Nachdenkliche Frage...

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Andreas75
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Nachdenkliche Frage...

Beitrag von Andreas75 »

Hallo, liebe Mit- Baumkundler!

Heute wende ich mich mal mit einem Thema an Euch, zu dem ich gerne Eure Meinung hören würde, und zwar ist die Grundessenz des ganzen:

Pro Baum um jeden Preis? Hat das Sinn und lohnt sich das/ hat das Aussicht auf Erfolg?

Ich arbeite nun seit Anfang September in einer ganz kleinen Gartenbaufirma (incl. mir drei Mann) direkt hier im Ort (super glückliche Fügung soweit).
Wir fahren im weiteren Umkreis um unseren Ort zu verschiedenen Aufträgen von zumeist Privatleuten, aber auch Gemeinden.

Zu allermeist handelt es sich bei den Arbeiten um Schnittarbeiten, und gerade da habe ich Sachverhalte angetroffen, und treffe ich Sachverhalte an, die mich wirklich nachdenklich machen, und in obiger Frage gipfeln.

1. Es ist wirklich erschreckend, wie gärtnerisch ambitionslos ca. 90 % der Leute sind. Sie haben teils die verschiedensten Sachen gepflanzt, und ohne völlige Rücksicht auf Wuchseigenschaften, Blüten-/ Frucht- oder sonstigen eigentlichen Zierwert des Gehölzes gilt in der Regel eines: Hausmeisterschnitt.
Einfach rund oder ein Ei draus schneiden, fertig!
Egal, ob Baum oder Strauch, wenn zu groß geworden rund schneiden, aus die Maus...

2. Nicht wenige Leute haben entweder schön gewachsene und mitunter alte Solitäre schöner Gehölze im Garten, oder aber junge Gehölze, welche bereits über gute Ausgangsposition zu schönen späteren Solitärs verfügen.
Und dennoch herrscht beinahe ausnahmslos die Maxime:
Was zu groß wird, muss entweder weg oder wird wie gehabt zum Ei geschnitten...

Ich finde dabei vor allem diese Gedankenlosigkeit so erschreckend...
Da hat eine ältere Frau eine Tsuga canadensis im Garten, die seit 50 Jahren da steht und ein wunderschöner ausladender und großer Solitär ist. Und weil so wenig Licht in die Küche kommt, wird völlig leidenschaftslos verlangt, dass mindestens der halbe Baum ab soll, besser aber der ganze, wegen der Nadeln und Zapfen jedes Jahr...

Oder ein anderer Fall, wo Leute eine wunderschöne, kerngesunde und absolut voll gewachsene Blutpflaume im Hintergarten hatten. Die war ihnen zu groß geworden, also sollte sie auf die Hälfte abgesetzt werden, tja, verlangt, getan, und nun ist der einstmals so selten schöne Baum nur noch so eine arme versaute Krücke, wie so viele andere Blutpflaumen auch. Nächstes Jahr wird sie wie die Wilde Langtriebe in der Krone bilden, und der Baum ist dahin auf alle Zeiten, nur noch pflegeintensiv einigermaßen ansehnlich zu halten, und das Ende vom Lied wird wieder sein: Weg damit...

Oder aber die Leute pflanzen völlig willkürlich alles mögliche kreuz und quer, wundern sich nach ein paar Jahren, dass ja alles "so grooooß geworden" ist, und schneiden es, um den Platz zu wahren, alles rund und zu Eiern, und auch hier das Ende vom Lied, die Sachen müssen dann rausgerisse werden, weil's einfach nur noch Sch... aussieht...
Keinerlei Ansätze von standortgerechter Gehölzverwendung, bzw. dem Ansatz einer dem Standort entsprechenden Sortenauswahl...

Es gibt nicht erst seit heute von vielen vielen Gehölzen Zwergformen oder kleinere, ähnliche Arten, aber dennoch wird das größte gepflanzt, bei Nichtpassen die Pflanze per Schnitt vergewaltigt, und sich dann allen Ernstes gewundert, dass ja die Hortensien/ Weigelien, Forsythien schon seit Jahren nur noch ganz ganz schlecht blühen, die müssten also raus und mal neue rein...
Das geilste Beispiel von gärtnerischer Ignoranz war neulich ein Spitzahorn (!), der allen Ernstes zu einem knapp 3 m hohen, schmalen Zuckerhut geschnitten worden war...

Ehrlich, es wird erst gepflanzt, gedacht irgendwann eventuell Jahre später, und das Ende vom Lied ist eigentlich immer, dass die Gehölze dann durch Schnitt erst richtig vergewaltigt werden, oder aber nach Jahrzehnten "raus damit" sollen...
100 m² penibel gemähter Rasen und mittendrin ein Kugelahorn (der ohnehin schon nicht groß wird), und dennoch wird der jedes Jahr zur perfekten Kugel geschnitten, damit nicht soviel Laub fällt und nicht alles so zuwuchert...

Liebe Mit- Foristi, Ihr könnt mir glauben, dass mir mehr als oft ein ganz dicker Klops ob solcher gärtnerischen Ignoranz, Ambitionslosigkeit und beinahe Doofheit im Halse steckt...
Sicher können sich ältere Leute nicht mehr so kümmern, da kann man es ja verstehen, wenn alles pflegeleicht sein soll. Aber junge oder mittelalte Leute, die mitten im Leben stehen? Haben seit zig Jahren einen Riiiesengarten, pflanzen nett aussehende Sachen, aber wenn die dann oh Wunder zu groß werden: Ganz emotionslos wird da die absolute Verstümmelung angeordnet, oder kurz und knapp "Raus damit", und statt der bepflanzten Flächen Folie und Kies drauf, und fertig ist der Lack...

