Sagenhaftes, Geschichten und Symbolik
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quellfelder
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Baum, Teil II
Hallo,
weiter setzt Friedreich fort:
Der feierliche Ernst, mit welchem die Bäume dastehen, und sich nach oben erheben, das hohe Alter, welches sie erreichen, symbolisiert sie zu Zeugen der Vergangenheit, zu Sagendenkmale von Jahrhunderten. Der Baum greift, wie Sallet in einem Gedichte sagt, hinauf zur Himmelshelle und badet sich in Unendlichkeit.
Die Brahminen erzählen Folgendes: Der sehr geliebte König Vicramaarca dachte eine Tages über die Kürze des Lebens nach, und wurde darüber sehr traurig, bis ihm sein Bruder zum Troste folgenden Rat gab: „in der Mitte der Welt ist der Baum Udetaba, der Baum der Sonne, welcher mit Sonnenaufgang aus der Erde hervorsprosset, in dem Maße, wie die Sonne steigt, in die Höhe wächst und sie mit seinem Gipfel berührt wenn sie im Mittage steht, worauf er wieder mit dem Tage abnimmt und sich beim Sonnenuntergange in die Erde zurückzieht; setze dich nun mit Anbruch des Tages auf diesen Baum, er wird dich, so wie er in die Höhe wächst, bis zur Sonne hinaufbringen, und diese kannst du dann bitten, daß sie dir ein längeres Leben, als den übrigen Menschen, schenken möge“; der König befolgte diesen Rat und erhielt ein Leben von zweitausend Jahren voll Kraft und Gesundheit.
Das Ehrwürdige, Erhabene, was man in den Bäumen findet, harmoniert mit der Sorgfalt, die man ihrer Erhaltung und Pflege angedeihen läßt. Die Indier strecken, wenn sie an großen und schönen Bäuen vorübergehen, zum Zeichen der Verehrung die rechte Hand gegen sie aus, und alle mutwilligen Verletzungen der Bäume sind bei ihnen mit schwerer Strafe belegt; auch bei den Jakuten in Sibirien finden wir eine besondere Achtung für schöne Bäume, und sie glauben ein Unrecht zu begehen, wenn sie an einem solchen Baume vorübergehen, ohne irgend etwas als Geschenk bei ihm niedergelegt zu haben. Noch lebt in England der Gedanke an die erhabene Bedeutung des Baumes, was Masius geistreich mit folgenden Worten schildert:
„England weiß die Zeugen seiner Vergangenheit zu ehren. Es ist stolz auf seine alten Bäume und es hat ein Recht dazu. Da steht im Walde von Sherwood noch heute der Baum, unter welchem Johann ohne Land Audienz erteilte, und dieser Baum war vielleicht schon zu Johanns Zeiten Jahrhunderte alt.
Da ist die Eiche, auf welcher Robin Hood, jener freibeutende Balladenheld, der Zerlegung und Verteilung der königlichen Damhirsche präsidierte; die grüne Taleiche, in deren turmartig zerklüfteten Stamme der Wildschütz und sein ganzer lustiger Rat beisammen saß. Noch zeigt in Newforest ein Steinmal die Stelle, wo bis vor hundert Jahren jene Eiche stand, unter deren Zweigen Wilhelm der Rote von Tyrell’s Händen fiel; das Geschoß des Mörders hatte sein Ziel gefehlt, es traf den Stamm, aber abprallend durchbohrte es noch die Brust des Königs.
So erinnert hier jeder alte Baum an eine denkwürdige Szene oder Persönlichkeit.
Und fragen wir, was diese Bäume schützte? Es ist der Geist der Selbstachtung, der Geist, der die viel bewegte stolze Geschichte Englands geschaffen hat, derselbe ist es, der über ihre Heiligtümer und Mäler wacht.
Viele Grüße
quellfelder
weiter setzt Friedreich fort:
Der feierliche Ernst, mit welchem die Bäume dastehen, und sich nach oben erheben, das hohe Alter, welches sie erreichen, symbolisiert sie zu Zeugen der Vergangenheit, zu Sagendenkmale von Jahrhunderten. Der Baum greift, wie Sallet in einem Gedichte sagt, hinauf zur Himmelshelle und badet sich in Unendlichkeit.
Die Brahminen erzählen Folgendes: Der sehr geliebte König Vicramaarca dachte eine Tages über die Kürze des Lebens nach, und wurde darüber sehr traurig, bis ihm sein Bruder zum Troste folgenden Rat gab: „in der Mitte der Welt ist der Baum Udetaba, der Baum der Sonne, welcher mit Sonnenaufgang aus der Erde hervorsprosset, in dem Maße, wie die Sonne steigt, in die Höhe wächst und sie mit seinem Gipfel berührt wenn sie im Mittage steht, worauf er wieder mit dem Tage abnimmt und sich beim Sonnenuntergange in die Erde zurückzieht; setze dich nun mit Anbruch des Tages auf diesen Baum, er wird dich, so wie er in die Höhe wächst, bis zur Sonne hinaufbringen, und diese kannst du dann bitten, daß sie dir ein längeres Leben, als den übrigen Menschen, schenken möge“; der König befolgte diesen Rat und erhielt ein Leben von zweitausend Jahren voll Kraft und Gesundheit.
Das Ehrwürdige, Erhabene, was man in den Bäumen findet, harmoniert mit der Sorgfalt, die man ihrer Erhaltung und Pflege angedeihen läßt. Die Indier strecken, wenn sie an großen und schönen Bäuen vorübergehen, zum Zeichen der Verehrung die rechte Hand gegen sie aus, und alle mutwilligen Verletzungen der Bäume sind bei ihnen mit schwerer Strafe belegt; auch bei den Jakuten in Sibirien finden wir eine besondere Achtung für schöne Bäume, und sie glauben ein Unrecht zu begehen, wenn sie an einem solchen Baume vorübergehen, ohne irgend etwas als Geschenk bei ihm niedergelegt zu haben. Noch lebt in England der Gedanke an die erhabene Bedeutung des Baumes, was Masius geistreich mit folgenden Worten schildert:
„England weiß die Zeugen seiner Vergangenheit zu ehren. Es ist stolz auf seine alten Bäume und es hat ein Recht dazu. Da steht im Walde von Sherwood noch heute der Baum, unter welchem Johann ohne Land Audienz erteilte, und dieser Baum war vielleicht schon zu Johanns Zeiten Jahrhunderte alt.
Da ist die Eiche, auf welcher Robin Hood, jener freibeutende Balladenheld, der Zerlegung und Verteilung der königlichen Damhirsche präsidierte; die grüne Taleiche, in deren turmartig zerklüfteten Stamme der Wildschütz und sein ganzer lustiger Rat beisammen saß. Noch zeigt in Newforest ein Steinmal die Stelle, wo bis vor hundert Jahren jene Eiche stand, unter deren Zweigen Wilhelm der Rote von Tyrell’s Händen fiel; das Geschoß des Mörders hatte sein Ziel gefehlt, es traf den Stamm, aber abprallend durchbohrte es noch die Brust des Königs.
So erinnert hier jeder alte Baum an eine denkwürdige Szene oder Persönlichkeit.
Und fragen wir, was diese Bäume schützte? Es ist der Geist der Selbstachtung, der Geist, der die viel bewegte stolze Geschichte Englands geschaffen hat, derselbe ist es, der über ihre Heiligtümer und Mäler wacht.
Viele Grüße
quellfelder
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Hallo,
auch Johann Gottfried Herder hat sich um die Sammlung von Volksliedern und Volksdichtung verdient gemacht.
Unter anderem hat er "Stimmen der Völker in Liedern" veröffentlicht, aus dem ich hier folgendes zitiere:
Das Mädchen und die Haselstaude
Es wollt ein Mädchen Rosen brechen gehn,
wohl in die grüne Heide.
Was fand sie da am Wege stehn?
Eine Hasel, die war grüne.
