keine Messanleitung?

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Karlheinz
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keine Messanleitung?

Beitrag von Karlheinz » 03 Jun 2014, 17:45

Hallo, habe ich was übersehen?
Ich finde auf dieser Webpräsenz keine Erläuterung, nach welchen Regeln die hier im Baumregister angegebenen Werte z. B. für Stammumfang und Baumhöhe erfasst wurden, insbesondere wie der Bezugspunkt für Umfangsmessung und Baumhöhe definiert ist. Nimmt man hier den vermuteten Pflanzpunkt/Keimpunkt (Schnittpunkt der Stammachse mit der ursprünglicher Bodenoberfläche) - oder den höchsten Bodenkontaktpunkt des Stammes? In letzterem Fall kann sich der Messbezugspunkt im Laufe der Jahrzehnte verschieben, so dass durchaus Höhenunterschiede von 1/2 m oder mehr am Hang möglich sind. Für Vergleiche mit Messungen von Bäumen, die in anderen Baumdatenbanken erfasst sind, wäre das interessant.

Grüße
Karlheinz

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stefan
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Beitrag von stefan » 03 Jun 2014, 17:54

Hallo Karlheinz,
die Baumsammler von Championtrees haben eine Anleitung geschrieben und insbesondere sehr anschauliche Zeichnungen zum Messen des BHU.
Dies dient auch hier als Grundlage.
http://www.ddg-web.de/index.php/info-championtree.html
Gruß, Stefan
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biloba
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Beitrag von biloba » 03 Jun 2014, 23:03

Hallo Karlheinz,

kürzlich habe ich mit dem Baumläufer eune Tour zu den Baumveteranen der Umgebung gemacht. Da wird schnell deutlich, dass man da nicht einfach eine feste Regel anwenden kann. Suche irgendeine Höhe in der Nähe deiner Brusthöhe, die eine Messung des typischen repräsentativen Baumumfanges für dieses Exemplar möglich macht.

Oft sind Äste, Wucherungen, Pilze oder Knubbel im Wege, so dass eine Messung in dieser Höhe nicht möglich ist. Gerade bei Baumveteranen sind derartige Dinge nicht ungewöhnlich. Ganz extrem erwies sich diese Platane, die 6m überschüttet sein soll.
http://www.baumkunde.de/baumregister/17 ... ronneburg/

Also lass Dich von Augenmaß und Gefühl leiten.


Grüße

pgs
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Beitrag von pgs » 04 Jun 2014, 15:15

biloba hat geschrieben:Hallo Karlheinz,...
Also lass Dich von Augenmaß und Gefühl leiten.

Grüße
...und gib dann zu deiner Messung an, wie sie gemacht wurde, wenn es nicht einfach in 130 cm Höhe war.
PGS aus Kato Zakros, Ost-Kreta

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 04 Jun 2014, 15:30

Seid Ihr sicher, dass die Platane so hoch eingeschüttet wurde?
Ich sehe da Wurzelanläufe, und die Stämme machen nicht den Eindruck von Kronenästen.
Mein Eindruck ist eher der, dass die Überschüttung eine "Urban Legend" ist, und der für seine Art außergewöhnliche Baum zB im letzten Krieg abgebombt oder abgesägt wurde und sich aus Stockausschlägen neu aufgebaut hat.

Denn mal ehrlich, kein Baum außer vielleicht Pappeln und Weiden würde dauerhaft eine so hohe Überschüttung verkraften, oder?

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stefan
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Beitrag von stefan » 04 Jun 2014, 15:34

Kiefer hat geschrieben:Seid Ihr sicher, dass die Platane so hoch eingeschüttet wurde?
Ich sehe da Wurzelanläufe, und die Stämme machen nicht den Eindruck von Kronenästen.
Mein Eindruck ist eher der, dass die Überschüttung eine "Urban Legend" ist, und der für seine Art außergewöhnliche Baum zB im letzten Krieg abgebombt oder abgesägt wurde und sich aus Stockausschlägen neu aufgebaut hat.

Denn mal ehrlich, kein Baum außer vielleicht Pappeln und Weiden würde dauerhaft eine so hohe Überschüttung verkraften, oder?
das erscheint mir im Grundsatz auch plausibler - außer der junge (<100 Jahre) Austrieb: vom Boden an mehrstämmig?!
Gruß, Stefan
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biloba
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Beitrag von biloba » 04 Jun 2014, 15:51

Kiefer hat geschrieben:Seid Ihr sicher, dass die Platane so hoch eingeschüttet wurde?
Wir konnten keinen Augenzeugen fragen - alle tot. Fotos vom Baum vor der Überschüttung sind auch nicht vorhanden - Die Überschüttung erfolgte mit dem Bau der angrenzenden Bahnlinie, die 1865 eröffnet worden ist.


Ich war gemeinsam mit Baumläufer vor Ort. Nicht nur die Beschilderung geht von Überschüttung aus. Wenn man sich das dortige Gelände ansieht, wo die angrenzenden Freiflächen Gefälle haben, dann wäre eine naturgegebene Geländehöhe 6m unter dem heutigen Niveau plausibel. Und wie ein Jungspargel, der erst im letzten Krieg gepflanzt worden ist, sieht diese Platane nun wirklich nicht aus. Die dürfte zu Zeiten des Eisenbahnbaus schon da gewesen sein.

