dendrologische Bestimmungsbücher: Eure Meinung

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Buck
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dendrologische Bestimmungsbücher: Eure Meinung

Beitrag von Buck »

Hallo zusammen,

ich möchte Euch Dendrologen hier einmal (privat) um eure Meinung bitten zum Thema: Dendrologische Bestimmungsliteratur. Viele nutzen Roloff/Bärtels: Flora der Gehölze, oder Schmeil/Fitschen: Gehölzflora.
Welches der beiden Bücher benutzt ihr mehr, welche sind einfacher in der Handhabung, welches kommt nicht so gut an?

Besten Dank für eure Kommentare!
Schöne Grüße,
Buck

pgs
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Beitrag von pgs »

Hallo Eike,
zu diesem Thema (Vergleich Fitschen12-R/B4) hatte ich mich früher schon mal geäußert:

viewtopic.php?t=12561&start=5

Ich verwende beide gerne. Da R/B4 etwas aktueller ist, suche ich oft erst mal dort und schau dann zur Kontrolle noch mal bei Fitschen nach.
beste Grüße von Holger/PGS

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stefan
Moderator
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Beitrag von stefan »

Hallo Eike,
ich verwende beide.
Der Roloff/Bärtels hat in der Praxis einen großen Vorteil: er verwendet soweit irgendmöglich nur vegetative Merkmale. Mit dem Fischen kommt man oft im Schlüssel nicht weiter.
Vorteil des R/B sind außerdem die Zeichnungen der Blätter; in vielen Fällen helfen sie Arten auszuschließen (!), was nach Schlüssel oder Beschreibung manchmal zweifelhaft wäre!
Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

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bee
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Beitrag von bee »

Hallo,
ich kann eigentlich gar nicht mitreden, weil ich mir 2008 nur den Fitschen gekauft habe und bisher noch nicht die dringende Notwendigkeit verspürt habe, auch den R/B zu kaufen. Kultivare interessieren mich bisher auch noch nicht so stark, mir reicht es meistens auf die Art zu kommen.
Die PDF-Form würde mich schon reizen, da man gezielt das Werk nach Begriffen durchsuchen kann.

Mit dem Fitschen komme ich gut klar, natürlich ist nicht jedes Blatt gezeichnet, aber gerade auch die Schlüssel zu Winterzweigen mit Knospen, Blüten und Früchten finde ich gut, auch wenn die Bestimmung nicht immer zielgerichtet auf eine Art hinausläuft, sondern auf die Gattung oder immer noch mehrere Arten in Frage kommen (wenn man z.B. ein Detail nicht richtig erkennen kann).

Da ich beim Bestimmen anhand von Fotos jedoch sowieso vor dem Computer sitze und dabei meist online bin, schaue ich sofort nach: xy Blatt/leaf , Frucht/fruit , Blüte/flower, Knospe/bud, Rinde/bark und komme so (meist) sehr schnell zum Ziel.
Viele Grüße von bee

campoverde
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Beitrag von campoverde »

Hallo,
ich benutze meist den R/B, aber mehr aus Gewohnheit, daneben den Fitschen, den ich für solider halte.
Der R/B im Vergleich zu Fitschen:

Vorteile:
- mehr Arten
- Abbildung des Blatts zu jeder Art. (dafür gibt es im Fitschen flexibler Abb auch anderer Merkmale, Früchte, Blüten..)
- Artbeschreibung separat, nicht in Schlüssel integriert.

Nachteile:
- nur mein persönlicher Eindruck (auf Basis der zweiten Auflage):
der R/B scheint doch deutlich weniger ausgereift als der Fitschen (von Rothmaler , Schmeil/Fitschenetc ganz zu schweigen, die ja aber auch ein anderes Gebiet behandeln ). Es sind doch einige Fehler, Unstimmigkeiten etc aufgefallen, die ja auch zT Thema im Forum waren.
Bei so einem Mammutwerk ist das natürlich auch kein Wunder, es müssen da wahrscheinlich einige Auflagen drüberlaufen.
- Die Schlüssel erscheinen oft etwas wirr, oder passen zT nicht so recht zu Artbeschreibungen.
- Im Fitschen kann man Schlüssel auch auf Familienebene starten...

