Biber zurück in der Zivilisation

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Gabi Paubandt
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Beitrag von Gabi Paubandt »

Noch so ein größenwahnsinniger Biber am Inn vor Passau. Er hat sich hier an einer riesigen Weide vergriffen. Der Baum mußte aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden, da er direkt am Radweg stand.
Gruß Gabi
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Biber 2016-04_7967.jpg
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Der Biber hatte wirklich Hunger. :wink:

Spinnich
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Biber ja oder jein

Beitrag von Spinnich »

Ich denke schon, dass der Biber in unserer Heimat seinen Platz hat.
Dass man aber ein Managemant braucht und auch mal Tiere vergrämen, umsiedeln, fangen und notfalls abschießen muss, ist für mich so klar wie die Notwendigkeit den Wald vor zuviel Schalwild zu schützen.
Die Möglichkeit vom Nabu eine Entschädigung zu erhalten, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Privatbesitzer vom Freistaat Bayern für seine Obstbäume keinen Cent erhält, wenn es zum Schadensfall kommt. Nur der Vollerwerbslandwirt wird entschädigt, auch für gefällte Weiden, Erlen und alles andere Zeugs.
Mit Wildtieren tun wir uns da wirklich schwer, da gibt es keine Konzepte, wie das Thema Problembär zeigt. In Ex-Jugoslawien kommen die mit 6000 Tieren aber klar. In der Schweiz werden Schäfer durch brauchbare Konzepte unterstützt, wenn Wölfe oder Bären die Tiere schlagen. Bei uns übernimmt der Staat keine Verantwortung, die Kosten für teure Hütehunde, Zäune etc. ruinieren die letzten Schäfer dann, wenn' s zur Rückkehr der Wildtiere, wie Wolf und Luchs kommt. Entschädigungen für Wolf oder Luchs zahlt dann ggf. eine Stiftung (solange Geld da ist), damit keine negative Stimmung aufkommt. Vom Staat kommt aber auch wieder nur Geschwafel, sonst nix. Die kriminellen Stömungen, die in der Jagd auf trächtige Luchse gipfeln und darin die getöteten Tiere zu verstümmeln und das noch zur Schau zu stellen hat auch unsere Justiz und unsere Politik noch nicht gekratzt, ist halt normal in einem Feudalstaat.

In der Hoffnung auf weitere Rückkehrer und ein Umdenken der Verantwortlichen
Spinnich :twisted:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Ich war ein paar Tage in MeckPom und Brandenburg unterwegs, die gute Nachricht vorweg, der Biber hat keinen der alten Riesen erledigt. So weit ich weiß !:lol: Aber er versucht es ! :(

Als Erstes fand ich Biberspuren bei Tessenow nördlich des Malchiner Sees. Interessant fand ich die Spuren der Arbeit des Bibers , eine kreisförigen Mulde von ca 5 cm Tiefe ist um den Baum herum entstanden, wenn er sich bei der Nagerei abstützt. Um die Weide war es nicht so schade.

Das sah dann der Eigentümer der Viehweiden in Dahmen schon anders: eine Renaturierungsfläche an einem meandrierenden Bach hat der Biber mal kurz in drei Wochen mit einem 7 Meter langen Damm versehen und auf 2 Meter Höhe angestaut. So weit , so gut, die Fläche auf der anderen Seite vom Deich ist Viehweide und durch den durchlässigen Damm nun nicht mehr zu gebrauchen. Mal sehen , wie die Geschichte ausgeht. Die Fläche gehört dem Eigentümer der Knorreiche in Rothenmoor , ich stehe mit ihm in Kontakt.

Tage später war ich in Brandenburg, wieder zu alten Bäumen unterwegs, auf Pehlitzwerder, Die gute Nachricht, die ND`s auf der Insel stehen noch, aber an der riesigen Buche hat der Biber schon mal genagt. Der Appetit scheint ihm vergangen zu sein, er hat sich dann die Eiche nebenan- seit nagt er an so harten Brocken????????- vorgenommen .

Erstaunt ist der Baumlaeufer
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Eiche auf  Pehlitzwerder
Eiche auf Pehlitzwerder
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ND Buche Pehlitzwerder
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Angestaute Fläche bei Dahmen
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Biberdamm Dahmen
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Weide Tessenow
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Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
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Merten
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Beitrag von Merten »

Ich bin wirklich sehr erstaunt!

Merten
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Beitrag von Merten »

Meint ihr, dass sie sich auf Dauer hier halten können? Ich meine, die könnten ja wegen ihres Felles von Wilderern gejagt werden oder so etwas.

