber inzwischen ist es ruhig darum geworden und auch seinerzeit hatten die Proteste nie das Ausmaß wie bei Biber oder derzeit beim Wolf.

Viele Grüße
André
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Kiefer hat geschrieben:
Bei den Raben wude sich übrigens nicht so "angestellt", als die sich wieder ausbreiteten...
Naja, gerade bei Kälberherden und Lämmern kann ich mich an einige Aufregung seitens der Bauern erinnern. Da wurde in Brandenburg lautstark der Abschuß gefordert. Das war allerdings mehr in den Neunzigern, also schon etwas zurückliegend. Aber seit die Wölfe da sind, hört man hinsichtlich der Raben und ihrer vermeintlichen Schäden nicht mehr so viel.
Andere Krähenvögel werden dagegen häufiger per Sonderabschußerlaubnis getötet.

Ich finde die Rufe der Raben sehr melodisch, in der Tat nicht zu verwechseln mit Krähenrufen. Irgendwo bei mir hat ein Paar gebrütet, vermutlich auf einem Dach. Ich habe sie im Frühsommer und auch später immer nur gehört, nie gesehen. Leider.

Sag mal nordisches Eichhörnchen, dieses Video ist nicht zufällig von dir?

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Das ist doch an der Talsperre Pirk gedreht ! ? Das ist zwar mein Hauptbeobachtungsgewässer, neben dem Oberen Mühlteich Unterlosa und dem Burgteich Kürbitz- aber das Video ist nicht von mir :-)

Gruß André
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Ratatöskr hat geschrieben:Das ist doch an der Talsperre Pirk gedreht ! ?
Denke mal ja.
Ratatöskr hat geschrieben: Das ist zwar mein Hauptbeobachtungsgewässer, neben dem Oberen Mühlteich Unterlosa und dem Burgteich Kürbitz-
Und was lässt sich da so außer Stockenten erspähen? Wenn es nicht gerade die weit verbreiteten Arten sind, freut sich hier sicher der Eine oder Andere über ein paar Fotos.
Ratatöskr hat geschrieben: aber das Video ist nicht von mir :-)

Gruß André
Achso, ich dachte nur, wegen der altgermanischen Namensgebung.

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Leider bin ich nicht der größte Fotograph vor dem Herrn ;-) aber als Beobachtungsgebiet ist die Talsperre Pirk (für Mittelgebirgsverhältnisse freilich (all jene die an Mecklenburgs oder Brandenburgs Gewässern, and der Nordsee usw. beobachten werden nur müde lächeln) recht ergiebig.

An einem, während des Baus der Talsperre in den 1930er Jahren extra errichteten Vogelschutzbecken brüten z.B. neben Stock- auch regelmäßig Reiher- und Tafelenten, Bleß- und Teichrallen sowie auch die selten zu sehende, aber durch ihr Quiecken leicht nachweisbare Wasserralle (die Tüpfelralle wurde ebenfalls nachgewiesen), ferner Zwergtaucher, Teich- und gelegentlich Drosselrohrsänger.
Die Talsperre selbst ist als Rastgebiet für diverse Wasservogelarten (Schell, Pfeif-Krick, Knäk-, Löffel-, Spießenten, Brand- und Graugänse, ab und an mal Singschwäne, Prachttaucher usw.) im Herbst bzw. Winter interessant und auf den Schlammflächen finden sich zur Zugzeit im Frühjahr und Herbst auch Limikolen verschiedener Arten ein (Kampfläufer, Grün- und Rotschenkel, Dunkle Wasserläufer, Wald- u. Bruchwasserläufer, Flussuferläufer, Alpen- und Sichelstarndläufer,Fluss- und Sandregenpfeifer etc. pp. Am Vogelschutzbecken auch Bekassinen- alles aber in geringen Zahlen. Der Eisvogel brütet regelmäßig an den Steilwänden.
Fisch- und (sehr selten) Seeadler habe ich dort auch schon beobachtet.
und ab und an lässt sich auch mal die eine oder andere Rarität blicken bis hin zu einem Eistaucher aus dem hohen Norden im Winter oder einem übers Ziel hinausgeschossenen Seidenreiher aus dem Süden im Frühjahr :-)
Am Südufer ist eine Graureiherkolonie beheimatet sowie ein Kormoranschlafplatz, an dem sich in Spitzejahren bis zu 1000 Kormorane einfanden.

Gruß André
Zuletzt geändert von Ratatöskr am 10 Nov 2016, 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Das sind doch schon mal eine Menge Arten. Und wenn mittenmang noch der Biber rumschwimmt, was will man mehr?
Ich wusste gar nicht, dass dort so viele Vögel zugange sind.
In Plauen habe ich einmal eine Mandarinenente bzw. einen Erpel zwischen vielen Stockenten gesehen. Hübsch sind sie ja. Ich frage mich, ob es da Hybriden zwischen den beiden Arten gibt.

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Ja, das sind meist Gefangenschaftsflüchtlinge (Mandarinenten) - dass es Hybriden zwischend eisen beiden Arten gibt, habe ich noch nicht gehört, häufig sieht man aber Hybriden zwischen Stockenten und Hausenten (weiße oder scvhwarze Gefiederantele) , zwischen Reiher- und Tafelenten sind ebenfalls Hybriden bekannt.
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Mandarinenten hybridisieren allerhöchstens mal mit Brautenten, die zur gleichen Gattung gehören. In einem brandenburgischen Heimattierpark sah ich in den 90ern auch mal 'nen Hybriderpel Brautente x Brandgans- bevor die ihre kunterbunte und kreuz und quere Wasservogelsammlung dann kurz darauf "westlichen Standards" anpassen mussten.
Nach welcher Aktion es dann ungleich langweiliger war, den Park zu besuchen, weil's anschließend nur noch derselbe 0815- Mampf war wie auf jedem Zoo- Ententeich...

Aber Mandarin x irgendeine andere Ente ist noch nicht bekannt und wäre wenn auch nicht weiter verheerend, da die als Gattungshybriden aller Voraussicht nach steril sein dürften.

PS: Die freilebende Wildpopulation an Mandarinenten in Deutschland bzw. Europa ist übrigens inzwischen kopfstärker als in ihrer Heimat, Fernostasien.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Ratatöskr hat geschrieben: häufig sieht man aber Hybriden zwischen Stockenten und Hausenten (weiße oder schwarze Gefiederanteile)
Die gehören zur gleichen Art, so wie Hund und Wolf, oder Hausgans und Graugans.

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