Eschenholz und Eibenholz

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Roseo-Marginata
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Eschenholz und Eibenholz

Beitrag von Roseo-Marginata »

Liebe Baumfreunde,

hier ein Frage zum Holz, bzw. dessen Nutzung. Am Sonntag habe ich bei einer baumkundlichen Führung gelernt, dass die Eibe eine beträchtliche Rolle in der 'Waffenproduktion' gespielt habe. Insbesondere in England. Man hat aus Eibenholz Pfeil und Bogen (vor allem den Bogen) erstellt. Das ging soweit, dass die Eiben in England fast ausgerottet wurden (und zwangsweise mit jedem eingeführten Fass Wein auch eine Eibe mit eingeführt werden musste...)
Meine Frage hierzu: Die vorzüglichen Baumlisten dieser Webseite erwähnen dies im Zusammenhang mit der Eibe gar nicht. Stattdessen lese ich, dass das Holz der Esche vorrangig genutzt wurde zur 'Waffenherstellung'. Und das schon von den Griechen. Nun ja - wahrscheinlich hat man beide Bäume eingesetzt dafür...
Vielleicht hat jemand noch interessante Fakten hierzu?
LG Roseo

JohnDoe
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Beitrag von JohnDoe »

Taxus (lat.) = Bogen

Ötzis mitgeführter (unfertiger) Bogen war aus Eibenholz

lG,
Johann

Roseo-Marginata
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Beitrag von Roseo-Marginata »

Hallo JohnDoe,

Danke, hochinteressant!

Also schoss Ötzi mit Eibe, Achilles mit Esche. Ötzi war früher dran, wenn ich nicht irre.
LG Roseo

tormi
Moderator
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Beitrag von tormi »

Hallo,
der Bogen aus Taxus und die Pfeile aus Viburnum lantana wegen der schönen geraden Triebe. Hammerstiele aus Crataegus und Besenstiele aus Esche wegen deren Biegsamkeit.
LG Nalis

Cryptomeria
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Beitrag von Cryptomeria »

Hallo Rose,

es gibt unzählige Geschichten von alten Eiben, vom Eibenkult der indoeuropäischen Völker, von der Ableitung des engl. Wortes yew für etliche keltische Srämme (z.B. Inverni), für die Ähnlichkeit des Wortes yew in versch. alten Sprachen ( yr - altnordisch, yewar - keltisch, inbhar -gälisch) usw.
Der älteste von Menschenhand geschaffene Holzgegenstand, der bisher entdeckt wurde, ist ein Eibenspeer, der vor etwa 250 000 Jahre benutzt wurde. Da war auch Ötzi noch nicht unterwegs.
Auch später in der christlichen Religion wurde die Eibe geweiht und verehrt, z.B. wurden viele Jahrhunderte am Palmsonntag Eibenzweige als Ersatz für die nicht vorhandenen Palmwedel benutzt.

usw.

Übrignes viele Geschichten in England,Schottland,Irland, dort auch die ältesten Eiben

Wolfgang

Roseo-Marginata
Beiträge: 997
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Beitrag von Roseo-Marginata »

Hallo Crypto,

danke für die Erklärungen! Was hat es denn mit der Esche auf sich? Die hat doch auch mythologisch große Bedeutung - ich habe da bisher nie was von gehört, aber in unseren Baumlisten hier steht einiges interessantes dazu.
Kann man das vergleichen? Waren beide Bäume wichtig? Und immerhin spielen ja auch Linden eine bedeutende Rolle ...
LG Roseo

tormi
Moderator
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Beitrag von tormi »

Das Holz der Eschen ist härter und elastischer als das vieler anderer einheimisvher Hölzer. Aus diesem Grund findet Eschenholz oft bei Werkzeugstielen, Sportgeräten oder in der Vergangenheit beim Bau von Bögen, Speeren und Lanzen Anwendung. Im Mittelalter pflanzte man oft Eschen in die Nähe der Burgen.
In ganz Nordeuropa waren Eschen geheiligt und daher geschützt. Fällte man im angelsächsischen Raum zwei Eschen, stand darauf die Todesstrafe.
Was geschah wenn man nur eine fällte? Ich weiss es nicht.
Bei slawischen Völker war der Glaube verbreitet, Schlangen würden den Schatten der Eschen fürchten. Wanderer könnten sich deshalb unbesorgt zur Rast unter den Blätterdach einer Esche niederlassen.

