Achselhaare
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wolfachim_roland
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Achselhaare
Seit einiger Zeit bearbeite ich mit Schülern im Rahmen von Jugend forscht
die Frage, warum viele Laubbäume auf der Blattunterseite in den Achseln Haare bilden.
In der Literatur findet man viel über solche Domatien - aber es gibt keine schlüssigen Beweise für die mannigfaltigen Theorien. Eine ausführliche Literaturübersicht kommt zu dem Schluß, daß es doch gar nicht nötig sei, nach dem Warum zu fragen. Die Haare (tufts) sind da und basta.
Interessant übrigens, daß - wohl aufgrund des warmen Wetters - noch am 1.12.06 auf Blättern der Sommerlinde lebende Milben zu finden waren.
Wer hat eine Ahnung, warum die Achselhaare wachsen??? (meist nur in den Achseln am Blattgrund, bzw. nur in den Primärachseln).
Gruß, Wolf
die Frage, warum viele Laubbäume auf der Blattunterseite in den Achseln Haare bilden.
In der Literatur findet man viel über solche Domatien - aber es gibt keine schlüssigen Beweise für die mannigfaltigen Theorien. Eine ausführliche Literaturübersicht kommt zu dem Schluß, daß es doch gar nicht nötig sei, nach dem Warum zu fragen. Die Haare (tufts) sind da und basta.
Interessant übrigens, daß - wohl aufgrund des warmen Wetters - noch am 1.12.06 auf Blättern der Sommerlinde lebende Milben zu finden waren.
Wer hat eine Ahnung, warum die Achselhaare wachsen??? (meist nur in den Achseln am Blattgrund, bzw. nur in den Primärachseln).
Gruß, Wolf
Wolf Roland
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Cryptomeria
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Hallo Wolf,
wie schon gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich habe an die letzten 2 Mio Jahre gedacht und mir die Tierwelt der Eiszeitalter durch den Kopf gehen lassen. Ganz viele hatten längere Haare zum Schutz gegen die Kälte. Vielleicht ist es bei Tilia auch ein Relikt aus früherer Zeit. Man müsste mal schauen in welcher Klimazone die Bäume mit diesen Härchen wachsen oder sich entwickelt haben. Gibt es diese im tropischen Klima auch ?
So als Idee, in der Literatur habe ich bisher noch nichts darüber gelesen.
Viele Grüße
Wolfgang
wie schon gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich habe an die letzten 2 Mio Jahre gedacht und mir die Tierwelt der Eiszeitalter durch den Kopf gehen lassen. Ganz viele hatten längere Haare zum Schutz gegen die Kälte. Vielleicht ist es bei Tilia auch ein Relikt aus früherer Zeit. Man müsste mal schauen in welcher Klimazone die Bäume mit diesen Härchen wachsen oder sich entwickelt haben. Gibt es diese im tropischen Klima auch ?
So als Idee, in der Literatur habe ich bisher noch nichts darüber gelesen.
Viele Grüße
Wolfgang
Der Schädlingsabwehr dienen normalerweise eher durch eingelagerte Kieselsäure verhärtete Haare (Borsten), wie sie beispielsweise bei der Sonnenblume oder den Boretschgewächsen (Boraginaceae) (--> Lungenkraut - Pulmonaria officinalis) auftritt.
Ansonsten dienen tote Haare dazu Wasserverluste durch die Schaffung eines luftzirkulationsberuhigten Raumes zu vermindern. Und dieser Wasserdampf wird im Normalfall durch die Spaltöffnungen auf der Blattunterseite abgegeben. Vor allem bei xeromorphen Pflanzen sind gerade deshalb die Schließzellen der Spaltöffnungen mit Haaren bedeckt.
Der dichte Haarfilz auf der Blattoberseite dient in erster Linie der Lichtreflektion, vor allem wenn er weißlich-silbrig schimmert. Das wird durch Luft erreicht, die durch die Haare festgehalten wird.
