Bienensterben

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Myricaria
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Bienensterben

Beitrag von Myricaria »

Hallo Leute,

Das Bienensterben wird ja zurzeit heftig diskutiert, spätestens nach dem EU-Beschluss des Verbots der Neonicotinoid-Gruppe, die für das rasante Verschwinden der Bienen verantwortlich gemacht wird.

Ohne irgendwelche Berichte aus den Medien aufgeschnappt haben zu müssen, fällt mir seit letztem Jahr und heuer am drastischsten auf, dass im Garten in OÖ an den normalerweise üppig besuchten Blütenpflanzen plötzlich Totenstille herrscht. Der prächtige Weißdorn konnte man noch vor zwei Jahren zur Blütezeit selbst aus 20 m Entfernung richtiggehend "brummen" hören. Heuer konnte ich kaum jemals eine einzige Biene am Baum erspähen.

Die nächsten "Hotspots" wie z.B. Rosa multiflora oder Lavendel lassen noch auf sich warten, es ist jedoch zu vermuten, dass auch hier die Bienen fehlen werden.

Unser Garten befindet sich in intensiv-landwirtschaftlichem Gebiet, rundherum dürften schon unzählige Imker ihre Völker aufgegeben haben, weil es sich aufgrund der Giftkeulen der Großbauern nicht mehr rentiert.
Da mein Bruder früher mal geimkert hat, weiß ich, dass die Varroa-Milbe schon sehr lange ein Problem darstellt, meiner Einschätzung nach kann sie daher nicht für diesen extremen und quasi über Nacht eingetretenen Rückgang verantwortlich gemacht werden. Schließlich waren vor zwei, drei Jahren noch genügend Bienen unterwegs.

Die einzige Blütenpflanze, an der ich heuer ab und zu eine einzelne Biene erspähen konnte, ist übrigens die Akelei. Und 2011 war der Garten noch Tummelplatz einer ganzen Heerschar von Honigbienen...

Was glaubt ihr, ist diese Gruppe der Pestizide tatsächlich Hauptverursacher des aktuellen Bienensterbens oder gibt es da andere Gründe?

Grüße aus Wien,
Johannes
MvG,
Johannes

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Momentan dürfte allerdings eher das schlechte Wetter für den Bienenmangel verantwortlich sein.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass dieses Jahr kaum Bienenschwärme angeboten werden. Scheint ein harter Winter gewesen zu sein.

Ob sich die Bauern an das Giftverbot halten, ist außerdem eine weitere Frage. Und teils verbleiben die Gifte auch im Boden und erscheinen im nächsten Jahr wieder in den Blüten der Folgefrucht.

Neulich kam ein Beitrag auf Tagesschau.de, wo berichtet wurde, dass in den USA die Ursachen des Bienensterbens zwar bekannt sind, die Gifte aber nicht verboten werden, weil die Industrielobby einfach zu mächtig ist. Das dürfte bei uns längerfristig ähnlich sein.

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Das ist ein besorgniserregender Trend... Wie Einstein sagte: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
MvG,
Johannes

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Naja, der gute Herr Einstein ist vor fast 60 Jahren gestorben, da waren die Zeiten noch ganz andere, die Menschen noch viel mehr auf eigene Ernten angewiesen.
Ganz so tragisch wird's von daher schon nicht werden. Klar bestäuben Bienen viel, aber die haben ihre Temperaturansprüche, und somit sind heimische Wildbienen etc. um vieles bedeutsamer für die Bestäubung, wenn das Wetter mau ist (wie dies Jahr erneut).

An meinen Obstbäumen war definitiv keine Honigbiene, weil der nächste Bienenbesitzer nur zwei Stöcke hat, und etwa 8 km entfernt wohnt. Ich hatte darum schon gefürchtet, dass es dies Jahr wieder Essig ist mit Obst, aber ganz im Gegenteil! Die Vogelkirschen brechen vor Fruchtansatz fast zusammen (ist echt SUPERviel dran), auch die Kulturkirschen haben richtig dran, die Birnen sind voll, und auch die Apfellblüte verlief ganz und gar nicht im Sande.

Da hier keine Honigbiene unterwegs war, sondern nur Hummeln etc., hm, wird wohl deren Aktivität völlig ausgereicht haben.

Klar ist ein Vorgehen gehen die Gifte wichtig, aber es ist nicht alles, entgegen aller Unkenrufe, von den Honigbienen abhängig, denn es hat mit der Bestäubung ja auch vor deren Einführung in Europa alles geklappt...

