Vegetative Vermehrung

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Baumbart87
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Baumbart87 »

Das Moos zersetzt sich ja mit der Zeit auch, und hat den Vorteil den Wurzelhals und die Schnittwunde zwar feucht, aber auch luftig zu halten. Ich habe so eine Schnittstelle zwar noch nie im Nachhinein untersucht, ich stelle mir aber vor, dass die Wunde so gut und ohne große Zersetzungserscheinungen abheilen kann, weil Moos ja auch antiseptisch wirkt.

Dioscorea
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Dioscorea »

Bin auch der Meinung: Moos unbedingt an den Wurzeln lassen und mit Sand-/Torfgemisch eintopfen.
Meine neuen Erfahrungen:
Maulbeerbaum, Lavendel geht mit Stecklingen ganz einfach und Ginkgo auch. Versuche in diesem Jahr die seltenen Ginkgosorten über Stecklinge zu vermehren.
Cryptomeria-Sorten, Sequoia, Pinus ? Ganz schlecht bei Stecklingsvermehrungsversuchen.
Kann es sein, dass Gehölze die leicht abgemoost werden können auch gut für die Stecklingsvermehrung geeignet sind ? Wäre doch logisch.

Baumbart87
Beiträge: 183
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Baumbart87 »

Würde ich nicht unbedingt sagen: Carpinus und Fagus zB hätte ich noch nie als gelungene Stecklinge wahrgenommen, beide gehen aber durch Abmoosung 1a- die Bonsaiforen sind voller Beispiele dafür.
Auch gehen wohl durchaus Pinus oder Picea abzumoosen, wenn man etwas länger Geduld hat- und mögen manche Fichten noch als Steckling gehen, so kann man das bei Pinus vergessen.

Ich würde eher sagen, alles was aus Steckling geht, geht auch abzumoosen, was dann im Vergleich gleich viel kräftigere Pflanzen ergibt, weil man bei Stecklingen ja doch immer auf kleine Stücke letztjährigen Triebs beschränkt ist, während man durch Abmoosen gleich eine schöne Jungpflanze gewinnt.

LG

Totto
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Totto »

Dioscorea hat geschrieben:
15 Jan 2018, 23:54
Versuche in diesem Jahr die seltenen Ginkgosorten über Stecklinge zu vermehren.

Beim Gingo bekommt man dann aber nur wieder Mänliche Pflanzen, oder hast du da auch Weibliche Pflanzen von?
Gruß
Totto
Im Mittel haben Pendler 17km Arbeitsweg. Wenn 10 % aller Pendler auf Motorräder umsteigen würde sich 40% der Staus verringern. Da hat es sich dann mit dem Feinstaub. Bei 25 Prozent gäbe es gar keine Staus mehr.

Dioscorea
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Dioscorea »

Ich habe das Sortenbuch von Heidy Dieck.
Darin werden rund 200 Ginkgosorten beschrieben und manchmal auch wird das Geschlecht angegeben.
Häufig sind sie männlich aber es gibt auch weibliche. z.B.: Ginkgo b. "Variegata" soll weiblich sein. Eigentlich ist es sogar ein Vorteil männliche Exemplare zu haben. ( haben ja nicht diese streng riechenden Samen)

NB:
Ist ja dazu auch recht schwierig an Stecklinge zu kommen ohne zum Dieb zu werden.

pakett
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo zusammen,
ein paar Fragen zur Steckholzvermehrung von Cornus mas und Cornus sanguinea. Ende Dezember habe ich aus einjährigen Trieben Steckhölzer von den beiden Arten geschnitten. Einen Teil dieser Steckhölzer habe ich in Eimer mit Gartenerde gesteckt (etwa 1/2 bis 2/3 des Steckholzes sind unterirdisch) und in ein wenig geheiztes Zimmer (Temperatur etwa 12 bis 15°C) gestellt. Vor ein paar Wochen sind Blätter ausgetrieben, die jetzt leider nach und nach vertrocknen, hier ein Bild:
Cornus mas 2018-02-06.jpg
Cornus mas 2018-02-06.jpg (73.47 KiB) 1917 mal betrachtet
Vermutlich ist die Luft in dem Raum zu trocken, einen kühleren/feuchteren Raum gibt es in der Wohnung aber leider nicht. Sind die Steckhölzer noch zu retten? Wären sie im dunklen Keller bei zur Zeit 3 bis 5°C besser aufgehoben?
Freundliche Grüße, Pakett

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stefan
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von stefan »

Hallo Pakett,

ich habe wenig Erfahrung mit Stecklingsvermehrung,
meine Informationen von einem Profi sind aber:
1. Stecklinge immer in ein festes Substrat und nicht in Wasser
2. Licht, damit sie bei Austrieb oder mit grüner Rinde assimilieren können
3. Substrat leicht feucht halten
4. Austrocknen des Stecklings verhindern

Der 4. Punkt ist bei dir der relevante!
Ich stülpe dazu eine lichtdurchlässige Plastiktüte (Gefrierbeutel, Müllbeutel - ja nach Größe) über Steckling und Topf und befestige die Tüte am Topf - am besten festkleben, sonst auch Gummiband, damit keine Feuchtigkeit aus dem Beutel entweichen kann; dann ist es auch nicht nötig den Steckling zu gießen!

