Absterben einer Esche

Hier findet ihr Platz für sonstige Themen

Moderatoren: LCV, stefan, tormi

quellfelder
Beiträge: 4432
Registriert: 29 Dez 2010, 16:46
Wohnort: 23936 Grevesmühlen

Absterben einer Esche

Beitrag von quellfelder »

Hallo,

seit dem letzten Herbst stirbt hier eine Esche von ungefähr 10 Jahren. Nachdem der Specht die Rinde vom Baum löste, traten diese Fraßspuren zum Vorschein. Ist der Verursacher der Schuldige? Wenn ja, wie heißt er?

Viele Grüße

quellfelder
Dateianhänge
2014_0412Zirkow0009.jpg
2014_0412Zirkow0009.jpg (97.65 KiB) 6132 mal betrachtet
2014_0412Zirkow0008.jpg
2014_0412Zirkow0008.jpg (96.33 KiB) 6132 mal betrachtet

Benutzeravatar
bee
Beiträge: 4689
Registriert: 17 Okt 2008, 17:38
Wohnort: die Region, wo D an CH und F grenzt

Beitrag von bee »

Hallo,
das sind Fraßgänge von Borkenkäfern, erinnerte mich zuerst an die Gänge vom "Buchdrucker" (an Fichte).
http://de.wikipedia.org/wiki/Borkenk%C3%A4fer

Wenn es aber eine eindeutige Esche ist, dann sagt Arbofux:
Großer Schwarzer Eschenbastkäfer
http://www.arbofux.de/grosser-schwarzer ... aefer.html

oder
Kleiner Schwarzer Eschenbastkäfer
http://www.arbofux.de/kleiner-schwarzer ... aefer.html

oder
Kleiner Bunter Eschenbastkäfer
http://www.arbofux.de/kleiner-bunter-es ... aefer.html

Da muss man sich die Form u. Länge der Gänge näher anschauen, ich denke, die letztgenannte Art passt am besten.
Viele Grüße von bee

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Bastkäfer klingt ja nach ordentlichem Schädling und wie das Bild aussieht, ist er das auch.

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Die Leben doch nur ihrer Natur gemäß, oder sind Eschen plötzlich wirtschaftlich bedeutsame Bäume :shock: ?

quellfelder
Beiträge: 4432
Registriert: 29 Dez 2010, 16:46
Wohnort: 23936 Grevesmühlen

Beitrag von quellfelder »

Hallo,

erst einmal vielen Dank für die aufschlußreiche Antwort an bee. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar, denn in der Nachbarschaft entwickelt sich gerade eine Birke zu einem schönen Baum. Und den will ich vor dem gleichen Schicksal bewahren.

Wieso auf einmal so ungehalten, Andreas? Der wirtschaftliche Nutzen einer Esche war nicht Gegenstand meiner Anfrage. Und das diese Schädlinge nur ihrer Natur gemäß tun was sie tun , ist auch klar. Wenn Fragen dahingehend nicht mehr erwünscht sind, dann erübrigt sich schon das halbe Forum.

Viele Grüße

quellfelder

Benutzeravatar
LCV
Beiträge: 9197
Registriert: 03 Dez 2007, 14:46
Wohnort: 79379 Müllheim
Kontaktdaten:

Beitrag von LCV »

Hallo Andreas,

klar, dass diese Insekten sich durch das Holz fressen, bis sie der Specht erwischt oder man etwas gegen sie unternimmt. Ob die Esche wirtschaftlich wertvoll ist, wäre mir egal, wenn sie in meinem Garten stünde. Dann wäre ich nicht begeistert, wenn sie von Käfern gekillt würde.

Übrigens ist die Esche medizinisch interessant. Tinkturen von Fraxinus excelsior helfen bei Arthritis usw. Ohne die Nebenwirkungen der "chemischen Keule".