Schafft Nisthilfen für Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Co. (und wenn es nur ein weniger penibel aufgeräumter Garten ist, in dem jeder Grashalm sitzt), und es wird dennoch Obst geben.

Und selbst wenn nicht, hey, welcher Deutsche ist heutzutage noch auf Obst aus eigenen Landen angewiesen?
Das, was auf Streuobstwiesen wächst, wird bestenfalls vermostet, ist aber in der Regel eher Vogel- und Wespenfutter, weil jeder Mensch zu faul ist, sich die Arbeit mit der Pflege zu machen.
Holt man sich im Laden also das aus Chile, Australien, Neuseeland, Südafrika importierte Zeugs, und ist auch zufrieden ;).

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Nur ganz kurz die Anmerkung; Honigbienen sind seit der Steinzeit in Europa ansäßig. Die wurde nicht eingeführt, sondern sind bzw. waren Wildtiere, die zur europäischen Fauna gehören. Und sie sind selbstverständlich die wichtigsten Bestäuber. Die meisten Wildbienen sind spezialisiert auf bestimmte Pflanzen und Hummeln sind im Frühjahr einfach nicht in ausreichender Anzahl vorhanden, um Obstplantagen zu bestäuben. (Womit ich die Arbeit der Hummeln keineswegs herabsetzen will.)
Nicht umsonst gibt es in vielen Bundesländern Förderprogramme für Imker, gerade weil die Bienen so wichtig sind.

Außerdem betrifft der Gifteinsatz natürlich auch andere Bienen (Insekten) Nur merkt das kaum jemand, wenn es plötzlich viel weniger Hummeln oder solitäre Wildbienen gibt. Honigbienen dagegen haben wenigstens eine klitzekleine Lobby, die Imker. (Auch wenn die kaum für wichtig erachtet werden.)

In China gibt es Gegenden, wo durch massiven Pestizideinsatz keine Bienen (weder soziale Arten noch solitäre) überleben können. Dort bestäuben im Frühjahr massenhaft fleißige Wanderarbeiter die Bäume. Geht auch, klar, und niemand kommt dort auf die Idee, weniger zu spritzen. Was sein muss, muss halt sein.
Handbestäubung könnte man als Notlösung auch bei uns in Betracht ziehen, Hartz4-ler dazu heranholen und fleißig weiter spritzen......

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LCV
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Beitrag von LCV »

> Handbestäubung könnte man als Notlösung auch bei uns in Betracht
> ziehen, Hartz4-ler dazu heranholen und fleißig weiter spritzen......

Aber bitte nur im Biene-Maya-Kostüm ;-)

Übrigens verstehe ich Imker nicht zwangsläufig als Naturschützer, sondern vor allem an ihrem Geschäft interessiert, was ja nicht verwerflich ist. Allerdings gibt es da einige, die die Ausbreitung diverser Springkräuter fördern, weil angeblich gute Bienenweide, während gleichzeitig die Naturschützer das eindämmen wollen.

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Soweit sollte man es doch gar nicht erst kommen lassen... Handbestäubung aufgrund des Fehlens der Bienen finde ich einfach nur mehr traurig.
MvG,
Johannes

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

LCV hat geschrieben: Übrigens verstehe ich Imker nicht zwangsläufig als Naturschützer, sondern vor allem an ihrem Geschäft interessiert, was ja nicht verwerflich ist. Allerdings gibt es da einige, die die Ausbreitung diverser Springkräuter fördern, weil angeblich gute Bienenweide, während gleichzeitig die Naturschützer das eindämmen wollen.
Stimmt, nicht jeder Imker kann sich mit dem Naturschutzgedanken anfreunden. Selbst solche Problemarten wie der Riesenbärenklau oder das Springkraut wurden von Imkern verbreitet. Allerdings hat das nicht unbedingt was mit dem Bienensterben zu tun.
Und heutzutage geht auch in der Imkerei ohne Chemie nichts mehr, leider.
Nur wenn die Gifte, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, die Bienenvölker dahinraffen, setzt bei vielen Imkern ein Umdenken ein.

Es gibt aber auch reichlich Imker, die gerade aus Verbundenheit mit der Natur ihrem Hobby nachgehen. Wenn man dagegen als Berufsimker davon lebt, ist es eine Massentierhaltung wie in anderen Teilen der Landwirtschaft auch, mit ähnlichen Problemen.