Ich hab aber noch einmal wegen den Achselbärten recherchiert: Diese dienen als Acarodomation (Milbenhäuser), wahrscheinlich so eine Art Symbiose.
Viele Grüße
Ansonsten dienen tote Haare dazu Wasserverluste durch die Schaffung eines luftzirkulationsberuhigten Raumes zu vermindern. Und dieser Wasserdampf wird im Normalfall durch die Spaltöffnungen auf der Blattunterseite abgegeben. Vor allem bei xeromorphen Pflanzen sind gerade deshalb die Schließzellen der Spaltöffnungen mit Haaren bedeckt.
Der dichte Haarfilz auf der Blattoberseite dient in erster Linie der Lichtreflektion, vor allem wenn er weißlich-silbrig schimmert. Das wird durch Luft erreicht, die durch die Haare festgehalten wird.
Ich hab aber noch einmal wegen den Achselbärten recherchiert: Diese dienen als Acarodomation (Milbenhäuser), wahrscheinlich so eine Art Symbiose.
Viele Grüße
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -
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Cryptomeria
- Beiträge: 9539
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Hallo Harztroll,
das finde ich sehr interessant mit den Milbenhäusern. Man findet doch jedes Jahr unzählige dieser roten oder gelben stiftförmigen Auswüchse an den Lindenblättern von den Gallmilben. Die Gallmilben saugen doch die Pflanzenzellen aus und die Pflanze wird durch Enzyme zu den Wucherungen angeregt. In dieser Galle lebt dann die Milbe. Wie sieht da die Symbiose aus? Es gibt allerdings auch noch Spinnmilben auf Tilia.
( Gallmilben - Eriophyidae - Spinnmilbenart Eotetranchus telarius ).
Viele Grüße
Wolfgang
das finde ich sehr interessant mit den Milbenhäusern. Man findet doch jedes Jahr unzählige dieser roten oder gelben stiftförmigen Auswüchse an den Lindenblättern von den Gallmilben. Die Gallmilben saugen doch die Pflanzenzellen aus und die Pflanze wird durch Enzyme zu den Wucherungen angeregt. In dieser Galle lebt dann die Milbe. Wie sieht da die Symbiose aus? Es gibt allerdings auch noch Spinnmilben auf Tilia.
( Gallmilben - Eriophyidae - Spinnmilbenart Eotetranchus telarius ).
Viele Grüße
Wolfgang
Ganz so vollständig finde ich das nicht. Wer kann die Frage nach der Symbiose beantworten? Gibt es wirklich "astreine" Schmarotzer, die nur nehmen und nicht geben? In der Pflanzen- und Tierwelt? Bei den Menschen gibt es das übrigens nicht: Keiner ist nutzlos, er kann zumindest noch als schlechtes Beispiel dienen.
Gruss
Kurt
Gruss
Kurt
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Cryptomeria
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Natürlich gibt es viele " astreine Schmarotzer" , wenn ich an die Läuse, Milben, Zecken , Spulwürmer, Bandwürmer usw. denke. Aber , wenn die Linde sogen." Milbenhäuser "für die Milben "einrichtet", müsste sie auch einen Nutzen haben. Welchen?? Und für welche Milben ( Gall- oder Spinnmilben ). Gallmilben scheinen mir mit ihren Gallen eher Schmarotzer. Die Lebensweise der Spinnmilben kenne ich leider nicht, weiß nur, dass sie im Herbst den Baum herunterwandern, um in der Rinde zu überwintern.
Wolf, du hast doch geschrieben, dass jetzt ( am 1.12.) noch Milben auf den Blättern saßen. Das waren sicher Spinnmilben, was weißt du darüber???
Viele Grüße
Wolfgang
Wolf, du hast doch geschrieben, dass jetzt ( am 1.12.) noch Milben auf den Blättern saßen. Das waren sicher Spinnmilben, was weißt du darüber???
Viele Grüße
Wolfgang
Bei der Frage mit der Symbiose häng ich auch noch ein bissl hinterher...Ich denk mal diese Gallmilben oder die Lindenspinnmilbe können wir ausschließen. Ich glaub mich auch daran erinnern zu können, daß mein Botanikprofessor davon berichtet hat...aber was hat er er nur gesagt? 