Es wäre doch so einfach, mittels bedachter Sortenwahl auf lange Zeit hinaus schöne und dennoch pflegeextensive Bepflanzungen zu schaffen, aber das wird nie getan, irgendwie...

Und darum frage ich wirklich: Lohnt sich diese relativ radikale Einstellung "Pro Baum", die hier im Forum ja auch große Maxime ist, überhaupt, oder, ganz ehrlich, machen wir uns da nicht selber was vor? Mache ich mir da nicht selber was vor?
Was haben wir Handvoll Leute von unserer Einstellung, wenn den restlichen 95 % der Bevölkerung Bäume/ Gehölze und deren fachgerechte und damit langfristig ersprießliche Pflege und Verwendung mal eben nachgerade am Arsch vorbeigeht?

Es soll immer alles einfach, schnell und billig sein, also wird das Standardsortiment gepflanzt. Die reichlich vertretenen Sorten existieren zwar, sind aber meistens viel teurer als die simplen Arten, also bleiben die Sorten außen vor, Hauptsache billig...
Dass aber durch die Pflege und am Ende komplette Neuanlage die Kosten um vielfaches höher sind, als hätte man gleich eine vernünftige, wenn auch teurere Sortenauswahl getroffen, das sieht keiner...

Ganz ehrlich:
Lohnt sich "Pro Baum", oder ist das einfach nur eine Spinnerei von ein paar Ewig- Verblendeten, mich eingeschlossen?

Ich für meinen Teil werde es mir wohl oder übel abgewöhnen müssen, zu denken und mich immer wieder zu ärgern und mir angewöhnen müssen, einfach nur zu machen und fertig...
Die Leute wollen es nicht anders, scheint es, und obwohl das weh tut, was bleibt einem anderes übrig?
Wenn ich schon die Klageseufzer höre, dass die Weigelien ja schon seit Jahren nicht mehr blühen (sie aber auch seit ebensovielen Jahren immer fein zur Kugel geschnitten werden im Herbst, weil ja so gleichmäßig und platzsparend), und da sicher mal neue reinmüssen, da will ich einfach nur brüllen und meinen Kopf gegen den LKW hauen, bis ich lache.
Soviel Ignoranz und Unwissenheit kann doch nicht sein bei einem langjährigen Gartenbesitzer, oder?

Wie seht Ihr das, speziell die aus der gärtnerisch- pflegenden Berufssparte?
Soll ich weiterhin als einzige weiße Krähe inmitten tausender schwarzer die "Pro Baum"- Flagge gehisst halten, oder soll ich geistig resignieren, und wirklich einfach nur noch stumpf reagieren und den Leuten eben geben, was sie wollen?
Letzteres wäre für mich und meinen Job sicherlich wesentlich gesünder. Aber ist Beratung und langfristige Zufriedenstellung des Kunden nicht auch meine Pflicht?
Sicher, so kann man nicht jedes Jahr beim selben Kunden sein sicheres Geld verdienen, aber da als gelernter Landschaftsgärtner so eine leidenschaftslose Karütze abzuliefern, die jeder Schimpanse ebenfalls so hinbekäme, das verstösst wirklich gegen meine innere Überzeugung!
Ich habe gelernt, Gehölze langfristig pflegeextensiv und standortgerecht "anzuwenden", und bin von daher wirklich in einem inneren Widerstreit der allerfeinsten Güte.

Könnt Ihr mir da irgendwie hilfreiche Antworten liefern, was ich tun soll? Resignieren und schlucken, oder weiterhin die Illusion (so kommt es mir ehrlich langsam vor) "Pro Baum" hochhalten :cry: ?

Danke für Eure Zeit, das Lesen und eventuelle Tipps!

