Sind alle Eichen ringporig?

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Hilmar
Beiträge: 488
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Sind alle Eichen ringporig?

Beitrag von Hilmar »

Hallo,

ich bin gerade auf eine imposante Sumpf-Eiche gestoßen (Höhe 26 m, Stammumfang in 1 m Höhe 352 cm) und nun stellt sich die Frage:
Sind Sumpf-Eichen ringporig? Sind alle Eichen ringporig?
Die einheimischen Stiel- und Trauben-Eichen zählen zu den ringporigen Baumarten, aber was ist mit den Eichen aus dem Rest der Welt, wie z.B. Mongolische Eiche, Armenische Eiche, Japanische Eiche, die Vielzahl amerikanischer Eichen? Die klimatischen Verhältnisse sind ja sehr verschieden, so dass ein jahreszeitlich differenziertes Wachstum nicht immer vorgegeben scheint.

Und wie ist das mit den Transportgefäßen innerhalb der Jahresringe? Funktionieren die bei allen Eiche nur in den äußeren Jahresringen oder bestehen da artenabhängige (evtl. geografische) Unterschiede?

Das WWW gibt nicht viel her und der Holzatlas ist gerade nicht zur Hand.
Von daher dankt für Eure Beantwortung
Hilmar

Spinnich
Beiträge: 2865
Registriert: 27 Jul 2010, 01:14
Wohnort: nördl. Unterfranken

Ringporer

Beitrag von Spinnich »

Hallo Hilmar,

zumindest nach Wiki ist dem nicht so:" Diese Anordnung der leitenden Gefäße findet sich nur bei Arten der nördlichen gemäßigten Breiten".
Macht ja auch Sinn, wenn ein Baum quasi im Winter nicht wachsen kann, hat er im Frühjahr Nachholbedarf!
Ringporige Hölzer

Gruß Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

campoverde
Beiträge: 1185
Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
Wohnort: Bremen

Beitrag von campoverde »

Hallo,
ich kann hier zunächst nur einen kleinen Beitrag leisten:
Quercus palustris wird wohl auch unter Red Oak vermarktet, müsste demnach sicher auch ringporig sein.
In folgendem Link (ohne seine Zuverlässigkeit einschätzen zu können) ist relativ weit unten klar die Ringporigkeit zu erkennen:
http://www.wood-database.com/lumber-ide ... s/pin-oak/

Hilmar
Beiträge: 488
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Vielen Dank,

besser geht's ja nicht. Schönes Bild für eine ringporige Baumart.
Ich hätte ja selbst mal unter Pin Oak suchen können, aber manchmal kommt man einfach nicht auf die einfachsten Dinge.

Gruß Hilmar

Yogibaer
Beiträge: 1153
Registriert: 08 Apr 2014, 12:38
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Beitrag von Yogibaer »

Meines Wissens nach sind alle Laubbäume die einen Kern ausbilden ringporig.
Gruß Yogi

Hilmar
Beiträge: 488
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Nur allein anhand des Kernholzes auf ring- oder zerstreutporige Laubhölzer zu schließen, funktioniert nicht.
Man unterscheidet obligatorisch und fakultative Kernholz bildende Baumarten.
Obligatorisch Kernholz bildende Baumarten: Eiche, Robinie, Weide, Pappel, Eibe, Lärche, Kiefer
Fakultativ Kernholz bildende Baumarten: Buche, Esche, Ahorn, Linde
Dabei muss sich der Kern farblich nicht immer vom Splint abheben. Durchweg besteht das Kernholz aus abgestorbenen Splintholzzellen. Der Zeitpunkt der Verkernung variiert jedoch baumartenabhängig sehr stark.

Gruß Hilmar

campoverde
Beiträge: 1185
Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
Wohnort: Bremen

Beitrag von campoverde »

Da geb ich Hilmar recht.
Kern gibt es auch bei zerstreuporigen Laubhölzern (Bsp Pappel) oder halbringporigen (Walnuß, Kirsche), siehe auch die Angaben von Hilmar.

Zur allgemeinen Frage.
So weit ich weiß werden in den USA alle Eichen-Arten entweder als White Oak oder Red Oak vermarktet. Ich frage aber noch einmal nach, ob das so stimmt.
Wenn das stimmt, müssten eigentlich zumindest alle diese amerikanischen Arten ringporig sein, es wäre ja seltsam, wenn ringporige mit nicht ringporigen Arten zusammen unter einen Begriff fielen, dann wären ja die Unterschiede zu groß und würden getrennte Bezeichnungen verlangen.

Hilmar
Beiträge: 488
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Auf der Suche nach Antworten bin ich auf eine Tabelle gestoßen, in der die Porigkeit und das Abschottungsvermögen der Baumarten aufgeführt ist. Die Tabelle enthält zwar nur die am häufigsten gepflanzten Baumarten, ist aber hinsichtlich der Einordnung von Fraxinus und Quercus interessant. Beide Baumarten sind mit dem Zusatz "einige Arten" versehen, wobei nicht ersichtlich ist, ob sich der Zusatz auf die Porigkeit oder das Abschottungsvermögen bezieht.
Campoverdes Argumenten hinsichtlich einer getrennten Bezeichnung für ring- und zerstreutporige Baumarten folgend, bezieht sich der Zusatz "einige Arten" wohl eher auf das Abschottungsvermögen.

Gruß Hilmar

Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
bitte die Tabellenquelle nennen, dann kann man dir auch entsprechend antworten. Möglicherweise bezieht sich das Ganze auf die vom Autor untersuchten Arten.

Hilmar
Beiträge: 488
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

In den Richtlinien für die Wertermittlung von Schutz- und Gestaltungsgrün, Baumschulpflanzen und Dauerkulturen aus dem Jahr 2002 ist die Tabelle C: Biologische Eigenschaften von Gehölzen nach Wessoly/Erb enthalten.

Mahaleb
Beiträge: 853
Registriert: 04 Aug 2008, 16:47
Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Danke, das hatte ich mir auch schon fast so vorgestellt.
Die Tabelle ist leicht gegenüber der Quelle modifiziert. Übrigens das Buch von Wessolly & Erb gibt nun in einer Neuauflage. Nicht billig aber ein sehr gutes Standardwerk, wenn man sich beruflich mit Stadt- und Parkbäumen auseinandersetzen darf.
Das Abschottungsverhalten der Bäume ist dabei komplexer als dargestellt, dennoch das Tabellenwerk in seinem Zusammenhang mit der Quelle reicht für die meisten Fälle in seiner Genauigkeit aus. Bei komplexen Fällen geht der Auftrag ohnehin an einen Experten.

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