Ansonsten nutze ich noch ein paar Bilderbücher zu Gelölzen USA oder Chile.., den Rehder habe ich mir einmal geleistet, nutze ihn aber (noch) fast gar nicht.
Zu Lit zu Gehölzen im Winterzustand gabe es einmal diesen Beitrag: viewtopic.php?t=4937
Hier ist Bernd Schulz der Favorit

Internet nutze ich eigentlich wenig zur Suche, eher um Vermutungen zu prüfen.
Sehr umfangreich sind hier natürlich die Schlüssel von Jan (JDL)

Soweit auf die Schnelle, da kann man sicher noch viel ergänzen....

Buck
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Beitrag von Buck »

Danke für eure Meinungen - die sich mit meiner Erfahrung decken: beide Werke sind ergänzend in Gebrauch. Vielleicht melden sich noch mehr?
Schöne Grüße,
Buck

pgs
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RB4 vs. Fitschen

Beitrag von pgs »

Habe gerade unseren Rhododendron (Blüte weiß mit großem, gelbem Schlundfleck) nach R/B4 wesentlich besser bestimmen können, als nach Fitschen...

Unsere Pflanze ist also vermutlich eine Sorte, bei der R. occidentale, die Orogon Azalee, eine prägende Rolle gespielt hat.
Ihre Blätter sind nicht bewimpert, wie bei dieser Art, sondern glattrandig.

Siehe letztes Foto hier:
viewtopic.php?t=12885
beste Grüße von Holger/PGS

Hessekopp
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Beitrag von Hessekopp »

Also ich habe nur den Fitschen und mir fehlt es bei vielen Schlüsseln am nötigen Sachverstand, um ihnen zur Gänze folgen zu können. Ich checke meine Fitschen-Ergebnisse stets in Bärtels "Enzyklopädie der Gartengehölze" gegen, die meist sehr ausführlich und detailiert ausfällt. Ich benutze den Fitschen also nur als Wegweiser zum Nachlesen für die Enzyklopädie vom Bärtels ... ich liebe diese Enzyklopädie.
Bild

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Der Fitschen wurde bei mir gerade aktualisiert, der R/B muss damit noch warten.
Es ist vor allem das systematischere Arbeiten mit dem Fitschen, was mich überzeugt dieses von beiden Büchern doch häufiger im Gebrauch und vor allem auf Reisen dabei zu haben.
Für Detailbestimmungen und insbesondere bei Sorten muss man meines Erachtens doch mehr auf andere Werke und Datensammlungen zurückgreifen, was auch gut so ist.

pgs
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Beitrag von pgs »

Noch ein wesentlicher Unterschied der beiden Werke (Campoverde hat es oben schon erwähnt). Bei Fitschen kann man schon bei den Familien starten eine Gattung und dann die Art zu bestimmen.

Es werden 91 Familien behandelt und auch beschrieben. Eine Liste dieser Familien zeigt auch die Namen der jeweiligen Bearbeiter.

Das fehlt bei R/B, wo jeweils nur der Name der Familie bei den ihr zugehörigen Gattungen genannt wird.
beste Grüße von Holger/PGS

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LCV
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Beitrag von LCV »

Da muss man aber immer die neueste Ausgabe kaufen, da gerade sehr viele Gattungen in andere Familien verschoben werden.

pgs
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Beitrag von pgs »

Ganz so schlimm ist das auch nicht, man findet ja immer auch noch die frühere Zuordnung angegeben ;-)

Dass es hier weiter Änderungen geben wird ist nur logisch und sinnvoll.
Man versucht einfach mehr und mehr die genetischen Verwandschafts-Zusammenhänge der Evolution herauszufinden statt nur nach äußeren Merkmalen zu urteilen.
beste Grüße von Holger/PGS

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Ich hab' beim vorletzten Auslandsaufenthalt mir 'nen Wolf mit dem R/B gesucht, als uns ein besonderer Ahorn unter die Finger kam. Mit dem Fitschen war das Ding in 1 Minute gegessen...
Mich interessiert die ganze Familiendiskussion herzlich wenig. Versuche den einfachen Leuten mal klar zu machen, warum die Zellklumpenbotanik so wertvolle Erkenntnisse birgt, die zucken mit den Schultern und verabschieden sich mit einem vielsagenden "wer's braucht!".
Alles wird gut! :)

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