Müssen 48 Platanen auf der Kaiserstraße in KA gefällt werden?

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pgs
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Müssen 48 Platanen auf der Kaiserstraße in KA gefällt werden?

Beitrag von pgs »

Liebe Baumfreunde,

Die heutige Ausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) schreiben im Teil KARLSRUHE auf S. 21 unter der Schlagzeile: (Zitat, BNN)

Verliert Kaiserstraße ihr grünes Dach?
Erhalt der 48 Platanen ist ungewiss / Stadt will deutlich mehr Alleebäume in der Fußgängerzone

über Pläne die 48 Laubbäume, die jeweils in punktuellen Vierergruppen zusammengefasst sind, würden gefällt und durch ... ersetzt. Darüber müsse der Gemeinderat entscheiden. Nach den Gründen befragt soll es in der Antwort von Oberbürgermeister Frank Mentrup unter anderem geheißen haben: der Überlegung die Platanen in der Fußgängerzone mittelfristig durch eine andere Baumart zu ersetzen, liege die Erkenntnis zugrunde, dass diese Baumart für diesen Straßenraum in den nächsten Jahren "zu groß" werde. Wegen der "hohen Aufastung" der Bäume für die Oberleitung der Straßenbahn hätten sich "ungewöhnliche Proportionen zwischen Stamm und Krone" der Bäume ergeben. Diese ließen sich nur durch eine Neupflanzung korrigieren. Die sehr oberflächennah verlaufenden Wurzeln der Platanen hätten zudem bereits zu Belagsanhebungen geführt. Ohne beträchtliche Eingriffe in das Wurzelwerk sei der Einbau eines neuen, tragfähigen Plattenbelags kaum möglich, so der OB weiter. Und schließlich böte ein neues Bepflanzungskonzept die Möglichkeit, künftig deutlich mehr Bäume in der Kaiserstraße zu pflanzen. „Dies wird gerade in der stark verdichteten Innenstadt als großer stadtklimatischer Vorteil bewertet“, so Mentrup. Derzeit werde geprüft welche Baumart sich zukünftig am besten für den Abschnitt der Fußgängerzone der Kaiserstraße eignen könnte. Der Vorschlag soll im Herbst im Planungsausschuss vorgestellt werden, so der Rathauschef. Im Zuge der Bauarbeiten in der Kaiserstraße mussten bereits rund 20 Platanen gefällt werden. Die Bäume seien in den 70er Jahren gepflanzt worden und könnten 100 Jahre und älter werden, so das Gartenbauamt."(Zitat Ende)

Auf dem Ausschnitt des Luftbilds 2008 des Karlsruher Webstadtplans habe ich mit weißen Quadraten die 16 Vierergruppen von Platanen auf der Kaiserstraße markiert (und jede zweite Gruppe nummeriert). Die Gruppen 8, 9, 10 mussten schon gefällt werden, von den Gruppen 1 und 2 wurden insgesamt 4 Bäume gefällt. Grund: Bauarbeiten für die U-Strab (Untertunnelung der Fußgängerzone für die Straßenbahn, die dann irgendwann durch die Röhre fährt).
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Kaiserstraße mit markierten Vierergruppen von Platanen
Kaiserstraße mit markierten Vierergruppen von Platanen
Kaiserstraße-Platanus.jpg (81.83 KiB) 3194 mal betrachtet
beste Grüße von Holger/PGS

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Na, da bin ich mal gespannt, auf welche Alternative außer Säuleneichen und Liquidambar sie im Endeffekt kommen :).

Gerade Platanen mit ihrer stark hoch ausgeprägten Krone eignen sich doch vorzüglich für bis zu 8- 10 m hohes Aufasten. Wie hoch ist die Straßenbahnkabelage? Doch bestimmt nicht höher als 5 m, oder?

Ich finde, von diesem Standpunkt aus kann da gar nichts besseres stehen als Platanen. Wobei deren ökologischer Wert hierzulande natürlich gegen Null tendiert, es sei denn als Nistbaum für Krähenkolonien oder Halsbandsittiche

Grüße,
Andreas

pgs
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Beitrag von pgs »

Warum tendiert der ökologische Wert von Platanen gegen Null?

