Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

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Naturfreund
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von Naturfreund »

Dein Archiv und Dein Wissen sind wirklich beeindruckend! Da haben die anderen schon recht! :)
Du wohnst ja in einer völlig anderen Region als ich. Ist die Vielfalt der Pilze am Totholz trotzdem in etwa gleich, egal, wo man wohnt? Sicher, es kommt auf die Böden an, was da wächst, wer sich dort wohlfühlt, aber könnte ich in etwa genauso viele Pilze wie Du oder z. B. quellfelder, wenn ich wüsste, wo sie sich verstecken... :wink:

Viele Grüße
Adelheid
Die Natur ist wie ein aufgeschlagenes Buch,
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Spinnich
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von Spinnich »

Hallo Adelheid,

ich denke es gibt schon Einflüsse auf die Zusammensetzung und Vielfalt der Pilze - auch an Totholz - bedingt durch die Artenvielfalt der Gehölze, die Niederschläge, Feuchtigkeit, Bodeneigenheiten, Temperaturniveau und Höhenlage.
In einem feuchtwarmen Mischwald mit einem Altbestand und mit diversen Biotopinseln (Lichtungen, Baumschluchten, Erlenbruch, moorigen oder sumpfig feuchten Flächen usw.) wird man sowohl bei den Mykorrhizapilzen, den Destruenten wie auch den paratitischen Pilzen die größte Vielfalt und Dichte finden.

LG Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Mir war vorher nicht klar, daß der Samtfuss Rübling helle und dunkle Stiele hat.
Der auf Ahorn hat dunkle Stiele.
Der auf Rosskastanie hat helle Stiele.
Kann das Holz da eine Rolle spielen oder ist es nur das Alter?
Speziell bei dem letzten Foto könnte ich nochmals hingehen.
Bei dieser jungen Linde sind alle Größen vom Rübling vertreten.
Gemeiner Samtfussrübling auf Ahorn
Gemeiner Samtfussrübling auf Ahorn
20210103_142029.jpg (150.54 KiB) 366 mal betrachtet
Gemeiner Samtfussrübling auf Rosskastanie
Gemeiner Samtfussrübling auf Rosskastanie
20210104_141122.jpg (359.27 KiB) 366 mal betrachtet
Gemeiner Samtfussrübling auf einer jungen Linde
Gemeiner Samtfussrübling auf einer jungen Linde
20210106_145533.jpg (161.39 KiB) 366 mal betrachtet
Grüße aus der Natur
ilex

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bee
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von bee »

Hallo Ilex,
meiner Meinung nach ist das eine Altersfrage. Das habe ich immer so festgestellt, aber auch so oft gelesen.

Hier noch mal gefunden (die ganzen Mikromerkmale sind für die Profis).
https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1675
Man kann sich aber merken, dass Flammulina elastica fm. longispora und Flammulina velutipes var. velutipes makroskopisch nicht zu unterscheiden sind - und beide kommen an "diversem Holz" vor und EDIT: Flammulina populicola ist kräftig gefärbt, kommt oft an Pappel vor ... aber nicht ausschließlich (Also es gibt bei dem äußeren Erscheinungsbild nur zwei EDIT: drei Arten, die in Frage kommen)
Diese haben diese relativ kräftig gefärbten Hüte gelb-orange bis rot und die Stiele, die erst hell sind (gelblich) dann bräunlich bis schwärzlich. Auf dem untersten deiner Bilder sieht man auch die beiden Stielfarben.

Hallo Adelheid,
Spinnich hat das alles ganz treffend gesagt!
Es gibt einige Pilze, die ein sehr breites Spektrum von Holz besiedeln, mit vielen Formen von Klima klar kommen und die eigentlich in jeder Region zu finden sind. Dann gibt es Spezialisten, die etwas heikler sind, die nur an eine oder zwei-drei Holzarten gehen. Manchen kommen eher in kühl-feuchtem Gebiet vor, aber es gibt auch Porlinge, die sonnige, warme Standorte bevorzugen.
Es gibt sehr seltene Arten, die nur in einem ursprünglichen kühlen regenreichen Wald mit extrem viel Totholz anzutreffen sind, wie z.B. die Zitronengelbe Tramete (im Bayrischen Wald oder im Schwarzwald) oder der Duftende Feuerschwamm.
https://www.nationalpark-bayerischer-wa ... /index.htm
https://nationalpark.blog/die-zitroneng ... itrinella/

Diese beiden Arten werde wahrscheinlich weder ich auf dem Dinkelberg noch du in Leverkusen oder im nahegelegenen Bergischen Land antreffen.