Ich würde sagen: versuche es auch jetzt noch mit dem Beutel!

Gruß
Stefan
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Baumbart87
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Baumbart87 »

Die Stecklinge sind nicht mehr zu retten. Sie haben ausgetrieben, noch keine Wurzeln gehabt und ihre Reserven nun verbraucht.
Sinniger wäre es gewesen, sie nach dem Stecken an einen knapp frostfreien Ort zu stellen (Keller, mild beheizte Garage etc.) und dann im März/ April an die frische Luft zu bringen.

Ist aber nicht weiter schlimm- vor allem Cornus sanguinea kann man 1a auch noch im Frühling per Steckling vermehren oder abmoosen, selbst an erst 1 cm starken Zweigen.
Bei mir war bereits erfolgreich, im April C. sanguinea- Zweige (am besten letztjährige Langtriebe, andere gehen aber auch) in einem Wasserglas zu bewurzeln. Ebenso erfolgversprechend ist es, von April bis Juni abzumoosen, man kann dann schon im September/ Oktober desselben Jahres abtrennen.

Mit Cornus mas habe ich keine Erfahrungen, Stecklinge in Wasser oder Erde sind mir da aber noch keine gelungen, da müsste man probieren, vllt. auch eine Abmoosung versuchen.

pakett
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo zusammen,

danke für die Antworten. Habe nun wie von Stefan empfohlen einen durchsichtigen Müllbeutel über die Eimer mit den Stecklingen gestülpt, sodass möglichst wenig trockenen Heizungsluft an die Stecklinge gelangt. Werde berichten, ob das geholfen hat. Im Frühling wird dann das Abmoosen bei Cornus mas ausprobiert.

Viele Grüße, Pakett

pakett
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo zusammen,

es geht noch einmal um die vegetative Vermehrung von Cornus mas. Wie vor ein paar Wochen beschrieben, habe ich Ende Dezember 2017 Steckhölzer von Cornus mas geschnitten, diese in einen Eimer mit Gartenerde gesteckt (etwa 1/2 bis 2/3 des Steckholzes sind unterirdisch) und in ein wenig geheiztes Zimmer (Temperatur etwa 12 bis 15°C) gestellt. Die Steckhölzer haben Blätter ausgetrieben, die nach und nach vertrocknet sind. Daraufhin habe ich durchsichtige Müllbeutel über den Eimer gestülpt, um die Luftfeuchtigkeit um die Steckhölzer herum zu erhöhen. Nun "leben" von den ursprünglich 10 Steckhölzer noch drei, wobei die Blätter nicht gesund aussehen:
WP_20180304_12_31_57_Pro.jpg
WP_20180304_12_31_57_Pro.jpg (103.04 KiB) 1805 mal betrachtet
Soviel zu den alten Steckhölzern. Gestern habe ich weitere Steckhölzer geschnitten. Jetzt ist die Frage: Jetzt schon in der Wohnung in die Eimer stecken oder kühl und dunkel lagern und in ein paar Wochen in den Gartenboden stecken?

Freundliche Grüße, Pakett

PS: Zur Vermehrung von Cornus mas gibt es einen urkainischen Artikel aus dem Jahr 2017, hier ein Link zum Artikel -> https://www.researchgate.net/publicatio ... KNOVENNOGO
Leider verstehe ich die Sprache nicht, aber vielleicht jemand aus dem Forum!?

Dioscorea
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Dioscorea »

Versuch doch einmal sie in groben Sand zu stecken. ( Theorie dazu: die Pflanze soll dann auf der Suche nach Nährstoffen viele Wurzeln machen, grober Sand, damit sie nicht zu feucht stehen und verfaulen)
Ich habe da bessere Ergebnisse bei den Ginkgos.

pakett
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von pakett »

Hallo zusammen,

diesen Winter habe ich vier Chargen Steckhölzer (jeweils 10 bis 15 Stück) von Cornus mas geschnitten und eingepflanzt.
Charge 1: im Dezember geschnitten, im Dezember in ein Gemüsebeet gesteckt
Charge 2: im Dezember geschnitten, im Januar in der Wohnung in Blumenerde gesteckt
Charge 3: im Februar geschnitten, in feuchtem Sand dunkel eingelagert, im April in ein Blumenbeet gesteckt
Charge 4: Anfang März geschnitten, im März in der Wohnung in Seramis gesteckt
Leider hat kein Steckholz Wurzeln gebildet, nun sind auch die letzten Blätter vertrocknet.