Andreas

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo Andreas,

gegen Ignoranz ist kein Kraut gewachsen. Niemand kann die Welt retten. Also bleibt nur, im Einzelfall evtl. einen kleinen Erfolg zu haben. In unserer Stadt hat man eine Bestandsaufnahme der schützenswerten Bäume gemacht und dann tatsächlich ca. 300 Bäume unter Schutz gestellt. Bevor da jemand dran herumschnippelt oder sie fällt, müssen Fachleute die absolute Notwendigkeit bescheinigen. Was Privatleute in ihrem Garten machen, ist natürlich immer auch eine zweischneidige Sache. Wenn eine örtliche Baumschutzverordnung z.B. das Fällen von Bäumen ab Stammdurchmesser XY verbietet, hat man festgestellt, dass viele Leute die Bäume einfach mal fällen, bevor dieses Maß erreicht ist oder lieber keinen Baum pflanzen, weil "man den sonst nicht mehr los wird". Der Privatmann hat in der Regel kein Fachwissen, kauft einen Zwergahorn im Baumarkt, der sich dann als Mogelpackung erweist und richtig groß wird. Hier auf dem Gelände hat irgendein "Vollpfosten" vor Jahren eine Koreakiefer gepflanzt - 50 cm Abstand zur Hauswand! Der Baum wuchs natürlich etwas behindert und erreichte irgendwann die Dachkante. Also wurde er gefällt. Es wäre durchaus Platz gewesen, den Baum an geeigneter Stelle zu pflanzen. Es gibt jede Menge netter Sträucher (Forsythia, Spirea, Hibiskus, Aucuba, Weigela, Kolkwitzia, Euonymus, Taxus etc.). Hin und wieder kommt so ein Typ mit der Motorsäge und kann sich nicht mehr bremsen. Der hat die Gehölze schon so verstümmelt, dass sie 2 Jahre nicht mehr geblüht haben. Um noch schneller und besser mit dem großen Rasenmäher Rallye fahren zu können, werden auch Sträucher ohne Not herausgerissen. Wo der große Eumel nicht fahren kann, wird Rindenmulch aufgetragen und panaschierter Kirschlorbeer gepflanzt (Standard bei einigen "Gestaltern"). Sieht zum K... aus. Eine große Blutpflaume mitten auf einem größeren Rasenstück (ca. 15 x 15 m) hat man gefällt, damit man besser Rasen mähen kann. Dafür kommen jetzt auf der ganzen Fläche die Ausläufer heraus.

Was wir "Spinner" tun können? Wir könnten uns an die jeweiligen Lokalblättchen wenden und dort etwas über diese Dinge berichten. Die sind oft dankbar, wenn sie redaktionelle Beiträge bekommen. Wer sich besonders gut auskennt, kann auch Gartenbesitzern Beratung anbieten bzw. wenigstens auf das Forum hinweisen, dass man VORHER mal fragt, was geeignet ist, was man beachten muss, Abstand zur Grundstücksgrenze, hebt es die Terrasse hoch, Klima, Boden, Standort bezüglich der Lichtverhältnisse usw. Wenn man dann wenigstens ein paar Leute für die Sache sensibilisieren kann, wäre das besser als nichts.

Gruß Frank

biloba
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Beitrag von biloba »

Hallo Andreas,

es ist gut, dass du dir über solche Fragen Gedanken machst. Mir geht es manchmal ähnlich.


LCV hat geschrieben:Wenn eine örtliche Baumschutzverordnung z.B. das Fällen von Bäumen ab Stammdurchmesser XY verbietet, hat man festgestellt, dass viele Leute die Bäume einfach mal fällen, bevor dieses Maß erreicht ist oder lieber keinen Baum pflanzen, weil "man den sonst nicht mehr los wird".
Schlimmer noch! Man muss bis zu drei Neue pflanzen, die natürlich von Anbeginn unter Schutz stehen und wachsen. Irgendwann würde der Garten zwangsläufig zum Wald. Und wenn kein Platz mehr ist, kommt der große Moment, an dem die Stadt selber kassieren kann.

Weiterhin ist ganz sicher nicht jedes Gehölz schützenswert. Annähernd so viel Holz, wie jährlich nachwächst, sollte sowohl in Gärten, als auch in einer Stadt legal einschlagbar sein.


Ja und dann kommen noch Leute daher, die alle wirklichen Baumschützer diskreditieren, indem sie wegen des St.Florians-Prinzips irgendwelche Baumaßnahmen torpedieren wollen. Dabei ist ihnen die Baumschutzsatzung eine sehr willkommene Waffe.
Hier ist einer von ihnen. Eine seit Jahren wegen schwierigen Eigentumsverhältnissen zu gewucherte Brachfläche wird kurzerhand zum "Luboldt Garten" benannt. Neben einzelnen Bäumen aus der Zeit von Luboldt haben es inzwischen auch zahlreiche Eschenahorn und dergleichen Wildanflug zu einer Größe geschafft, die ihnen lt. Baumschutzsatzung einen geschützten Status zubilligt. Der Autor dieses Beitrages hat auf dieser Fläche "bisher 105 Bäume kartiert (noch nicht fertig), für welche nach der Baumschutzsatzung bei Fällung eine Ersatzpflicht besteht". Ein musterhafter Baumschützer!!! Seine wahren Motive werden erst weiter hinten im Thema deutlich.


Nun ja, wir wissen, dass Andreas nicht zu dieser Sorte Baumschützern gehört. Aber sofern sich Zeit und Gelegenheit bietet, kann er den betreffenden Gartenbesitzern ja anbieten, dass sie eine passende Beratung über eine sinnvolle Bepflanzung von ihm bekommen. Denn ich vermute mal, dass bei 95% oder mehr Leuten lag einfach Unkenntnis vor. Kaum jemand wird wohl vorsätzlich die unpassenden Gehölze gepflanzt haben, um sie hinterher so zu verstümmeln.


Grüße!

Ginkgo bil
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Beitrag von Ginkgo bil »

Hallo Andreas,

auch ich bin schon seit 30 Jahren mit diesem Thema konfrontiert.
Formschnitte in allen Formen und für alle Gehölze sind aktuell.

Formgehölze und Schnitte werden vor allem mit Heckenscheren
gemacht.Diese sogenannten "Hausmeisterschnitte" sind sehr beliebt.
Sie sind schnell und sehen im Moment gut aus.
Das aber die Pflanzen vergreisen und so stark verholzen,spielt
keine Rolle-
Da man die Bäume nicht mit der Heckenschere schneiden kann,
werden sie gefällt.
Ein Erhaltungs- bzw. Verjüngungsschnitt sind vielen unbekannt.