„Guten Tag, guten Tag, liebe Hasel mein,
warum bist du so grüne?"
„Hab Dank, hab Dank, wackres Mägdelein,
warum bist du so schöne?"
„Warum, daß ich so schöne bin,
das will ich dir wohl sagen:
Ich eß weiß Brot, trink kühlen Wein,
davon bin ich so schöne."
„Ißt du weiß Brot, trinkst kühlen Wein,
und bist davon so schöne:
So fällt alle Morgen kühler Tau auf mich,
davon bin ich so grüne."
„So fällt alle Morgen kühler Tau auf dich,
und bist davon so grüne?
Wenn aber ein Mädchen ihren Kranz verliert,
nimmer kriegt sie ihn wieder."
„Wenn aber ein Mädchen ihren Kranz will behalten,
zu Hause muß sie bleiben,
darf nicht auf alle Narrentänz gehn;
die Narrentänz muß sie meiden."
Hab Dank, hab Dank, liebe Hasel mein,
daß du mir das gesaget,
hätt mich sonst heut aufn Narrentanz bereit,
zu Hause will ich bleiben."
Viele Grüße
quellfelder
auch Johann Gottfried Herder hat sich um die Sammlung von Volksliedern und Volksdichtung verdient gemacht.
Unter anderem hat er "Stimmen der Völker in Liedern" veröffentlicht, aus dem ich hier folgendes zitiere:
Das Mädchen und die Haselstaude
Es wollt ein Mädchen Rosen brechen gehn,
wohl in die grüne Heide.
Was fand sie da am Wege stehn?
Eine Hasel, die war grüne.
„Guten Tag, guten Tag, liebe Hasel mein,
warum bist du so grüne?"
„Hab Dank, hab Dank, wackres Mägdelein,
warum bist du so schöne?"
„Warum, daß ich so schöne bin,
das will ich dir wohl sagen:
Ich eß weiß Brot, trink kühlen Wein,
davon bin ich so schöne."
„Ißt du weiß Brot, trinkst kühlen Wein,
und bist davon so schöne:
So fällt alle Morgen kühler Tau auf mich,
davon bin ich so grüne."
„So fällt alle Morgen kühler Tau auf dich,
und bist davon so grüne?
Wenn aber ein Mädchen ihren Kranz verliert,
nimmer kriegt sie ihn wieder."
„Wenn aber ein Mädchen ihren Kranz will behalten,
zu Hause muß sie bleiben,
darf nicht auf alle Narrentänz gehn;
die Narrentänz muß sie meiden."
Hab Dank, hab Dank, liebe Hasel mein,
daß du mir das gesaget,
hätt mich sonst heut aufn Narrentanz bereit,
zu Hause will ich bleiben."
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Hallo,
hier noch ein paar abergläubische Ratschläge und der Zauberei:
Wer das kalte Fieber hat, der klage diese Not am Donnerstag Abend nach Sonnenuntergang und Freitag Morgen vor Sonnenaufgang bei abnehmenden Monde dreimal hinter einander, je drei Donnerstage und Freitage, stillschweigend dem Fliederbaume und umfasse ihn stillschweigend, gehe dann rücklings vom Baum fort, und das Fieber wird ihn verlassen.
Man bohrt stillschweigend ein Loch in eine Fichte, umarmt den Baum und haucht diese Worte in ihn hinein:
Fichte,
Ich klage dir die Gichte.
Und so du mir nicht wirst helfen,
So werd’ ich dich bei der Mutter Gottes verklagen.
Viele Grüße
quellfelder
hier noch ein paar abergläubische Ratschläge und der Zauberei:
Wer das kalte Fieber hat, der klage diese Not am Donnerstag Abend nach Sonnenuntergang und Freitag Morgen vor Sonnenaufgang bei abnehmenden Monde dreimal hinter einander, je drei Donnerstage und Freitage, stillschweigend dem Fliederbaume und umfasse ihn stillschweigend, gehe dann rücklings vom Baum fort, und das Fieber wird ihn verlassen.
Man bohrt stillschweigend ein Loch in eine Fichte, umarmt den Baum und haucht diese Worte in ihn hinein:
Fichte,
Ich klage dir die Gichte.
Und so du mir nicht wirst helfen,
So werd’ ich dich bei der Mutter Gottes verklagen.
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Hallo,
zur Wünscherute:
Dies ist eine Rute von Haselstrauch* und wird in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in der Mitternachtstunde auf drei Schnitt oder Bruch, abgebrochen, wobei unten stehende Worte gesprochen werden. Beim Gebrauch werden beide Enden zwischen Daumen und Zeigefinger mit beiden Händen gehalten, daß die Rute gebogen aufwärts steht. Alsdann müssen die Gedanken fest auf den Gegenstand gerichtet werden, den man suchen will, so wird die Rute senken, wenn der Ort erreicht wird, wo sich das Gesuchte befindet, Auf diese Art kann man Metalle, auch sonst Verborgenes, Verlorenes, Wasser, vergrabenes Geld, Spuren von Menschen und Vieh, den rechten Weg ect. aufsuchen und finden.
*In anderen Gegenden wird zur Herstellung einer Wünschelrute eine einstämmige Eiche, d.i.ein junger Eichensprößling ohne alle Zweige und Nebentriebe, gefordert.
Herr Jesus Christus, der du für mich gestorben bist am Stamm des heiligen Kreuzes, Rute brech ich dich, daß du mir zeigest und sagest nun alles das, was ich dich frage, recht und nicht falsch und ohne Betrug; es sei gleich ober der Erden oder unter der Erden, es sei gleich verborgen oder öffentlich, es sei gleich im Bann oder außer dem Bann, es sei von Gott oder von bösen Leuten.
Viele Grüße
quellfelder
zur Wünscherute:
Dies ist eine Rute von Haselstrauch* und wird in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend in der Mitternachtstunde auf drei Schnitt oder Bruch, abgebrochen, wobei unten stehende Worte gesprochen werden. Beim Gebrauch werden beide Enden zwischen Daumen und Zeigefinger mit beiden Händen gehalten, daß die Rute gebogen aufwärts steht. Alsdann müssen die Gedanken fest auf den Gegenstand gerichtet werden, den man suchen will, so wird die Rute senken, wenn der Ort erreicht wird, wo sich das Gesuchte befindet, Auf diese Art kann man Metalle, auch sonst Verborgenes, Verlorenes, Wasser, vergrabenes Geld, Spuren von Menschen und Vieh, den rechten Weg ect. aufsuchen und finden.
*In anderen Gegenden wird zur Herstellung einer Wünschelrute eine einstämmige Eiche, d.i.ein junger Eichensprößling ohne alle Zweige und Nebentriebe, gefordert.
Herr Jesus Christus, der du für mich gestorben bist am Stamm des heiligen Kreuzes, Rute brech ich dich, daß du mir zeigest und sagest nun alles das, was ich dich frage, recht und nicht falsch und ohne Betrug; es sei gleich ober der Erden oder unter der Erden, es sei gleich verborgen oder öffentlich, es sei gleich im Bann oder außer dem Bann, es sei von Gott oder von bösen Leuten.
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Hallo,
hier noch ein paar "Ratschläge":
Wer mondsüchtig ist, gehe ein Jahr durch bei abnehmenden Monde jeden Freitag von ¾ 12 bis 12 Uhr Nacht hinaus, stelle sich an einen Holunderbaum und schaue stillschweigend gegen Sonnenaufgang. Nach Verlauf des Jahres wird das Übel fort sein.
Wer Zahnschmerzen hat, schneide einen Zweig von einem Flieder-(Holunder)Baum und spitze ein Ende keilförmig zu, stochere damit den kranken Zahn und schlage darauf die Spitze in den Stamm des Fliederbaumes hinein. Die Schmerzen werden vergehen.
Schneide ein Stück Rinde aus einem Fliederbaum und lege es auf den kranken Zahn. Danach kaue die Rinde dreimal schweigend und lege sie wieder in die Schnittöffnung des Stammes hinein. Die Schmerzen schwinden sofort.
