Wer kennt das Wort "Ule" für Blattnarbe?
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Wer kennt das Wort "Ule" für Blattnarbe?
Hallo Baumfreunde,
im Winterschlüssel des Fitschen (12. Auflage), der von Herrn Dr. Ulrich Hecker, Mainz, verfasst wurde, verwendet der Autor für Blattnarbe das kurze Wort Ule. Eingeführt wird es auf S. 221 bei der Aufzählung der Merkmale:
"...
-- die Stellung und Feinstruktur der Blattnarben (Ulen):
-- die Beschaffenheit und Form der Knospen sowie ..."
Im Folgenden wird es stets statt Blattnarbe verwendet.
Ich konnte in keinem Wörterbuch, auch nicht in Wikipedia, finden, woher dieses Wort wohl kommt.
In Wikipedia wird zwar auf eine (medizinische) Bedeutung 'Hautnarbe' hingewiesen, aber in dem dort verlinkten Artikel kommt das Wort Ule gar nicht vor...
Auch das (Grimmsche) DWB enthält das Wort nicht in dieser Bedeutung.
NACHTRAG: Gerade fand ich im (Neu-) Griechischen Wörterbuch das Wort Oulí (omikron-upsilon-lambda-eta) für Narbe! (eta wird heute als i gesprochen).
Ein daraus hergeleitetes Fachwort im Deutschen ist aber offenbar nicht (oder nicht mehr?) bekannt, oder?
im Winterschlüssel des Fitschen (12. Auflage), der von Herrn Dr. Ulrich Hecker, Mainz, verfasst wurde, verwendet der Autor für Blattnarbe das kurze Wort Ule. Eingeführt wird es auf S. 221 bei der Aufzählung der Merkmale:
"...
-- die Stellung und Feinstruktur der Blattnarben (Ulen):
-- die Beschaffenheit und Form der Knospen sowie ..."
Im Folgenden wird es stets statt Blattnarbe verwendet.
Ich konnte in keinem Wörterbuch, auch nicht in Wikipedia, finden, woher dieses Wort wohl kommt.
In Wikipedia wird zwar auf eine (medizinische) Bedeutung 'Hautnarbe' hingewiesen, aber in dem dort verlinkten Artikel kommt das Wort Ule gar nicht vor...
Auch das (Grimmsche) DWB enthält das Wort nicht in dieser Bedeutung.
NACHTRAG: Gerade fand ich im (Neu-) Griechischen Wörterbuch das Wort Oulí (omikron-upsilon-lambda-eta) für Narbe! (eta wird heute als i gesprochen).
Ein daraus hergeleitetes Fachwort im Deutschen ist aber offenbar nicht (oder nicht mehr?) bekannt, oder?
beste Grüße von Holger/PGS
Ich zitiere hier aus WAGENITZ, G., 2003: Wörterbuch der Botanik; 2. Auflg., Spektrum, Heidelberg/Berlin: 213:
"Narbe; Ule: Abbruchstelle eines Organs [...]. Der noch wenig gebräuchliche Terminus Ule (von gr. oule) kommt aus der Medizin, wo er Wundnarbe bedeutet. HECKER (in Fitschen 1987, B57) führte den Terminus in die Botanik ein."
Du hast also, wie stets, gut recherchiert!
"Narbe; Ule: Abbruchstelle eines Organs [...]. Der noch wenig gebräuchliche Terminus Ule (von gr. oule) kommt aus der Medizin, wo er Wundnarbe bedeutet. HECKER (in Fitschen 1987, B57) führte den Terminus in die Botanik ein."
Du hast also, wie stets, gut recherchiert!
Schöne Grüße,
Buck
Buck
Hallo,
meine Vermutung zur Herkunft des Wortes" Ule", die ich aber nicht belegen kann, ist folgendes.
"Uller" ist der unter anderen auch dere Gott des Winters aus dem Altnordischen Göttergeschlecht der Asen.
Im erzgebirgischen Sprachschatz steht das Wort "Uller" für einen kreisförmigen Schmuckanhäger, meist aus der Rose einer Abwurfstange des Rehwildes hergestellt. Diese wurden früher als Schmuck an den Trachtenlederhosen getragen. Keine Ahnung ob es die heute noch gibt.