Neuster Trend:Schneiden der Gehölze bevor der Laubfall kommt.
Das Laub ist schon entsorgt,bevor es Arbeit macht
und den Nachbarn stört(ärgert).
(Möglichst rund oder eckig)

Gruss Klaus

Andreas75
Beiträge: 3995
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo Klaus!

Jap, genau so einen Fall hatten wir topaktuell, von wegen Schneiden, bevor es Laub gibt.
Einerseits kann man es in dem Fall verstehen, da alleinstehende alte Dame, aber selbst meinem Chef schlug das auf den Magen. Eine Magnolie, durch vorherige Schnitte überreich mit einjährigen Langtrieben besetzt, aber durchaus auch einigen Knospen.
Wollte sie komplett runtergeschnitten haben, um kein Laub zu haben, beschwert sich aber andererseits über die vielen Knospen, die mitfielen...
Wir haben ihr dann vorgeschlagen, die drei Bäume (Magnolie, Zierkirsche und roter Spitzahorn, alle gleichermaßen vergewaltigt) nächstes Jahr ganz abzusägen.
Womit die gute Frau dann gar kein größeres Gehölz mehr hätte, nur noch Rasen rings ums Haus sowie ein schmales Beet an der Einfahrt mit ein paar ebenfalls penibel klein gehaltenen Ligustern, Bergkiefer und Stauden...

Nun ja, was Bäume angeht, so haben wir nen Rucksackgerät von der Firma mit den orange- weißen Geräten, mit 'nem aufsteckbaren Heckenscherenaufsatz. Damit (und mit Leiter) lassen sich auch bis 5 m hohe Bäume (zB Tsuga) in perfekte Ostereier verwandeln...

Ganz ehrlich, ich habe kapituliert, und sage mir jetzt: Was die Leute wollen, sollen sie auch kriegen!
Ist zwar bitter, aber ist besser für meine Nerven, und zu oft sabbelt man doch gegen eine Wand, wenn man erklären will, warum anderer Schnitt, bzw. Schnitt je nach Pflanzenzweck und Jahreszeit besser wäre...

Grüße, Andreas

kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo Kiefer

Du bist ganz nah an der Lösung deines Problems. Schau zu, dass du im Beruf dein Geld verdienst und pfeif dort auf deinen Idealismus. So habe ich das zumindest gemacht. Investiere den Idealismus in deine Freizeit, d.h. in dein eigenes Land, das du jetzt ja hast. (Kauf noch was dazu, wenns möglich ist.) Das bringt dir und der Natur mehr als ein Kampf gegen Windmühlen.

Gruss
Kurt

harty
Beiträge: 44
Registriert: 06 Jun 2009, 18:48
Wohnort: Mannheim

Beitrag von harty »

Hallo Andreas,
den letzten Beitrag (Kurt) kann ich nur unterstreichen. Du kannst aber Deinen ersten Beitrag (28.9.) einmal in Hausgarten.net stellen.
Ich bin gespannt auf die Reaktion.

Wildrose
Beiträge: 226
Registriert: 03 Mai 2011, 00:08
Wohnort: Rhein-Main-Gebiet

Beitrag von Wildrose »

Lieber Andreas,

ich finde es gut, daß Du an den genannten Mißständen Anstoß nimmst!
Nur so kann sich etwas zum Besseren hin verändern.

Ich habe einen Freund, der seine Meinung zu ähnlichen Mißständen immer sehr unverblümt und oft ironisch zur Sprache bringt (auch seinen Kunden gegenüber) und damit sehr erfolgreich ist.

Als ich als Schüler bei einem Gartenbauer ausgeholfen habe, wollte ein Kunde, daß wir 3 sehr schön gewachsene und reich fruchtende Hulste (Ilex aquifolium) roden. Ich konnte ihn davon überzeugen, die Hulste (jedenfalls viele Jahre lang) stehenzulassen.

Inzwischen arbeite ich im naturnahen Gartenbau und da gibt es solche Pflanzenmißhandlungen nicht. Wir verwenden standortgerechte heimische Pflanzen und gehen bei der Planung von deren Alters-/Endwuchsgröße aus, so daß später im Idealfall die Pflanzen einfach frei wachsen können.

Pflanzenfreunde wie Du sollten sich lieber nicht dazu degradieren lassen, "Hausmeisterschnitte" zu machen, sondern ihr Fachwissen und ihre Pflanzenliebe sinnvoll dafür verwenden, es besser zu machen und anderen die Augen zu öffnen.

Wenn Fehler gemacht wurden (Baum viel zu dicht an Hauswand usw.) lassen sich schmerzliche Eingriffe leider nicht vermeiden (die Du wohl leider oft ausführen mußt), aber die Verantwortung dafür müssen andere tragen, nicht Du. In solchen Fällen suchte ich persönlich eine nachhaltige Lösung, also lieber fällen und sinnvoll ersetzen als jahrelang dran herumkrotzen.