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -
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wolfachim_roland
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Die Milben, die ich am 1.12. gesehen habe, waren weiß, d.h. keine Spinnmilben, sondern eher Raubmilben - auch wegen der annähernd sechseckigen Form. Allerdings fragt man sich, wovon die jetzt noch leben.
Die gegen Ende roten Spinnmilben sollen schon im August nach unten ins Laub abwandern. Ausserdem brauchen sie ja wohl keine Domatien des Blattes, da sie selbst Gewebe spinnen, um sich zu schützen(?).
Die weißen Milben saßen meist auf dem Blatt, eine aber auch genau in der Achsel unter einigen Haaren.
Es gibt viele Theorien zur Bedeutung der Domatien: eine besagt, daß sie den Raub-Milben Schutz bieten. Diese fressen dafür die schädlichen Pflanzensaft-Sauger.
Andere behaupten, daß die Milben das Blatt schützen, weil sie Pilzsporen fressen (?).
Übrigens gibt es bei der holländ. Linde ja keine Achselhaare - und sie gedeiht auch prächtig.
Es soll überall solche Achselhaare geben bei über 2000 Gehölzarten - in allen Ländern. Ich habe sie hier bei Kastanie, Rot-Eiche, Buche, Hainbuche, Kirsche und natürlich Linden gefunden - sicher gibt es auch bei uns noch mehr Pflanzen mit Achselhaaren.
Jedenfalls ist die Frage der Domatien ungeklärt, weshalb wir sie in Jugend forscht untersuchen.
Ich freue mich über weitere Anregungen.
Gruß, Wolf
Die gegen Ende roten Spinnmilben sollen schon im August nach unten ins Laub abwandern. Ausserdem brauchen sie ja wohl keine Domatien des Blattes, da sie selbst Gewebe spinnen, um sich zu schützen(?).
Die weißen Milben saßen meist auf dem Blatt, eine aber auch genau in der Achsel unter einigen Haaren.
Es gibt viele Theorien zur Bedeutung der Domatien: eine besagt, daß sie den Raub-Milben Schutz bieten. Diese fressen dafür die schädlichen Pflanzensaft-Sauger.
Andere behaupten, daß die Milben das Blatt schützen, weil sie Pilzsporen fressen (?).
Übrigens gibt es bei der holländ. Linde ja keine Achselhaare - und sie gedeiht auch prächtig.
Es soll überall solche Achselhaare geben bei über 2000 Gehölzarten - in allen Ländern. Ich habe sie hier bei Kastanie, Rot-Eiche, Buche, Hainbuche, Kirsche und natürlich Linden gefunden - sicher gibt es auch bei uns noch mehr Pflanzen mit Achselhaaren.
Jedenfalls ist die Frage der Domatien ungeklärt, weshalb wir sie in Jugend forscht untersuchen.
Ich freue mich über weitere Anregungen.
Gruß, Wolf
Wolf Roland
Ich hab hier grad mal etwas Interessantes zu den Milben (Spinnmilben/Raubmilben) gefunden: http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?i ... 686323.pdf "Zur Bedeutung räuberischer Antagonisten fur die Populationsdynamik der Lindenspinnmilbe Eotetranychus tiliarium im städtischen Grün", eine Doktorarbeit
Ich sehe mich nach der Vergangenheit um, die ist verworren und finster wie ein abendlicher Wald, und die Zukunft ist ein Abgrund, voll von Nebel. - Löns -
Hallo,Harztroll
Erst x haben mir Deine kompetenten Antworten die Sprache verschlagen. Aber Härchen auf der Blattspreite sind was anderes,als in der Blattachsel.
Wahrscheinlich haben sie auch eine andere Bedeutung,bzw.Zweck. Oder etwa nicht?Könnte ja sein,sie sind nur Rudimente von ehemals gänzlich behaarten Blattstielen und Blattspreiten?Also phylogenetische Relikte?
