Heeder Riesenlinde, Nationalerbe-Baum 1, Register-Nr.: 101

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baumlaeufer
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Heeder Riesenlinde, Nationalerbe-Baum 1, Register-Nr.: 101

Beitrag von baumlaeufer »

war heute kurz zu Stippviste in/unter der Riesenlinde in Heede, der stärksten Linde Deutschlands. Überraschend waren die unzähligen Frösche, die nur westwärts strebten von der Linde in Richtung Wald. Es war kaum möglich ,einige von den Minireptilien nicht plattzutreten auf dem Weg zum Stamm.
Dann blühte die Linde noch, den passenden Sound der Bienen habe ich nicht aufgenommen.
Aber ich habe es das erstemal gewagt, in die Linde zu klettern, um von dem massiven Klotz und den daraus austrebenden Ästen ein paar Fotos zu machen.
Übrigens , ein schlechtes Gewissen wegen der Baumbesteigung brauche ich nicht zu haben , Anfang des 19 Jahrhunderts stand für den Abschlußsegen der Fronleichnamsprozession der Geistliche in der Linde. Das nenne ich zeitgemässen Ablass !

Baumlaeufer


noch ein Hinweis in eigener Sache: Ich werde ich aus verschiedenen Gründen demnächst ein wenig seltener hier auf der Forenfläche zeigen, evtl nur noch aus Kommentaren geben zu Beiträgen. Mag sein es kommen mal wieder präsentere Zeiten für mich !
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Heede LInde01.jpg (316.84 KiB) 5990 mal betrachtet
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Zuletzt geändert von baumlaeufer am 04 Jul 2015, 19:03, insgesamt 2-mal geändert.
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy!

Dein Link führt leider auf die Dateneingabe (und Frösche sind Lurche und somit Amphibien ;) ).

Grüße,
Andreas

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Danke , hab`s geändert.
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Hilmar
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Beitrag von Hilmar »

Ich habe die Linde nach einem Zeitraum von 3 Jahren auch wieder aufgesucht. Dieses mal mit Maßband. Gemessen wurde in 0,50 m Höhe, an der dünnsten Stelle des Stammes, ein Umfang von 15,55 m. Die Messergebnisse in 1,30 m Höhe liegen, je nachdem was man für eine Wulst, Beule oder Auswuchs mit einbezieht, zwischen 17,50 m und 17,90 m.

Erschreckend ist der Zustand des Baumes. Um die Linde herum wurden tausende von Euronen investiert und am Baum sind seit Jahren dieselben zerrissenen und völlig unzureichenden, weil für diesen Zweck nicht ausgelegten Kronensicherungssysteme vorhanden. Die Faulhöhlen sind so groß dass m. E. zumindest der am stärksten ausgefaulte Stämmling abgestützt werden müsste.

Ich hatte gehofft, mit dem Titel "Baum des Jahres" wären Erhaltungsmaßnahmen verbunden, aber weit gefehlt.

Gruß Hilmar

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Hallo hilmar Danke für deine fachliche Einschätzung. Ich leite das mal an die Gemeinde weiter, Kontakt habe ich neulich bekommen.
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pgs
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Beitrag von pgs »

Hallo Wolfgang,
am letzten Sonntag schriebst du mir per PN: "Beschreibe mit deinen Altersangaben doch mal die Riesenlinde zu Heede. Maßangaben findest du auch auf der verlinkten Seite meiner Homepage. Das wäre sehr interessant , allein wegen der enormen Dicke und des nachgewiesenen Status als EIN Baum."

Seither habe ich mich mit der Altersbestimmung für diesen ganz außergewöhnlichen Baum befasst. Leider sind die wenigen Messungen erst ab 2004 gemacht worden, was bei dem vermutlich sehr hohen Alter dieser Linde nur ein winziger letzter Lebensabschnitt ist. Die BHU-Daten streuen enorm, was ja auch bei der Gestalt des Stammes kein Wunder ist. Ich bin damit nicht zu einer vernünftigen Anpassung an die Daten gekommen. Die drei Taillen-Messdaten:
2004 /15,10 m / Jeroen Philippona
2013 /15,27 m / Leo Goudzwaard
2015 /15,55 m/ Hilmar
eignen sich da schon etwas besser. Ich habe schließlich nur das erste und das letzte Datenpaar verwendet und dann wieder die Startwerte variiert (K; x; Y) = (100; 1; Y), Y = 600 bis 1400.
Eindeutige Kriterien für eine optimale Anpassung sind daraus kaum zu erkennen. Immerhin ergab (100; 1; 800) erstmals (103; 0,50; 808), also den Wert 0,5 für die lineare Wachstumsrate (f = 3,14 cm/a), wie er von John White für Linden angegeben wird!

Die Heeder Linde könnte danach also auch 1200 Jahre alt sein!! Tim B. (Monumental Trees) schätzt das Pflanzjahr auf 1200 +-
10 Jahre, so dass sie danach rund 800 Jahre alt wäre.
Also ziemlich unsicher in diesem Fall...
beste Grüße von Holger/PGS

Hilmar
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Beitrag von Hilmar »

Hallo,

die Differenz bei der Altersbestimmung der Linde in Heede wird, unabhängig vom Rechenmodell, immer einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren aufweisen.