Es besteht ja schon die teils etwas paradoxe Situation, dass Stadtbienen über das Jahr bzw. über die Saison verteilt ein besseres Nahrungsangebot vorfinden als die Bienenvölker auf Dörfern. In Gärten, auf Balkonen und in Parks blüht den ganzen Sommer etwas, auf dem Land ist oftmals nach der Rapsblüte Schluß.


Obwohl, so eine Handbestäubung durch hochmotivierte Langzeitarbeitslose im Biene-Maja-Kostüm, die Vorstellung hat was. Vielleicht entwickelt ein findiger Ingenieur auch eine ferngesteuerte Roboter-Biene, die automatisch durch die Plantagen fliegt und dank modernster Technik Apfel- und Birnenblüten unterscheiden kann. Wäre bestimmt ein Exportschlager.
Und für die Traditionsbewußten gibt's die Roboterbiene sogar mit Stachel.
:lol:

Spinnich
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Bienensterben

Beitrag von Spinnich »

Hallo

Wenn von Bienensterben die Rede ist, sollte man vielleicht spezifizieren, ob die domestizierte Honigbiene gemeint ist, oder z. B. auch oder speziell Wildbienen. Hummeln gehören dann ebenfalls als besondere Gruppe zu den sozialen Wildbienen.

Zur Bemerkung von AndreasG möchte ich anmerken, dass die einheimische Honigbiene Apis mellifera mellifera germanica zuerst von den Wikingern als Honigbiene domestiziert wurde. Dies musste wegen des Klimawandels (Zwischeneiszeit) später aufgegeben werden. Von den deutschen Imkern wurde später wegen höheren Ertrags die fremde Rasse Apis mellifera carnica eingeführt. Die einheimischen Bienen wurden verdrängt bzw. hybridisiert und praktisch gezielt ausgerottet. In anderen Ländern wie Österreich oder der Schweiz setze sich diese Rasse nur teilweise durch: Eine durchgehende Zucht der dunklen Biene ließ hier viele Imker der einheimischen Biene treu bleiben.
Inzwischen wurde auch von wenigen engagierten deutschen Imkern die "dunkle Biene" wiederentdeckt.
In Deutschland wird aber vom höchsten Organ, dem D.I.B. (Deutscher Imkerbund) immer noch massiv gegen die dunkle Biene Stimmung gemacht.
Zur Verdeutlichung der immer noch aktuellen Situation hier ein Auszug aus einem Vortrag von Prof. Dr. August Wilhelm Stefan, (Abteilung Zoologie & Ökologie) bei einem Vortrag auf der Insecta in Berlin 1997:
“Unter Hinweis auf die auch von der Bundesrepublik Deutschland auf der „Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED), Rio de Janeiro 1992“ unterzeichnete UN-Biodiversitätskonvention wurde vermerkt, dass ausgerechnet in Deutschland als einem der reichsten europäischen Länder imkerliches Handeln und Imkerverbands-Maßnahmen allein durch kommerziell-opportunistische Interessen gelenkt werden, und dass dabei massiv gegen das internationale Artenschutz-Abkommen verstoßen wird. (…)
Alle Länder, die im Bereich des natürlichen jetzigen und ehemaligen Verbreitungsgebietes der Honigbienen-Unterart Apis mellifera mellifera liegen, wurden aufgerufen, vor allem durch die Einrichtung von Schutzgebieten zum Erhalt und zur Wiederausbreitung der örtlichen Unterrassen und Populationen dieser vom Aussterben bedrohten Rasse beizutragen. (…)
Entsprechende Bemühungen und Antragstellungen des Verfassers wurden bisher durch örtliche Imkervereine, durch Vertreter des Deutschen Imkerbundes, durch politische Gremien und durch der Carnica-Imkerschaft verbundene deutsche Bienenforschungsinstitute erfolgreich behindert: unter Zuhilfenahme öffentlicher Medien, mit unfeinen und zum Teil gesetzwidrigen Maßnahmen. (…)
Als Krönung dieser Anfeindungen und Mellifera-Unterdrückungsbestrebungen kann die neuerdings seitens dieser Institutionen unternommene Beantragung von Natur- und Artenschutz-Mitteln zur entgegengesetzten Förderung der fremdländischen Rasse Apis mellifera carnica im angestammten Verbreitungsbereich der Apis mellifera mellifera und zu deren weiteren Vernichtung betrachtet werden.”