Werde nochx ein bisschen googeln unter Phyllobiologie,wenn ich heute Abend wieder Zeit habe. Bis dann Uli
Erst x haben mir Deine kompetenten Antworten die Sprache verschlagen. Aber Härchen auf der Blattspreite sind was anderes,als in der Blattachsel.
Wahrscheinlich haben sie auch eine andere Bedeutung,bzw.Zweck. Oder etwa nicht?Könnte ja sein,sie sind nur Rudimente von ehemals gänzlich behaarten Blattstielen und Blattspreiten?Also phylogenetische Relikte?
Werde nochx ein bisschen googeln unter Phyllobiologie,wenn ich heute Abend wieder Zeit habe. Bis dann Uli
Hallo,Harztroll
Erst x haben mir Deine kompetenten Antworten die Sprache verschlagen. Aber Härchen auf der Blattspreite sind was anderes,als in der Blattachsel.
Wahrscheinlich haben sie auch eine andere Bedeutung,bzw.Zweck. Oder etwa nicht?Könnte ja sein,sie sind nur Rudimente von ehemals gänzlich behaarten Blattstielen und Blattspreiten?Also phylogenetische Relikte?
Werde nochx ein bisschen googeln unter Phyllobiologie,wenn ich heute Abend wieder Zeit habe. Bis dann Uli
Erst x haben mir Deine kompetenten Antworten die Sprache verschlagen. Aber Härchen auf der Blattspreite sind was anderes,als in der Blattachsel.
Wahrscheinlich haben sie auch eine andere Bedeutung,bzw.Zweck. Oder etwa nicht?Könnte ja sein,sie sind nur Rudimente von ehemals gänzlich behaarten Blattstielen und Blattspreiten?Also phylogenetische Relikte?
Werde nochx ein bisschen googeln unter Phyllobiologie,wenn ich heute Abend wieder Zeit habe. Bis dann Uli
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Cryptomeria
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Hallo Wolf,
wenn du am 1.12. die weißen Raubmilben noch gesehen hast, wäre es denkbar, dass in den vergangenen Tausenden von Jahren diese Haare das Kleinklima in frostigen Zeiten für die Raubmilben verbessert haben und diese ihnen natürlich auch Schutz bieten vor milbenablesenden Vögeln ( vielleicht auch Insekten ).
Aber diese Theorie hast du bereits erwähnt.
Sitzen auf der holl. Linde auch Milben ????
Wenn die 2000 Gehölzarten alle in ähnlicher Klimazone vorkommen, könnte es vielleicht doch auch ein Hinweis auf die letzten Eiszeiten sein. Bei kürzerer Vegetationszeit - Verbesserung des Kleinklimas am Blatt und eventuell längere Blattaktivität, da vielleicht Assimilation länger möglich.
Wie auch immer, ich bin sehr gespannt, was ihr herausfinden werdet.
Viele Grüße und vor allem viel Spaß bei der Erforschung
Wolfgang
wenn du am 1.12. die weißen Raubmilben noch gesehen hast, wäre es denkbar, dass in den vergangenen Tausenden von Jahren diese Haare das Kleinklima in frostigen Zeiten für die Raubmilben verbessert haben und diese ihnen natürlich auch Schutz bieten vor milbenablesenden Vögeln ( vielleicht auch Insekten ).
Aber diese Theorie hast du bereits erwähnt.
Sitzen auf der holl. Linde auch Milben ????
Wenn die 2000 Gehölzarten alle in ähnlicher Klimazone vorkommen, könnte es vielleicht doch auch ein Hinweis auf die letzten Eiszeiten sein. Bei kürzerer Vegetationszeit - Verbesserung des Kleinklimas am Blatt und eventuell längere Blattaktivität, da vielleicht Assimilation länger möglich.
Wie auch immer, ich bin sehr gespannt, was ihr herausfinden werdet.
Viele Grüße und vor allem viel Spaß bei der Erforschung
Wolfgang