Viele Grüße
quellfelder
hier noch ein paar "Ratschläge":
Wer mondsüchtig ist, gehe ein Jahr durch bei abnehmenden Monde jeden Freitag von ¾ 12 bis 12 Uhr Nacht hinaus, stelle sich an einen Holunderbaum und schaue stillschweigend gegen Sonnenaufgang. Nach Verlauf des Jahres wird das Übel fort sein.
Wer Zahnschmerzen hat, schneide einen Zweig von einem Flieder-(Holunder)Baum und spitze ein Ende keilförmig zu, stochere damit den kranken Zahn und schlage darauf die Spitze in den Stamm des Fliederbaumes hinein. Die Schmerzen werden vergehen.
Schneide ein Stück Rinde aus einem Fliederbaum und lege es auf den kranken Zahn. Danach kaue die Rinde dreimal schweigend und lege sie wieder in die Schnittöffnung des Stammes hinein. Die Schmerzen schwinden sofort.
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Hallo,
hier noch etwas für Obstliebhaber:
Obstbäume vor Raupen schützen:
Am Karfreitage vor Sonnenaufgang schüttle alle Bäume im Garten; dann werden sie von Raupen verschont bleiben.
Einen unfruchtbaren Obstbaum tragend zu machen:
Vergrabe einen jungen Hund/Katze am Stamme des Baumes.
Eine Apfel am Ostermorgen auf nüchternen Magen genossen, schützt gegen das Fieber.
Viele Grüße
quellfelder
hier noch etwas für Obstliebhaber:
Obstbäume vor Raupen schützen:
Am Karfreitage vor Sonnenaufgang schüttle alle Bäume im Garten; dann werden sie von Raupen verschont bleiben.
Einen unfruchtbaren Obstbaum tragend zu machen:
Vergrabe einen jungen Hund/Katze am Stamme des Baumes.
Eine Apfel am Ostermorgen auf nüchternen Magen genossen, schützt gegen das Fieber.
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Hallo,
die Quelle für den vorherigen Zauberspaß war:
Jahn:
Hexenwesen und Zauberei in Pommern,
in: Baltische Studien, 1886
aber ich hätte da dann doch noch eine Frage; es tauchte immer wieder auf, daß zum Zweck der Abwehr und Schutz vor Zauberei, auch sogenanntes Neunholz geräuchert oder verwendet wurde. Wer weiß hierüber näheres?
Viele Grüße
quellfelder
die Quelle für den vorherigen Zauberspaß war:
Jahn:
Hexenwesen und Zauberei in Pommern,
in: Baltische Studien, 1886
aber ich hätte da dann doch noch eine Frage; es tauchte immer wieder auf, daß zum Zweck der Abwehr und Schutz vor Zauberei, auch sogenanntes Neunholz geräuchert oder verwendet wurde. Wer weiß hierüber näheres?
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Baum, Teil III
Hallo,
ich möchte nun die weiteren Ausführungen Friedreich zum Thema Baum folgen lassen:
Der Baum ist Symbol des Jahres als einer Periode, und dann der einzelnen Zeitperioden. Wollte der Mensch, sagt Schwenck, in einem Bilde den Kreislauf des Jahres ausdrücken, so hätte er schwerlich im Reiche der natürlichen Dinge einen Gegenstand finden könnnen, der sich mehr dazu geeignet hätte als der Baum, welcher genau dem Kreislaufe des ganzen Jahres folgt.
Mit dem beginnenden Lenze treibt der Baum neue Sprossen und neues Laub und Blüte, mit seiner Frucht, genießbar oder ungenießbar, folgt er dem Sommer, folgt der Reife und dem Abwelken des Herbstes, und begleitet den starren Winter mit seinem Zustande der Lebensstockung und Erstarrung, um dann, nach Ablauf sämtlicher Jahreszeiten mit dem wiederkehrenden neuen Kreislauf diesen wiederum mit seinem eigenen Kreislaufe zu begleiten.
Demnach wird man eingestehen müssen, daß die Wahl des Baumes zum Symbole der Jahreszeiten gut getroffen war. Zur Bezeichnung einer längeren Periode die aus mehreren Perioden besteht, konnte nun auch dasselbe Sinnbild dienen, weil man solche Perioden als große Jahre betrachtete. Es mußte nun ferner das Symbol der Zeitperioden auch Sinnbild des Lebens werden, denn der Mensch vermag sein Leben und die
verschiedenen Verhältnisse desselben nicht ohne den Begriff der Zeit aufzufassen; er zählt sein Leben nach den Perioden der Zeit und berechnet es nach denselben. Daraus ergibt sich nun eine weitere detaillierte Symbolik des Baumes in Bezug auf das menschliche Leben und seine wichtigsten Momente und Verhältnisse, und hier kommen insbesondere der Baum des Lebens und der Unsterblichkeit, der Baum der Heilung, der Baum der Erkenntnis, und der Baum der Versöhnung in Betracht.
Mehrere Völker haben die Mythe von einem Lebensbaume und einem Baume der Unsterblichkeit. Diese Symbolik hat ihren Grund teils darin, weil das Reich der Vegetation überhaupt als Erzeugnis der Erde zugleich unmittelbares und erstes Zeugnis ihrer Lebens- und Zeugungskraft ist, teils (nach Ansicht anderer) weil Holz mit Holz gerieben sich entzündet und Feuer gibt, man also im Holze das Prinzip alles Lebens, den Feuerstoff fand.
Die Idee über den Baum des Lebens hat sich nun verschieden gestaltet. Die Neger von Kordofan erzählen von einem Baume, der so viele Blätter hat als Menschen leben; auf jedem Blatte steht ein Name, und wird ein Kind geboren, so wächst ein neues; wird ein Mensch krank so welkt sein Blatt, und soll er sterben so bricht es der Todesengel ab.
In Asien hatte das Volk der Arier sich einen Baum zum Lebensbaume gewählt, den sie Hom nannten; sie legten ihn in’s Wasser, zerstießen ihn dann und bereiteten den Homtrank daraus, der ihnen als ein segensreicher Lebenstrank galt; da nun ein Teil diese Volkes nach Indien zog, so verpflanzte sich auch der Glaube an den Homtrank dorthin, wo er (nach dem Dialekte der indischen Arier) Somatrank hieß, der sogar zur Auferweckung der Toten diente und selbst den Göttern Kraft verleiht.
Viele Grüße
quellfelder
ich möchte nun die weiteren Ausführungen Friedreich zum Thema Baum folgen lassen:
Der Baum ist Symbol des Jahres als einer Periode, und dann der einzelnen Zeitperioden. Wollte der Mensch, sagt Schwenck, in einem Bilde den Kreislauf des Jahres ausdrücken, so hätte er schwerlich im Reiche der natürlichen Dinge einen Gegenstand finden könnnen, der sich mehr dazu geeignet hätte als der Baum, welcher genau dem Kreislaufe des ganzen Jahres folgt.
Mit dem beginnenden Lenze treibt der Baum neue Sprossen und neues Laub und Blüte, mit seiner Frucht, genießbar oder ungenießbar, folgt er dem Sommer, folgt der Reife und dem Abwelken des Herbstes, und begleitet den starren Winter mit seinem Zustande der Lebensstockung und Erstarrung, um dann, nach Ablauf sämtlicher Jahreszeiten mit dem wiederkehrenden neuen Kreislauf diesen wiederum mit seinem eigenen Kreislaufe zu begleiten.
