Nachwinter- Bilanz alias "Verspürt die Wühlmaus Kohlesdampf, macht sie an den Wurzeln

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Andreas75
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Nachwinter- Bilanz alias "Verspürt die Wühlmaus Kohlesdampf, macht sie an den Wurzeln

Beitrag von Andreas75 »

... Mampf"

Hy zusammen!

Soeben ist hier der grobe Schnee weg getaut, der Boden wieder offen und bearbeitbar, da habe ich mal wieder einen Rundgang durch meine Anpflanzungen gemacht.
Bereits im Herbst konnte ich meinen Sambucus nigra 'Lineraris' soeben noch retten, und natürlich :roll: hatten die Wühlmäuse auch im Winter wieder Hunger.
Wie letzten Winter haben sie sich auch in diesem einen größeren Ginkgo schmecken lassen. War es letztes Jahr der "Californian Sunset", so war es nun der "Saratoga"...
Zum Glück hat letzterer noch ein paar oberirdisch liegende Wurzelansätze gehabt, die die Drecksviecher so nicht erwischten. Nach zünftigem Rückschnitt hoffe ich, den retten zu können.
Des Weiteren haben sie im letzten Winter einen meiner beiden jungen (wirklich mini) Bambuspflanzen vernichtet (Phyllostachys aureocaulis), und diesen Winter haben sie sich den zweiten vorgenommen... Auch hier konnte ich gerade so den letztjährigen Schößling retten, der zum Glück auch bereits Wurzeln hat.
Ist zwar schön, dass ich mir unter den gegebenen Umständen sicherlich niemals Gedanken machen muss, dass dessen Ausläufer das halbe Dorf zuwuchern, weil die erst gar nicht weiter als 'nen halben Meter von der Pflanze weg kommen, nervt aber dennoch ungeheuer.

Verschiedene gängige Tricks wie Schußgeräte etc. habe ich schon probiert, die taugen in unserer Lehmknete hier aber nichts, viel zu schwer, der Boden.
So habe ich testweise einige potentiell leckere Gehölze im Herbst um den Stammansatz frei gemacht. Das scheint auch gewirkt zu haben, die stehen fest- allerdings finden meine Hühner die freien Baumscheiben geil zum Scharren- bei Junggehölzen also kontraproduktiv, wenn denen die oberflächennahen Wurzeln zerkratzt werden....

Meine Frage nun: Bringen Drahtkörbe um die Wurzeln wirklich was?
Ich als Gärtner sollte davon eigentlich felsenfest überzeugt sein, schließlich ist das Anbringen solcher, wenn man bei Kunden junge Obstbäume pflanzt, schon fast Routineleistung, aber ich habe da echt so meine Zweifel...

1) Es heißt ja immer mit dem Brustton der Überzeugung "Jaaajaaa, die verrotten!!!"
Glaube ich aber ehrlich gesagt nicht! Das sollen Sackleinen (Ballentücher) auch, aber wir haben schon mal einen abgestorbenen etwa 20jährigen (also 15 Jahre Standzeit vor Ort) Rhododendron gerodet, der nie richtig gediehen war, und da war das Ballentuch noch fast komplett erhalten.
Da frage ich mich, wie dann bitte schön verzinkter Draht innerhalb der Frist verrotten soll, in der die Wurzeln da durch schieben und dicker werden... Dieser Vorgang geschieht auf guten Böden und vitalen Bäumen teils innert drei Jahren, und schon ist der noch nicht mal angerostete Draht bereits hoffnungslos eingewachsen...
Desweiteren beim Nachpflanzen schon sieben Jahre stehender, aber von Schafen geschälter junger Obstbäume- Drahtkörbe gut und schön, aber auch nach der langen Zeit sahen die vom Dreck abgesehen aus wie frisch gesetzt... Da ist meiner bescheidenen Meinung nach nix mit Verrotten in mittlerer Frist, Wurzelschaden und mangelnde Standfestigkeit also meistens vorprogrammiert, und da könnte man sich den auch gleich sparen...

2) Was hindert die Wühlmaus, mir als Drahtkorbversenker den Stinkefinger zu zeigen, einfach oberirdisch bei Nacht und Nebel über den Draht rüber zu steigen und sich innerhalb des Korbs wieder einzugraben- und dann im Schlaraffenland zu sitzen?

Es würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen dazu mitteilen würdet, denn ich habe noch ein paar speziellere Ginkgo- und Holundersorten, die ich ungerne Jahr für Jahr sukzessive an die Wühlmäuse verfüttern will :?...

Lustigerweise haben die natürlich meine "Ablenkfütterung", eine Reihe Korkenzieher- und Hängeweiden, diesen Winter nicht angerührt...

