Baumlegenden

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quellfelder
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Baumlegenden

Beitrag von quellfelder »

Hallo,

in der Literatur findet man hier und da Hinweise auf besondere Bäume.
Ich fange mal mit einem Drachenbaum an.

Hermann Schacht: Der Baum, Berlin 1860:

„Der alte Drachenbaum zu Orotava (auf Teneriffa), dessen Stamm nach Le Dru am Boden 74 Fuß Umfang besitzt, nach einer spanischen Angabe 38 Fuß im Durchmesser hält und dessen Höhe 60 Fuß beträgt, hat sicher ein Alter, das weit über jeder geschichtliche Zeiit hinausgeht; er soll zur Zeit der Eroberung durch die Spanier schon eben so stark und hohl als jetzt gewesen sein.“

Er fiel 1867 in einem Sturm.

Viele Grüße

quellfelder

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

in "Mecklenburg. Ein Heimatbuch" von 1925 heißt es:

"Unter ihnen ist auch der dickste Baum Mecklenburgs, die Kirchhofslinde in Polchow bei Laage, mit einem Umfange von 13 Metern."

"Der höchste Baum Mecklenburgs ist wahrscheinlich die Herzogstanne in der Kurzen-Trechower Gutsforst bei Bützow. Es ist eine 130 bis 140jährige Edeltanne, deren Höhe mit 47 Meter angegeben wird."

Viele Grüße

quellfelder

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

und in den "Sagen und volkskundliche Überlieferungen aus dem Kreise Hagenow" von Hans Vick, 1959
steht zu den Eichen-Allee folgendes:
Allen voran steht die schönste Eichenallee, die sich an der Schildfeld-Benniner Straße mit ihrem wohl 300 Jahre alten Baumbestand entlangzieht;
ihr folgen die Eichenallee von Rodenwalde nach Goldenbow und die Roteichenallee Rodenwalde-Marsow.Banzin mit den im Herbste leuchtenden Blättern roten Blättern."

Viele Grüße

quellfelder

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Hy Quellfelder
Legenden.... leben zumeist nicht mehr ....die Linde in Alt-Polchow mit ihren stattlichen Ausmassen ... waren das nicht 1360 cm im Juni 2009... lebt sehrwohl.....
ist der pure Zufall, daß meine ganze Autobesatzung damals rote Jacken anhatten.... deswegen nenne ich das Foto auch das Rotjackenfoto....

Grueße vom Baumlaeufer
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2009_0606 572heller klein.jpg
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Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
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quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

danke für das Bild, ich hatte leider keine Abbildung auftreiben können.
Die Linde ist wirklich beeindruckend. Die Heimat hat auch ihre Schätze!

Viele Grüße

quellfelder

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

Weiter bericht Müller 1861 in „Das Alter der Bäume“ von einer Eiche in Frankreich:

Ein französisches Tageblatt (l’Etoile vom 4.Sept.1824) teilte mit, daß ein Holzhacker in den Ardennen eine alte Eiche zerhauen, in deren Stamme er einige Überreste von Opfergefäßen und samnitische Münzen fand.
Man glaubt, daß die Eiche aus den Zeiten stamme, wo diese Münzen gangbar waren, nämlich 276 Jahre vor Erbauung Roms, ferner glaubt man, daß der Baum damals 60-80 Jahre alt gewesen sein müsse und ungefähr 3600 Jahre erreicht habe.

Viele Grüße

quellfelder

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Das wäre dann wohl die älteste Eiche der Welt.

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

quellfelder hat geschrieben:Hallo,

....
Man glaubt, daß die Eiche aus den Zeiten stamme, wo diese Münzen gangbar waren, nämlich 276 Jahre vor Erbauung Roms, ferner glaubt man, daß der Baum damals 60-80 Jahre alt gewesen sein müsse und ungefähr 3600 Jahre erreicht habe.

Viele Grüße

quellfelder

M. E werden Eichen bei max. 1500 Jahre alt
meint Baumlaeufer
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Wobei kaum eine wirklich älter als vielleicht 600 Jahre ist...
Für mich klarer Fall von Legende, denn was ist die wohl über 9000jährige Fichte in Nordschweden? Ein Kümmerling auf einem Extremstandort, und auch die P. longaeva/ P. aristata werden ja nur auf ihrem kargen Standort so alt, weiter unten sind wesentlich geringere Alter erreicht...

Und wäre die Eiche so ein Mickerling gewesen, hätte sie sich weder als Opferaltar noch als was zum Zerhauen geeignet, glaube ich.

Grüße,
Andreas

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

ich zitiere nur aus der Literatur; aber schön, daß mitgemacht wird. Sicher hat der eine oder andere auch was beizusteuern. Schade, daß nicht immer ein Bild zur Hand ist.

1861 schreibt Müller weiter zu den Platanen:


Schon den Alten war es bekannt, daß dieser Baum Platanus orientalis einen außergewöhnlichen Umfang einnahm, und Plinius erwähnt eines solchen in Lycien, der mit der Zeit hohl geworden und inwendig einen Raum von 80 römischen Fußen hatte, in welchem der Consul Lycius Mutianus mit 21 Gästen Mahlzeit hielt.