Gruß Frank

Stadtmutant
Beiträge: 144
Registriert: 12 Apr 2013, 09:22
Wohnort: Bremen

Beitrag von Stadtmutant »

Moin!
Ist es nicht fraglich, ob der Käfer, der diese Fraßspuren hinterlassen hat, für den Tod des Baumes verantwortlich ist? Ich könnte mir gut vorstellen, daß hier ein stark vorgeschädigter bzw. absterbender Baum befallen wurde. Bei Eschen sollte man das sog. Eschensterben nicht vergessen. Ob das schon bis Rügen vorgedrungen ist, weiß ich nicht, und ob der Baum entsprechende Symptome wie welke Blätter, Blattflecken, Rindenverfärbungen etc. aufwies, kann man im jetzigen Stadium wohl auch nicht mehr beurteilen.
Der Erreger ist noch gar nicht mal so lange bekannt. Erst 2006 wurde der Pilz Chalara fraxinea als Auslöser identifiziert, und seit 2010 weiß man, daß es sich dabei um die Nebenfruchtform des "Falschen Weißen Stengelbecherchens" (Hymenoscyphus pseudoalbidus) handelt.

Mehr zum Thema Eschensterben ist hier zu finden.

Die Beschreibung der Symptome auf der Seite beunruhigt mich gerade etwas: "Den Ausfall der Leittriebe versucht die Pflanze durch Neuaustrieb zu kompensieren, so dass sehr häufig Verzwieselungen gebildet werden."
In meinem Garten steht eine junge Esche, die sich meinetwegen frei entfalten darf. Sie zeigt aber genau dieses Symptom, der Leittrieb ist abgestorben, und ein Seitentrieb hat jetzt die Führung übernommen. Muß mir das Laub in diesem Jahr mal genau ansehen. Wenn sie befallen ist, muß sie leider weg.

Gruß,
Markus

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Und warum fühlst Du Dich sofort wieder angegriffen, Hartmut?
Ich habe auf Wolfgangs Frage reagiert, und absolut nicht ungehalten, und das wird man sicherlich noch dürfen, oder?

Ich finde es nur stets etwas unschön, dass alles Leben, was nicht direkt niedlich oder nützlich ist, sondern auch mal unangenehmere Begleiterscheinungen hat, schnell als Schädling tituliert wird, immer so mit diesem "Vernichten! Kurz halten! Weg damit" dahinter in der Schwebe. Hat Wolfgang nicht gesagt, behaupte ich auch nicht, aber der Ruch des "Vernichtens" steht doch immer so ein bisschen gleich um die Ecke dabei.

Nur: Spechte, Meisen etc. müssen auch leben, da ist es mit Meisenbällchen nur im Winter getan...
Lasst doch der Natur mal umfänglich ihren Raum, und nicht immer diese Kategorisierung in Gut und Böse.

Und wenn die Esche in meinem Garten stünde, tja, dann wäre es doch eh zu spät, wenn ich den Befall bemerke, oder? Macht man Feuerholz draus und gut ist's, und pflanzt bei Bedarf eine neue Esche.
Ich finde einerseits diesen ewigen Ruf nach Natur im Vergleich dazu, was ist, wenn sich das Wirken der Natur dann wirklich mal zeigt, immer so ein bisschen diskrepant...
Natur ja, aber nur schön, Blümchen oder erhaben, aber dass die Natur nun mal zum überwiegenden Teil hart, fies und gemein ist, das wird meistens nicht gelten gelassen...

Wie entsteht das ökologisch so wichtige Totholz und "Spechtbäume"? Durch solches Wirken, ob von Pilz oder Insekt... Was soll' s also?
Natur nur nach dem Maßstab "Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass"? So einfach ist das nicht...

quellfelder
Beiträge: 4432
Registriert: 29 Dez 2010, 16:46
Wohnort: 23936 Grevesmühlen

Beitrag von quellfelder »

Hallo,

ich verspreche Euch, daß das meine letzte Frage in dieser Richtung war.
Nur habe ich den Baum noch einmal betrachtet und stellte fest, daß der untere Bereich schon einen ziemlichen Spalt aufweist. Wird wohl nicht mehr lange so stehen. Dann lasse ich ihn auch liegen, bis sie (wer will ich garnicht mehr wissen) ihn ganz verspeist haben.

Viele Grüße

quellfelder
Dateianhänge
2014_0413Zirkow0005.jpg
2014_0413Zirkow0005.jpg (134.59 KiB) 6080 mal betrachtet

Cryptomeria
Beiträge: 9539
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Ich bin überhaupt kein Freund vom Wort " Schädling"( denn im naturbelassenen Wald gibt es ihn nicht , da ist Tod immer gleich Leben) und hätte vielleicht besser gesagt: Bastkäfer deutet mir darauf hin, dass der Käfer dieser Baumart sehr schaden kann ( denn im Bast pulsiert das Leben ).