Langfristig setze ich meine Hoffnungen auf meine Hühner, die ja mit ihrer Aktivität permanent stören und die Wühlmausgänge wiederholt aufscharren, und dass die Hühnerwiese, wo Bambus, Holunder und Ginkgos stehen, irgendwann dichtes Buschland ist, und die maßgeblichen Schermäuse mögen ja nur offenes Terrain.

Kriegt man irgendwo simpelsten, unverzinkten, nicht galvanisierten, nicht ummantelten Eisendraht? Das allerrudimentärste Zeug, dass auch wirklich binnen Dreijahresfrist verrottet?

Tja...
Ratsuchend,
Andreas
Zuletzt geändert von Andreas75 am 11 Feb 2015, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Hallo Kiefer,
bei hermann-meyer.de, Hauptsitz Rellingen mit mehreren Nebenstellen bekommst Du unbehandelten Kaninchendraht, Sechseckgeflecht 13x0,6x1 000 mm a 50m-Rolle für 59€ + Märchensteuer und Versand.
Gruß Yogi
www.meyer-shop.com/cat-spezia/Draht/Spezialgeflechte

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Wow, und sogar 1 m hoch bei 50 m Länge. Das ist doch mal ein genialer Draht :D!
Ich habe immer nur 50 cm hoch und verzinkt oder ummantelt gefunden in verschiedenen Maschenweiten. Super, danke =D!

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Andreas,

im Garten meiner Eltern treiben die auch ihr Unwesen. Zweitaktabgase in den Gängen, selbst eine Gasexplosion, die den halben Garten umgrub, vertreibt das Viezeug nicht. Fangen einzelner Tiere - vergiss es! Anlässlich des Hochwassers 2013 war plötzlich Ruhe, alle ersoffen. Doch schon nach einem Vierteljahr stand die Bande wieder in voller Mannschaftsstärke auf der Matte.


Aber es gibt doch eine Methode, die Wühlmäuse nachhaltig vertreibt: Geh in den nächsten Laden für Schweißerbedarf und hole Dir 50kg Karbid! Das riecht ohnehin für uns schon eklig. Die Mäuse können das gar nicht ab. Zerschlage es in kleine teelöffelgroße Stücke und versenke die im Boden. Mit Hilfe der Bodenfeuchtigkeit zersetzt es sich langsam, es bildet sich Azetylen, welches die Zwischenräume zwischen den Bodenkrumen verstänkert. Als Rückstand hast Du den Boden etwas gekalkt.

Bei Bedarf musst Du alle 8 Wochen nachdosieren: Loch in den Boden bohren oder rammen und Karbid nachfüllen, fertig. Das sollte jeder Wurzelbalen verkraften, schadet allemal weniger, als Mäusefraß.


Dieses Karbid kannst Du auch im Gartencenter als Wühlmausmittel in hübschen bunten Tüten erwerben (Handelsname ist mir gerade entfallen), aber ganz sicher bezahlst Du lieber den Kilopreis im Schweißerbedarf.


Grüße!

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Das klingt hervorragend, werde ich auf jeden Fall ausprobieren. Danke schön :D!

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LCV
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Beitrag von LCV »

Kommt bei der Größe Deines Grundstücks kaum in Frage. Aber wir hatten auch mal so eine Plage. Die haben sogar vom Rasen unten die Wurzeln abgefressen und man konnte von oben die Gänge sehen. Stundenlang stand ein Mofa auf dem Rasen und die Abgase wurden per Schlauch eingeleitet. Überall kam der Qualm heraus. Aber die Wühlmäuse hat es nicht beeindruckt. Dann haben wir am Zaun entlang Königskerzen gepflanzt und Ruhe war.

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Frank,
LCV hat geschrieben:Dann haben wir am Zaun entlang Königskerzen gepflanzt und Ruhe war.
davon wurde nicht nur Erfolg gemeldet. Insbesondere hier im Thema geht es darum, die Wurzeln im Winter zu schützen. In diesen Monaten fahren Königskerzen ihren Stoffwechsel herunter, offenbar auch den Geruch. Karbid wirkt unabhängig von der Jahreszeit. Aber schaden kann die Königskerze keinesfalls.

Das Drahtgedöns kann sich Andreas dann wohl schenken.


Grüße!

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Da Schermäuse ja solitär leben sollen, dürfte es mit Karbid wirklich das kleinste "Übel" sein, die Bauanlagen kann man ja anhand der abgefressenen Gehölze und aufgeworfenen Haufen ca. triangulieren, und im Detail dann mit einem Stab nachstochern, oder auch einfach über die Wies' laufen- wo man längsfüßig einsinkt, ist der Mäusegang. Und wenn nur eine Maus im Bau haust, ist die sicherlich leichter zum Deibel zu jagen als etwa die in Sippen lebenden Feldmäuse...