Zur Bedeutung der Honigbiene für die Bestäubung ist noch zu sagen, dass Wildbienen häufig effektiver sind (speziell Hummeln können bei niedrigeren Temperaturen aktiv sein.), in Noramerika (USA, Kanada) gar keine Honigbienen heimisch waren - ohne Schaden für die Vegetation.

Gerade in diesem Jahr haben aber speziell auch die Wildbienen durch das nasskalte, verspätete Frühjahr gelitten, mehr als durch die vorangegangenen harten Winter.

Dafür gab es in diesem Jahr ein Massenauftreten der Märzfliege oder Markusfliege (Bibio marci), die sich von verschiedenen Pflanzensäften und Nektar ernähren und dabei ebenfalls die Blüten bestäuben.

Auf die Bestäubung durch Honigbienen ist eigentlich nur die Agrarindustrie (z.B. USA) mit riesigen Monokulturpflanzungen angewiesen.

Die chemischen Keulen (wie Neonicotinoide) von der nicht nur die Honigbienen, noch vielmehr die Wildbienen und alle anderen Insekten und unsere gesamte Biodiverstität bedroht sind, vergiften nicht zuletzt auch den Honig und unser gesamte Lebensumwelt. Das endlich erlassene Eu-Verbot wurde viel zu spät und meines Wissens gegen vorherige Wiederstände Deutschlands erlassen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich gegen rücksichtlose Interessen Einzelner, einer Wirtschafts- und Lobbyinteressen abhängigen Politik und insbesondere einer naturzerstörenden Agrarindustrie (wie z. B. Monsanto), die Bemühungen derer durchsetzen die auf Nachhaltigkeit und einem naturverträglicheren Umgang mit unserem Lebensraum setzen.

Gruß Spinnich :shock:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Gata
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Beitrag von Gata »

AndreasG. hat geschrieben: Obwohl, so eine Handbestäubung durch hochmotivierte Langzeitarbeitslose im Biene-Maja-Kostüm, die Vorstellung hat was.
:lol:
Das Biene-Maja-Kostüm haben sie eingespart, aber sonst ist die Menschenbestäubung dort schon Wirklichkeit geworden.

http://videos.arte.tv/de/videos/bienens ... 34072.html

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Hallo Spinnich,
bist du Imker?

Zum Thema A.m.mellifera versus A.m.carnica versus Buckfast versus italienische Importbienen, da stimme ich dir durchaus zu. Da ist Verbesserungsbedarf und bei Gelegenheit werde ich mir eine Königin der Dunklen Biene zulegen. Auch wenn das bei den vielen Carnicas ringsum wenig Sinn macht.

Nur die Sache mit der Bestäubung, dass können Bienen besser.
Sicher fliegen Hummeln bereits bei unter 10°C, Bienen nicht. Aber im Frühjahr gibt es noch gar nicht so viele Hummeln, als dass sie in größerem Umfang bestäuben könnten, während ein gesundes! Volk mit 10 000 Bienen aus dem Winter kommt, die nichts anderes im Kopf haben als Pollen zu sammeln, um die frische Brut zu versorgen. Außerdem sind Bienen blütenstet, Hummeln nicht. Ich habe selbst beobachtet, wie Hummeln die Blüten wechseln, was nicht unbedingt im Sinne der Pflanzen ist.
Wenn also großflächig die Bienenvölker fehlen, ist das nicht nur für die Agrarindustrie blöd.

Bzgl. Amerika, stimmt, da gab es ursprünglich keine Bienen. Deshalb finden sich dort viele Blumenarten, die erst im Hochsommer blühen, wenn die temporär staatenbildenen Insekten in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Denk nur mal an Tobinambur, Sonnenblumen und die vielen anderen Asteraceae, die mittlerweile als Zierpflanzen in unseren Gärten stehen, aber aus den Präriegebieten Nordamerikas kommen. Es geht schon ohne Bienen, wenn die Natur sich angepasst hat.

