Buchswald in Grenzach-Wyhlen fast zerstört

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LCV
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Buchswald in Grenzach-Wyhlen fast zerstört

Beitrag von LCV » 23 Aug 2010, 19:15

Hallo,

es wird berichtet, dass der aus China eingeschleppte Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) zunächst 2006 in den Häfen von Kehl und Weil am Rhein auftauchte und über Buchsbäume bzw. -hecken in Gärten, Parks und Friedhöfen herfiel. Die Raupen (mehrere Generationen pro Jahr) fressen erst die Blätter und dann sogar die Rinde der Bäume, wodurch diese absterben. Ohne Vorwarnung gab es in diesem Jahr eine Invasion von Millionen von Raupen in dem seit 1939 unter Naturschutz stehenden Buchswald bei Grenzach-Wyhlen. 100 von 150 ha sind bereits zerstört. Die Raupen fressen nur Buchs, aber man befürchtet, dass sie sich irgendwann auch an andere Pflanzen heranmachen könnten. Da die erste Generation in 2011 wohl keine Nahrung finden wird, könnte das entweder das Ende der Plage sein oder es kommt noch schlimmer, wenn sie Ersatzpflanzen suchen. Um den Wald zu seiner jetzigen Größe wieder aufzuforsten, braucht es Geduld - wenigstens 50 Jahre. Es war nicht möglich mit Gift gegen diese Raupen vorzugehen. Auch haben die keine Fressfeinde. Vögel gehen da nicht ran. Man vermutet, dass die Raupen durch ihre Nahrungsaufnahme Gift speichern.

Gruß Frank

ApachePine
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Beitrag von ApachePine » 24 Aug 2010, 22:17

Das klingt ja erschreckend. Und es gibt wirklich keine Möglichkeit ihn zu bekämpfen ?

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LCV
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Beitrag von LCV » 24 Aug 2010, 22:59

Hallo David,

zum einen ist der Buchswald ein schwer zu bearbeitendes Gelände und ein großer Gifteinsatz übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Forstverwaltung. Dann schadet das Gift ja auch allen anderen Tieren. Und zu allem Übel sind diese Raupen derart versponnen, dass das Gift garnicht richtig rankommt.

Bei jedem Gifteinsatz sollte man bedenken, dass schon die nächste Generation weniger empfindlich reagiert und die dritte womöglich bereits immun ist. Da sind Insekten den Säugetieren hoch überlegen.

Gruß Frank

ApachePine
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Beitrag von ApachePine » 24 Aug 2010, 23:16

Ja leider, nur ich kann es nicht verstehen warum diese Viecher sich gegen Gifte immunisieren können welche z.B. Tiere oder Menschen erledigen würden ?

Bleibt wohl nur zu hoffen dass sie sich keine Ersatzpflanzen suchen werden.

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria » 25 Aug 2010, 15:27

Es gibt bei dem Millionenheer der Insekten immer einige wenige die von ihrer Genetik von Anfang an immun sind gegen versch. Gifte und diese überleben ( sicher auch je nachdem wie viel sie abbekommen).

Viele Grüße

Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Binsk
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Beitrag von Binsk » 28 Aug 2010, 10:19

Mit Bacillus thuringiensis (Delphin heisst das Mittel im Handel) haben wir im Betrieb gute Erfahrungen gemacht.

Am Anfang sind die Raupen sehr klein, aber der Befall ist gut an abgeschabten Blättern erkennbar. Die Raupen sitzen zwischen den Blättern und sind durch Spritzmittel schlecht erreichbar.
Etwas später fressen die Viecher die Blätter richtig ab. Im Inneren der Sträucher findet man Blattstücke, die aussehen wie abgeschnittene Fingernägel.
Noch später sind die Raupen wieder besser eingesponnen und schlecht erreichbar.

Im Hausgarten ist die Bekämpfung kein Problem, aber da in Wäldern kein Insektizideinsatz erfolgen kann, ist es sehr schade um diese Buchsbestände.

Karola
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Beitrag von Karola » 10 Sep 2010, 08:43

Hallo allerseits,

im Lepiforum hat Erwin Rennwald (Biologe; wenn mich nicht alles täuscht, Botaniker) einen kleinen Bericht über die Situation im Buchswald gemacht: http://www.lepiforum.de/cgi-bin/2_forum.pl?read=62122 (Er sammelt auch die Informationen über das Vorkommen des Buchsbaumzünslers.)
Hinweis: Die Forensoftware ist so aufgebaut, dass man jeden Einzelbeitrag einzeln anklicken muss.

Viele Grüße
Karola

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bee
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Beitrag von bee » 11 Sep 2010, 19:00

Hallo allerseits,
auch von mir ein "Buchsbaum-Lagebericht".