Gute Nacht
Wildrose

werner
Beiträge: 45
Registriert: 27 Feb 2006, 09:36
Wohnort: U-feld (Thüringen)

Beitrag von werner »

Guten Abend,

ja der alltägliche Wahnsinn in deutschen Vorgärten. Manchmal lustig, teils erschreckend aber kein Grund in eine Sinnkrise zu verfallen. :-)

Der Hauptgrund für die manchmal wilde Pflanzenwahl und die teils verwegenen Schnitte ist doch größtenteils Unwissenheit und somit ein durchaus therapierbarer Zustand.

Viele interessieren sich nicht sonderlich für Wuchshöhen und Bodenansprüche ihrer Gehölze, sind botanisch wenig bewandert und somit nahezu hilflos den Angeboten unserer Baumschulen und Gartenzenter ausgeliefert und was auf den kleinen Zetteln da so alles draufsteht ist teilweise jenseits von Gut und Böse mein Urweltmamutbaum sollte nur zwischen 5-7 m hoch werden –da hab ich so meine Zweifel.

Wie oft sieht man einen stolzen Hausbesitzer der im Vorgarten eine schöne Reihe Gehölze gepflanzt hat, eine Forsythie, als Sommerblüher noch eine Weigelie und für den Herbst ein Pfaffenhütchen dazwischen noch ein Rhododendron und der Mann ist stolz wie Oskar-hat alles richtig gemacht und das RundumdasJahrSorglospaket seines Baumarktes günstig erworben.

Das Problem ist, alles steht in ein schmales Bett neben dem Weg zur Haustür, vermutlich noch auf schönsten Kalkboden und mit 1m Pflanzabstand.

Und dann stellt er fest: so richtig wächst der Rhododendron nicht und der Weg zur Haustür wird auch immer schmaler - deshalb greift man beherzt zur Heckenschere und verwandelt die übrig gebliebenen Büsche, in die hier schon beschriebenen formschöne Kugeln oder gestaltet wahlweise die ganze Hecke als Kastenprofil.
Und trotz regelmäßigen Schnittes im Frühjahr will auch die Forsythie nicht blühen-ja früher waren die Pflanzen viel besser und heute wird nur noch minderwertige Ware verkauft die nicht blüht oder gar eingeht.

Also Aufklärung tut Not und das ist auch das einzige was ich empfehlen würde.

Klar bei 8 von 10 Leuten wird das nicht auf fruchtbaren Boden fallen, aber wenn die restlichen beiden Hilfe annehmen, dann sollte einen das doch schon aufbauen und als Erfolg gewertet werden.

Man wird nie erreichen, dass in unseren Gärten nur Gehölze wachsen die an den Boden und die zur Verfügung stehenden Raumverhältnisse optimal ausgewählt wurden und wenn möglich auch noch von Wert für die einheimische Tierwelt sind.

Manche sind auch einfach nur allergisch gegen zu viel Grün und schneiden deshalb alles wie die armen Irren.
Der Bezug zum Lebewesen Baum ist bei vielen nicht vorhanden, das Bewusstsein wie lange ein Baum braucht um ein schöner Solitär zu werden ist in den meisten Köpfen nicht verankert.
Und trotzdem ich bin pro Baum und leiste Missionsarbeit wo ich nur kann :-)

Jeder kennt das doch aus seiner Nachbarschaft.
Wir haben zum Beispiel in Ort eine wunderschöne Lindenallee die seit Urzeiten alle 3-4 Jahre geschnitten wird, von 20 Anwohnern fragen bestimmt 15 warum man nur die Krone schneidet und nicht die ganzen Bäume fällt.
Das böse ,böse Laub fällt doch jedes Jahr an und das ist Grund genug alten vitalen Bäumen nach dem Leben zu trachten.

Macher mag vielleicht auch einfach den Hausmeisterschnitt, Kugel oder Kastenbüsche oben grün, unter verkahlt, nie blühend.

Und je mehr solche verunstalteten Büsche in der Gegend rumstehen umso größer wird die Überzeugung, dass dieser Schnitt völlig ok ist.
Und wenn sogar die Profis vom Gartenbaubetrieb die Büsche mit der Heckenschere schneiden, wenn auch nur auf Verlangen ihrer Kunden, dann ist der aufmerksame Nachbar endgültig davon überzeugt das so ein fachgerechter Schnitt aussehen muss.

Wie schon gesagt Ausklärung heißt das Zauberwort!

Und Geschmäcker sind eben verschieden und da kann man nichts machen.
Wir wohnen in einen sogenannten Neubauernhaus.
Das ist ein endlos langer Bau, Wohnhaus, Stallungen, Scheune alles hintereinander unter einen Dach, mit Fachwerkgiebel riesen Tor in der Scheune, großen Grundstück und schon von 2 km als Bauernhaus zu erkennen.

Wir nehmen das als Gottgegeben hin und versuchen mit allen was wir so am und im Haus machen den Stil in etwa zu bewahren.

Obwohl wir es damit auch nicht zu ernst nehmen.

Wir haben unsere Streuobstwiese hinterm Haus, Wildrosen als Hecke, Flieder im Vorgarten, Efeu an der Scheune und sehen zu, dass wir auch was Sinnvolles für die Tierwelt zu Stande bringen.

Aber Puristen hätten bei mir auch viel zu meckern, die Linde vorm Haus würde sicher noch Zustimmung finden, die Wildrosen sind ökologisch auch ok, die Eiben gehen sicher auch noch durch.

