Tulpenbaum-Samen taub?

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Myricaria
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Tulpenbaum-Samen taub?

Beitrag von Myricaria »

Hallo Leute,

Nachdem ich jetzt im Februar frei habe von der Uni (studiere seit Herbst in Wien), hab ich wieder etwas Zeit, mich um Botanisches im elterlichen Garten zu kümmern ;)

Und zwar fällt mir schon länger auf, dass die Samen unseres Tulpenbaums taub zu sein scheinen. Liege ich damit richtig, dass der eigentliche Samen im Inneren des geflügelten Zapfenteils liegt und ca. 2-4 mm lang ist? Wenn ja, lässt sich dieser leicht zerdrücken und scheint eine leere Hülle zu sein. Zur Sicherheit habe ich schon viele Samen gesammelt und es scheint bei allen gleich zu sein.

Da der Liriodendron einhäusig ist, müsste eine einzelne Pflanze aber doch keimfähige Samen hervorbringen? Oder ist der Baum dazu vielleicht noch zu jung? (Unser Exemplar schätze ich auf ca. 10-15 Jahre).

LG.
Johannes
MvG,
Johannes

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Das habe ich auch an allen Tulpenbäumen beobachtet, die ich so sah.
Da diese alle im weiten Umkreis die einzigen ihrer Art waren, gehe ich einfach mal davon aus, dass Tulpenbäume selbststeril sind, und in dem Falle ist trotz aller Einhäusigkeit natürlich Essig mit fertilen Samen.

Dass sie trotzdem voll entwickelte Fruchtstände bilden, ist wohl auf eine Reizbestäubung mit eigenem Pollen zurück zu führen. Und fertile Samen wird man entsprechend wohl höchstens als Import aus USA bekommen, oder aus einem botanischen Garten, die ein paar Bäume der Art aus Sämlingsherkunft haben.

Grüße,
Andreas

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LCV
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Beitrag von LCV »

In unserer Gegend wird Liriodendron auch als Straßenbaum verwendet. Da sind ja auf jeden Fall mehrere nahe beieinander. Nach Samen habe ich allerdings nicht gesucht. Man kommt auch nicht so leicht heran.

quellfelder
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Beitrag von quellfelder »

Hallo,

mit Stecklingen sollte es eigentlich besser klappen, aber auch dieses hat bei mir nicht funktioniert.

Viele Grüße

quellfelder

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Vielen Dank für eure Infos! Ist schade, schließlich mache ich nichts lieber, als die garteneigenen Gehölze zu vermehren (beim Cornus kousa ist das beispielsweise bereits problemlos geglückt- leider sind mir die vier kleinen Sämlinge aber bereits alle entweder verfault oder erfroren...).
MvG,
Johannes

Nobby
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Beitrag von Nobby »

ich weiß ja jetzt nicht ob es wirklich weiter hilft,
aber in kaldenkirchen vor der sequojafarm stehen drei mächtige exemplare von tülpenbäumen, geschätz 30m plus.
deren samen keine hervorragend und wenn man in die farm rein darf oder kommt kann man am zaun in der hecke auch naturverjüngungen finden. den doetigen einfach fragen ob man die mit nehmen darf, ist glaube ichder herr geller.

lg nobby
Man kann einen Menschen immer aus dem Dreck ziehen, aber niemals den Dreck aus einem Menschen

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Ich probiere es schon seit 2-3 Jahren den Tulpenbaum über Samen zu vermehren und das ohne Erfolg, die Samen sind einfach alle taub und das ist auch bei einigen Saatgutanbietern der Fall. Habe nähmlich auch 2-3 mal Saatgut bestellt und nie ist was daraus geworden.

Die einzige Quelle wäre wie Kiefer schon gesagt hat Saatgut aus den USA.