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Biber sind gegenwärtig überall auf dem Vormarsch, seit 2013 haben sie sich auch in meiner Heimat dem Vogtland wieder angesiedelt, zwar habe ich noch keinen zu gesicht bekommen, wohl aber ihre "Spuren".

Gruß andré

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Ratatöskr hat geschrieben: seit 2013 haben sie sich auch in meiner Heimat dem Vogtland wieder angesiedelt, zwar habe ich noch keinen zu gesicht bekommen, wohl aber ihre "Spuren".

Gruß andré
Wo genau war das bitte? Talsperre Pirk?

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Ja Andreas, er war schon seit mindestens Anfang 2014 unterhalb der Staumauer in dem Bereich bis zur Straße nach Magwitz zugange, zahlreiche abgenagte Weiden zeugten davon, zudem soll sich jetzt ein weiterer in der Elsteraue bei Weischlitz /Kürbitz und ein dritter im Steinicht nördlich Plauens aufhalten- von den letzten beiden weiß ich allerdings nur durch Dritte- nicht aus eigener Anschauung.

Gruß André
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Danke. Hat da jemand einige "Problembiber" in der Weißen Elster entsorgt oder sind die Tiere von selbst gekommen?
Biber sollen bei der Reviersuche weite Strecken zurücklegen, sagt man.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Ja, sie legen weite Strecken auf der Reviersuche zurück.
Ich selber habe in Nordbrandenburg schon einen Biber mitten auf einem winterlichen Riesenmaisacker in einem Soll aufgestöbert- die nehmen also nicht nur den Wasserweg.

Ich frage mich übrigens gerade, was daran nun so schlimm ist, mit den Bibern...
Gerade Weiden wachsen doch wie Unkraut, auch nach völligem dem Erdboden gleichmachen... Zudem sind Biber 'ne autochthone Tierart in Deutschland, weiß also nicht, warum da dieser vor Unsicherheit strotzende Unterton mitschwingt, von wegen "Inwieweit haben die hier was zu suchen"...
eine Renaturierungsfläche an einem meandrierenden Bach hat der Biber mal kurz in drei Wochen mit einem 7 Meter langen Damm versehen und auf 2 Meter Höhe angestaut
Hm, schaut Euch mal in Kanada und den USA um, was Biber da mit ihren Dämmen für Lebensraumgestalter sind- ungeheuer viele Arten hätten ohne die Biber keine Existenzgrundlage.
ZB können die meisten Lurche mit fließenden Gewässern nix anfangen- mit aufgestauten Tümpeln hingegen sehr viel!
Wenn es 'ne Renaturierungsfläche sein soll, na prima- dann kann sich da ja dann standortgerechte Natur entfalten, und nicht irgendeine in irgendeinem Architektenbüro am Reißbrett entworfene...

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Das sehe ich genauso, wir sollten dankbar sein, dass sich wenigstens einige Arten wie Biber oder auch Fischotter wieder in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ausbreiten, der Biber war ja in den 1980ern bis auf ein kleines Arreal an der mittleren Elbe so gut wie überall verschwunden. Aber bei fast jeder Art , die in irgendeiner Weise mit den Menschen in Konflikt gerät (und sei es nur mit Partikularinteressen) wird schnell nach Regulierung gerufen- die wenigen invasiven Neozoen wie Mink, Waschbär, Marderhund, Nilgans wiederum. lassen sich wohl auch durch stärkste Bejagung ohnehin nicht mehr eliminieren.

Gruß André
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Wobei noch zu schauen wäre, ob diese Neozoen einheimische Arten verdrängen oder eine freie ökologische Nische vorfinden.

Der Mink ist ganz klar invasiv und macht den wenigen noch vorhandenen Nerzen so ziemlich den Gar aus.

Waschbär, Marderhund und Nilgans, auch Kanadagänse oder Mandarinenten wiederum haben hier kein Pendant und finden freie ökologische Nischen vor. Machen also niemandem was streitig und ergänzen die heimische Fauna.

Bzw. Kanadagänsen und Mandarinenten ständen schon Graugans und zB die Schellente entgegen. Letztere beiden sind aber von sich aus nicht im näheren Siedlungsumfeld zu finden und vor allem Schellenten eher Kulturflüchter.
Deren Rolle als baumbrütende Entenart kann im Siedlungsraum, und nur in dem kommen sie freilebend vor, dann ohne irgendwelche Probleme die Mandarinente übernehmen.
Während die Rolle der Graugans im Siedlungsraum, so es keine halbzahmen Graugänse sind, die nicht ziehen, also keine 100%igen Wildvögel sind und auch ganzjährig an zB Stadtseen etc. leben, die Kanadagans einnimmt, die mit menschlicher Nähe kein Problem hat und die wirklichen wilden Graugänse (die Menschen auf 100 m fliehen) somit nicht gefährdet oder verdrängt.