Wieviele "andere" Bienenarten und sonstige Insekten außer der Honigbiene durch diese Gifte (ursprüngliches Thema :lol: ) getötet werden, interessiert doch keinen. Wer bemerkt denn schon das Fehlen solitärer Blattschneiderbienen oder Grabwespen?
Aber dank Biene Maja sind Honigbienen allseits beliebt und beim Bienensterben schaffen es die Imker wenigstens in die Medien. Das Verbot kommt natürlich allen Insekten zugute. :lol: Und auf youtube gibt es zum Thema mittlerweile reichlich Beiträge. Wenn die Imker mal Rabatz machen, muss die Politik handeln. Auch wenn natürlich die Giftmischerlobby sehr finanzstark ist. Immerhin hat es jetzt EU-weit für ein Verbot gereicht.

Wir können ja eine Petition an den Deutschen Imkerbund schicken und sie auffordern, die Dunkle Biene zu unterstützen. Wobei den Imkern, die ich kenne, so eine Petition wahrscheinlich am **sch vorbeigeht.
Wobei, man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Berufsimker gibt es Deutschland prozentual nur wenige. Und bei vielen Hobbyimkern hat der Naturschutzgedanke einen großen Stellenwert.

@Gata, diese Bestäubung durch den Menschen gibt es schon länger. Paradoxerweise ist die Gegend, wo das praktiziert wird, ein riesiges Obstanbaugebiet, von wo aus auch nach Europa exportiert wird. Da hilft beim nächsten Einkauf nur die Abstimmung im Supermarkt.

Gata
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Beitrag von Gata »

AndreasG. hat geschrieben:
Da hilft beim nächsten Einkauf nur die Abstimmung im Supermarkt.
Hoffentlich kann ein Kunde überhaupt erkennen, dass die Ware aus China kommt.
Hier in Spanien ist das einfacher: Importware ist immer sehr viel teurer als einheimische.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Es sollte eigentlich dabeistehen, woher die Ware kommt.

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LCV
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Beitrag von LCV »

Zitat Spinnich:
Die chemischen Keulen (wie Neonicotinoide) von der nicht nur die Honigbienen, noch vielmehr die Wildbienen und alle anderen Insekten und unsere gesamte Biodiverstität bedroht sind, vergiften nicht zuletzt auch den Honig und unsere gesamte Lebensumwelt. Das endlich erlassene Eu-Verbot wurde viel zu spät und meines Wissens gegen vorherige Widerstände Deutschlands erlassen.

Hallo,

offenbar gibt es hier Experten. Ich erinnere mich dunkel, dass es vor vielen Jahren schwere Vergiftungsfälle durch Honig gab, irgendwo im griechisch-türkischen Großraum. Ein Bekannter, dessen Vater und Bruder eine Imkerei betreiben, behauptet, es sei alles Quatsch. Der von Bienen produzierte Honig könne niemals giftig sein. Wären die gesammelten Pollen und Nektar giftig, wäre die Biene tot, bevor sie wieder im Stock sei.
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass etwas für den Menschen giftig ist, was für Bienen ungefährlich ist. Oder dass die Gifte erst durch einen chemischen Prozess entstehen, nachdem die Biene schon längst neuen Honig sammelt. Andererseits kann es durchaus Interessengruppen geben, die gezielt die Journalisten mit Horrormeldungen füttern, was auch immer die damit bezwecken. Kann jemand hierzu etwas sagen?

Gruß Frank

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Honigvergiftungen gibt es durchaus. Schon in der Antike hat ein römischer Feldherr deswegen eine Schlacht verloren. Seine Soldaten hatten den sogenannten pontischen Honig gegessen. Die Einheimischen hatten wohl vergessen, sie ausreichend über die Nebenwirkungen zu informieren. Der Genuss führt zu schweren Bauchschmerzen, Übelkeit sowie Halluzinationen und Tollheit und kann bei größeren Mengen tödlich sein. Dafür verantwortlich sind verschiedene Rhododendren wie z.B., Rhododendron luteum, den Wolfachim Roland bereits vorgestellt hat.

viewtopic.php?t=1790&postdays=0&postorder=asc&start=120

Das hat also nichts mit menschlichen Einflüssen zu tun. Bei uns glücklicherweise nicht verbreitet und hoffentlich nicht großflächig als Zierpflanze angepflanzt.
Obwohl es sich herumgesprochen haben sollte, dass dieser Honig für Menschen giftig ist, kommt es immer wieder mal zu Todesfällen in der Kaukasusregion bis zur Türkei.
Und deswegen ist der Honigimport aus der Region eigentlich verboten und (Heimat)urlauber, die aus der Türkei zurückkommen, müssen den mitgebrachten Honig beim Zoll abliefern, wenn sie erwischt werden.

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