Buck
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Beitrag von Buck »

Liriodendronssaatgut hat selbst vom Naturstandort nur eine Keimfähigkeit von 1% bis (bei ausgewählten Plusbäumen) 7-10%. Die Literaturangaben kann ich bestätigen, da selbstgsammeltes frisches Saatgut aus den Appalachen (North Carolina) nur 2% Keimfähigkeit aufwies. Stecklingsvermehrung deshalb sinnvoller, von jungen Pflanzen bzw von stark zurückgeschnittenen Pflanzen; Wurzelrisslinge aus dem Vermehrungsquartier sind auch möglich.
Schöne Grüße,
Buck

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Das ist sehr interessant. Geht es nach diesem, von Natur aus extrem niedrigen Anteil an keimfähigen Samen, könnte man aber mit einigem Glück auch von europäischen Exemplaren keimfähige Samen bekommen... liege ich da richtig?
Ansonsten werde ich mal die Stecklingsvermehrung ausprobieren. Ein kurzer Blick in den Bärtels und schon kanns losgehen ;-)
MvG,
Johannes

ApachePine
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Beitrag von ApachePine »

Gut, dass das Saatgut vom Naturstandort so eine schwache Keimquote hat habe ich nicht gewusst. Das reizt mich aber es weiterhin zu versuchen, denn ein Sämling wär dann irgendwie schon besonders :wink:

Myricaria
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Beitrag von Myricaria »

Habe gerade eine erfreuliche Entdeckung gemacht! Und zwar habe ich vorgestern so viele Tulpenbaumsamen wie möglich gesammelt, von unserem Exemplar im Garten. Genauer gesagt die geflügelten Fruchstände.
Ca. 200 Stück oder sogar mehr. Danach das ganze ins Wasser gegeben zum Vorquellen.

Jetzt "seziere" ich gerade die Fruchstände, löse die Samen vom umgebenden Flügel. Gleich bei einem der ersten habe ich versehentlich einen intakten Samen zerdrückt, man muss also aufpassen, dass man beim Herausschneiden- oder brechen der Samen keine keimfähigen kaputt macht. Aber es sind definitv fertile Samen dabei, wenn auch sehr wenige. Wenn man Pech hat, sind von 100 Samen 100 taub...
Von den ersten ca. 50 Samen waren bis jetzt 4 (vermutlich) keimfähige dabei.

Gelegentlich hängen die Samen auch außen am Fruchstand, am besten überprüft man, ob sie taub sind, indem man leichten Druck mit den Fingern ausübt oder sie ins Wasser gibt (die fertilen Samen sinken).

Es ist zwar aufwändige Kleinstarbeit, aber es lohnt sich scheinbar!

:)
MvG,
Johannes

Gata
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Wohnort: Spanien

Beitrag von Gata »

Ich habe gelesen, dass die Samen nach dem "Bad" kalt gestellt werden müssen, um zu keimen.
Guck mal hier:
http://www.sunshine-seeds.de/-span-clas ... 9346p.html

Myricaria
Beiträge: 1008
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Beitrag von Myricaria »

Frohe Botschaft: Es sind bereits die ersten drei Keimlinge sichtbar! Die Methode dürfte sich bewähren: Februar/Anfang März so viel wie möglich Zapfen sammeln (dadurch haben die Samen bereits eine natürliche Stratifikation hinter sich), keimfähige Samen raussuchen (kann recht zeitaufwendig sein), und für ein zwei Tage vorquellen.

Dann ab in ein mageres Substrat (habe Kokohum verwendet) und nach drei bis vier Wochen sollten die Ersten keimen!
:)
MvG,
Johannes

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Wow, meinen ehrlichen Glückwunsch. Wirklich toll :D!
Ich selber hatte diese Geduld nie ^^!

Myricaria
Beiträge: 1008
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Wohnort: Feldkirchen an der Donau, Oberösterreich

Beitrag von Myricaria »

Danke :)
Ach, soviel Aufwand isses dann auch wieder nicht. 2 Stunden sollte man halt einrechnen fürs "Entsamen" ;)
MvG,
Johannes

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