Habe weiter recherchiert und den Artikel "Propagation of Iranian Cornelian Cherry ( Cornus mas L.) by Rooted Stem Cuttings" (Hassanpour und Ali Shiri 2014) gefunden -> Link zum Artikel bei researchgate.net

Versuche im Folgenden den Artikel grob und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammenzufassen. Die Autoren stellen Ergebnisse zur Vermehrung von Cornus mas mit Steckhölzern vor. Folgende Parameter wurden betrachtet:
  • Steckhölzer von 5 verschiedenen "Mutterpflanzen"
  • 2 verschiedene Substrate: reiner Sand sowie Sand/Perlit-Gemisch (Verhältnis 1:1)
  • keine Behandlung mit Bewurzelungshormonen, sowie Behandlung mit dem Bewurzelungshormon Indol-3-buttersäure (IBA, Link zum Wikipedia-Artikel) gelöst in Wasser in zwei verschiedenen Konzentrationen (2000 und 4000 mg/L)
Tabelle 1 (Seite 194 oder Seite 4 im PDF) zeigt eine Übersicht der Versuchergebnisse. Wenn ich es richtig verstehe, ist Folgendes herausgekommen:
  • Steckhölzer von 3 der 5 Genotypen haben Wurzeln gebildet
  • Sand sowie Sand/Perlit-Gemisch sind etwa gleich gut als Substrat geeignet
  • ohne Behandlung mit dem Bewurzelungshormon IBA hat bei keinem Steckholz Wurzelbildung stattgefunden
  • bei der Behandlung mit Bewurzelungshormon IBA in der Konzentration 2000 mg/L (gelöst in Wasser) wurde mit 47,5 % die höchste Bewurzelungsrate festgestellt

Was mir bei der Tabelle nicht ganz klar ist: Haben z. B. bei der Behandlung mit 2000 mg/L IBA 47,5% aller Steckhölzer (alle 5 Genotypen, beide Substrate) Wurzeln gebildet oder 47,5 % eines bestimmten Genotyps in einem bestimmten Substrat.

Wie dem auch sei, im nächsten Winter werden weitere Steckhölzer geschnitten und mit IBA behandelt.

Freundliche Grüße, Pakett

PS: Frage an die Moderatoren: Der Artikel kann bei researchgate.net kostenlos heruntergeladen werden. Darf der Artikel hier im Forum als PDF an den Post angehängt werden?

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stefan
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von stefan »

Hallo pakett
pakett hat geschrieben:
13 Mai 2018, 14:05
.. Habe weiter recherchiert und den Artikel "Propagation of Iranian Cornelian Cherry ( Cornus mas L.) by Rooted Stem Cuttings" (Hassanpour und Ali Shiri 2014) gefunden -> Link zum Artikel bei researchgate.net
...
PS: Frage an die Moderatoren: Der Artikel kann bei researchgate.net kostenlos heruntergeladen werden. Darf der Artikel hier im Forum als PDF an den Post angehängt werden?
Rein technisch können nur Bild-Dateien angehängt werden, kein pdf.
Rechtlich: ich bezweifele, dass die kostenfreie Nutzung der Texte auf reseaerchgate deren freie Verbeitung über das Internet einschließt; es dürfte primär die persönliche Nutzung frei sein. Die haben bestimmt irgendwo die Nutzungsbedingungen festgelegt.
Der link auf die Adresse des Textes ist auf jeden Fall die sichere Methode.

Gruß
Stefan
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Spinnich
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Spinnich »

Hallo

Habe letztes Jahr im Juli nach langer vergeblicher Suche endlich im Frühjahr einen Baumschulbaum Diospyrus kaki Nikitas Gift erstehen können. :mrgreen:
Der Baum war schon recht hoch, kein 20 cm Krüppel, wie von anderen Anbietern. Leider aber etwas dünn und sollte erst mal kräftig werden, bevor ich ihn auspflanze, daher noch im Topf.
Aufgrund dieses Threads kam mir die Idee den Spitzentrieb und einen eher dünnen aber sehr langen Schwachtrieb nicht einfach abzuschneiden, sondern abzumoosen. Habe das im A/Juli mal angestoßen.
Wenn es gelingt habe ich nach der Pflanzung (dieses Jahr wäre das sicher in die Hose gegangen) noch Reservepflanzen.
Gestern habe ich den kleineren Ast abgeschnitten. Die Folie um das Moos war zerrissen und hätte erneuert werden müssen. Daher wurde der Trieb freigelegt und einige Wurzeln entdeckt. Also Nr.1 ist eingetopft und muss natürlich noch anwachsen. Drückt mir mal die Daumen.
Den stärkeren Trieb werde ich mal Ende des Monats inspizieren.

Gute Anregung hier, wäre ich vielleicht sonst nicht drauf gekommen.

LG Spinnich :)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Baumbart87
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Re: Vegetative Vermehrung

Beitrag von Baumbart87 »

Hy!

Wichtig ist, so frische Abmoosungen auf ersten eigenen Wurzeln relativ frostfrei zu überwintern, etwa in einer ungeheizten Garage, weil die Wurzeln wirklich noch sehr sensibel sind. Ansonsten ist abmoosen aber eine feine Sache :)!

LG

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