Da ich in der Nähe des Buchswaldes wohne und um den 06. August herum noch einen Spaziergang dort machte (nicht wegen des Buches, sondern um zu schauen, ob der Klettenkerbel wirklich Klettenkerbel ist, und ob die Schmerwurz auch Früchte ansetzt...) erstaunte mich der Artikel aus "Der Sonntag", den Frank oben zitiert.
Mir war bisher nichts aufgefallen!
Also wieder in den Wald - Ende August: innerhalb von 14 Tagen war fast der ganze Buchs kahlgefressen (zumindest in diesem Gebiet)!

Erstaunt hatte mich aber die Regenerationsfähigkeit eines Buchses im Garten, der im Frühsommer (fast) kahl gefressen wurde (aber eben nicht entrindet):
Im Laufe des Sommers hat er vollständig neu ausgetrieben, so dass heute fast kein Schaden mehr zu sehen ist.

Inzwischen war ich nicht vor Ort - heute zum ersten Mal wieder.
Der Buchs sieht schon sehr traurig aus - teils "todtraurig". Man kann aber 3 unterschiedliche Stadien unterscheiden:
B1: ganz kahl, Äste vermutlich entrindet, äußere Äste sehr trocken und brüchig. Der treibt vermutlich nicht aus, oder nur von ganz unten.
B2: Äste noch biegsam, mit neuem Austrieb
B3: Äste noch mit trockenen Blattresten, noch sehr biegsam, treibt wahrscheinlich auch noch aus. Da waren Ende August noch Raupen vereinzelt zu sehen, die hatten dann wohl keinen Appetit mehr.

Die Frage ist also, wie es dann weitergeht im nächsten Jahr - ob es wieder eine "Invasion" gibt.

Freche Frage: gibt es eigentlich noch Buchs im Heimatland des Buchsbaumzünslers? Oder ist er aus Nahrungsmittelmangel emigriert??
Mother Nature hat das ja im Prinzip so eingerichtet, dass alles mehr oder weniger im Gleichgewicht bleibt.

In Kleingartennähe/ auf Brachflächen um die Riesengoldruten herum flatterte dann so etwas Weißliches (im ersten Moment könnte man den Falter mit einem Kohlweißling verwechseln, die Bewegung ist aber auch anders).
Es war nicht nur ein Zünsler, sondern ein Schwarm von ca. 10 Tieren! Leider ist nur ein gutes Foto dabei herausgekommen, dieser fühlte sich wohl unentdeckt auf der Rückseite eines Blattes.
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Cydalima perspectalis_Buchsbaumzünsler.jpg
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Viele Grüße von bee

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Beitrag von bee » 20 Sep 2010, 17:57

Hallo,
noch ein paar Impressionen vom bösen, bösen Buchsbaumzünsler.
Die sind jetzt alle geschlüpft, und nicht mehr zählbar (hunderte? tausende?)
Die Lebensdauer scheint nicht sehr lange zu sein, man sieht auch schon tote Tiere - sitzen wie angenagelt auf einer Blüte und zerfallen in Einzelteile, wenn man sie berührt. Einzelne Flügel habe ich auch schon gesehen (wurde in dem Thread im Lepiforum erwähnt, auf den Karola hingewiesen hat.)
Hier waren sehr viele Tiere an blühendem Efeu, man sieht auch gut die Farbvarianten.
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Cydalima perspectalis_Buchsbaumzünsler03.jpg
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Cydalima perspectalis_Buchsbaumzünsler02.jpg
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Viele Grüße von bee

biloba
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Beitrag von biloba » 20 Sep 2010, 20:07

Ist der Efeu jetzt auch in Gefahr?

kurt
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Beitrag von kurt » 20 Sep 2010, 21:17

Tolle Fotos. wirklich.
Jetzt aber wie biloba: Ist der Efeu jetzt auch in Gefahr?

Gruss
Kurt

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 21 Sep 2010, 11:05

Hallo!

Nein, am Efeu tanken sie nur Nektar ;).
Ich finde aber, die sind ja gar nicht so unhübsch, die Falter. Ansonsten hätte ich auch von Anfang des Threads an gedacht, dass die Buchse regenerationsfähig genug sind, um das zu überstehen.

Und wenn welche rinden- geschält werden und absterben, nun ja, neuer Platz für Buchssämlinge, würde ich natürliche Dynamik nennen ^^.

Grüße, Andreas

Karola
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Beitrag von Karola » 21 Sep 2010, 11:25

Hallo Andreas
Kiefer hat geschrieben:Ich finde aber, die sind ja gar nicht so unhübsch, die Falter.
Ich finde, sie sehen sehr elegant aus, als würden sie gleich in die Oper gehen, oder zur Theaterpremiere...

Viele Grüße
Karola

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