Generelle Frage Baumvermehrung

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Reindl86
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Generelle Frage Baumvermehrung

Beitrag von Reindl86 » 12 Jun 2014, 12:50

Hallo,

Weiters bin ich gerade beim Experimentieren mit der Vermehrung von verschiedenen Baumarten über "Stecklinge".

Dazu habe ich von diversen Probantarten (z. B. Blutahorn, Blutpflaume, Fichte, Zeder, Apfelbaum) intakte Ästchen abgeschnitten und 1-2 Tage in Wasser eingefrischt.

Danach habe ich die Ästchen soweit eingekürzt und von Seitentrieben befreit. Das bereits abgeschnittene Ende habe ich nochmals schief mit einem scharfen Messer abgeschnitten.

Danach hab ich Quelltöpfchen hergenommen und ein bisschen Wurzelaktivator eingefüllt.

Das ist jetzt schon einige Wochen her, aber ob das was bringt, kann ich bis jetzt nicht sagen.

Manche Ästchen sind sichtbar tot, die Zeder zum Beispiel oder die Blaufichte trägt immer noch die Nadeln obwohl das schon 3-4 Monate her ist.


- Geht das generell für ALLE Baumarten und wenn nein, für welche Arten funktioniert das überhaupt?

- Wann bilder der Steckling selbstständig Wurzeln aus?

- Ist meine Vorgehensweise generell MÜLL bzw. was mache ich richtig / falsch bzw. wie gehörts richtig? Smile

Lg

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 12 Jun 2014, 13:41

Hallo,

also bei Kieferngewächsen wird das sehr schwierig, vor allem um diese Jahreszeit, da jegliche Verletzungen der Pflanzen Harzausflüsse erzeugen.
Da ist die Winterzeit besser. Allerdings ist dann Stecklingsvermehrung immer noch schwierig.

Viele Grüße

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 12 Jun 2014, 21:00

Bei der Gehölzvermehrung unterscheidet man zwischen Stecklingen und Steckhölzern. Stecklinge sind grob gesagt, frische belaubte noch nicht fertig verholzte Pflanzenteile (Zweige), Steckhölzer wie schon der Name sagt, verholzte, meistens im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb geerntete und daher vorerst unbelaubte Zweige (beim Nadelholz ohne frische Triebe).

Die Stecklingsvermehrung ist meiner Erfahrung nach generell schwieriger, die Steckholzvermehrung gelingt bei einigen Sträuchern (Forsythia, Weigelia, Deutzia, Kolkwitzia Liguster und auch bei Ribesarten nicht jedoch bei Schneeball) relativ problemlos. Von den Baumarten werden in den Forstpflanzgärten Pappeln und Weiden (außer Salweide) fast ausschließlich durch Steckhölzer vermehrt.
Die Ansätze, wie du es machst sind nicht ganz schlecht, beachten solltest du den richtigen Zeitpunkt und die unterschiedlichen Ansprüche der einzelnen Holzarten.
Anleitungen dazu findest du im Netz unter "Vermehrung durch Steckhölzer"

Gruß
Hannes

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer » 13 Jun 2014, 00:32

Warum wird die Salweide, Salix caprea, nicht auch durch Steckholz vermehrt?

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 13 Jun 2014, 01:06

Weil die aus der Reihe tanzt und nur sehr schwer bzw. ungleichmäßig/ unzureichend bewurzelt.
Eventuell, weil sie eher eine Öd- und Brachland- Art ist, die gut mit trockeneren, steinigeren Verhältnissen zurecht kommt, wo Bewurzelung von abgerissenen Trieben keine zuverlässige Vermehrungsmethode darstellt.

Sie samt sich dafür halt überaus reichlich aus.

Grüße,
Andreas

Reindl86
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Beitrag von Reindl86 » 13 Jun 2014, 07:04

Danke für die Infos :)

Lg

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer » 13 Jun 2014, 22:55

Dann irren sich wohl die Autoren der Kataloge von namhaften Jungpflanzen-Baumschulen mit der Angabe: 1j.b.Sth. 0/1 = 1 jähriges, bewurzeltes Steckholz. Wenn sich dieSteckholzvermehrung nicht lohnen würde ja da entweder St. für Steckling oder M. für Meristemvermehrung
vermerkt sein. Es geht ja hier um den Zierwert von Salix caprea, dieser ist bei den männlichen Individuen besser. Bei Forstpflanzen ist ja das Geschlecht des Baumes eine Nebensache, auch weibliche Bäume bringen Holz da geht auch generative Vermehrung.
Weil wir gerade bei den Weiden sind, es gab bzw. gibt vielleicht noch irgendwo eine Selektion oder Hybride der Salweide mit rotbrauner Rinde, die Hülle der Kätzchen grauschwarz und samtig sowie einen eher säulenförmigen/pyramidalen Habitus. Diese Sorte/Art eignet sich definitiv nicht zur Steckholzvermehrung. Leider weiß ich den Namen nicht mehr.
Sie war in den 1930/40er Jahren im Handel
Gruß Yogi

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 14 Jun 2014, 00:09

Hallo Yogi,

wenn es sich lohnt, dann bringen die Profis die tollsten Dinge zuwege. In Finnland werden Maserbirken geklont, und auch die vegitative Vermehrung von besonders schön gefärbten Blaufichten ist üblich. Mit den optimalen Klimabedingungen (Glashäuser) und chemischer Unterstützung ist sicher auch Salix caprea durch Steckhölzer zu vermehren. Vereinzelt gelingt es auch im "Küchengarten", nur ist dort der Erfolg sehr bescheiden.

