das Rätsel der Rotfärbung ...

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Volker0031
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das Rätsel der Rotfärbung ...

Beitrag von Volker0031 » 25 Okt 2012, 08:58

Im Herbst erfreue ich mich immer wieder an der schönen Laubfärbung. Ein Rätsel bleibt für mich aber auch immer wieder, warum sich manche Bäume Mühe geben und dafür Energie einsetzen, ihren Blättern nicht nur das Chlorophyll zu entziehen, sondern sie dann zusätzlich auch noch rot einzufärben. Bei den einheimischen Bäumen fällt mir das besonders beim Spitz-Ahorn auf. Die schönsten rot gefärbten Blätter liegen aber immer unter dem Baum. Der Baum trennt sich sehr schnell von den kräftig rot gefärbten Blättern. Dabei habe ich den Eindruck, dass die Blätter nur sehr, sehr kurze Zeit rotfarbig am Baum bleiben.
Beim Nachschlagen in der Literatur stellte ich fest, dass sich offensichtlich auch die Wissenschaft nicht so recht schlüssig ist, warum manche Bäume diese Kraftanstrengung unternehmen.
Hat jemand von Euch eine aktuelle Erklärung dafür?

Volker

P.S. ich vermute ja fast, die machen das nur aus Spaß. So wie junge Leute einfach nur so überschüssige Kraft demonstrieren oder wir einen Abendspaziergang machen um müde zu werden.

Karola
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Beitrag von Karola » 25 Okt 2012, 09:28

Hallo Volker,

eine Erklärung gibt es hier. Zum Teil sind die anderen Farben schon von Anfang an vorhanden und werden nur vom Chlorophyll überlagert.

Viele Grüße
Karola

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LCV
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Beitrag von LCV » 25 Okt 2012, 09:28

Hallo,

Stefan wird Dir das sicher ganz genau erklären.

Vereinfacht dargestellt: Das rot ist immer schon vorhanden, wird aber vom Chlorophyll verdeckt. Wird dieses abgezogen, was zur Überwinterungsstrategie gehört, werden rote und gelbe Farben sichtbar.

Gruß Frank

PS. Ich würde einfach mal bei Google solche Begriffe wie Herbstlaub oder Laubverfärbung eingeben. Da wirst Du sicher fündig.
Zuletzt geändert von LCV am 25 Okt 2012, 11:16, insgesamt 1-mal geändert.

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 » 25 Okt 2012, 10:15

Karola hat geschrieben:Hallo Volker,

eine Erklärung gibt es hier. Zum Teil sind die anderen Farben schon von Anfang an vorhanden und werden nur vom Chlorophyll überlagert.

Viele Grüße
Karola
danke Karola,

weiß ich. Für die Carotinoide ist das wohl so. Bei den Anthocyanen, welche das schöne rot erzeugen halt nicht. Auch dein schöner link vermerkt, dass dieses wissenschaftlich "noch nicht ganz" geklärt ist. Botaniker "vermuten". Ich bin mal schnell zur Bibliothek geflitzt und habe im Lexikon des Unwissens von Passig/Scholz dazu nachgelesen (rowolt 2007). Dort fand ich ein halbes Dutzend Erklärungen: vom Lichtschutz bis Insektenwarnung: "Achtung ich habe Power, verpiss dich zu Schwächeren".

Ich finde es einfach spannend, dass wir zwar schon auf dem Mond waren und mit Autos auf dem Mars rumgondeln, jedoch bei manch irdischen Dingen rätseln und nicht ganz sicher sind. Und die Laubfärbung lässt sich jedes Jahr zweimal erforschen.

Volker

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 25 Okt 2012, 18:33

Hy!

Aber wir waren doch gar nicht auf dem Mond *fest überzeugt bin*...

Wie schon gesagt wurde: Die Farben sind teils schon immer vorhanden, und werden erst bei Abzug des Chlorophylls sichtbar.
Jetzt kommt das kleine, aber wichtige Aber:
Die Herbstfarbe ist durchaus auch vom Standort, bzw. den Wachstumsbedingungen des aktuellen Jahres abhängig.

So wird vom Feuerahorn, Acer ginnala, gemeinhin gesagt, er habe eine feuerrote Herbstfarbe. Nun, im trockenen Sand der Brandenburg- Berliner Sandkiste ist die Herbstfarbe des Feuerahorns auch gar nicht so selten mal rein gelb.
Und der Spitzahorn ist für normal auch gelb in der Herbstfarbe, aber manche Bäume werden im Herbst wunderbar rot. So auch hier im Westerwald, und was hatten wir dies Jahr?
Ein ordentlich feuchtes...
Und die Spitzahorne auf den Felshängen oder sonstigen Stellen mit gutem Wasserabzug sind normal gelb, welche an feuchteren Stellen oder mit Schichtwasser im Boden sind hingegen teils partiell, teils ganz rot.