Allerdings die Robinie als Neophyt bedenklich, der Urweltmamutbaum und der Ginko ganz fremd, der rotblättrige Spitzahorn auch fehl am Platze und der gefüllte Rotdorn ökologisch auch sinnlos.

Bei mir gibt’s ökologisch wertvolle Wildgehölze neben aus ökologischer Sicht nahezu wertlosen fremdländischen Zuchtformen und das alles wächst in Friede und Eintracht nebeneinander.

Obwohl ich ein Auge auf einheimisches und ökologisch wertvolles habe, findet man trotzdem von fast allen Erdteilen irgendwas im Garten und ich habe da kein Problem mit.

Gelegentlich ist eine Pflanzung auch zu dicht geraten, weil eben die geschenkte Blutpflaume noch irgendwo zwischen Flieder und Stechfichte musste und dann im Laufe der Zeit eben doch etwas groß geworden ist.
Aber was solls!

Mein Nachbar ist da viel Gnadenloser, das Fachwerk ist unter einer Isolierung verschwunden, die Obstbäume wurden größtenteils gefällt, um das Haus wurde ein strahlend weißer Kiesstreifen angelegt und 4 Koreatannen, schön in Reih und Glied gepflanzt zieren den Vorgarten nur noch ergänzt von einer griechischen Quellnymphe.

Ansonsten nur Rasen soweit das Auge reicht, dieser wird dann auch leidenschaftlich alle paar Tagen mit den Rasentraktor vergewaltigt.
Ökologisch nah an der Wüste, optisch für mich eine Zumutung, aber mein Nachbar steht drauf.

Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht, ich mag mein Nachbar, er ist ein prima Kerl, allerdings mit einen für mich seltsamen Geschmack.

Ich lache wenn er wieder seine Kreise mit den Rasenmäher zieht und er schüttelt den Kopf wenn ich wieder mal ein Pflanzloch aushebe.

Er erträgt aber tapfer den wilden Wein den ich an seine Garage gepflanzt habe und die Büsche die in schöner Regelmäßigkeit über seinen Zaun wachsen, weil ich natürlich die Abstände zur Grenze nicht eingehalten habe. :-)
Er schneidet selbstverständlich jeden kleinen Trieb der es wagt in sein Grundstück vorzudringen.
Ich verzeihe ihn im Gegenzug seine sonntäglichen Mähorgien und damit ist alles in bester Ordnung bei uns gibt’s kein Krieg am Gartenzaun sondern höchstens mal ein Bier.

Für jeden Baum den er fällt pflanze ich einen auf unser Grundstück und als Bonus gibt es noch ein Fledermauskasten dazu!

Was bleibt ist die Erkenntnis: Jeder muss nach seiner Vorstellung glücklich werden!

Also versuch die Leute zu überzeugen die sich überzeugen lassen, Werte das als deinen persönlichen Erfolg und die anderen lässt du machen und nach ihrer Überzeugung glücklich werden.

Wie heißt es doch so schön: Man kann nicht alle retten. :-)

Ich bin in der glücklichen Lage das ich Berufsfremd bin und nicht gegen meinen Willen Bäume vergewaltigen muss um Geld zu verdienen.
Ich kann meckern schimpfen aufklären ganz nach Lust und Laune
:D

Aber ich bin ehrlich froh, dass es noch Profis gibt die sich ernsthaft Gedanken machen und nicht einfach alles emotionslos niedermähen nur weil es den Kundenwunsch entspricht- dafür Danke ich Dir.

LG Werner

Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Kann ich mich nur anschließen.
Und ansonsten solltest Du Dich an Kurts Ratschlag halten. :D

Viele Grüße

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

Deine Erfahrung deckt sich mit der Meinen, wenn auch aus anderer Sicht http://kiez-dendrarium.blogspot.de/2012 ... flege.html Denn ich habe beruflich nichts mit Bäumen zu tun. Weit verbreitet ist die Haltung, den Baum nur als Gegenstand und gar als Feind zu betrachten, welcher als Sitzfläche für aufs Auto scheißende Vögel dient, Laub abwerfender Verschmutzer ist und im schlimmsten Fall gar mit einem Ast das Auto beschädigt. Baumschutz wird zu oft als Schutz vor dem Baum praktiziert und offenbar wird diese Tendenz durch Rechtspraxis gefördert.
Damit sollte man sich nicht abfinden
Pro Baum lohnt. Es hilft Bäumen und es hilft Dir. Und es wird vor allem helfen Einstellungen zu verändern. Bei Vielen ist es nämlich tatsächlich nur Gedankenlosigkeit. Veränderungen herbeizuführen ist ein langer Weg. Aber er ist notwendig und gut. Und Du hast durch berufsbedingte Kontakte gute Möglichkeiten aufzuklären. Das braucht aber sicherlich Geduld und Kraft.

