Gebremste Verrottung

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biloba
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Gebremste Verrottung

Beitrag von biloba »

Hallo Leute,

weiß jemand, weshalb Kokosschalen, Nussschalen, Rinde und solches Zeug nicht so schnell verrottet, wie anderes Holz?

Warum verrottet Laub von Platanen, Eichen, Ginkgo nicht so schnell wie anderes Laub? Ist da eventuell ein Stoff drin, der sich antiseptisch nutzen ließe? Harz oder sowas?


Grüße!

GaLa-Bauer
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Beitrag von GaLa-Bauer »

Wie schnell Laub verottet liegt an dem CN Verhältnis im Laub. Genaueres weiß ich auch nicht. Hab das nur mal irgenwo gelesen. Kannst ja mal googeln

LG Nikolai :)

Spinnich
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Laubverrottung

Beitrag von Spinnich »

Hallo

Da ist auf jedenfall der Gerbsäuregehalt ein entscheidenter Faktor!
Wie schnell Blätter verrotten, hängt von ihrer Zellstruktur und vom Gehalt an Gerbsäure ab

Gruß Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

pabloxb
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Re: Laubverrottung

Beitrag von pabloxb »

Spinnich hat geschrieben:Hallo

Da ist auf jedenfall der Gerbsäuregehalt ein entscheidenter Faktor!
Wie schnell Blätter verrotten, hängt von ihrer Zellstruktur und vom Gehalt an Gerbsäure ab

Gruß Spinnich :wink:
Vielen Dank für Ihre Antwort. Man lernt lebenslangen.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Ich vermute mal, dass die Verrottung durch Bakterien, Pilze o.ä. unterstützt wird. Je nachdem, welche Substanzen in den Blättern enthalten sind, werden die Bakterien oder Pilze gehemmt. Diese Substanzen werden sich wohl auch langsam abbauen oder könnten durch Lichteinflüsse, Temperatur und Nässe umgewandelt oder abgeschwächt werden. Man müsste auch mal untersuchen, wann jeweils der Laubfall einsetzt. Einige Bäume sind ja schon kahl, während andere das Laub zum Teil bis zum Frühjahr behalten. Damit trifft das früh fallende Laub auch auf ganz andere Wetter- und Temperaturbedingungen. Fäulnisbakterien sind davon sicher abhängig. Sonst bräuchten wir keinen Kühlschrank.

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stefan
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Re: Gebremste Verrottung

Beitrag von stefan »

Hallo biloba
biloba hat geschrieben: ...
Warum verrottet Laub von Platanen, Eichen, Ginkgo nicht so schnell wie anderes Laub? Ist da eventuell ein Stoff drin, der sich antiseptisch nutzen ließe? Harz oder sowas? ...
bei Laub spielen Harze und Wachse - Nadelbäume - und phenolische Verbindungen ("Gerbsäure") eine erhebliche Rolle; ansonsten - wie auch schon gesagt - das C/N-Verhältnis.
Durch Beigabe von Grasschnitt kann man z.B. auf dem Komposthaufen die Laub-Verrottung fördern.
Die Verrottung ist grundsätzlich neben mechanischer Zerkleinerung ein mikrobiologischer Prozeß: leichter zersetzbare organische Reste werden gut von Bakterien verarbeitet, schwere zersetzbare nur durch Pilze.
Je sauerer der pH-Wert ist, desto eher ebenfalls nur durch Pilze. Dabei fördert wiederum schwer zersetzbare organische Substanz durch die Bildung von sauren Humusstoffen die Bodenversauerung, was wiederum dem Abbau hemmt.

Bei den Nußschalen spielt - neben der anzunehmenden chemisch ungünstigen Zusammensetzung - mit Sicherheit eine Rolle, daß sie sehr schlecht Wasser aufnehmen. Sie sind möglicherweise wasserabweisend vor allem aber wohl auch wenig porös! Und ohne Wasser gibt es keine biologische Zersetzung!

Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Äh falls diese Frage auf eine schlechte Verrottung im eigenen Kompost abzielt, hätte ich einen Tipp, Milchsäurebakterien züchten und dann verdünnt auf den Kompost ausbringen. Das beschleunigt den Verrottungsprozeß deutlich, wie ich selbst ausprobiert habe.
Auf youtube sind einige Filme auf Englisch, Stichwort Lactoacid. Ist nicht weiter schwer und dauert ungefähr eine Woche.

biloba
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Beitrag von biloba »

AndreasG. hat geschrieben:Äh falls diese Frage auf eine schlechte Verrottung im eigenen Kompost abzielt,
Ach, mein Interesse dafür wurde geweckt, weil manche Dinge den Verrottungsprozess in meiner Wurmzucht nahezu unversehrt überstehen, demnach als Wurmfutter weitgehend ungeeignet sind. Ich kann damit umgehen, indem ich die Würmer nicht mit schwer zersetzlichen Dingen, sondern mit anderen Dingen füttere.

Aus dem Wurmforum ist mir bekannt, dass einige Freaks die Abfälle sauer einlegen, um "Bokashi" daraus zu machen, also die arbeiten schon mit Milchsäure.


Mir kommt es weniger auf die schnelle Verrottung der Abfälle an, sondern auf den Fleischertrag der Wurmzucht.


Zu den schlecht verrottenden Gegenständen gehören auch die Stiele von Speiseeis (Magnum und so). Die brauchen ewig für ihre Zersetzung. Weiß jemand zufällig, welche Holzart dafür verwendet wird?



Grüße!

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Bokashi und Milchsäurebakterien sind verschiedene Dinge. Ich benutze beides.
Für Bokashi braucht man Effektive Mikroorganismen. Die kriegen dann (fast) alles zersetzt.

biloba
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Beitrag von biloba »

AndreasG. hat geschrieben:Bokashi und Milchsäurebakterien sind verschiedene Dinge. Ich benutze beides.
Für Bokashi braucht man Effektive Mikroorganismen. Die kriegen dann (fast) alles zersetzt.
Ja richtig, die nehmen sie auch. Andere arbeiten mit billigerem Sauerkrautsaft, um die Abfälle einzulegen. Ich mache nichts von beiden.


Grüße!

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

biloba hat geschrieben:
AndreasG. hat geschrieben:Bokashi und Milchsäurebakterien sind verschiedene Dinge. Ich benutze beides.
Für Bokashi braucht man Effektive Mikroorganismen. Die kriegen dann (fast) alles zersetzt.
Ja richtig, die nehmen sie auch. Andere arbeiten mit billigerem Sauerkrautsaft, um die Abfälle einzulegen. Ich mache nichts von beiden.


Grüße!
Ist eine günstige Art, sämtliche organischen Abfälle loszuwerden.
Sämtliche Küchenabfälle werden zu Kompost. Aber das geht mit Würmern wohl auch.
Erst mal ist es natürlich teuer, aber diese Bokashi-Kleie kann man selbst machen und 5 kg davon reichen ziemlich lange.
Zuletzt geändert von AndreasG. am 21 Dez 2014, 21:44, insgesamt 1-mal geändert.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Hallo Biloba,
Tante Google weiß alles. Hier kommt der Stiel für das Magnum Eis her.
Gruß Yogi

biloba
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Beitrag von biloba »

AndreasG. hat geschrieben:Ist eine günstige Art, sämtliche organischen Abfälle loszuwerden.
Sämtliche Küchenabfälle werden zu Kompost. Aber das geht mit Würmern wohl auch.
Es gibt verschiedene Motive, eine Wurmzuchtanlage zu betreiben:
- Abfälle schnell und billig zu beseitigen (wird von Kompostwürmern beschleunigt.)
- wertvollen lockeren Gartenhumus zu erzeugen
- Würmer als Futter oder Angelköder zu produzieren.
Jede dieser Hauptziele erfordert ein anderes Herangehen. Ich verfolge eben das letztgenannte Ziel, Du offensichtlich das erste Ziel. Da hat diese Vorbehandlung der Abfälle durchaus ihren Sinn.


Grüße!

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Yogi,
Yogibaer hat geschrieben:Tante Google weiß alles. Hier kommt der Stiel für das Magnum Eis her.
Danke für die Recherche!


Grüße!

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

genauso interessant ist auch die Frage, wie man den Verrottungsprozess aufhalten kann.
Im Herbarium der Universität Cambridge befinden sich Proben, die von 1824
stammen und sehr gut erhalten sind. Dazu stammen sie noch aus China. Fragt sich nun, wie es den Spezialisten gelang, sie solange in gutem Zustand zu erhalten. Sind da geheime Mittel angewendet worden?

Viele Grüße

quellfelder

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