Grüße,
Andreas

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria » 25 Okt 2012, 19:05

Sehr gute Beispiele gibt es auch im Vergleich der Regionen innerhalb Deutschlands.
Im kontinental geprägten, trockeneren Nordhessen, wo die Oktobernächte oft schon Minusgrade zeigen, ist die Herbstfärbung viel intensiver als im feuchteren, ozeanisch geprägten Norden von Schleswig-Holstein.

VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

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stefan
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Beitrag von stefan » 25 Okt 2012, 22:42

Hallo Baumfreunde,
Karolas link enthält schon die entscheidende Beschreibung:
- Chlorophyll-Abbau läßt vorhandene andere Farben sichtbar werden, je vollständiger, desto intensiver die Farbe;
- wohl teilweise Aufbau von gelben Farbstoffen;
- rote Farbe - Anthocyan - bei rotlaubigen Pflanzen schon vorhanden, ändert aber seine Wirkung durch den Chlorophyll-Abbau;
- Neusynthese von Anthocyan als Streßsymptom und möglicherweise mit UV-Schutzfunktion.
Diese UV-Schutzfunktion ist im Frühjahr beim Austrieb plausibel - im Herbst zum Laubfall eigentlich nicht. Insofern sehe ich es im Herbst nur als Folge von Streß durch UV-Einstrahlung und z.B. auch Kälte, aber nicht als Schutz vor UV-Schäden.

Inwieweit der Witterungsverlauf des Sommers eine Rolle spielt, habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht, es leuchtet zumindest ein, daß ein trockener Sommer die Herbstfärbung durch vorzeitiges teilweises Welken der Blätter reduziert.
Was sehr auffällig ist, ist die Intensivierung der Färbung durch einen trockenen, sonnigen Herbst, in Verbindung mit kalte Nächten. Vermutlich werden durch Sonne und Wärme aber auch durch Temperaturschwankungen die Stoffwechselprozesse des Herbstes angeregt.
Jedenfalls ist hier im Rheinland der Herbst so bunt, wie ich es kaum je erlebt habe.
Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


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Volker0031
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Beitrag von Volker0031 » 25 Okt 2012, 23:54

hm, also nicht Neues. Ich hatte doch ein wenig gehofft, dass vielleicht etwas in Fachzeitschriften zu finden ist, was über das von den Autoren des "Lexikons des Unwissens" zusammengetragene hinausgeht. Das Buch ist ja auch schon wieder 5 Jahre alt und in der Wissenschaft geht es ja manchmal schnell vorwärts.

Volker

Nachtrag: habe die Infos im genannten Buch (Lexikon des Unwissens) mal zusammengefasst: http://kiez-dendrarium.blogspot.de/2012 ... eiter.html

quellfelder
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Beitrag von quellfelder » 26 Okt 2012, 19:36

Hallo,

im Lexikon der Baum- und Straucharten steht dazu folgendes:

"Fördernd wirken warme Tage und kühle Nächte. Der am Tag durch Assimilation gebildete Zucker kann in kalten Nächten nicht mehr zur Speicherung in den Stamm abtransportiert werden. Er wird im Blatt zu Anthocyan umgebaut. Je idealer das Wetter - eine Periode von warmen Tagen und laren, kalten Nächten - desto ausgeprägter das Rot."

Viele Grüße

quellfelder

Volker0031
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Beitrag von Volker0031 » 26 Okt 2012, 23:09

quellfelder hat geschrieben:Hallo,

im Lexikon der Baum- und Straucharten steht dazu folgendes:

"Fördernd wirken warme Tage und kühle Nächte. Der am Tag durch Assimilation gebildete Zucker kann in kalten Nächten nicht mehr zur Speicherung in den Stamm abtransportiert werden. Er wird im Blatt zu Anthocyan umgebaut. Je idealer das Wetter - eine Periode von warmen Tagen und laren, kalten Nächten - desto ausgeprägter das Rot."

Viele Grüße

quellfelder
danke! Ich habe auch festgestellt, das sich Bäume sehr individuell verhalten. Da komme ich immer wieder ins Staunen. So habe ich heute in meinem Kiez eine völlig freistehenden Acer platanoides gesehen, der sich einheitlich gelb kleidete, während seine Brüder das komplette Spekrum von noch grünen bis zu roten Blättern zeigen.
Was mir noch auffiel (auch bei Acer platanoides). Manchmal verschwindet das grün vom Rande her, manchmal bleibt gerade am Rand des Blattes ein grüner Streifen stehen.

Volker

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