Demnach wird man eingestehen müssen, daß die Wahl des Baumes zum Symbole der Jahreszeiten gut getroffen war. Zur Bezeichnung einer längeren Periode die aus mehreren Perioden besteht, konnte nun auch dasselbe Sinnbild dienen, weil man solche Perioden als große Jahre betrachtete. Es mußte nun ferner das Symbol der Zeitperioden auch Sinnbild des Lebens werden, denn der Mensch vermag sein Leben und die
verschiedenen Verhältnisse desselben nicht ohne den Begriff der Zeit aufzufassen; er zählt sein Leben nach den Perioden der Zeit und berechnet es nach denselben. Daraus ergibt sich nun eine weitere detaillierte Symbolik des Baumes in Bezug auf das menschliche Leben und seine wichtigsten Momente und Verhältnisse, und hier kommen insbesondere der Baum des Lebens und der Unsterblichkeit, der Baum der Heilung, der Baum der Erkenntnis, und der Baum der Versöhnung in Betracht.
Mehrere Völker haben die Mythe von einem Lebensbaume und einem Baume der Unsterblichkeit. Diese Symbolik hat ihren Grund teils darin, weil das Reich der Vegetation überhaupt als Erzeugnis der Erde zugleich unmittelbares und erstes Zeugnis ihrer Lebens- und Zeugungskraft ist, teils (nach Ansicht anderer) weil Holz mit Holz gerieben sich entzündet und Feuer gibt, man also im Holze das Prinzip alles Lebens, den Feuerstoff fand.
Die Idee über den Baum des Lebens hat sich nun verschieden gestaltet. Die Neger von Kordofan erzählen von einem Baume, der so viele Blätter hat als Menschen leben; auf jedem Blatte steht ein Name, und wird ein Kind geboren, so wächst ein neues; wird ein Mensch krank so welkt sein Blatt, und soll er sterben so bricht es der Todesengel ab.
In Asien hatte das Volk der Arier sich einen Baum zum Lebensbaume gewählt, den sie Hom nannten; sie legten ihn in’s Wasser, zerstießen ihn dann und bereiteten den Homtrank daraus, der ihnen als ein segensreicher Lebenstrank galt; da nun ein Teil diese Volkes nach Indien zog, so verpflanzte sich auch der Glaube an den Homtrank dorthin, wo er (nach dem Dialekte der indischen Arier) Somatrank hieß, der sogar zur Auferweckung der Toten diente und selbst den Göttern Kraft verleiht.
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Bloemenvriend
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Hallo,
durch diese Zeilen wurde ich auf den Dichter Sallet aufmerksam
(siehe Sa 09.Nov 2013 12:26) :
"Der feierliche Ernst, mit welchem die Bäume dastehen, und sich nach oben erheben, das hohe Alter, welches sie erreichen, symbolisiert sie zu Zeugen der Vergangenheit, zu Sagendenkmale von Jahrhunderten. Der Baum greift, wie Sallet in einem Gedichte sagt, hinauf zur Himmelshelle und badet sich in Unendlichkeit."
Ich habe zwar das Gedicht nicht gefunden aber dieses von Sallet ist auch schön und passend zur Jahreszeit:
Im Herbst
Durch die Wälder streif' ich munter,
Wenn der Wind die Stämme rüttelt
Und im Rascheln bunt und bunter
Blatt auf Blatt herunterschüttelt.
Denn es träumt bei solchem Klange
Sich gar schön vom Frühlingshauche,
Von der Nachtigall Gesange,
Und vom jungen Grün am Strauche.
Lustig schreit' ich durchs Gefilde,
Wo verdorrte Disteln nicken,
Denk' an Maienröslein milde
Mit den morgenfrischen Blicken.
Nach dem Himmel schau' ich gerne,
Wenn ihn Wolken schwarz bedecken;
Denk' an tausend liebe Sterne,
Die dahinter sich verstecken.
Friedrich von Sallet (1812 - 1843), deutscher Dichter
liebe Grüsse Silvia
durch diese Zeilen wurde ich auf den Dichter Sallet aufmerksam
(siehe Sa 09.Nov 2013 12:26) :
"Der feierliche Ernst, mit welchem die Bäume dastehen, und sich nach oben erheben, das hohe Alter, welches sie erreichen, symbolisiert sie zu Zeugen der Vergangenheit, zu Sagendenkmale von Jahrhunderten. Der Baum greift, wie Sallet in einem Gedichte sagt, hinauf zur Himmelshelle und badet sich in Unendlichkeit."
Ich habe zwar das Gedicht nicht gefunden aber dieses von Sallet ist auch schön und passend zur Jahreszeit:
Im Herbst
Durch die Wälder streif' ich munter,
Wenn der Wind die Stämme rüttelt
Und im Rascheln bunt und bunter
Blatt auf Blatt herunterschüttelt.
Denn es träumt bei solchem Klange
Sich gar schön vom Frühlingshauche,
Von der Nachtigall Gesange,
Und vom jungen Grün am Strauche.
Lustig schreit' ich durchs Gefilde,
Wo verdorrte Disteln nicken,
Denk' an Maienröslein milde
Mit den morgenfrischen Blicken.
Nach dem Himmel schau' ich gerne,
Wenn ihn Wolken schwarz bedecken;
Denk' an tausend liebe Sterne,
Die dahinter sich verstecken.
Friedrich von Sallet (1812 - 1843), deutscher Dichter
liebe Grüsse Silvia
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Baum, Teil IV
Hallo,
weiter setzt Friedreich fort:
In Indien ist auch noch der Baum des Lebens Gogard, der verjüngt, und auf dem Berge Madaram wächst der Baum Sudam, dessen Früchte dem, der sie genießt, die Unsterblichkeit verleihen. Es wird auch in indischen Sagen der Baum Kalpaurkscham erwähnt, welcher den Trank und die Speise der Unsterblichkeit enthält, und auch in den Sprüchen von Bhartrihari spielt eine Baumfrucht, deren Genuß Unsterblichkeit verleiht; diese Sage ist folgende.
Ein armer Brahmane fand diese, die Unsterblichkeit verleihende Frucht, und eilte damit nach Hause, um sie in Gemeinschaft mit seiner Frau zu verzehren, diese aber weinte über den Entschluß ihres Mannes und glaubte, daß ein böser Dämon ihm diesen Rat erteilt, weil durch Erlangung der Unsterblicheit ihre Not ewig sein würde und sie nicht durch den Tod davon befreit werden könnten, und riet ihrem Manne, diese Frucht dem König Bhartrihari zu überreichen, dem sie als Verewigung seines ungetrübten Lebensglückes erwünscht sein könne; der Brahmane übergibt nun die Frucht dem Könige, und dieser überbringt sie seiner Geliebten, um sie unsterblich zu machen, aber die Geliebte liebt heimlich einen Anderen und sendet diesem die Frucht, dieser hat wiederum seine Liebe einer Grisette zugewendet und schickt ihr die Frucht;
hoffend eine große Belohnung vom Könige zu erhalten, eilt die Grisette in den Palast und überreicht die Frucht dem Bhartrihari, welcher, den Zusammenhang ahnend, zu seiner Geliebten eilt, um sie zu bestrafen; als aber diese die Frucht in den Händen des Königs erblickt, stürzte sie vor Schrecken tot zu Boden; Bhartrihari, die Eitelkeit alles Irdischen erkennend, zieht sich in die Einsamkeit und wird Büßer.
Die Idee eine heilenden Baumes findet man besonders bei den Deutschen, Schweden und Engländern. In dem Magdeburgischen geht die Sage,daß, wenn zwei Brüder einen Kirschbaum in der Mitte spalten, und ein krankes Kind durchziehen, dann den Baum wieder zubinden, das Kind heile, wie der Baum heilt; in der Altmark bei Wittstock stand eine dicke Eiche, deren Äste in einander und Löcher durchgewachsen waren, und wer durch diese Löcher kroch, genaß von seiner Krankheit.
In Schweden heißen solche Öffnungen zusammengewachsener Äste Elfenlöcher, und Frauen werden in Kindsnöten zur Erleichterung hindurch geschoben.
In England herrscht der Glaube, daß das Kriechen durch Bäume Brüche heile, und auf der Insel Rügen wird ein Kind mit einem Bruchschaden bei Sonnenaufgang durch einen gespaltenen jungen Eich bam dreimal gezogen und dieser wieder zugebunden, und so wie der Baum zusammenwächst, heilt der Bruch.