Volker

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LCV
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Beitrag von LCV »

Man sollte nicht in Schwarz-weiß-Malerei verfallen. Baumschutz beginnt vor allem schon bei der sinnvollen Pflanzung. Bestimmte Pappelarten gehören nicht auf Kinderspielplätze, in Straßen oder direkt entlang eines Bachlaufs (innerorts). Da sitzt einer auf dem zuständigen Amt, wurde dorthin versetzt, obwohl er keine Ahnung hat und darf nun Fehl-Entscheidungen treffen. Da wurden z.B. bei uns im Eingangsbereich eines Veranstaltungsortes vor Jahren Pappeln gepflanzt. Als die eine Höhe von über 30 m erreichten, musste ständig geprüft werden, ob eine Gefahr besteht und entsprechend wurden immer wieder größere Äste entfernt. Bei Sturmwarnung wurde nun das Areal mit rot-weißen Absperrbändern gesichert. Das war keine Hysterie, wie die großen Äste bewiesen, die nach dem Sturm am Boden lagen. Schwer genug, um einen Menschen zu erschlagen. Hätte man dort Bäume gepflanzt, die nicht derart windbruchanfällig sind, hätte man das ganze Theater vermeiden können. Es kann nicht darum gehen, den Baumschutz so weit zu treiben, dass jeder Bürger Schäden an seinem Eigentum und seiner Gesundheit einfach hinnehmen muss oder gar ums Leben kommt. Vielmehr sollten derartige Bäume an falschen Standorten beseitigt werden und geeignetere gepflanzt werden.

Auch entlang eines Bachlaufs hat so ein Superexperte Pappeln pflanzen lassen. Die haben die Befestigungen der Uferböschungen derart beschädigt, dass ständig hohe Instandsetzungskosten auf die Gemeinde zukamen. Bei der finanziellen Lage der meisten Gemeinden ist das fatal. Nachvollziehbar, dass die Pappeln gefällt wurden, dafür Eichen, wobei ich hoffe, dass diese keine solchen Probleme verursachen.

Ich kann auch verstehen, dass Kugelrobinien als Straßenbäume nicht beliebt sind, denn diese künstlich wirkenden Bäume haben kaum Nutzen, verursachen aber wirklich jede Menge Dreck. Das bringt nur die Leute grundsätzlich gegen Bäume auf. Nun hat man diese Robinien gegen eine chinesische Birne, Liquidambar, Crataegus und Malus trilobata ersetzt und keiner schimpft mehr.

Also sollte man jeden Fall individuell betrachten und beurteilen. Der beste Baumschutz beginnt beim jeweils richtigen Baum am richtigen Ort, so bemessen, dass er auch sein jeweiliges Lebensalter erreichen kann.

Gruß Frank

Spinnich
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Nachdenkliche Frage...

Beitrag von Spinnich »

Hallo Kiefer,

Bitte nicht den Idealismus verlieren, sodern sich daran erfreuen, wenn unter 10 Blinden einer ist, der wenigstens interessiert und gewillt ist Ratschläge anzunehmen und umzusetzen und einsieht, daß es mit etwas Sinn und Sachverstand besser geht. :)
Immerhin sind einige einfach unbedarft und schlecht beraten und nicht alle nur borniert.
Ich denke auch dass es besser ist wenn in dem ein oder anderen Garten für 10-15 Jahre mal eine Birke oder Ahorn wachsen darf und dann doch weg muss, weil die Birke in die Kanalisation wächst und der Ahorn die Dachrinne verstopft und dem Nachbarn natürlich der Schatten und das Laub nervt.
Besser mal so ein Fehlgriff, als überall nur Alibigrün mit heiligem Rasen und einigen Krüppelsträuchern oder gleich alles betoniert, asphaltiert etc. :shock:
Und wenn jemand beratungsresistent ist, kann man vielleicht noch auf mögliche spätere Kosten und Haftung verweisen, ansonsten muss man solche Ignoranten eben Lehrgeld zahlen lassen (leider manchmal auch unsere Steuergelder :twisted: ), da hilft es nichts sich zu sehr verrückt zu machen, da halte ich es mit Kurt. :x
Immerhin kannst Du noch froh sein, wenn Du die Möglichkeit hast Dein Wissen und deine Vorstellung auf eigenem Terrain umzusetzen und vielleicht doch den einen oder anderen damit positiv zu animieren.
Jedenfalls kann ich deinen Frust auch als Laie nachvollziehen, ist leider auch in anderen Berufssparten nicht immer viel besser. :roll:
Als Hobygärtner sehe ich dass jedenfalls auch ein wenig wie Werner, von beruflicher Warte aus würde ich auch Franks Argumenten zustimmen. :!:

Beste Grüße und viel Geduld und Nachsicht
(mit denen die es verdienen)
wünscht Dieter
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Hessekopp
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Registriert: 25 Nov 2009, 06:44
Wohnort: Neuss

Beitrag von Hessekopp »

Hallo Kiefer,

ich bin ja nun auch Landschaftsgärtner und kenne das Problem.
Ich habe mich von einigen Gedanken im Beruf einfach gelöst. Ich bin auf meine Kunden angweiesen, ich muß die Pflege so machen, daß der Kunde nächstes Jahr wieder kommt, dem Kunden muß es gefallen und nicht mir.
Ich stehe ihm natürlich dabei beratend zur Seite und Sätze wie "Das sieht dann aber nächstes jahr bescheiden aus, um das Wort scheiße zu vermeiden" sind keine Seltenheit, wenn ich für meinen Geschmack viel zu massiv an einem Baum rumschneiden soll. Ich mache Alternativvorschläge, ich schildere Vor- und Nachteile, ich erkläre, was passiert, wenn wir es doch so machen aber ... die letzte Entscheidung liegt beim Kunden und wenn das bedeutet, in die Blutpflaume zu klettern, vorn, hinten, links, rechts und oben 3m azurasieren und ne Würfelblutpflaume draus zu machen, dann bekommt er das halt ... ich habe übrigens noch nie nen Würfel außer bei Buchs oder Eibe schneiden müssen, aber wenn der Kunde es will, bekommt er es halt. Ich habe da mitlerweile auch wenig Skrupel, nen Baum zu verstümmeln ... ich mache es jedoch nicht ohne vorherige Aufklärung, mehr kann ich nicht machen. Gelegentlich hilft es sogar zu beschreiben, was passiert, wenn man nen von Eibe verschiedenen Nadelbaum halbiert und damit zu drohen, daß man den dann ab dem Schnitt relativ aufwändig - weil hoch - und damit teuer - weil zeitintensiv - jedes Jahr schneiden kann ... gelegentlich kommt der dann aber auch ganz weg.