Sind sie denn nicht, wie andere Bäume auch, lebenswichtig für uns und viele andere Tiere?

Es gibt schon Widerstand gegen das Fällen der Platanen, z. B. einen Leserbrief des früheren Gartenbaudirektors (und Autors des Büchleins über den Japangarten in KA) an die BNN. Ich habe heute auch einen Leserbrief zu dem heutigen Artikel in BNN geschrieben.

Die Straßenbahn-Kabelage wird ja sowieso bald im Untergrund verschwinden, wenn die Röhre für die U-Stab irgendwann in den nächsten 3 bis 5 Jahren vielleicht mal fertig werden sollte.
Zuletzt geändert von pgs am 15 Mai 2014, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
beste Grüße von Holger/PGS

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Weil kein heimisches Tier was von denen hat bzw. sie nutzen kann, das Laub sehr schwer zersetzlich ist, keine nutzbare Frucht, kein Pollen, kein Nektar usw. ...

Das CO² und Sauerstoff trifft auf jede Pflanze zu, da braucht es nicht speziell die hartlaubigen Platanen, bei denen die Bilanz bestimmt auch nicht so optimal ist.

biloba
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Beitrag von biloba »

Den Ausführungen über den geringen ökologischen Wert von Platanen stimme ich zu.

Aber:
Kiefer hat geschrieben:Das CO² und Sauerstoff trifft auf jede Pflanze zu, da braucht es nicht speziell die hartlaubigen Platanen, bei denen die Bilanz bestimmt auch nicht so optimal ist.
CO² und Sauerstoff sind aber eher Pseudoargumente.

Immer, wenn das Laub wieder zersetzt wird - irgendwann auch Platanenlaub - wird von den Destruenten dieselbe Menge Sauerstoff verbraucht und CO² emittiert, wie bei der Photosynthese zuvor umgesetzt worden ist. Dasselbe gilt für die Verrottung oder die Verbrennung des Holzes. Letztendlich wird durch Bäume kein Sauerstoff geschaffen und kein CO² vernichtet. Deshalb: Pseudoargumente.


Grüße!

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

biloba hat geschrieben: Letztendlich wird durch Bäume kein Sauerstoff geschaffen und kein CO² vernichtet. Deshalb: Pseudoargumente.


Grüße!
Interessante These. Also wegen Sauerstoff benötigen wir keine Pflanzen und die Photosynthese?

Die ökologische Bedeutung von Bäumen würde ich auch nicht auf deren Nutzung durch Insekten und als Nistplatz reduzieren.
Auch Platanen wirken Klimaregulierend durch Wasserverdunstung. Wenn sie sich auch insgesamt nicht mit einer Eiche oder Weißdorn messen können, welche umfassend mit vielen Verknüpfungen in ein ökologisches System eingebunden sind.

Im konkreten Fall wäre für mich vor allem zu bedenken, dass die Photosynthese und Klimaregulierenden Leistungen ausgewachsener Bäume durch Nachpflanzungen erst nach Jahrzehnten wieder erreicht würden. Wenn also diese Bäume tatsächlich "stören" wäre es doch geraten sie nach und nach zu ersetzen.

Aber ich bin halt kein Fachmann.

Volker

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LCV
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Beitrag von LCV »

Wenn ich das richtig verstehe, muss man den momentanen Nutzen/Schaden und die Gesamtbilanz über viele Jahre unterscheiden. Wächst und gedeiht ein Baum, dann nützt er sehr wohl. Deshalb ist auch die Luft im Wald so viel besser als in einem Industriegebiet. Wird aber der Wald z.B. durch einen Waldbrand vernichtet, wird das ganze gebundene CO2 wieder freigesetzt. Das geschieht meiner Ansicht nach auch, wenn Wälder zu Pellets verarbeitet werden. Der Nutzen von Pelletheizungen ist für unser Klima zumindest fragwürdig. Aber durch die "gierige" Ausbeutung von Wäldern, wo man sogar Wurzelstöcke ausreißt, auf jeden Fall schädlich. Betrachtet man einen Vorgang isoliert, sieht er womöglich positiv aus. Untersucht man alles, was mit diesem zusammenhängt, kann die Bilanz negativ ausfallen.
Einfaches Beispiel E-mobil. Keine Emissionen, da nicht mal ein Auspuff vorhanden. Aber betrachtet man die Produktion und spätere Entsorgung, dann ist es eine Riesensauerei. Und die angeblich fehlenden Emissionen gibt es trotzdem, nur nicht direkt am Fahrzeug, sondern bei der Produktion und dort, wo die Energie gewonnen wird.