Wenn ein auf diese Weise geheilter Mensch stirbt, so geht sein Geist in den Baum über, und wird dieser Baum zum Schiffbau benutzt, so entsteht aus diesem im Holze weilenden Geiste der Klabautermann, ein kleiner Mann mit großem Kopfe, hellen Augen und zarten Händen, welcher, wenn dem Schiffe Gefahr droht, einen großen Lärm macht und hilfreiche Hand anlegt.
Viele Grüße
quellfelder
weiter setzt Friedreich fort:
In Indien ist auch noch der Baum des Lebens Gogard, der verjüngt, und auf dem Berge Madaram wächst der Baum Sudam, dessen Früchte dem, der sie genießt, die Unsterblichkeit verleihen. Es wird auch in indischen Sagen der Baum Kalpaurkscham erwähnt, welcher den Trank und die Speise der Unsterblichkeit enthält, und auch in den Sprüchen von Bhartrihari spielt eine Baumfrucht, deren Genuß Unsterblichkeit verleiht; diese Sage ist folgende.
Ein armer Brahmane fand diese, die Unsterblichkeit verleihende Frucht, und eilte damit nach Hause, um sie in Gemeinschaft mit seiner Frau zu verzehren, diese aber weinte über den Entschluß ihres Mannes und glaubte, daß ein böser Dämon ihm diesen Rat erteilt, weil durch Erlangung der Unsterblicheit ihre Not ewig sein würde und sie nicht durch den Tod davon befreit werden könnten, und riet ihrem Manne, diese Frucht dem König Bhartrihari zu überreichen, dem sie als Verewigung seines ungetrübten Lebensglückes erwünscht sein könne; der Brahmane übergibt nun die Frucht dem Könige, und dieser überbringt sie seiner Geliebten, um sie unsterblich zu machen, aber die Geliebte liebt heimlich einen Anderen und sendet diesem die Frucht, dieser hat wiederum seine Liebe einer Grisette zugewendet und schickt ihr die Frucht;
hoffend eine große Belohnung vom Könige zu erhalten, eilt die Grisette in den Palast und überreicht die Frucht dem Bhartrihari, welcher, den Zusammenhang ahnend, zu seiner Geliebten eilt, um sie zu bestrafen; als aber diese die Frucht in den Händen des Königs erblickt, stürzte sie vor Schrecken tot zu Boden; Bhartrihari, die Eitelkeit alles Irdischen erkennend, zieht sich in die Einsamkeit und wird Büßer.
Die Idee eine heilenden Baumes findet man besonders bei den Deutschen, Schweden und Engländern. In dem Magdeburgischen geht die Sage,daß, wenn zwei Brüder einen Kirschbaum in der Mitte spalten, und ein krankes Kind durchziehen, dann den Baum wieder zubinden, das Kind heile, wie der Baum heilt; in der Altmark bei Wittstock stand eine dicke Eiche, deren Äste in einander und Löcher durchgewachsen waren, und wer durch diese Löcher kroch, genaß von seiner Krankheit.
In Schweden heißen solche Öffnungen zusammengewachsener Äste Elfenlöcher, und Frauen werden in Kindsnöten zur Erleichterung hindurch geschoben.
In England herrscht der Glaube, daß das Kriechen durch Bäume Brüche heile, und auf der Insel Rügen wird ein Kind mit einem Bruchschaden bei Sonnenaufgang durch einen gespaltenen jungen Eich bam dreimal gezogen und dieser wieder zugebunden, und so wie der Baum zusammenwächst, heilt der Bruch.
Wenn ein auf diese Weise geheilter Mensch stirbt, so geht sein Geist in den Baum über, und wird dieser Baum zum Schiffbau benutzt, so entsteht aus diesem im Holze weilenden Geiste der Klabautermann, ein kleiner Mann mit großem Kopfe, hellen Augen und zarten Händen, welcher, wenn dem Schiffe Gefahr droht, einen großen Lärm macht und hilfreiche Hand anlegt.
Viele Grüße
quellfelder
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quellfelder
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Baum, Teil V
Hallo,
ich setze mit weiteren Ausführungen Friedreichs zum Thema Baum fort:
Im Baume der Erkenntnis liegt die Idee, daß das Essen von seiner Frucht das Bewußtsein der Nacktheit und die Bedeckung der Geschlechtsteile zur Folge hat. Die Rabbinen, welche Zeugen und Erkennen in einem Begriffe zusammenfassen, deuten diesen Baum vom Phallus und manche hielten ihn für einen Feigenbaum, welcher das Symbol der Zeugung ist. Durch den Genuß von diesem Baume treten also die ersten Menschen in ihre geschlechtliche Bedeutung. Da nun Zeugung den Tod zur Folge hat, wie der Anfang das Ende, so wird das erste Menschenpaar, als es von diesem Baume genossen (d.h. als es gezeugt hatte) sterblich; bedeutungsvoll ist es, wenn eine Tradition das Kreuz Christi aus dem Erkenntnisbaume im Paradiese gezimmert sein ließ, und daß durch den Tod Christi das Kreuz sich in den Baum des Lebens (weil aus dem Tode neues Leben hervorgeht) umgewandelt, wie ehedem durch des ersten Menschenpaares Ungehorsam der Baum des Lebens in den der Erkenntnis, d. h. der Zeugung. Hierher gehören die verschiedenen Kunstdarstellungen des Baumes mit dem Drachen (Schlange). Gewöhnlich sind Adam und Eva dargestellt zu beiden Seiten des Baumes mit oder ohne Frucht, um dessen Stamm sich eine Schlange emporwindet; zuweilen fehlt auch die Schlange. Auf einem alten Wandgemälde des Calllistus hat die Schlange die Frucht im Maule und hält sie der Eva hin. Auf einem Gemälde von Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle steht der Baum der Erkenntnis in der Mitte, die in den Oberkörper eines Weibes ausgehende Schlange um dessen Stamm gewunden, sie beugt sich seitwärts hinüber zu dem Paare, das zu sündigen im Begriffe ist, und in dem Gestalten von eigentümlicher großartiger Anmut, besonders in der Eva erkennt;
auf der andern Seite der Schlange schwebt der Engel mit dem Schwerte um die Gefallenen aus dem Paradiese zu vertreiben.
In einer Gruft der Katakomben der heil. Agnes zu Rom fand Gaume folgendes Gemälde:
Zwischen Adam und Eva erhebt sich der Baum um dessen Stamm sich die Schlange windet, der Teufel schaut das Weib an, welches die Hand ausstreckt um die Frucht zu pflücken. Auf einer Handschrift aus dem elften Jahrhunderte steht Christus in einem elliptisch geschlossenen Regenbogen vor einem Baume, dessen einen Ast er mit der Linken faßt, und in der Rechten eine Kugel, das Sinnbild der Herrschaft, hält; der Baum ist mit pilzartigen Blättergruppen und mit kleinen roten Früchten versehen, und stellt ohne Zweifel den Baum der Erkenntnis dar, aus dessen Holz das Kreuz Christi gezimmert wurde, worauf sich auch hier die Zusammenstellung bezieht.