Andererseits gibt es bei mir (und wahrscheinlich auch bei dir ... Kölner Bucht) Pilze, die als thermophil bezeichnet werden. Vor ein paar Jahren hieß es "selten", inzwischen sind sie in Ausbreitung.
Die mutmaßliche Helle Borstentramete ist z.B. ein Pilz, der als thermophil bezeichnet wird und gerne in Auwäldern an Pappeln - eher im Flachland vorkommt.
http://aphyllopower.blogspot.com/2006/0 ... lasse.html
(Diese Seite ist sehr gut für Porenpilze und Krustenpilze auf Holz, der Autor Werner Pohl ist leider schon vor einigen Jahren verstorben - aber die Seite ist zum Nutzen von vielen Pilzinteressierten weiterhin online.)

Es ist also immer gut, auch im nächsten Umfeld verschiedenen Standorte "auszukundschaften", wie z.B. Bachtäler oder Auwald, Laubwald oder Nadelwaldanteile (bei mir selten). Für Pilze allgemein (nicht jetzt die auf Holz) sind auch große Parkanlagen und Friedhöfe mit altem Baumbestand gut. Interessant sind auch magere Wiesen (gibt es nur kaum noch) oder Renaturierungsgebiete mit speziellen Bodenverhältnissen (bei mir gibt es ein Kiesbiotop und einen "sekundären" Auwald , es ist kein ursprünglicher Wald).
Aber auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind - ich bin auch aus diversen Gründen max. ein paar Stunden unterwegs und mache keine Ganztagesausflüge in entferntere Regionen - kommen mit der Zeit doch einige Funde zusammen. Manche Pilze sieht man häufig, manche nur alle paar Jahre (!), manche scheinen verschwunden zu sein - aber bisher waren in jedem Jahr noch überraschende persönliche Erstfunde dabei.

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Zuletzt geändert von bee am 15 Jan 2021, 21:05, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße von bee

ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Vielen Dank bee, Du kennst dich gut aus und kannst es auch gut vermitteln.
Grüße aus der Natur
ilex

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bee
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von bee »

Ich habe oben im letzten Beitrag noch etwas verbessert, eine kräftig gefärbte Art hatte ich in dem verlinkten Schlüssel überlesen ...
Viele Grüße von bee

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Naturfreund
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von Naturfreund »

Danke Euch, für die Antworten.
So viele Pilze zu finden, wie manch anderer hier im Forum, da werde ich wohl eher weniger Glück haben... Da ich körperlich und was einen fahrbaren Untersatz betrifft (kein Auto) weniger beweglich bin, werde ich einige Ecken in der Nähe aufsuchen, wo ich bisher noch nicht gewesen bin. Nadelwald haben wir hier auch kaum. Ein paar stehen etwa 12 km von hier entfernt, das ist ein größeres Schutzgebiet mit einer etwas größeren Vielfalt. Dort hat in einem bestimmten Umkreis (eben die Nadelbäume) die Rote Waldameise einige Hügel in verschiedenen Größen angelegt.
Stimmt, wir sind ja noch Kölner Bucht (so gerade eben), da könnte ich sicher mehr Glück haben als bei meinen Eltern in Solingen...

Viele Grüße
Adelheid
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ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Naturfreund hat geschrieben:
12 Jan 2021, 08:56
So viele Pilze zu finden, wie manch anderer hier im Forum, da werde ich wohl eher weniger Glück haben...
Das dachte ich auch, und jetzt komme ich mit der Bestimmung nicht nach.
Stelle aber auch fest, dass sehr viele Vergleichsbilder einer Art sehr gut helfen.
Da hat bee den entscheidenden Hinweis geliefert.
Grüße aus der Natur
ilex

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Naturfreund
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von Naturfreund »

Dann hoffe ich, dass es mir auch so ergehen wird! :P

Viele Grüße
Adelheid
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ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Naturfreund hat geschrieben:
13 Jan 2021, 09:52
Dann hoffe ich, dass es mir auch so ergehen wird! :P
Sicherlich geht da noch was.
Ich bin immer nur zu Fuß unterwegs und habe heute was neues gesehen.
Nur 5min um ein paar Häuser und schon stand ich vor dem Pilz-Riff.
Jetzt mache ich mich an die Bestimmung. Könnte Hilfe gebrauchen.
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Grüße aus der Natur
ilex

ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Es ist wahrscheinlich die Schmetterlings Tramete.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schmetterlings-Tramete
Grüße aus der Natur
ilex

Yogibaer
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von Yogibaer »

Bin mir nicht sicher, ob das nicht sogar zwei verschiedene Arten, Ockertramete, Trametes ochracea, und Schmetterlingstramete, Trametes versicolor, sind. Sie sehen unterschiedlich aus wachsen aber auf dem gleichen Substrat. Das botanische Wort versicolor bedeutet zwar wechselfarbig aber ich weiß nicht, ob sich das auf den einzelnen Fruchtkörper oder auf die Art bezieht. Mal noch abwarten, was die Pilzexpertin bee dazu sagt.
Gruß Yogi

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bee
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von bee »

Hallo Ilex,
für mich sind das alles trotz der farblichen Unterschiede Schmetterlingstrameten, die extrem vielgestaltig sein können.
Problem dabei ist nur, ich kenne selbst keine Trametes ochracea, die bei mir nicht wächst - aber in Norddeutschland viel häufiger sein soll als die T. versicolor.
Verwirrend sind immer die jungen Pilze, die relativ hell sind und diese dicken Ansatzstellen haben. (Vor allem wenn man die jg. Pilze extrem nah zeigt, dann wirken sie so groß und "erwachsen".)

Aber sobald sie etwas gewachsen sind, sollte man sie gut unterscheiden können.
T. v. mit dunkleren Bändern (bis hin zu schwarz/ schwarz-blau), mit feinen Linien, ein Teil der Oberfläche in feinen Linien auch unbehaart (also nicht samtig, sondern da glänzend).
Ansatzstelle bei T.v. schmal und zum Ansatz hin tendenziell dünn (immer bei einigermaßen großen Pilzen, nicht bei Babies),
T.o. weniger stark zoniert, eher beige bis braune Farben, keine glänzenden Linien und zum Ansatz hin eher dicker und breiter angewachsen.

Hier hatte ein Pilzkundler mal Vergleichsfotos gezeigt, er kennt die Art im Gegensatz zu mir persönlich ;)
https://forum.pflanzenbestimmung.de/for ... t=Trametes

Das Gesagte bezieht sich auf die ersten drei Fotos, sind die letzten Fotos vom gleichen Holz? Ich würde es für die gleiche Art halten, aber in einem viel früheren Entwicklungsstadium. Da müsste man mal schauen, wie sie werden ....

EDIT: "zur Ansatzstelle dünn" muss ich besser erklären, weil da ist oft ein "dicker Knubbel" und das darf sein. Ich meinte im Gegensatz zu T. ochracea, die im Schnitt leicht dreieckig sein soll (der ganze Fruchtkörper nimmt in der Dicke zur Ansatzstelle hin zu).
Viele Grüße von bee

ilex2021
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von ilex2021 »

Hallo bee und Yogi,
vielen Dank für die sehr detaillierten Informationen, alles bringt mich weiter.
Meine Fotos zu den Trameten gehören alle zum gleichen Holz.
Ich habe nochmals viele Fotos angesehen und tendiere zu trametes versicolor.
Dieses schöne Trameten-Riff habe ich jetzt in meinen Rundgang aufgenommen.
Auf die detaillierten Hinweise von bee werde ich dann besonders achten.
Wenn man die Google Fotos auf den wissenschaftlichen Namen beschränkt bekommt man eine gute Auswahl.
Ich glaube damit kann man sehr gut vergleichen.

fungus trametes versicolor

fungus trametes ochracea
Grüße aus der Natur
ilex

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bee
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Re: Identifizierung von Totholz (oder: Holz+Pilz)

Beitrag von bee »

Mit der Zeit bekommt man auch ein Gefühl dafür, welche I-net-Seiten besonders gut sind - von passionierten (Hobby)-Mykologen oder auch internationale Seiten, wo eine größere Gruppe oder Organisation dahintersteht.
Es ist eben leider auch so, dass eine Reihe von Fotos, die man im Web findet, falsch zugeordnet sind.
Bei solchen Suchmaschinen-Übersichtsseiten kommt es auch hin und wieder vor, dass ein Bild als Suchergebnis erscheint, weil auf der entsprechenden Seite diese Art erwähnt oder gezeigt wird ... aber NICHT exakt mit diesem Bild.
Oft sieht man das erst, wenn man diese Seite aufruft.
Also immer schön kritisch bleiben :wink:


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Zuletzt geändert von bee am 15 Jan 2021, 21:19, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße von bee

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