Pflanzabstand (Eichen, Buchen)?

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kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Pflanzabstand (Eichen, Buchen)?

Beitrag von kurt »

Bestehend: 3 ha mit vereinzelten Eichen, Buchen, Eschen, Birken etc.
Ziel: Grosse Bäume für Verkauf sowie kleinere für laufenden Brennhoz-
bedarf. Setzlinge zum umpflanzen an anderen Standort sind genügend
vorhanden.
Frage: Welchen ungefähren Abstand zwischen den Bäumen (und Setz-
lingen) schlagen Sie vor?

Fraxinus
Beiträge: 85
Registriert: 06 Apr 2006, 20:41
Wohnort: Lichtenfels

Beitrag von Fraxinus »

Hallo Kurt,

als allgemeinen Abstand von Forstbäumen schlage ich 2 m Abstand vor. Der von der Forstwirtschaft angegebene Pflanzabstand (Pflanzverband) ist von Baumart zu Baumart verschieden und hängt außerdem davon ab, ob "unter Schirm" (Kronen von Altbäumen) oder auf der Freifläche gepflanzt wird (kleinerer Abstand).

Wichtig für eine Pflanzung sind Wildschutz!; die Qualität des Bodens und der Lichtverhältnisse am Boden zu kennen. Die Bäume haben verschiedene Lichtbedürfnisse. Schattbaumarten, also Baumarten, die auch mit wenig Licht wachsen können sind Fichte, Tanne, Buche, Linde, Hainbuche... Es macht beispielsweise keinen Sinn, Eichen unter Buchen zu pflanzen. Buchen unter Eichen, das macht Sinn. Lichtbaumarten sind Kiefer, Lärche, Birke, Kirsche, Eiche, Esche, wobei die letzten 3 als Sämling noch mit wenig Licht auskommen, mit zunehmendem Alter jedoch immer mehr Licht verlangen. Als weiterer Punkt ist zu erwähnen, dass je gehaltvoller ein Boden an Nährstoffen und Wasser ist, desto mehr Schatten können die Bäume ertragen.

Wildlinge, so heißen in der Fachsprache kleine, natürlich aufgewachsene Bäume, dürfen nur im laublosen Zustand verpflanzt werden. Beste Erfahrungen beim Verpflanzen machte ich mit einem Hohlspaten.

Ein sehr komplexes Thema, versuche mal die Schlagworte "Plenterwald" und "strukturierter Mischwald"


Gruß

Fraxinus
Man sollte Papier nie so wichtig nehmen wie Bäume, aus denen es hergestellt wird.

slash
Beiträge: 16
Registriert: 01 Mai 2006, 16:47

Beitrag von slash »

@Fraxinus

Hallo Fraxinus,

sorry evtl. der blöden Fragen wegen: was ist ein Hohlspaten ?

Und ausgraben von 5-10 Jährigen Wildverbissenen Bäume Laub oder Nadel, wann ist da die beste Zeit, wenn sie noch kein Laub tragen im Frühling oder geht es auch noch im Herbst.

Nadelbäume ?

(Ich bin Bonsai Liebhaber..............;-) ) und suche immer solche skurilen Bäume........

Danke slash

Fraxinus
Beiträge: 85
Registriert: 06 Apr 2006, 20:41
Wohnort: Lichtenfels

Pflanzverbände der forstwirtschaftlich wichtigsten Baumarte

Beitrag von Fraxinus »

Hi Kurt,

hier sind einige vom AID empfohlene Pflanzverbände. Dies sind nur Orientierungshilfen. Die Pflanzung ist immer vom einzelnen Standort abhängig. Gehe lieber intuitiv statt schematisch vor und beachte den Kronen- und Wurzelraum im Wald. Laubbäume werden meist eng gepflanzt, so haben die Pilze, die die toten, harzfreien Äste schnell zersetzen, einen schattigen, feuchten Lebensraum. Das Funktioniert bei allen Laubbäumen außer bei Kirschen.

Kiefer 2,0 x 0,5 (0,6)

Fichte 2,5 x 1,2
2,0 x 1,5
3,0 x 1,5

Weißtanne 2,5 x 1,5
bis
3,0 x 1,0
2,5 x 2,0

Lärche 3,0 x 3,0 bis 4,0 x 4,0

Eiche 2,0 x 0,5 (0,7)
Buche 2,0 x 0,5 (0,7)

Linde 2,0 x 1,5
Bergahorn 2,0 x 1,5
Esche 2,0 x 1,5
Kirsche 2,0 x 1,5
Roterle 2,0 x 1,5

Schwarzpappel 7,0 x 7,0 (10 x 10)

@Slash

Ein Hohlspaten ist ein Spezialspaten mit Halbrund gebogenem Blatt, damit kannst du runde Löcher ausheben und Pflanzen mit 2 Stichen ausheben. Hier ist der einzige Händler, bei dem ich Hohlspaten in großer Auswahl fand. Ich habe den für 53 € und bin sehr zufrieden damit.

http://www.grube.de Suchbegriff: Hohlspaten

Nadelbäume sowie Laubbäume an frostfreien Tagen außerhalb der Vegetationszeit (Ende Oktober - Anfang April) verpflanzen.

Grüße

Fraxinus
Man sollte Papier nie so wichtig nehmen wie Bäume, aus denen es hergestellt wird.