Zurück zu den Platanen:
Ich finde Platanen im städtischen Bereich gut, auch wenn sie vielleicht nicht besonders wertvoll für Insekten und Vögel sind. Die Platanen (s. Südfrankreich) kann man den besonderen Anforderungen in den Straßen gut anpassen (beschneiden) und besser Platanen als gar keine Bäume oder so mickrige Kleinstbäume. Gerade im Hochsommer bieten Platanen viel Schatten. Wir haben in Freiburg einige Straßen mit Straßenbahn, wo große Platanen stehen und da gibt es absolut keine Probleme. Die Argumentation der Stadtverwaltung klingt etwas nach Ausrede. Der jährliche Rückschnitt kostet natürlich Geld. Absolut pflegeleichte Bäume sind dann wahrscheinlich billiger.

pgs
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Beitrag von pgs »

Danke Volker,

genau diese Auffassung, gesunde noch vergleichsweise junge Bäume* nicht ohne wirklich triftige Gründe zu fällen, hat auch ein Fachmann, der frühere Leiter des Karlsruher Gartenbauamtes, Horst Schmidt, in einem Leserbrief an BNN vertreten. Ich bin mit ihm in Email-Kontakt zu diesem Thema. Er sagt auch, dass viele junge Bäume die klimaverbessernde Wirkung der größeren schon vorhandenen Platanen erst nach Jahrzehnten erreichen könnten.

*auch wenn Platanen, wie ich jetzt lerne, ökologisch nicht so wertvoll wie manche andere Art sein sollen.

NACHTRAG: Danke auch Frank, ich hatte deinen letzten Kommentar noch nicht gesehen, als ich meinen hier oben schrieb. Die Argumente des OB (die sicher nicht von ihm selbst stammen) scheinen mir auch etwas schwach.

Meine Email an Horst Schmidt, den früheren GBA-Chef habe ich deshalb auch an den OB (als CC) weitergeleitet. Herr Schmidt hat mir seinen früheren Leserbrief, den ich offenbar übersehen hatte, per Email zugesandt.

Ich habe dann ebenfalls einen Leserbrief an BNN gesandt.
Zuletzt geändert von pgs am 16 Mai 2014, 09:13, insgesamt 1-mal geändert.
beste Grüße von Holger/PGS

Gata
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Beitrag von Gata »

Hola,
ich bin auch kein Fachmann, aber mich stört, dass so ein Stadtfürst Bäume entfernen will und dafür unstimmige Argumente vorschickt.
Die Bäume haben 70 Jahre nicht gestört. Wenn die Städte in Zukunft weiter autofrei werden sollen, werden die Bäume noch weniger stören.
Fragt sich also, warum eine teure Rodung und Neuanpflanzung ins Auge gefasst wird.
Das Geld könnte man besser anlegen und die schönen Bäume leben lassen.
Hier im Süden gehören Platanenalleen zum Strassenbild. Sie werden im Herbst radikal zurückgeschnitten und bilden im Sommer wieder dichte schattige Kronen. Die Strassen sind schmaler und der Verkehr noch chaotischer als in Deutschland. Aber es geht alles.

LG

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Volker,
Volker0031 hat geschrieben:Interessante These. Also wegen Sauerstoff benötigen wir keine Pflanzen und die Photosynthese?
Habe ich geschrieben "keine"? Oder ging die Diskussion nicht eher in die Richtung "lieber nicht diese Platanen!"