LG Nalis

Brötchen
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Beitrag von Brötchen »

Hallo
das ist sehr interessant.

wolfachim_roland
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Beitrag von wolfachim_roland »

Mich wundert, daß die Eschen früher so hoch im Kurs standen: bei uns wachsen sie sehr häufig - fast wie Unkraut.
Wolf
Wolf Roland

kurt
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Beitrag von kurt »

Ich habe seit 12 Jahren(solange ich hier bin) eine Lichtung absolut unberührt gelassen. In dem hüfthohen Gras wachsen vor allem junge Eschen. Es scheint der Baum zu sein, der damit am besten zurecht kommt, noch besser als die Eichen. Es könnte auch sein, dass die Eichen einfach langsamer wachsen und somit später sichtbar werden. Dadurch können die Eschen sich als Pionierbaum erstmal einen Vorsprung vor den Konkurrenten sichern.
Walnussbäume setzen sich auch durch. Für mich ist es spannend, solche Entwicklungen zu beobachten.
Gruss
Kurt

Brötchen
Beiträge: 1191
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Wohnort: Hahnbach

Beitrag von Brötchen »

Hallo
das muss wirklich interessant sein, so ein Stückchen 'freie Natur' zu haben.

Grüße Martin

tormi
Moderator
Beiträge: 5728
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Beitrag von tormi »

Ich möchte nicht schwarz malen aber ich glaube wenn die Eschen erst mal gross sind (die wewrden bedeutend schneller gross/hoch als die Eichen) werden die deinen Eichen nicht mehr besonders viel Licht überlassen so dass diese verkümmern werden.
LG Nalis

Cryptomeria
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Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

absolut, so wird es sein. Bei mir ist es auch so. Die Eschen machen eigentlich alles platt. ( Oder man muss ordentlich zur Säge greifen).

Wolfgang

Brötchen
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Beitrag von Brötchen »

Hallo
aber ich würde alles so lassen wie es ist.Wenn wir nicht eingreifen würden wäre es ja auch genauso.

Grüße Martin

kurt
Beiträge: 3254
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen,
Ich habe ja geschrieben, dass ich das alles mal beobachten will, wie es sich entwickelt. Freies Spiel der Kräfte. Es gibt auch ein anderes Areal, wo sich die Schwarzerlen durchsetzen im hohen Gras. Eingreifen kann ich immer, wenn ich selektieren will. Mein Hintergedanke ist: Auch wenn meine Nachfolger auf diesem Gelände nicht meine Philosophie haben, dann sind Eschen auch ein nutzbares Holz, es müssen nicht immer Eichen sein. Vielleicht wird das zähe Eschenholz wieder einmal mehr geschätzt als heute, wo heute nur noch Plastik (Erdölderivat) geschätzt wird. Es gibt nur einen Baum, den ich nicht schätze, nämlich die Zitterpappel. Sie vermehrt sich derart exorbitant, dass ich ihr Einhalt gebieten muss. Um am Thema zu bleiben, Eschen haben meiner Meinung nach auch ein Recht, sich zu behaupten, es müssen nicht immer nur Eichen oder andere angeblich hochwertigere Hölzer sein. Schwarzerlen sind bei mir zwar häufig, scheinen aber nicht zu stattlichen Exemplaren heranzuwachsen, werden früh brüchig, der Stamm platzt auf etc.. Na jah, was soll`s. Beneiden musst du mich nicht, Brötchen, durch dieses Land habe ich auch mehr Probleme, als ich erwartet habe. Es ist zu gross. Such dir ein kleineres, überschaubares, ich würde sagen Höchstens 1ha.
Wieder zuviel gequatscht
Gruss
Kurt

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