Der Biber gehört hierher, von je her, bedroht niemanden, konkurriert niemanden aus, hinterlässt nur unfotogene Begleitumstände, bisweilen auch Gefahrenquellen.
Da könnte man aber angefällte Bäume dann fällen und die dünner berindeten Zweige vor Ort liegen lassen. Auf die ist der Biber nämlich scharf, weil er sich von der Rinde ernährt. So hat er dann, was er wollte und ist nicht genötigt, weil der Kohldampf bleibt, dann gleich noch mehr Bäume platt zu machen, die dann womöglich auch alle komplett abgeräumt werden.

Et ist wie mit dem Wolf- der Mensch, bzw. der Deutsche muss erst wieder lernen, dass der hierher gehört, und mit ihm zusammen zu leben... Hey, die Leute denken, die hätten hier durch Biber und Wölfe nicht hinnehmbare Beeinträchtigungen?
Da könnte man sich dann direkt drüber amüsieren, denn in Mumbai/ Indien leben sie mit Leoparden in unmittelbarer Nachbarschaft, die nachts die Hunde aus den Hauseingängen klauben- und Leoparden fressen auch noch ganz andere Sachen- wie zB dann und wann mal einen von uns...
DAS ist eine Gefahr, und die weinen auch nicht rum, sondern leben damit, dass sie alle Naselang mal 'nen neuen Hund oder Ziege brauchen...

Was hier in Deutschland passiert, ist darum jammern auf hohem Niveau, zumal den Leuten in Indien eher keiner die Ziegen und Hunde bezahlt... Soweit ich informiert bin, bekommen geschädigte Privatleute aber Entschädigungen, wenn der Biber bei ihnen den Zahn gewetzt hat- zumindest aus Berlin weiß ich das sicher.

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Ja ohne Zweifel, die verheerende Rolle die der Mink für die Populationsentwicklung des europäischen Nerzes spielte ist unstrittig, bei allen anderen genannten Arten sind die Ansichten schon kontroverser, selbst was Waschbär und Marderhund anbelangt, scheinen sich die größten Horrorszenarien bislnag nicht zu bewahrheiteten und auch die Nilgans, wiewohl eine robuste Art ist bei näherer Betrachtung nicht ganz so aggresiv und verdrängend wie befürchtet. Vielfach ist es wohl wirklich so, dass bestehende Nischen besetzt werden, ich gehöre auch nicht zu jenen , die immer gleich von Faunenverfälschung sprechen und zum Halali blasen möchten. ;-)

Was den Biber anbelangt, tritt er vielfach sogar ein Biotoperschaffer für zahlreiche Folgearten auf- etwaige Schäden sollte man, auch um gar nicht erst massive Negativstimmung aufkommen zu lassen, großzügig regulieren.

Gruß André
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Elisabeth Kübler Ross

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Es gibt mittlerweile ein Bibermanagment, u.a. in Bayern. Einfach mal googlen.
Ich finde Biber auch nicht schlimm, im Gegenteil. Ich begrüße ihre Rückkehr.
Ich wusste bisher nur nicht, dass sie schon hier in der Gegend rumplantschen.
Lebensraum gibt es hier durchaus entlang der Weißen Elster, einem kleineren Fluß, der besonders im Oberlauf noch mäandriert und relativ naturbelassen ist.
Da fehlen nur noch ein paar mehr Bäume zum knabbern.

Ich höre hier auch immer wieder mal Raben rufen und einmal habe ich welche gesehen, mitten in der Stadt. Das waren eindeutig keine Krähen, sondern Kolkraben. Wenn man sie in Ruhe lässt, können sie durchaus mit dem Menschen leben. Vor 20 Jahren war sowas unvorstellbar.

Und bei manchen Wildtieren wie z.B. Füchsen, findet wohl gerade sowas wie eine Selbstdomestikation statt. In Berlin sind sie ganz verrückt nach den Biestern und der RBB hatte mal eine Aktion "Füchse in der Stadt" oder so ähnlich. Die lassen sich teils füttern und streicheln.
Wird vor ein paar Tausend Jahren mit Katzen so ähnlich gewesen sein.

Das Thema Verdrängung heimischer Arten durch Nil- und Kanadagänse hatten wir doch vor einer Weile mal. Das klang allerdings recht kritisch.

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