Wenn wir eine in der Wallachei lebende Sage berücksichtigen, so gestaltet ich die Idee von einem Versöhnungsbaume, dem Sinnbild der Aussühnung begangenen Frevels an Gott und den Menschen. Die Sage ist folgende. Ein armer Fischer gelobt dem Teufel gegen das Versprechen ihn reich zu machen, seinen Sohn. Dieser aber legt Kleider eines Geistlichen an, behängt sich mit Kreuzen, und macht sich am festgesetzten Tag auf den Weg zur Hölle; unterwegs kam er in ein Räuberhaus, wo die Mutter mit zwölf Söhnen lebt; es geschieht ihm aber kein Leid, sondern die um das Heil ihrer Söhne bekümmerte Mutter bittet ihn sogar, er möge sich in der Hölle erkundigen, wie Mörder gerechtfertigt werden könnten. Der Jüngling begibt sich nun zur Hölle, wird aber von dem Teufel mit den Worten „wir wollen keinen Pfaffen“ zurückgeschickt; er erhält aber doch auf seine Anfrage, was ein Räuber und Mörder tun müsse, damit ihm seine Sünden vergeben würden, einen Rat, und bringt diesen zu den Räubern zurück. Dieser Rat war der: wenn der Mörder den Prügel, mit dem er den ersten Mord begangen hat, in die Erde steckt, und ihn mit Wasser, das er im Munde herbeiträgt, so lange begießt, bis er wächst, Blätter und Blüten treibt und Früchte trägt, so ist dies ein Zeichen, daß ihm seine Sünden verziehen sind. Dieses tat nun der jüngste von den Räubern, und sein in die Erde gesteckter Mordprügel trug bald Blätter, Blüten und Äpfel, und aus jedem derselben flog eine weiße Taube heraus und empor gegen den Himmel. Dieses Wunder ergriff nun die übrigen Räuber so, daß sie auf die Kniee fielen, Gott um Vergebung ihrer Sünden baten, und sich selbst dem Gerichte überlieferten, wo sie begnadigt wurden.
Viele Grüße
quellfelder
ich setze mit weiteren Ausführungen Friedreichs zum Thema Baum fort:
Im Baume der Erkenntnis liegt die Idee, daß das Essen von seiner Frucht das Bewußtsein der Nacktheit und die Bedeckung der Geschlechtsteile zur Folge hat. Die Rabbinen, welche Zeugen und Erkennen in einem Begriffe zusammenfassen, deuten diesen Baum vom Phallus und manche hielten ihn für einen Feigenbaum, welcher das Symbol der Zeugung ist. Durch den Genuß von diesem Baume treten also die ersten Menschen in ihre geschlechtliche Bedeutung. Da nun Zeugung den Tod zur Folge hat, wie der Anfang das Ende, so wird das erste Menschenpaar, als es von diesem Baume genossen (d.h. als es gezeugt hatte) sterblich; bedeutungsvoll ist es, wenn eine Tradition das Kreuz Christi aus dem Erkenntnisbaume im Paradiese gezimmert sein ließ, und daß durch den Tod Christi das Kreuz sich in den Baum des Lebens (weil aus dem Tode neues Leben hervorgeht) umgewandelt, wie ehedem durch des ersten Menschenpaares Ungehorsam der Baum des Lebens in den der Erkenntnis, d. h. der Zeugung. Hierher gehören die verschiedenen Kunstdarstellungen des Baumes mit dem Drachen (Schlange). Gewöhnlich sind Adam und Eva dargestellt zu beiden Seiten des Baumes mit oder ohne Frucht, um dessen Stamm sich eine Schlange emporwindet; zuweilen fehlt auch die Schlange. Auf einem alten Wandgemälde des Calllistus hat die Schlange die Frucht im Maule und hält sie der Eva hin. Auf einem Gemälde von Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle steht der Baum der Erkenntnis in der Mitte, die in den Oberkörper eines Weibes ausgehende Schlange um dessen Stamm gewunden, sie beugt sich seitwärts hinüber zu dem Paare, das zu sündigen im Begriffe ist, und in dem Gestalten von eigentümlicher großartiger Anmut, besonders in der Eva erkennt;
auf der andern Seite der Schlange schwebt der Engel mit dem Schwerte um die Gefallenen aus dem Paradiese zu vertreiben.
In einer Gruft der Katakomben der heil. Agnes zu Rom fand Gaume folgendes Gemälde:
Zwischen Adam und Eva erhebt sich der Baum um dessen Stamm sich die Schlange windet, der Teufel schaut das Weib an, welches die Hand ausstreckt um die Frucht zu pflücken. Auf einer Handschrift aus dem elften Jahrhunderte steht Christus in einem elliptisch geschlossenen Regenbogen vor einem Baume, dessen einen Ast er mit der Linken faßt, und in der Rechten eine Kugel, das Sinnbild der Herrschaft, hält; der Baum ist mit pilzartigen Blättergruppen und mit kleinen roten Früchten versehen, und stellt ohne Zweifel den Baum der Erkenntnis dar, aus dessen Holz das Kreuz Christi gezimmert wurde, worauf sich auch hier die Zusammenstellung bezieht.
Wenn wir eine in der Wallachei lebende Sage berücksichtigen, so gestaltet ich die Idee von einem Versöhnungsbaume, dem Sinnbild der Aussühnung begangenen Frevels an Gott und den Menschen. Die Sage ist folgende. Ein armer Fischer gelobt dem Teufel gegen das Versprechen ihn reich zu machen, seinen Sohn. Dieser aber legt Kleider eines Geistlichen an, behängt sich mit Kreuzen, und macht sich am festgesetzten Tag auf den Weg zur Hölle; unterwegs kam er in ein Räuberhaus, wo die Mutter mit zwölf Söhnen lebt; es geschieht ihm aber kein Leid, sondern die um das Heil ihrer Söhne bekümmerte Mutter bittet ihn sogar, er möge sich in der Hölle erkundigen, wie Mörder gerechtfertigt werden könnten. Der Jüngling begibt sich nun zur Hölle, wird aber von dem Teufel mit den Worten „wir wollen keinen Pfaffen“ zurückgeschickt; er erhält aber doch auf seine Anfrage, was ein Räuber und Mörder tun müsse, damit ihm seine Sünden vergeben würden, einen Rat, und bringt diesen zu den Räubern zurück. Dieser Rat war der: wenn der Mörder den Prügel, mit dem er den ersten Mord begangen hat, in die Erde steckt, und ihn mit Wasser, das er im Munde herbeiträgt, so lange begießt, bis er wächst, Blätter und Blüten treibt und Früchte trägt, so ist dies ein Zeichen, daß ihm seine Sünden verziehen sind. Dieses tat nun der jüngste von den Räubern, und sein in die Erde gesteckter Mordprügel trug bald Blätter, Blüten und Äpfel, und aus jedem derselben flog eine weiße Taube heraus und empor gegen den Himmel. Dieses Wunder ergriff nun die übrigen Räuber so, daß sie auf die Kniee fielen, Gott um Vergebung ihrer Sünden baten, und sich selbst dem Gerichte überlieferten, wo sie begnadigt wurden.
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quellfelder
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Halllo,
mit einem Gedicht des Dichters Fritz Reuter in niederdeutscher Sprache will ich fortfahren:
Fritz Reuter
De Eikboom
Ik weit einen Eikboom, de steiht an de See;
de Noordstorm de bruust in sien Knäst;
stolt reckt hei sien mächtige Kroon in de Höh;
so is dat al dusend Johr west.
Kein Minschenhand de hett em plant;
hei reckt sik von Pommern bit Nedderland.
Ik weit einen Eikboom vull Knorrn un vull Knast,
up den fött kein Biel nich un Äxt.
Sien Bork is so ruug, un sien Holt is so fast,
as wier hei mal bannt un behext.
Nix hett em daan, hei ward noch stahn,
wenn wedder mal dusend von Johrn vergahn.
Un de König un siene Frau Königin
un sien Dochter, de gahn an den Strand.
“Wat deit dat för ‘n mächtigen Eikboom sien,
de sien Telgen reckt aever dat Land?
Wer hett em pleegt, wer hett em heegt,
dat hei siene Bläder so lustig röögt?”
Un as nu de König so Antwuurt begehrt,
trett vör em en junge Gesell:
“Herr König, Ji hefft Ju jo süs nich drüm scheert,
Jug Frau nich un Juge Mamsell!
Kein vörnehm Lüüd, de hadden Tiet,
tau seihn, ob den Boom ok sien Recht geschüht.
