Eichen-Schälwald

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quellfelder
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Eichen-Schälwald

Beitrag von quellfelder » 19 Feb 2013, 15:45

Liebe Baumfreunde,

zur Gewinnung von Lohrinde für die Gerbereien wurde bis um die Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Regel ein Eichen-Niederwald als Schälwald genutzt. Dabei wurden die verschiedensten Methoden angewandt.
Kann jemand mal so nett sein und mir eine Vorstellung davon geben?

Viele Grüße

quellfelder

Buck
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Beitrag von Buck » 19 Feb 2013, 21:00

Sowas gibts auch heute noch ... mal wieder in Luxemburg. Hier wird bis heute Eichenschälwald bewirtschaftet. Praktisch der gesamte bewaldete Norden Luxemburgs besteht aus (ehemaligen) Eichenschälwäldern, hier als "Louh-Hecken" bezeichnet. Heute werden mit staatlicher Unterstützung immer noch mehrere Hundert Hektar so bewirtschaftet, vor allem, um das hier lebende Haselhuhn zu schützen (Lebensraum), aber auch aus wirtschaftlichen Interessen, denn die Bauern können das Rindenschälen im Nebenerwerb betreiben. Verkauft wird die in grossen Bündeln getrocknete Rinde nach Trier an eine der letzten traditionellen Gerbereien, die sehr hochwertiges Leder aus der grob gemahlenen Rinde herstellt, welches vor allem in den italienischen Schuhmanufakturen verwendet wird. Ein Teil, der beste Teil der Rinde, geht zu einem grossen Pharmaunternehmen nach Leverkusen und wird dort zu medizinisch wirksamen Produkten verarbeitet. Der Schälwald hier besteht zu 70% aus Quercus petraea, zu 30% aus Q. robur. Geschält werden ca. 25jährige Stämme im Saftfluss, also im Mai/Juni. Harte Arbeit, ich habe selbst schon mitgearbeitet im Schälwald. Aber es macht Spass, man arbeitet mit z.T. jahrhundertealten Gerätschaften. Die Schäleichen können bis 300 Jahre alt werden, man sieht z.T. sehr alte grosse Stumpen, aus denen dann ja immer die Neutriebe, manchmal bis zu 20, wachsen. Nach dem Schälen wurde früher (bis in die 50er Jahre) auf die abgesägten Eichenflächen, die dann kurz durch einen kleinen Flächenbrand "gesäubert" wurden, Buchweizen angebaut - dies konnte man ein paar Jahre lang machen, bis die austreibenden Eichenstämme zu gross wurden und die Flächen wieder beschatteten. Hier Bilder dazu, alle aus dem Norden Luxemburgs und aus der Gerberei in Trier.

Einen guten Ueberblick erhält man auch aus dieser Brochüre:

http://www.environnement.public.lu/fore ... n_2006.pdf
Dateianhänge
LUX Louheck Ledergerben Trier.jpg
LUX Louheck Ledergerben Trier.jpg (48.95 KiB) 3462 mal betrachtet
LUX Louheck 2.jpg
LUX Louheck 2.jpg (102.99 KiB) 3462 mal betrachtet
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Schöne Grüße,
Buck

baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer » 19 Feb 2013, 23:08

Danke , Buck für den tollen Link und die Bilder !!
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stefan
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Beitrag von stefan » 19 Feb 2013, 23:29

Hallo Buck,
bekannter ist ja das Schälen der Korkeiche; aber das generelle Problem ist ja wohl, daß beim Schälen das Kambium nicht verletzt wird. Eigentlich muß ja auch die jüngste Schicht der Borke mit dem darunterliegenden Phloem unbeschädigt bleiben.
Bedeutet die Wahl des Termins, daß zu dieser Zeit sich die ältere Borke relativ leicht und schadlos von der jüngsten trennen läßt?
Gruß, Stefan
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Beitrag von fockea » 20 Feb 2013, 00:47

Danke für den wirklich interessanten Bericht über die Louhecken in Luxemburg.
Das muss es auch in meiner Gegend früher gegeben haben.
Es gibt hier noch eine Lohmühle. ( heute ein Restaurant)
Fockea

quellfelder
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Beitrag von quellfelder » 20 Feb 2013, 10:24

Hallo Buck,

das ist ein Höhepunkt! Vielen Dank für die umfassenden Informationen.

Viele Grüße

quellfelder

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Beitrag von kurt » 20 Feb 2013, 10:30

Hallo Stefan

Wie aus Bucks Link hervorgeht, ist der Baum ist nach dem Schälen natürlich hinüber und treibt danach aus dem verbliebenen Stock wieder aus. Und das passiert alle 15-30 Jahre. Niederwald.

Gruss
Kurt

quellfelder
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Beitrag von quellfelder » 20 Feb 2013, 10:56

Hallo,

also im Siegerland soll es folgendermaßen zugegangen sein:

Man nahm zuerst die Krone ab, dann schälte man die Rinde so, daß sie zum Trocknen am Baum hängen blieb. Erst danach wurde der Stamm über dem Boden abgehauen, um den Ausschlag zu ermöglichen.
Ansonsten ging es wohl so zu wie heute noch in Luxemburg.

Viele Grüße

quellfelder

Spinnich
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Eichen-Schälwald

Beitrag von Spinnich » 20 Feb 2013, 15:22

@ Buck
Danke für den sehr informativen Beitrag und den aufschlußreichen Link.
Hoffe dass die artenreichen Lohwälder auch auf Dauer weiter erhalten werden.

@ Quellfelder
Danke, dass Du dieses sehr interessante und für viele sicher weitgehend unbekannte Thema angestoßen hast.

Also wieder was dazu gelernt, Supi. :P

Gruß Spinnich
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Beitrag von stefan » 21 Feb 2013, 18:44

Hallo Kurt
kurt hat geschrieben:...Wie aus Bucks Link hervorgeht, ist der Baum ist nach dem Schälen natürlich hinüber und treibt danach aus dem verbliebenen Stock wieder aus. Und das passiert alle 15-30 Jahre. Niederwald...
es hilft, wenn man lesen kann :-( - Danke!
Die Frage gilt aber dennoch - wenn auch dann nur für die Korkeiche!
Gruß, Stefan
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Beitrag von kurt » 21 Feb 2013, 19:22

Hallo stefan

Zitat aus http://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche#Nutzung
"Die Korkschicht wird vom korkproduzierenden Phellogen nachgebildet und kann daher wiederholt geerntet werden, ohne den Baum zu stark zu schädigen."

Gruss
Kurt

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