Gruß
Hannes

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 14 Jun 2014, 00:22

Eben, und darum geht es... Dass S. caprea weit nicht in dem Maße per Steckholz vermehrbar ist wie andere Weiden.
Mit Nebelhäusern, ausgeklügelter Belüftung und top Technik bewurzele ich Dir auch Tannen und andere Sachen aus Steckhölzern im Handumdrehen.
An und für sich und mit herkömmlichen einfachen Methoden aber sind S. caprea sehr schlecht vegetativ zu vermehren, zieht man andere Weiden als Vergleich heran, die schon Wurzeln schlagen, wenn sie nur ein Glas Wasser sehen...

Birken aus Meristemvermehrung kann ich übrigens nur empfehlen. habe selber eine B. pendula 'Bibor' und eine 'Dalecarlica' aus dieser Vermehrungsart (natürlich gekauft). Beide wurzelecht, beide gesund und wüchsig, sortentypisch, ganz prima.

Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer » 14 Jun 2014, 00:35

Hallo Hannes, da muß dann vor ca. 50 Jahren bei mir ein besonderes Klima geherrscht haben. Da hatten mein Vater und ich eine Grundwassernahe Sandbodenfläche mit Salix caprea- Steckhölzern bepflanzt. War schon ein bischen größer wie ein Küchengarten.
Anwachserfolg über 90% ohne Chemie. Nur bei der oben beschriebenen Art/Sorte wurde kein Erfolg erzielt.

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 17 Jun 2014, 19:14

Hallo,

hier ein Beispiel für eine "Baumvermehrung" vegetativ:

Zweig abreißen, ins Wasserglas stecken, nach 2-3 Monaten erste Wurzeln, dann auspflanzen.
Funktioniert so einfach leider nur bei einigen Baumarten.
Dateianhänge
DSC08426.JPG
Zweig im Glas
DSC08426.JPG (80.62 KiB) 2686 mal betrachtet
DSC08427.JPG
Neu gebildete Wurzeln
DSC08427.JPG (79.75 KiB) 2685 mal betrachtet
DSC08429.JPG
eingetopft
DSC08429.JPG (82.81 KiB) 2684 mal betrachtet

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi » 17 Jun 2014, 19:18

Als nächstes muss sich der Zweig bewusst werden, dass er nun ein Baum ist.
Bei aufrechten Langtrieben oder Wurzelsprößlingen geht das ganz fix.
Bei normalen Seitenzweigen wie diesem kann es Jahre dauern oder auch nie gelingen. Einen Baumpsychiater gibt es ja leider noch nicht.

Viele Grüße

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria » 17 Jun 2014, 20:38

Hallo André,

auch bei Sequoia sempervirens gaht das nicht immer so problemlos. Da hast du Glück gehabt mit deinen 2 grünen Daumen. :wink:

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Reindl86
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Beitrag von Reindl86 » 17 Jun 2014, 21:01

Kiefernspezi hat geschrieben:Hallo,

hier ein Beispiel für eine "Baumvermehrung" vegetativ:

Zweig abreißen, ins Wasserglas stecken, nach 2-3 Monaten erste Wurzeln, dann auspflanzen.
Funktioniert so einfach leider nur bei einigen Baumarten.
Hallo,

Schaut super aus. Bei welchen Arten funktioniert das? Auch europäischen Lärchen?

Wie oft ist dann das Wasser zu wechseln?

Lg

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria » 18 Jun 2014, 09:08

Das ist nicht so einfach zu beantworten.
Selbst innerhalb der Art gibt es bei versch.Cultivars unterschiedliche Erfolge. Und auch vom selben Baum geht manches vom jungen Holz, während altere Zweige keinen Erfolg bringen. Nicht zu vergessen die gesamten äußeren Bedingungen und der richtige Zeitpunkt.
Generell geht alles bei entsprechenden Bedingungen.Ganz leicht Taxus und Verwandtschaft,Sequoia,Cryptomeria,Chamaecyparis und das ganze ähnlich aussehende Umfeld.. Schwieriger Abies,Cedrus,Picea,Pinus,Sequoiadendron.

Es gibt - als Hinweis für besonders Interessierte -auch sicher etliches an Lit.z.B. "Gehölzvermehrung " von Andreas Bärtels/Ulmer Verlag. Da lässt sich dann doch vieles im Detail zu einzelnen Arten nachlesen.
Nachlesen hilft, aber letztendlich
am besten selbst probieren und dann die Methoden verfeinern. Es kostet Zeit und Geduld, aber die sollte sowieso jeder Baumfreund mirbringen.

VG Wolfgang
Zuletzt geändert von Cryptomeria am 18 Jun 2014, 09:53, insgesamt 1-mal geändert.
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