Un doch gräunt so lustig de Eikboom upstunns;
wi Arbeitslüüd hewwen em wohrt;
de Eikboom, Herr König, de Eikboom is uns,
uns plattdüütsche Spraak is ‘t un Oort.
Kein vörnehm Kunst hett s’ uns verhunzt;
fri wüssen s’ tau Hööchten ahn Königsgunst.”
Rasch gifft em den König sien Dochter de Hand;
“Gott seg’n Di, Gesell, för dien Reed!
Wenn de Stormwind eins bruust dörch dat düütsche Land,
denn weit ik ne sekere Steed:
Wer eigen Oort fri wünn un wohrt,
bi den is in Noot ein tau ‘n besten verwohrt.”
Viele Grüße
quellfelder
mit einem Gedicht des Dichters Fritz Reuter in niederdeutscher Sprache will ich fortfahren:
Fritz Reuter
De Eikboom
Ik weit einen Eikboom, de steiht an de See;
de Noordstorm de bruust in sien Knäst;
stolt reckt hei sien mächtige Kroon in de Höh;
so is dat al dusend Johr west.
Kein Minschenhand de hett em plant;
hei reckt sik von Pommern bit Nedderland.
Ik weit einen Eikboom vull Knorrn un vull Knast,
up den fött kein Biel nich un Äxt.
Sien Bork is so ruug, un sien Holt is so fast,
as wier hei mal bannt un behext.
Nix hett em daan, hei ward noch stahn,
wenn wedder mal dusend von Johrn vergahn.
Un de König un siene Frau Königin
un sien Dochter, de gahn an den Strand.
“Wat deit dat för ‘n mächtigen Eikboom sien,
de sien Telgen reckt aever dat Land?
Wer hett em pleegt, wer hett em heegt,
dat hei siene Bläder so lustig röögt?”
Un as nu de König so Antwuurt begehrt,
trett vör em en junge Gesell:
“Herr König, Ji hefft Ju jo süs nich drüm scheert,
Jug Frau nich un Juge Mamsell!
Kein vörnehm Lüüd, de hadden Tiet,
tau seihn, ob den Boom ok sien Recht geschüht.
Un doch gräunt so lustig de Eikboom upstunns;
wi Arbeitslüüd hewwen em wohrt;
de Eikboom, Herr König, de Eikboom is uns,
uns plattdüütsche Spraak is ‘t un Oort.
Kein vörnehm Kunst hett s’ uns verhunzt;
fri wüssen s’ tau Hööchten ahn Königsgunst.”
Rasch gifft em den König sien Dochter de Hand;
“Gott seg’n Di, Gesell, för dien Reed!
Wenn de Stormwind eins bruust dörch dat düütsche Land,
denn weit ik ne sekere Steed:
Wer eigen Oort fri wünn un wohrt,
bi den is in Noot ein tau ‘n besten verwohrt.”
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Der Baum, Teil VI
Hallo,
weiter führt Friedreich aus:
Was nun, wie der Baum, in so innigem Rapporte mit Gott und der Natur steht, muß selbst eine geheiligte Bedeutung erhalten, daher die heilige Weihe der Bäume, welche ja selbst Tempel sind, in den Kulten, welche Görres auf folgende geistreiche Weise entwickelt.
„Die Erde, welche man als Amme des ganzen Menschengeschlechts erkannte, gab in den Bäumen die erste Nahrung. Dankbarkeit weihte den Baum als König und Priester sämtlicher Gewächse, er galt als Vermittler mit den Göttern, die man in ihm wohnend glaubte. Unter seinen Schatten am Steintisch hielt man in seinen Früchten das Opfermahl, dann sollte das Essen der Frucht das innwohnende Leben des heiligen Baumes mit ihnen in Rapport versetzen, und die gesuchte Einigung mit der Erdmutter sich erwirken. Wie aber die Wanderung der Völker aus dem Urlande ihren Anfang nahm, teilte sich der Urbaum, jenes lebendige Zentrum des gesamten Pflanzenreichs, in die verschiedenen Stammesbäume; indem jeder das seiner Natur und das seines Landes am meisten congeniale Pflanzenleben, in einer besonderen Baumesart, sich zu dem seinigen wählte. Wie nun jedes gesonderte Essen der Stammesglieder sich an das allgemeine Opfermahl knüpfte, und von ihm erst seine Kraft und Heiligung gewann, so wurde wieder dieses Opfermahl selbst auf das Primitive unter dem Urbaum zurückbezogen, indem alle insgesamt ihre Einheit fanden, und das sie lange in der Erinnerung behielten. So sind die Persea in Aethiopien und Egypten, die Lotus in Libyen und Indien, die Palme in Phönizien, Arabien und auf Delos, die Mandel in Phrygien, die Eiche in Dodona und durch den ganzen gälischen, die Eiche und Erle durch den germanischen Norden, und so andere anderwärts, Wunderbäume dieser Art geworden. Untergeordnete Mittelpunkte der Pflanzenwelt, umwachsen von immergrünenden, lichterhellten, durch die Stürme nicht berührten heiligen Hainen, knüpften untergeordnete Abteilungen des gesamten Menschengeschlechtes, zugleich mit ihren Naturrapporte, an sie die Idee der Götternähe, ihres waltenden Schutzes und ihrer Eingebungen in Orakeln. Der Fortbestand des Stammes und seiner Freiheit, wie Leben und Tod der ihm Angehörigen, sind durch die Weihsage eben so in Mitte des Hains gelegt, und an ihn gebunden, wie der Fortbestand des Universums an den Weltbaum. Und so tief hat dieser pflanzenhafte Verband mit dem Naturganzen, durch das Medium dessen, was in dem von der Erde seine Nahrung ziehenden Menschen Pflanze ist, den Anschauungen der frühern Zeit sich eingeprägt, daß sie selbst bis in die höhern geistigen Gebiete eingedrungen. Wie daher bei den Indern Mythologie und Symbolik, Poesie und Plastik einen durchaus pflanzenhaften Chrakter tragen, so hat im äußersten Occident die heilige Schrift der Iren (die Ogham) alle Buchstaben aus dem Pflanzenreiche hergenommen, so daß, indem jedes Wort zu einer Gruppe, in immer wechselnden Combinationen zusammengestellter Bäume, wird; die einzelne Triade, und größere aus ihnen zusammengestellte Werke und Schriftgebilde, wieder zu heiligen Hainen erwachsen, welche die ausgesprochene Grundidee umgrünen, sie in ihre Mitte bergen“. So weit Görres.
So finden wir nun sehr häufig in dem Kultus der verschiedensten Völker und Zeiten einzelne einer Gottheit geweihte und zu deren Kultusstätte gehörende Bäume: wir erinnern nur an die von Moses gepflanzte Tamariske zu Berseba und den von ihm unter den Eichen Mamre’s dem Jehova errichteten Altare, an die Palme am Altare des Apollo und die Eiche des Zeus.
Bei dieser heiligen Bedeutung der Bäume ist es auch erklärbar, daß die frommen Eheleute Philemon und Baucis in grünende Bäume verwandelt werden, und daß sich auch eine Beziehung der Bäume zu den christlichen Heiligen, so wie eine Symbolisierung des göttlichen Wortes und der, dasselbe Befolgenden mit einem Baume auffinden läßt.
In erstere Beziehung wollen wir nur den Gudulen-Baum erwähnen: als die heil. Gudula begraben war, schoß ein bei ihrem Grabe stehender Pappelbaum plötzlich ins Laub; es wird auch so erzählt, der Baum sei früher gar nicht dagestanden, sondern erst nach dem Begräbnisse der Gudula daselbst gesehen worden; als man später die Reliquien dieser Heiligen in eine andere Kirche brachte, stand plötzlich dieser Baum vor der Türe dieser Kirche.
Auch an dem frommen Gebete der Heiligen nehmen die Bäume Anteil: wenn die heilige Rosa von Lima früh in ihren Garten ging, sprach sie zu den Bäumen, „betet mit mir zu eurem Erschaffer und lobet ihn“, da bewegten sich die Äste, als wären sie aus einem Traume geweckt, und die Zweige neigten sich wie zum Gebete.