Die Abwurfnarbe eines Blattes kann man ja auch mit Phantasie als kreisförmig bezeichnen.
Nun kann es ja möglich sein, das zur Unterscheidung die Blattnarbe
als "Ulle" bezeichnet wurde und daraus im Lauf der Zeit "Ule" wurde.
Wie ich oben schon angeführt habe ist es nur eine Vermutung.
Gruß Yogi
meine Vermutung zur Herkunft des Wortes" Ule", die ich aber nicht belegen kann, ist folgendes.
"Uller" ist der unter anderen auch dere Gott des Winters aus dem Altnordischen Göttergeschlecht der Asen.
Im erzgebirgischen Sprachschatz steht das Wort "Uller" für einen kreisförmigen Schmuckanhäger, meist aus der Rose einer Abwurfstange des Rehwildes hergestellt. Diese wurden früher als Schmuck an den Trachtenlederhosen getragen. Keine Ahnung ob es die heute noch gibt.
Die Abwurfnarbe eines Blattes kann man ja auch mit Phantasie als kreisförmig bezeichnen.
Nun kann es ja möglich sein, das zur Unterscheidung die Blattnarbe
als "Ulle" bezeichnet wurde und daraus im Lauf der Zeit "Ule" wurde.
Wie ich oben schon angeführt habe ist es nur eine Vermutung.
Gruß Yogi
Danke, dann hat also tatsächlich der Herr Doktor Ulerich Hecker die praktisch kurze Ule ausgeheckt, die dem Fitschen pro 'Blattnarbe' 7 Buchstaben erspart!!
Steht aber in meinem 2 bändigen rororo-Lexikon der medizinischen Fachsprache (von 1970) auch nicht drin. Scheint also bei den Medizinern auch schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein.
Steht aber in meinem 2 bändigen rororo-Lexikon der medizinischen Fachsprache (von 1970) auch nicht drin. Scheint also bei den Medizinern auch schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein.
beste Grüße von Holger/PGS
Hallo Yogi, ich hatte deinen Kommentar noch gar nicht gesehen, als ich meinen letzten schrieb. Klingt auch plausibel, aber die Herkunft aus dem Griechischen ist wohl eher zutreffend. Der Ulrich Hecker hatte wohl noch eine klassische humanistische Schulbildung mit Altgriechisch und Latein als erste Sprachen.
beste Grüße von Holger/PGS
Hallo, mein uraltes Griechisch-Deutsches Wörterbuch (von Rost, Braunschweig, 1888) bestätigt eure Recherchen: Ule = Narbe, zugeheilte Wunde; zu finden u.a. in der Odyssee, bei Platon & Xenophon. Eine Verbindung mit Eulen (Ulula = Sperbereule) dürfte spekulativ sein. Es ist schon bemerkenswert, daß Hecker erst "kürzlich" diesen Begriff in die Botanik einführte, zumal die früheren Botaniker vielfach große Latein- und Griechisch-Kenntnisse hatten. In der Medizin (Neuropathologie) finden sich der Begriff "Ulegyrie" (Narbenbildung der Hirnrinde) und zwei dermatologische Ausdrücke, die Ule enthalten
Zuletzt geändert von Durian am 09 Mai 2014, 18:00, insgesamt 1-mal geändert.
Na jedenfalls habe ich das Wort in diesem Sinn für Baumnarbe bisher einzig und allein im Winterschlüssel des Fitschen gefunden (der von Dr. Ulrich Hecker verfasst wurde).
Falls es jemand in einem älteren Botanikbuch findet, wäre ich dankbar für eine Mitteilung. In Roloff/Bärtels jedenfalls kommt Ule nicht vor. Da wird Blattnarbe (252 mal) verwendet.
Die hätten also glatt 251 mal 7 (= 1757) Buchstaben sparen können! (einmal muss das Wort Blattnarbe ja als Definition für Ule drinstehen
Falls es jemand in einem älteren Botanikbuch findet, wäre ich dankbar für eine Mitteilung. In Roloff/Bärtels jedenfalls kommt Ule nicht vor. Da wird Blattnarbe (252 mal) verwendet.
Die hätten also glatt 251 mal 7 (= 1757) Buchstaben sparen können! (einmal muss das Wort Blattnarbe ja als Definition für Ule drinstehen
beste Grüße von Holger/PGS