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Benutzeravatar
bee
Beiträge: 4689
Registriert: 17 Okt 2008, 17:38
Wohnort: die Region, wo D an CH und F grenzt

Beitrag von bee »

Hallo Quellfelder,

Fragen und Bilder zu "seltsamen" Erscheinungen, Kuriositäten oder Normalitäten, Schädlingen und Nützlingen, wie auch immer - sind doch hier erwünscht!
Die Mischung macht es doch.

Dass sich da manchmal eine Diskussion entwickelt, ist doch normal, also bitte weiter so :wink:
Zuletzt geändert von bee am 14 Apr 2014, 20:11, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße von bee

Benutzeravatar
stefan
Moderator
Beiträge: 6100
Registriert: 08 Okt 2006, 19:44
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Beitrag von stefan »

Hallo Quellfelder,
ich schließe mich bee an, solche Beiträge wie diese Nachfrage nach der Esche sind unbedingt eine Ergänzung und Bereicherung zu den Diskussionen über Arten!
Daß man in einer Diskussion unterschiedlicher Meinung über bestimmte Aspekte sein kann, ist klar, aber auch das gehört hier dazu.
Bitte gerne weitere Fragen zu Besonderheiten / Auffälligkeiten / .... rund um Gehölze!
Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Mostviertler
Beiträge: 302
Registriert: 28 Aug 2010, 18:08
Wohnort: A-3393 Mannersdorf 11

Beitrag von Mostviertler »

Vielleicht hilft der Beitrag, wieder von der emotionalen Ebene auf die sachliche zu kommen. Die Echenbastkäfer sind in aller Regel sekundäre "Schädlinge" (weil sie den Baum schädigen). Wenn sie gesunde Bäume befallen, bringt das die Eschen meistens nicht um, nur wenn der Baum schon durch andere Einflüsse geschwächt ist, dann kann der Befall mit den Echenbastkäfern (ganz gleich mit welchem) tödlich für die Esche ausgehen.

Und @ Andreas: ja., die esche ist in weiten Teilen Mitteleuropas eine wirtschaftlich wichtige Holzart!

Gruß
Hannes

Benutzeravatar
bee
Beiträge: 4689
Registriert: 17 Okt 2008, 17:38
Wohnort: die Region, wo D an CH und F grenzt

Beitrag von bee »

Hallo,
das was Hannes gesagt hat, stand im Prinzip auch so in den Links. Der Käfer wird wohl nur bei vorgeschädigten Eschen zum Problem.
Und das Hauptproblem ist das Eschentriebsterben, das sich bisher aber noch nicht überall gezeigt hat. Wir hatten da schon mal so ein Thema (im Verlauf des Links).

viewtopic.php?t=9765

Letztes Jahr hatte ich auch solche Stengelbecherchen fotografiert (an der Rhachis eines alten Eschenblattes). Makroskopisch kann man nicht sagen, ob es Hymenoscyphus albidus oder pseudoalbidus ist. Erstere Art ist einheimisch und ungefährlich, letzere Art ist eingeführt und in ihrer Nebenfruchtform Chalara fraxinea verantwortlich für das Eschentriebsterben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Falsches_W ... becherchen
Dateianhänge
Hymenoscyphus albidus oder pseudoalbidus_07-2013_Eschenblattrhachis.jpg
Hymenoscyphus albidus oder pseudoalbidus_07-2013_Eschenblattrhachis.jpg (11.7 KiB) 6021 mal betrachtet
Zuletzt geändert von bee am 04 Mai 2015, 19:57, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße von bee

Stadtmutant
Beiträge: 144
Registriert: 12 Apr 2013, 09:22
Wohnort: Bremen

Beitrag von Stadtmutant »

Moin,
schönes Foto, bee, danke! Habe ich selbst noch nie gesehen, aber ich werde jetzt mal darauf achten. Ich sprach ja neulich schon an, daß ich mir um meine junge Esche etwas Sorgen mache. In der Hoffnung, daß es quellfelder nicht stört, hänge ich mal ein Foto an. Sieht m. E. sehr verdächtig aus, aber das Absterben des Haupttriebes kann natürlich auch andere Ursachen haben als das Eschensterben - und darauf hoffe ich derzeit noch.
Gruß,
Markus
Dateianhänge
Eschentriebsterben?
Eschentriebsterben?
IMG_1695 kl.jpg (59.75 KiB) 6008 mal betrachtet

Antworten