Zu Bujukdure, drei Meilen von Constantinopel, befindet sich ein Platanus von 90 Fuß Höhe, dessen Stamm 150 Fuß Umfang hat. Der Stamm ist ausgehöhlt, das Alter jedoch unbekannt.

Zum Beweise der Hochachtung, welche die Alten vor diesem Baume hatten, wird erzählt, daß Xerxes, als er auf seinem Zuge von Persien nach Griechenland einen solchen Baum antraf, sein ganzes Heer, welches aus anderthalb Millionen Soldaten bestand, einige Tage still halten ließ, um die Schönheit desselben zu bewundern und er den Baum mit kostbaren Edelsteinen umhing.

Der berühmte schwedische Naturforscher Hasselquist sah auf der Insel Stanchio (vormals Cos) einen Platanus, welcher einen so großen Raum einnahm, daß unter seiner Krone mehr als 20 Häuser standen und seine 47 Zweige waren durch steinerne Pfeiler gestützt.

Einen schönen Sonntag wünscht

quellfelder

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb »

Na dann will ich auch mal ein Foto einer "Lebenden Legende" dazu einstellen.
Es ist die so genannte Matthias-Linde vor dem Schloss Bojnice in der Slowakei.
Der Baum ist knapp 700 Jahre alt, misst rund 10m, Stammumfang und ist dabei knappe 11m hoch und wie zu erwarten weit ausgehöhlt.
Diese Linde hat schon zu König Matthias Zeiten (vor 1480) einen stattlichen Baum abgegeben und ist damit einer der wichtigsten Bäume mit nationaler Bedeutung der Slowakei. Das Foto entstand beim Besuch des Schlosses im September 2012, wir haben eine Menge alter sehenswerter lebender Baumlegenden auch an anderen Orten gesehen. 8)
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Zuletzt geändert von Mahaleb am 11 Mär 2013, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

hy,

ich kann eine lebende Legende beitragen.

Die Bräutigamseiche in Dodau bei Eutin dient seit 1891 mit erfolgreicher Vorgeschichte als Heiratsvermittler im Dodauer Forst

mehr zu der Geschichte der Stieleiche und ein paar Bilder mit auch mit dem "Postkasten" in einer jahrhunderte alten Eiche hier auf meiner Homepage
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quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

schön, wenn ein Naturdenkmal so angenommen wird. Das nenne ich Liebe und Achtung.

@mahaleb: Tolle Linde! Wenigstens ein Zaun haben sie gezogen, obwohl sie doch selbst fast nichts haben. Aile Achtung!

Viele Grüße

quellfelder

Armin Sommer
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Beitrag von Armin Sommer »

Leider hab ich dazu auch kein Bild. Vuil eher handelt es sich um einen literarisch verarbeiteten Mord, in dem eine Buche auch Namensgeber dieser Milieustudie von "Annette von Droste-Hülshoff" ist.

Zitat aus Wikipedia:

Zwei Tage später wurde Soistmann Berend von seiner Frau an einer Buche im Wald erschlagen aufgefunden; in die Buche ritzte die jüdische Gemeinschaft des Ortes anschließend ein Zeichen in hebräischer Schrift ein. Um seiner Verhaftung zu entkommen, floh Winckelhan ins Ausland, wo er in Gefangenschaft geriet und versklavt wurde. Erst nach 25 Jahren kehrte er in seinen Heimatort zurück. Nachdem von einer weiteren Strafverfolgung aufgrund seines erlittenen Leides im Rahmen der Versklavung abgesehen wurde, gestand er den Mord. Winckelhan lebte fortan als Tagelöhner und Bettler und erhängte sich 1806 an der Buche, an der Soistmann Berend erschlagen aufgefunden worden war. Der Baum wurde zwei Jahre später gefällt. Winckelhan wurde trotz des Selbstmords auf Bitte des Drosten am 18. September 1806 in Bellersen katholisch beigesetzt.[3]

Annette von Droste-Hülshoff setzte diese Begebenheit literarisch um und entwickelte dazu eine Vorgeschichte, mit der es ihr gelang, „das Geschehen als Folge einer Störung der menschlichen Gemeinschaft darzustellen“ (Kindler).

Zitat Ende


Klar, es geht um die Judenbuche .


Grüße

Armin

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

ja, "Die Judenbuche" sollte man gelesen haben. Leicht und flüssig zu lesen.
Auch kein langatmiger "alter Schinken".

Aber vielleicht noch etwas über Eßkastanien von Müller, 1861:

Der größte, wahrscheinlich auch der älteste und berühmteste Kastanienbaum ist unzweifelhaft der vom Ätna, welcher nach Houel 160, nach Presl 180 Fuß Umfang hat. In Sizilien ist er bekannt unter dem Namen: Castagno di Centi cavalli (der Kastanienbaum von hundert Pferden). Es existiert nämlich eine Überlieferung, daß Johanna, Königin von Arragonien, als sie auf ihrer Reise von Spanien nach Neapel in Sizilien landete und den Ätna besichtigte, von einem Sturm überfallen in der Höhle dieses entsetzlich großen Baumes mit ihren 100 Reitern Schutz gefunden habe.

Viele Grüße

quellfelder

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