Demnach ist für mich die Überschüttung sehr realistisch.



Grüße!

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 04 Jun 2014, 16:04

Hy!

Aber überleg' doch mal:

a) Wer macht sowas, schüttet und verdichtet sorgfältig um den Baum herum und entfernt nicht gleich den ganzen, sperrigen, im Weg stehenden Baum?

b) Das Stammholz wäre schon längstens verrottet, und damit wäre die sog. Krone schon vor Jahrzehnten völlig instabil gewesen, bzw. hätte sich die Fäule aus dem Stamm garantiert auch in das Kronenholz hochgezogen.

Für mich ist das eine gekappte (wodurch auch immer) die sich aus ein paar Stockausschlägen wieder aufgebaut hat, und wenn sie zum ersten Weltkrieg gekappt wurde. Dafür spricht die ganze Form, die sich doch etwas anders aufbaut als eine gewachsene x acerifolia- Platanenkrone.
Die haben einen durchgehenden Stamm und gehen erst knapp unter dem Kronenende in Stämmlinge über, deutlich von einem Haupststamm aus.
Übertragen auf eine alte Platane müsste der Stamm nicht nur 6 m hoch eingeschüttet worden sein, sondern eher 10- 20 m, um so was hinzubekommen.
Mir fehlt auf allen Bildern das zentrale Leitelement, dafür ist eine relativ hohle Mitte vorhanden, um die herum sich die Stämme anordnen.

Nein, meiner Erfahrung nach klar eine gekappte und wieder aufgewachsene.


Nichts desto trotz ein ungemein beeindruckender Baum!

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LCV
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Beitrag von LCV » 04 Jun 2014, 17:20

Ich weiß nicht, wie eine Platane reagiert.

Nur so viel: Ich war vor 5 Jahren in Österreich. Dort wurde im Zuge eines Bauaushubs ein etwa 2 m hoher Hügel um einen Apfelbaum angehäuft. Ich war gerade wieder dort. Der Hügel ist grasbewachsen, der Apfelbaum sieht völlig gesund aus.

Noch etwas: Ich war noch Schüler, also schon ein paar Jährchen her. Da habe ich von einem wissenschaftlichen Versuch gelesen. Eine schon etwas ältere Linde wurde ganz vorsichtig ausgegraben und mit der Krone nach unten, Wurzeln nach oben wieder eingegraben. Die hat das überlebt. Aus den Wurzeln kamen Blätter und die Zweige wandelten sich offenbar in Wurzeln um. Ist also nicht verfault.

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 04 Jun 2014, 17:28

Das mit der Linde halte ich für ein Märchen, ein nettes, aber ein Märchen ^^!
Das Leitungssystem eines Baumes lässt sich nicht mal eben auf den Kopf stellen, nur weil man ihn falschrum wieder einpflanzt.

Andere Frage: Wie gut bewurzeln denn Platanen als Steckhölzer oder Stecklinge ^^?

Mostviertler
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Beitrag von Mostviertler » 04 Jun 2014, 20:09

Kiefer hat geschrieben: Andere Frage: Wie gut bewurzeln denn Platanen als Steckhölzer oder Stecklinge ^^?
Ich denke, die Platane könnte eine solche Überschüttung schon aushalten.
Die Platanen werden in Mitteleuropa fast ausschließlich mit Steckhölzern vermehrt. Diese Vermehrung war so ziemlich das schwirigste, das ich im Forstpflanzgarten probiert habe. (Anwuchserfolg laut Fachliteratur 20%!)
In diesem Fachbuch (ich glaub es heißt "Der Forstpflanzgarten") war auch beschrieben, dass die bewurzelten Stecklinge um einiges tiefer gepflanzt werden sollten, als sie im Pflanzgarten gesteckt waren.
Ich geb dir aber recht, für mich machen die Stämme auch den Eindruck als ob Wurzelanläufe zu sehen wären.

Jedenfalls ein interessanter und imposanter Baum, danke BILOBA für's zeigen.

Gruß
Hannes

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Beitrag von baumlaeufer » 05 Jun 2014, 14:25

Zum Thema Aufschüttung

bei der Platane in Ronneburg mußte ich auch lange hinkucken, um Spuren von der Aufschüttung im Gelände... und am Baum zu finden. Inzwischen steh ich auf dem Standpunkt, daß der Boden um den Baum angehoben ist .

hier steht noch mehr

Im übrigen habe ich hier in meiner Heimatstadt ein ca 150 jähriges Platanenexemplar, das auch in einer Art Trog steht . Beim Neubau des Stadttheaters 1956 wurde die Ruine des Rombergschen Hofes und die Platane in dem ehemaligen Garten mit in die Gestaltung des Neubaues einbezogen. Die Platane steht in einem Trog von 3 Meter Tiefe, der mit wasser- und luftdurchlässigem Boden verfüllt wurde. Den Nachweis über die gute Lebensqualität des Baumes kann ich anhand von Fotos belegen und ich habe 2005 bei meiner Recherche auch persönlich mit den baudurchführenden Archtitekten gesprochen.


Baumlauefer
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

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