Edit: Umbenennung von "Gesellschaftseiche" zu "Odinseiche 1")
Der Landschaftspark Bad Muskau beherbergt – vor allem im polnischen Teil - noch eine Reihe bemerkenswerter, alter Huteeichen, denen Fürst Pückler z.T. Namen von Personen aus seinem Umfeld oder aus der Mythologie gab. Oft scheint die Namensgebung doppeldeutig: so könnten für die Hermannseiche z.B. sowohl der bekannte Cheruskerfürst als auch sein Großvater Hermann von Callenberg oder sogar die eigene Person Pate stehen. Die Alteichen wurden bei der Gestaltung des Parkes mit einbezogen, als Zentrum von Wegekreuzungen gewählt, in Sichtachsen eingebunden oder als Mittelpunkt von Plätzen gewählt. Im sogenannten „A-Plan“ von 1833, der den Zustand vor der Anlage des Parkes zeigt, sind fast alle Alteichen schon dargestellt, aber erst in den Plänen ab 1856 werden sie benannt.
Heute ist die Bestimmung der Standorte dieser „Namenseichen“ unter anderem auch wegen der eingestreuten „namenlosen“ Alteichen für Besucher schwierig. Der offizielle Parkplan ist hier manchmal verwirrend, wie einige Besucher schon feststellen mussten.
Mit Unterstützung von Frau Roscher von der Stiftung „Fürst Pückler Park Bad Muskau“, die ihre in jahrelanger akribischer Arbeit gesammelten Erkenntnisse sehr großzügig zur Verfügung stellte, ist aber nun auch bei Baumkunde bald alles am richtigen Platz. Alle Details im Text und die sehr aussagekräftige Karte stammen von ihr. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür. In dem bisher leider noch nicht veröffentlichten Heft “Geheimnisvolle Uralteichen im Muskauer Park“ schreibt sie dazu: „...Um die heute vorhandenen Uralteichen den in den Plänen bezeichneten Bäumen zuordnen und nicht mehr vorhandene Exemplare lokalisieren zu können, wurden die vorhandenen historischen Pläne mit einer aktuellen Bestandskarte überlagert. Daraus entstand ein Übersichtsplan aller Uralteichen... Dennoch bleibt beispielsweise die exakte Lage der Odins-Eichen ungeklärt...“. Eine richtig fundierte, wissenschaftliche Arbeit also! Und weiter: „...Aber vielleicht ist es ja gerade dieses verbleibende Geheimnis, das den Mythos der Muskauer Uralteichen lebendig erhält...“
Von einigen der Namenseichen sind nur noch Stubbenreste zu finden (Freischütz-/ Gesellschafts-/ Iduna-/ Kreuzeiche), Schwestern- und Wehreichen sind ganz verschwunden. Am historisch belegten Platz der Georgs- und Clementineneiche wurden neue Eichen in die Stubben gepflanzt. Auch im restlichen Stamm-Mantel der Hermannseiche sprießt seit 1993 neues Leben (die erste Nachpflanzung von 1892 hat nicht überlebt).
Die Suche nach den Odinseichen ist am verzwicktesten. Nach den alten Plänen ursprünglich eine über den Weg fortgeführte Dreierreihe, ist der Nachweis heute schwierig. Eventuell sind auch im Laufe der Zeit immer wieder andere Bäume als Odinseichen bezeichnet worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lassen sich die beiden Eichen östlich der Hermannseiche rechts des Weges am Waldrand den Odinseichen zuordnen, wobei die riesige Eiche in deren Sichtweite mit fast 9m Umfang definitiv eine der „Namenlosen“ ist.
Die ursprüngliche Zwillingseiche existiert nicht mehr. Eine „namenlose Alteiche“, die in deren Nähe heute noch existiert, bleibt als „Zwillingseiche“ im Register bestehen.
In Absprache mit Wolfgang „Baumläufer“ Schürmann und Klaus Heinemann, die die Bäume hier eingestellt und bearbeitet haben, habe ich die Einträge von folgenden Eichen korrigiert:
„Gesellschaftseiche“ Nr. 5078 wird neu „Odinseiche 1“
„Kreuzeiche“ Nr. 5077 wird neu „Odinseiche 2“
„Odinseiche“ Nr. 5079 wird neu „Namenlose Alteiche 1“
Soweit eine Aktualisierung des Wissensstandes über die Bad Muskauer Alteichen. Aber nicht nur die Eichenriesen machen den Landschaftspark aus. Es gibt viel zu entdecken und ein Besuch lohnt sich immer. Der Park wird in jedem Jahr schöner!
Viele Grüße –
Wolfgang Sibora (musicussi)
Odinseiche 1 im Park Bad Muskau
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Wolfgang Sibora
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Odinseiche 1 im Park Bad Muskau
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- Frau Roscher, Stiftung „Fürst Pückler Park Bad Muskau“, in einem bisher nicht veröffentlichten Heft zu den Alteichen im Muskauer Park
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Zuletzt geändert von Wolfgang Sibora am 22 Nov 2017, 18:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Wolfgang Sibora
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Hallo Rainer,
wenn Du die Einträge zum Muskauer Park ansiehst, findest Du da auch noch andere, lebende Eichen (Petzoldweg). Die ältesten, in die Parkgestaltung einbezogenen Eichen, standen aber auf dem hohen Ufer im nun polnischen Teil des Parkes. Wie Du weißt, finden sich aber auch im Umfeld des Parkes noch einige bemerkenswerte Exemplare, z.B. in Krauschwitz. Es scheint noch einige mehr zu geben, aber da muß ich noch recherchieren...
Viele Grüße - Wolfgang
wenn Du die Einträge zum Muskauer Park ansiehst, findest Du da auch noch andere, lebende Eichen (Petzoldweg). Die ältesten, in die Parkgestaltung einbezogenen Eichen, standen aber auf dem hohen Ufer im nun polnischen Teil des Parkes. Wie Du weißt, finden sich aber auch im Umfeld des Parkes noch einige bemerkenswerte Exemplare, z.B. in Krauschwitz. Es scheint noch einige mehr zu geben, aber da muß ich noch recherchieren...
Viele Grüße - Wolfgang