Wesentlich eher kann man den Kunden (und oft auch meinen Chef) bei der Neuanlage in vernünftige Bahnen lenken. Sätze wie "In fünf Jahren können sie das Fenster dann aber zumauern, da kommt dann eh kein Licht mehr rein" oder "Den schneiden sie dann aber mindestens 2x im Jahr, weil sie sonst ab übernächstem Jahr mit ihrem Auto da nichtmehr vorbeikommen" helfen sehr häufig, was kleinwüchsigeres pflanzen zu können.

Ich kann als Gärtner nur beraten und sehr viele Kunden von uns wollen auch beraten werden und das auch dann, wenn sie sich selbst schon Gedanken gemacht haben und bestimmte Pflanzen im Kopf haben.

Zum rund schneiden kann ich nur sagen ... das mache ich, ohne mit der Wimper zu zucken. In aller Regel bleibt optisch großartig garnichts anderes übrig, weil viel zu dicht gepflanzt wurde, alles nach Licht schreit und einfach nurnoch unförmig nach oben um die Wette wächst. Der Kunde hatte das in der Regel als Sichtschutz gepflanzt, der nett blühen soll, nicht laubt und schon garkeine Nadeln verliert und natürlich keinen Schatten wirft. Wenn der Gärtner da das erste mal anrückt, findet er in der Regel nurnoch eine Wand Gesrtüpp vor, wo eh nichtmehr viel zu retten ist, da kann ich ihm auch seine Eier schneiden. Ich habe nur wenige Kunden, die natürlichen Wuchs bevorzugen und wo man mit Gehirn und nicht mit der Heckenschere schneiden soll.

Für viele ist es auch eine Kostenfrage ...
Forsythie mit Heckenschere auf Kugel englisch schneiden: 5 Minuten
Forsythie von Hand über mehrere Jahre hinweg nach und nach verjüngen, Formschnitt medium (Form nur angedeutet) ... soviel teurer, daß man die mit der Heckenschrere vergewaltigte Forsythie alle paar Jahre auch ausbuddeln und durch ne neue ersetzen kann und es trotzdem noch billiger bleibt.

Kugelrund muß meineserachtens auch nicht schlecht aussehen oder zwingend was mit Baumvergewaltigung zu tun haben. Ich habe in den letzten Jahren einige auch größere Baume kugelrund oder eiförmig geschnitten, ohne das Gefühl gehabt zu haben, den Baum dabei zu kastrieren. Da bekam ich dann aber auch die Zeit, in den Baum reinzuklettern, einen Ast rauszuschneiden, wieder runterzuklettern und mir das Ergebnis anzusehen ... nach 6 Stunden hatte ich ne fachgerecht geschnittene Kugel und der Kunde war begeistert, da man trotz teils größerer Schnittmaßnahmen dem Baum eben nicht ansah, daß er gerade geschnitten wurde und das gibt die Heckenscherenrasur halt nicht her.
Leider bekomme ich die nötige Zeit für derartige Pflege nur selten und ich kann meinen Chef da auch verstehen ... wenn er 6 Stunden für nen Baum anbietet und der Pfuscher um die Ecke verspricht, es auch in 2 zu schaffen und das auch noch ohne Rechnung, dann bekommt mein Chef den Auftrag halt nicht oder erst dann, wenn der Pfuscher ein paar Jahre den Baum vergewaltigt hat und dann leider oft nichtmehr viel zu retten ist ... also bietet er halt auch ne Zeit an, in der der Baum nicht fachgerecht zu schneiden ist und ich vergewaltige ihn.

Ich bin da recht schmerzfrei geworden ... ich betrachte mich beruflich als Dienstleister und als solcher erbringe ich im vorgegebenen Zeitrahmen möglichst fachgerecht genau die Leistung, die der Kunde gebucht hat ... auch wenn das bedeutet, Dinge zu tun, die ich privat im Leben nicht so machen und in meinem Garten keinesfalls tolerieren würde.
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Volker0031
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Beitrag von Volker0031 »

die Ansichten gehen offenbar ziemlich weit auseinander. Für Naturschützer, Landschaftsgärtner, Forstwirte, Gartenbesitzer, Alleebefahrer, Tischler usw. usf. hat der Baum unterschiedliche Bedeutung und Wertigkeit. Als schützenswertes Lebewesen wird er leider von viel zu wenigen Menschen betrachtet.

Vielleicht hilft aber die Beratungstätigkeit verantwortungsbewusster Baumfachleute, diese Haltung nach und nach zu verändern.

Volker

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