Bedeutungsvoll erscheint die Symbolisierung des Baumes mit dem Worte Gottes und seiner Anhänger. „Das Wort Gottes, heißt es im Koran, gleicht einem guten Baume, dessen Wurzel fest in der Erde steht und dessen Zweige bis an den Himmel reichen, und der, mit dem Willen seines Herrn, zu jeder Jahreszeit seine Früchte bringt“. Derjenige, der am Worte Gottes Lust hat und über dasselbe nachsinnt, wird in der Bibel mit einem Baume verglichen, der zur rechten Zeit seine Früchte bringt und dessen Blätter nie welken; eben so werden die Gerechten, die Gottes Wort Befolgenden, mit grünenden, saftreichen und noch im Alter sprossenden Bäumen, mit Pflanzungen Jehova’s, verglichen.
Dieser Symbolik entsprechend deutet es sich, daß der Baum, der Zeuge eines Frevels war, verkümmert, so wie das Wunder, daß der von Christus verfluchte Baum, der keine (moralische) Früchte trug, sogleich verdorrte, denn dieser Baum symbolisiert die Bösen, die Heuchler, die das reine Wort Gottes nicht nur nicht befolgen, sondern es sogar mißdeuten und verdrehen.
Viele Grüße
quellfelder
weiter führt Friedreich aus:
Was nun, wie der Baum, in so innigem Rapporte mit Gott und der Natur steht, muß selbst eine geheiligte Bedeutung erhalten, daher die heilige Weihe der Bäume, welche ja selbst Tempel sind, in den Kulten, welche Görres auf folgende geistreiche Weise entwickelt.
„Die Erde, welche man als Amme des ganzen Menschengeschlechts erkannte, gab in den Bäumen die erste Nahrung. Dankbarkeit weihte den Baum als König und Priester sämtlicher Gewächse, er galt als Vermittler mit den Göttern, die man in ihm wohnend glaubte. Unter seinen Schatten am Steintisch hielt man in seinen Früchten das Opfermahl, dann sollte das Essen der Frucht das innwohnende Leben des heiligen Baumes mit ihnen in Rapport versetzen, und die gesuchte Einigung mit der Erdmutter sich erwirken. Wie aber die Wanderung der Völker aus dem Urlande ihren Anfang nahm, teilte sich der Urbaum, jenes lebendige Zentrum des gesamten Pflanzenreichs, in die verschiedenen Stammesbäume; indem jeder das seiner Natur und das seines Landes am meisten congeniale Pflanzenleben, in einer besonderen Baumesart, sich zu dem seinigen wählte. Wie nun jedes gesonderte Essen der Stammesglieder sich an das allgemeine Opfermahl knüpfte, und von ihm erst seine Kraft und Heiligung gewann, so wurde wieder dieses Opfermahl selbst auf das Primitive unter dem Urbaum zurückbezogen, indem alle insgesamt ihre Einheit fanden, und das sie lange in der Erinnerung behielten. So sind die Persea in Aethiopien und Egypten, die Lotus in Libyen und Indien, die Palme in Phönizien, Arabien und auf Delos, die Mandel in Phrygien, die Eiche in Dodona und durch den ganzen gälischen, die Eiche und Erle durch den germanischen Norden, und so andere anderwärts, Wunderbäume dieser Art geworden. Untergeordnete Mittelpunkte der Pflanzenwelt, umwachsen von immergrünenden, lichterhellten, durch die Stürme nicht berührten heiligen Hainen, knüpften untergeordnete Abteilungen des gesamten Menschengeschlechtes, zugleich mit ihren Naturrapporte, an sie die Idee der Götternähe, ihres waltenden Schutzes und ihrer Eingebungen in Orakeln. Der Fortbestand des Stammes und seiner Freiheit, wie Leben und Tod der ihm Angehörigen, sind durch die Weihsage eben so in Mitte des Hains gelegt, und an ihn gebunden, wie der Fortbestand des Universums an den Weltbaum. Und so tief hat dieser pflanzenhafte Verband mit dem Naturganzen, durch das Medium dessen, was in dem von der Erde seine Nahrung ziehenden Menschen Pflanze ist, den Anschauungen der frühern Zeit sich eingeprägt, daß sie selbst bis in die höhern geistigen Gebiete eingedrungen. Wie daher bei den Indern Mythologie und Symbolik, Poesie und Plastik einen durchaus pflanzenhaften Chrakter tragen, so hat im äußersten Occident die heilige Schrift der Iren (die Ogham) alle Buchstaben aus dem Pflanzenreiche hergenommen, so daß, indem jedes Wort zu einer Gruppe, in immer wechselnden Combinationen zusammengestellter Bäume, wird; die einzelne Triade, und größere aus ihnen zusammengestellte Werke und Schriftgebilde, wieder zu heiligen Hainen erwachsen, welche die ausgesprochene Grundidee umgrünen, sie in ihre Mitte bergen“. So weit Görres.
So finden wir nun sehr häufig in dem Kultus der verschiedensten Völker und Zeiten einzelne einer Gottheit geweihte und zu deren Kultusstätte gehörende Bäume: wir erinnern nur an die von Moses gepflanzte Tamariske zu Berseba und den von ihm unter den Eichen Mamre’s dem Jehova errichteten Altare, an die Palme am Altare des Apollo und die Eiche des Zeus.
Bei dieser heiligen Bedeutung der Bäume ist es auch erklärbar, daß die frommen Eheleute Philemon und Baucis in grünende Bäume verwandelt werden, und daß sich auch eine Beziehung der Bäume zu den christlichen Heiligen, so wie eine Symbolisierung des göttlichen Wortes und der, dasselbe Befolgenden mit einem Baume auffinden läßt.
In erstere Beziehung wollen wir nur den Gudulen-Baum erwähnen: als die heil. Gudula begraben war, schoß ein bei ihrem Grabe stehender Pappelbaum plötzlich ins Laub; es wird auch so erzählt, der Baum sei früher gar nicht dagestanden, sondern erst nach dem Begräbnisse der Gudula daselbst gesehen worden; als man später die Reliquien dieser Heiligen in eine andere Kirche brachte, stand plötzlich dieser Baum vor der Türe dieser Kirche.
Auch an dem frommen Gebete der Heiligen nehmen die Bäume Anteil: wenn die heilige Rosa von Lima früh in ihren Garten ging, sprach sie zu den Bäumen, „betet mit mir zu eurem Erschaffer und lobet ihn“, da bewegten sich die Äste, als wären sie aus einem Traume geweckt, und die Zweige neigten sich wie zum Gebete.
Bedeutungsvoll erscheint die Symbolisierung des Baumes mit dem Worte Gottes und seiner Anhänger. „Das Wort Gottes, heißt es im Koran, gleicht einem guten Baume, dessen Wurzel fest in der Erde steht und dessen Zweige bis an den Himmel reichen, und der, mit dem Willen seines Herrn, zu jeder Jahreszeit seine Früchte bringt“. Derjenige, der am Worte Gottes Lust hat und über dasselbe nachsinnt, wird in der Bibel mit einem Baume verglichen, der zur rechten Zeit seine Früchte bringt und dessen Blätter nie welken; eben so werden die Gerechten, die Gottes Wort Befolgenden, mit grünenden, saftreichen und noch im Alter sprossenden Bäumen, mit Pflanzungen Jehova’s, verglichen.
Dieser Symbolik entsprechend deutet es sich, daß der Baum, der Zeuge eines Frevels war, verkümmert, so wie das Wunder, daß der von Christus verfluchte Baum, der keine (moralische) Früchte trug, sogleich verdorrte, denn dieser Baum symbolisiert die Bösen, die Heuchler, die das reine Wort Gottes nicht nur nicht befolgen, sondern es sogar mißdeuten und verdrehen.
Viele Grüße
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