Volker0031 hat geschrieben:Die ökologische Bedeutung von Bäumen würde ich auch nicht auf deren Nutzung durch Insekten und als Nistplatz reduzieren.
Auch Platanen wirken Klimaregulierend durch Wasserverdunstung.
Stimmt. Und die Wasserverdunstung ist kein Pseudo-Argument, sondern ein echtes. Schattenspenden ist ein ebensolches Argument. Diese Leistungen werden tatsächlich erbracht, auch von Platanen.
Aber wir wollen bitte nicht aus den Augen verlieren, es gibt Bäume, die können mehr, als Platanen, die (noch) nicht in unser Ökosystem, in die heimischen Nahrungsketten integriert sind.


Volker0031 hat geschrieben:Im konkreten Fall wäre für mich vor allem zu bedenken, dass die Photosynthese und Klimaregulierenden Leistungen ausgewachsener Bäume durch Nachpflanzungen erst nach Jahrzehnten wieder erreicht würden.
In dem hier beschriebenen konkreten Fall stimmt das. Die Platanen stehen nun einmal da und es gibt wahrscheinlich auch Möglichkeiten, mit dem jetzt vorhandenen Baumbestand zu arbeiten. Das könnte zwar finanziell aufwändiger sein, rentiert sich aber durch einen kontinuierlichen Nutzen, der nicht erst wieder einige Jahrzehnte unterbrochen wird.

Volker0031 hat geschrieben:Wenn also diese Bäume tatsächlich "stören" wäre es doch geraten sie nach und nach zu ersetzen.
Ja und sollte es doch zu Ersetzungen kommen müssen, steht wieder die Frage nach der Art der Ersatzpflanzung. Da wäre die Platane nicht so weit oben auf meiner persönlichen Hitliste.




LCV hat geschrieben:Wenn ich das richtig verstehe, muss man den momentanen Nutzen/Schaden und die Gesamtbilanz über viele Jahre unterscheiden.
Ja, das ist so.

Einerseits erfolgt die Destruktion der Biomasse erst später. Deshalb bringt sogar eine Platane jahrelang Sauerstoff, bevor das Holz später wieder zu CO² gewandelt wird.
Andererseits kann die Destruktion verlagert werden. Dann wird innerstädtisch Sauerstoff produziert, während die Luft auf dem Kompostplatz im Gwerbegebiet, wo das Laub verrottet, nicht ganz so gut ist.

Gata hat geschrieben:Hier im Süden gehören Platanenalleen zum Strassenbild.
Sind die nicht auch im Süden heimisch? Dann wären sie ja viel besser in das Gesamtökosystem integriert.



Grüße!

Gata
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Beitrag von Gata »

Gerade in Lissabon gemacht:

Bild

Bild

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Überall gibt es wunderschöne Alleen. Zu nennen wären da auch die B1 in Dortmund, die B8 in Düsseldorf uvm.

Viele Grüße

pgs
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Beitrag von pgs »

Außerdem eine wunderschöne Platanen-Allee im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe wo richtig große, alte Platanen stehen, und eine alte Platanen-Allee in Tübingen:

viewtopic.php?t=12363&highlight=Platanenallee
beste Grüße von Holger/PGS

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LCV
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Beitrag von LCV »

A propos, Tübingen. Nach bisherigen Erkenntnissen die wohl älteste, noch erhaltene Platanenallee. Es könnte aber sein, dass die hier fast vor meiner Haustür noch älter ist. Man versucht im Stadtarchiv und mit Hilfe der Bevölkerung Beweise zu finden.

Gruß Frank

pgs
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Beitrag von pgs »

Von der im Zoologischen Stadtgarten weiß ich leider auch kein Alter. Wie alt ist denn die in Tübingen?
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einige Bäume aus der Platanen-Allee im Zoologischen Stadtgarten KA
einige Bäume aus der Platanen-Allee im Zoologischen Stadtgarten KA
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einer der Bäume der Allee
einer der Bäume der Allee
IMG_3542s.jpg (46.07 KiB) 3087 mal betrachtet
beste Grüße von Holger/PGS

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