Königskerzen sind hier auf unserem dicken Lehm leider nicht konkurrenzkräftig genug- schon die ziemlich übel zur Ausbreitung neigende Nachtkerze kommt hier nur mit Mühe an Randstandorten durch, ansonsten haben selbst die null Chance.

Baumflüsterer
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Beitrag von Baumflüsterer »

Hallo,
danke Andreas für dein Statement zu den Drahtgittern und Jutesäcken auf Wurzelballen! 8)
Ich habe mich schon öfters gefragt ob es eine gute Entscheidung ist, das draufzulassen.

Habe hier anfangs gehört, man soll das alles drauf lassen. Ich gab es aber dann bei meinen Gartenbäumen weg, weil ich der Sache nicht traute. Nach mehreren Gesprächen mit Gärtneren und einen gute Fachbeitrag im Internet bin ich nun noch mehr der Meinung, dass das alles weg muss. Und zwar aus dein von dir gut beschriebenen Gründen!
Bei meiner letzten Pflanzung hat mich ein Gärtner noch dazu überredet zumindest auf der Unterseite den Sack dort zu lassen. Auch dies werde ich in Zukunft nicht mehr machen.

Was bitteschön soll denn das für einen Grund haben? Der einzige Grund für ein Drahtgitter wäre noch Wurzelfraß, aber wie ich jetzt gelesen habe gibt es auch da bessere Möglichkeiten bzw. bessere Gitter - und zwar rund um den Baum (wie ein Zaun) wie ich es verstanden habe, und nicht rund um den Ballen! :)

lg
Manfred

ElLobo
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Beitrag von ElLobo »

wenn das schwerer Lehmboden ist wird der Draht wahrscheinlich nicht verrosten, weil keine Luft dran kommt...

viele Grüße Jörg

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo Jörg!

Das ist gut möglich. War allerdings in Berlin auch so, und da ist großteils sandiger/ sehr lockerer sandig- lehmiger Boden. Aber mit der Luft kann es gut zusammen hängen, denn so tief ist eigentlich kein Stadt- oder Siedlungsboden durchlüftet, dass die Luft bis an den Boden des Ballens käme.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Ich habe auch mal gesehen, dass bei gepflanzten Hainbuchen einer Hecke, die nach (geschätzten) 20 Jahren Standzeit einer Umarbeitung zum Opfer fielen, der Stoffballen aus Jute weitestgehend erhalten war. Untergrund war trockener Berliner Sandboden. Die Wurzeln waren nur teilweise durchgewachsen.
Gerade im Sommer ist es unter Bäumen oder hier Sträuchern ziemlich trocken und eine Verrottung dauert sehr lange.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Ich habe schon sehr viel gepflanzt und hatte natürlich auch schon viel Verlust. Das bleibt nicht aus. Aber ich habe auch schon sehr viel abgestorbene Pflanzen aus dem Boden geholt, wo der Jutesack nach vielen Jahren noch komplett erhalten war und nur wenige Wurzeln es schafften, durch zu wachsen. Viele Gärtner oder Baumschulbetreiber sagen immer, dran lassen. Ich mache immer alles ab. Leider fällt manchmal bei sandigem Ballen viel Erde ab. Was mir aber immer mal wieder in den letzten Jahren passiert ist: Man kauft eine Topfplanze und pflanzt sie aus . Nimmt man sie beim Absterben heraus , findet man ganz dicht um die Pflanze den Juteballen,d.h. die Pflanzen wurden mit diesem Ballen einfach in einen größeren Container zum Verkauf gesetzt.

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Oweia, das sind ja auch mal ein paar krasse Beispiele :shock: ...
So superfrech hatte ich es noch nicht, eine in den Topf gestopfte Ballenpflanze...

Also kann man wohl end- resümieren: Ballentuch und -gitter dran lassen ist im allergrößten Teil von Deutschland (für den Kunden) völlig kontraproduktiv, weil es den ideal durchlüfteten und perfekt feuchten Boden per se nicht gibt, pder nur kleinregional etwa in den Marschgebieten, aber auch da nur, wenn das Grundwasser nicht so hoch steht...
Aber selbst da graben sie teils jahrhundertealte Moorleichen aus nur einem halben Meter Tiefe aus.

Also egal wo: Ab und weg mit dem Krams!
Was ich sage; danke für Eure Berichte und damit Bestätigung meines gärtnerischen Impulses aus der Logik und praktischen Beobachtung heraus.

harty
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Wohnort: Mannheim

Beitrag von harty »

Hallo,
kleine Anmerkung zu dem Karbid.
Es gibt die Firma karbid-shop. de, dort kannst Du sehr preiswert das Material einkaufen!

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