Biologische Wundschutzfolie

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Stadtmutant
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Biologische Wundschutzfolie

Beitrag von Stadtmutant »

Moin!
Habe heute in einem Regionalteil des Weser-Kuriers einen Artikel über biologische Wundschutzfolie gelesen. An durch Verkehrsunfälle beschädigten Bäumen an Landstraßen wird demnach eine Schutzfolie angebracht, um Austrocknung zu verhindern und die Wundheilung zu begünstigen. Ist das jemandem bekannt? Ich frage mich, welche Eigenschaften die Folie wohl haben muß - ob es ein "Müllsack" auch tun würde? Und wie erfolgreich ist diese Methode?
Viele Grüße,
Markus

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo Markus!

Seit ich hier im Wessiland bin (seit Frühjahr 2011) habe ich das schon öfter gesehen. Zunächst fragte ich mich, was das bezwecken soll, sah dann aber bei einer zerrissenen Folie mal eine Wunde darunter, und der Zweck war klar.

Ich kann mir vorstellen, dass das für den Baum durchaus hilfreich ist, weil keine Winde und Niederschläge auf die Wunde einwirken können, und deren Heilung so sicherlich begünstigt wird, vom Schutz den offenliegenden Holzes mal ganz abgesehen.

Den genauen amtlichen Wortlaut zum Sinn des Ganzen kenne ich aber nicht.

Gruß,
Andreas

AndreasG.
Beiträge: 2760
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Wohnort: Vogtland

Beitrag von AndreasG. »

Es geht da auch um UV-Schutz. Eine Pilzinfektion kann man damit nicht verhindern. Insgesamt ist das wohl so, wie bei vielen Baumschutzmitteln, es ist umstritten. Die einen schwören drauf und andere halten es für Unsinn.
Sicherlich kostet diese Folie viel Geld und kommt deshalb zum Einsatz. Eine Mülltüte tut es aber auch.

Spinnich
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Beitrag von Spinnich »

Hallo,
habe mal auf der Herstellerseite nachgesehen und dort folgende Information gefunden:

ArboTape Wundschutzfolie
"...Alleen und Einzelbäume ... – neben der Belastung durch Schadstoffe und den Einträgen von Tausalzen – besonders durch Anfahrschäden bei Verkehrsunfällen in zunehmendem Maße in ihrer Existenz bedroht.

In den vergangenen 10 Jahren wurde in der Baumpflege zur Behandlung von frischen Anfahrschäden meist lichtundurchlässige schwarze Kunststofffolie verwendet. Diese Folien sind nicht biologisch abbaubar und müssen daher entfernt und anschließend fachgerecht entsorgt werden.

Die ArboTape Wundschutzfolie besteht zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen und ist somit auch zu 100 % biologisch abbaubar. Das ArboTape wurde vom Institut für Baumpflege in Hamburg auf seine Tauglichkeit hin untersucht und wird zur Förderung des Flächenkallus empfohlen."

Bringt nur was, wenn spätestens innerhalb 1 Woche nach der Beschädigung angebracht.

Also würde ich Andreas recht geben, mit der Einschränkung, dass diese Folie sich zersetzt und nicht zu massiven Umweltbelastungen beiträgt, wenn diese Darstellung zutrifft.

Gruß Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

biloba
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Beitrag von biloba »

Spinnich hat geschrieben:Diese Folien sind nicht biologisch abbaubar und müssen daher entfernt und anschließend fachgerecht entsorgt werden.

...

Also würde ich Andreas recht geben, mit der Einschränkung, dass diese Folie sich zersetzt und nicht zu massiven Umweltbelastungen beiträgt, wenn diese Darstellung zutrifft.
Da wäre noch der Preis dieser Folie ganz interessant. Unter Umständen könnte es billiger sein, einen schwarzen Müllsack zu verwenden, den man nach einem Jahr fachgerecht in einer gelben Tonne entsorgt. Das dürfte ebenso umweltfreundlich sein.


Grüße!