Mico
Beiträge: 1
Registriert: 24 Mai 2006, 22:12
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Beitrag von Mico »

einen schönen Gruß an alle ... :!:

Ich bin derzeit als Praktikant im Forstamt beschäftigt, bin wahrlich NOCH kein Baumvirtuose aber kann mal weitergeben, in welchen Abstand wir Eichen, Linden und Robinien unter die schon bestehenden Eschen-Birken-Pappel-Buchen-und teilweise Fichten so wie Kiefern bestände pflanzen.

Eiche: 40 cm
Linde: 40 cm
Robine: 70 cm

Erwähnenswert ist das diese Maßnahmen zur Rekultivierung und Wertholzgewinnung um eine ehemalige Tagebaulandschaft dienen.

Unsere Sätzlinge sind ca. 30 - 45 (50) cm hoch und der Boden ist erst durch die bestehenden Bestände ein wenig Humos geworden, ansonsten sehr Kiesig und Steinlastig.

Unter diesen Maßen werden mehrere tausend Bäumchen auf einer 2-stelligen ha-Fläche gepflanzt.

Ich behaupte nicht das diese Daten auch in deiner Situation die richtigen sind aber wollte nur mal einen Vergleichs- und Anhaltspunkt geben.
Die Wachstumsfaktoren sind nicht zu trennen , ...

ich werd sie zur Einheit ballen , ...

am entscheidensten , für alle zum kennen , ...

ist die Balance aus allen !

kurt
Beiträge: 3254
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Zeitpunkt des Verpflanzens von Wildlingen

Beitrag von kurt »

Ich habe schon oft gelesen und ghört, dass man junge Bäume in blatt-
losem Zustand und in der Vegetationsruhe pflanzen oder verpflanzen

soll. Ich mache es bisher ganz anders.
Ich pflanze und verpflanze Wildlinge und auch Bäumchen aus der Baumschule grundsätzlich im Frühling, um ihnen bis zur Vegetations-
ruhe genügend Zeit zu geben, sich dem neuen Standort anzupassen.
Wildlinge von maximal 20 cm Länge, z.B. Eichen verpflanze ich erst,
wenn sie schon Blätter haben, da ich sonst die dünnen Stämmchen
überhaupt nicht finde. Dieses Jahr, in einer extrem strengen Frostnacht
vor ungefähr einem Monat, sind praftisch alle Blätter abgefroren, aber alle
Bäumchen haben bereits wieder ausgetrieben und scheinen gesund.
Ich wähle allerdings nur kleine Bäumchen, damit ich sie mit dem ganzen
Wurzelballen ausheben kann und somit ein ungestörtes Weiterwachsen er-
mögliche. Was ist an dieser Vorgehensweise unlogisch oder falsch?
Verluste bei ca. 150 Bäumchen im letztenJahr: 2 (Wühlmäuse)

Fraxinus
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Beitrag von Fraxinus »

Hi Kurt,

die Erfahrung mit dem erfolgreichen Verpflanzen von 1 - 2jährigen Bäumchen während der Vegetationszeit konnte ich auch schon machen. Es handelte sich um Eschen, die auf einem mit einer 1 cm starken Erdschicht überzogenen Pflasterweg keimten und so konnte ich die Bäume praktisch im Ganzen "abschaben" und in die feuchte Schlucht pflanzen. Prinzipiell vertraue ich aber persönlich mehr auf die Verpflanzung im blattlosen Zustand. Je jünger ein Baum und je frischer der neue Standort ist, desto leichter wächst der Baum an.

Frohes Waldgärtnern!

Fraxinus
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Harztroll
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Beitrag von Harztroll »

Mico hat geschrieben:Robine: 70 cm

Erwähnenswert ist das diese Maßnahmen zur Rekultivierung und Wertholzgewinnung um eine ehemalige Tagebaulandschaft dienen.
Ich frag mich, warum ein Forstamt heutzutage immer noch Robinien pflanzt... Die Robinie kommt aus Nordamerika und ist hier absolut nicht heimisch. Zudem breitet sie sich mit ihren Ausläufern dermaßen aus, daß es überhaupt keinen Sinn macht überhaupt noch andere Bäume dazu zu pflanzen, zumal sie durch Wurzelausscheidungen schon selbst dafür sorgt, daß keine weiteren konkurierenden Baumarten hoch kommen. Schnelle Begrünung hin oder her, aber sollte man deshalb wirklich die heimische Flora mit solchen aggressiven Fremdlingen verdrängen?


Man pflanzt Gehölze im unbelaubten Zustand, damit sie ihre Kraft zunächst in den Wurzelaufbau stecken. Zudem ist es so, daß das Wurzelwachstum auch in der Vegetationsruhe fortgeführt wird, so daß die Pflanze - im Herbst gepflanzt - im nächsten Frühjahr gefestigt in die Zeit des Austriebes gehen kann.

Fraxinus
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Beitrag von Fraxinus »

Das Kernholz der Robinie ist ähnlich witterungsbeständig wie das Kernholz der Eiche. :wink: Einen anderen Grund kann ich mir auch nicht vorstellen. Natürlich lautet dann die nächste Frage: "und warum pflanzen die dann keine Eichen?"

Außer dem Holz sehe ich keine Vorteile, eine dermaßen invasive Baumart wie die Robinie zu pflanzen! Auf die Blüten ist doch gepfiffen, werden die überhaupt von "unseren Insekten" angeflogen? Vielleicht kann uns Mico weiterhelfen?

Gruß

Fraxinus
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werner
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Beitrag von werner »

Hallo,

bevor ich mir hier jetzt die Finger wund schreibe, verweise ich lieber auf Wikipedia, dort hat sich jemand richtig Mühe gegeben und die Vor und Nachteile der Robinie umfassend dargelegt.

Mit freundlichen Grüßen
Werner

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