Spinnich
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Biologische Wundschutzfolie - Kosten

Beitrag von Spinnich »

Hallo biloba

Die Rolle 50m x 50cm kostet bei einem (günstigen!) Händler stolze 49 € (58,31 € mit Steuer!), beim Hersteller-Shop sogar 59,95 €.
Dazu benötigt man noch das abbaubare Klebeband Bio Tape in mindestens doppelter Länge. Das kostet dann 6,90 € (8,21 €) beim Händler oder 9,95 € beim Hersteller. Versandkosten von 5 € obendrauf.
Wenn ein Baum mit ca. 1m Umfang - wie vorgesehen - komplett umwickelt wird und die Ränder und Überlappung verklebt werden, kostet das also ca. 1,70 € ohne Anfahrts- und Personalkosten.
Der Müllsack ist klar günstiger, aber die Kosten für eine zusätzlich weitere Anfahrt und das erneute Handling entfallen.
So gesehen ist der höhere Kostenaufwand vertretbar.
Durch das allmähliche Verrotten soll wohl auch die Wunde besser verheilen, als wenn diese erst nach 1-em Jahr wieder freigelegt wird.

Gruß Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler »

Ich stelle mir das interessant vor, wenn um die Bäume oder auch in der Umgebung halb verrottete Kunststoffteile hänge/liegen und langsam weiter verrotten. Macht in einer Stadt sicher ein tolles Bild. Ich will damit sagen: auch biologisch abbaubare Folien verrotten nicht von einem Tag auf den anderen und müssen deshalb entsorgt werden, wenn auch nicht als "Sondermüll".
Grundsätzlich hätte ich Bedenken bei einem Baum einen Wundverschluss mit einer Folie zu machen, da zwischen Folie und Baum (Wunde) immer genug Platz bleibt, um Krankheitserreger eindringen zu lassen, und wahrscheinlich ein Kleinklima entsteht, dass die Pilzvermehrung vorantreibt (kein Trocknen der Wunde). Trotzdem, wenn schon Folie, dann biologisch abbaubare!

Gruß
Hannes

PruMahal
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Registriert: 21 Jul 2013, 23:27
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Beitrag von PruMahal »

Die Methode ist auch in der ZTV-Baumpflege beschrieben. Wenn am Baum eine flächige Wunde, z.B. durch einen Anfahrschaden, entstanden ist, kann sich auf der Fläche auch Kallus bilden, sogenannter Flächenkallus. Dieser ist recht empfindlich gegen Licht. Etwas wässern und irgendeine schwarze Folie draufnageln, fertig (nageln deshalb, weil Nägel einfach überwallt oder rausgedrückt werden, eine Schnur oder ein Draht schnürt ab). Eventuell wächst die Wunde zu, eventuell nicht.

biloba
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Re: Biologische Wundschutzfolie - Kosten

Beitrag von biloba »

Hallo Spinnich,
Spinnich hat geschrieben:Wenn ein Baum mit ca. 1m Umfang - wie vorgesehen - komplett umwickelt wird und die Ränder und Überlappung verklebt werden, kostet das also ca. 1,70 € ohne Anfahrts- und Personalkosten.
danke für die Nachrecherche. Dann fällt das Kostenargument für den Müllsack schon mal weg.

Interessant wäre noch die Frage nach der biologischen Abbaubarkeit. Gibt es dazu Erfahrungen? Innerorts wird sich wahrscheinlich alsbald ein ordnungsliebender Mensch um die Folie kümmern, die sich nach dem Einsatz irgendwann gelöst hat. Bringt die Abbaubarkeit innerorts Vorteile?

Außerhalb von Ortschaften wird diese Folie im Straßengraben wahrscheinlich bald vom Mähbalken erfasst. Oder sie wird auf dem benachbarten Acker untergepflügt. Ja, in diesen Fällen ist die biologische Abbaubarkeit ein echter Mehrwert.


Ich habe bereits Erfahrungen mit einer solchen Werbeaussage machen dürfen. Pappteller, die angeblich biologisch abbaubar, kompostierbar sein sollten, hatte ich auf dem Kompost entsorgt. Dreimal dürft Ihr raten, weshalb ich das nie wieder machen werde...


Grüße!

Mahaleb
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Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
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Beitrag von Mahaleb »

Vieles was sich gut liest hat ganz praktische Nachteile.
Ich bleibe bei meinem ganz praktischen Vorrat an schwarzen PE-Säcken, die sich wunderbar auf die Bedarfsgröße anpassen lassen und per Tackerklammer am Baum befestigt werden. Das Päckchen ist im Werkzeugkoffer gut und platzsparend untergebracht, eine Rolle braucht deutlich mehr Platz und ist auf Großverbrauch konzipiert. Also nichts für den gelegentlichen Nutzer. Die schwarze PE-Folie kommt dann ab und geht ins Kunststoff-Receycling (i.d.R. den Ofen...). :wink:

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