Folgende Begründung:

Alle Rechenmodelle basieren auf der Dimension des Stammes, evtl. noch auf dessen Zuwachs über einen mehr oder weniger langen Zeitraum. Was das Wachstum des Baumes über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren beeinflusst hat, kann nur annähernd geschätzt werden. Sollte es sich bei der Linde in Heede immernoch um den im 30jährigen Krieg schwer geschädigten Baum handeln, so muss man davon ausgehen, dass nur die unteren 3 m des Stammes ein Alter von 1000 Jahren aufweisen können. Realistischer ist jedoch der historische Bezug zur Errichtung der Burg um 1400, also ein Alter von etwas über 600 Jahren.

Die zahlreichen Stämmlinge ab 3,00 m Höhe sind deutlich jünger und als stärkere Neuaustriebe nach einem in Art einer Kappung eingetretenen Schadens entstanden. Dabei bin ich der Überzeugung, dass die einzelnen Stämmlinge jünger wie 342 Jahre sind und somit nicht im Zusammenhang mit der Zerstörung der Burg in Verbindung gebracht werden können. Ein Alter von 1000 Jahren ist bei den Stämmlingen völlig ausgeschlossen. Selbst für ein Alter von 600 Jahren sind die Stämmlinge zu dünn. Bei meinem nächsten Besuch werde ich mal versuchen, den Umfang einzelner Stämmlinge zu messen.

Der älteste Teil des Stammes wird durch die einzelnen Stämmlinge jedoch nur noch lokal versorgt und weist mittlerweilen erhebliche Differenzen im Zuwachs auf. Gleichzeitig schädigen Fäulen das älteste Holz im unteren Stammbereich. Insbesondere nach dem bekannten Ausbruch der ersten Stämmlinge im Jahr 1942 muss die Fäuledynamik deutlich zugenommen haben. Um die höheren Belastungen zu kompensieren, ist der Holzzuwachs in den intakten Stammbereichen größer als unter "Normallast". In dem Zeitraum, in welchen die bekannten Stammumfänge gemessen wurden, verfälschen die höheren Zuwächse das Ergebnis.

Völlig unberücksichtigt blieben dabei die geringeren Zuwächse nach mehr oder weniger großen Verlusten der Blattmasse infolge Rückschnitt und/oder Kappung ebenso wie klimatische Veränderungen (z. B. kleine Eiszeit zwischen 1570 - 1630 und 1675 -1715).

Meines Erachtens kann das Alter derartiger Bäume nur anhand von Ortschroniken, u. U. anhand von Bildern oder in Zusammenhang mit historischen Ereignissen geschätzt werden.

Gruß Hilmar

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo Holger,

in drei Wochen bin ich auch mal bei der Linde. Mal schauen, was für einen Umfang ich da herausbekomme :roll:

Viele Grüße,

Rainer

pgs
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Beitrag von pgs »

Hallo Hilmar,
du hast natürlich vollkommen recht dass solche Rechenmodelle die meist unbekannte Wachstumsgeschichte eines wirklich alten Baumes nur sehr pauschal und grob über wechselnde Umgebungsbedingungen mittelnd beschreiben können. Das steckt dann in den zwei Parametern des Modells irgendwie mit drin. Nach White gilt (K; x) = (100; 0,5) für Linden in Champion-Lage. In der Angabe dieser Parameter steckt die Erfahrung mit vielen Linden deren Alter bekannt war. Mir ist natürlich klar, dass da immer eine recht große Unsicherheit in diesen Modellrechnungen steckt, da sich das Baumindividuum natürlich nicht wie der mittlere Champion-Tree verhalten muss.

Dass die Stämmlinge wesentlich jünger sind als der Rest des ursprünglichen Stamms ist ja auch klar. Jeder Ast ist jünger als der untere Stamm ganz innen und die anschließenden inneren Wurzelteile.
beste Grüße von Holger/PGS

pgs
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Beitrag von pgs »

Hallo Rainer, schön dass du dir diese besondere Linde anschauen und sicher auch schöne Fotos davon machen wirst. Nach einem Jahr schon wieder zu messen ist vielleicht nicht soo wichtig.Es wird die Modellrechnung kaum sicherer machen können.
beste Grüße von Holger/PGS

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Holger, für die Modellrechnung mag die Messung nicht von Bedeutung sein, aber ich suche schon seit rund 25 Jahren Bäume auf, und ich war noch nie bei einem Baum, wo ich auch nicht gemessen habe. Und bei der Riesenlinde werde ich auch keine Ausnahme machen :roll: Ich darf nur nicht das große Bandmaß vergessen. Normal bin ich immer mit einem 10-m-Bandmaß unterwegs. Bei den dicken Bäumen habe ich dann eines bis 15 m. Bei der Heeder Linde brauche ich dann eines mit 20 m :wink:

Viele Grüße,

Rainer

pgs
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Beitrag von pgs »

Ich wollte dir die Messung auch nicht wirklich ausreden, Rainer. 12 Jahre zwischen der ersten und der letzten Messung sind natürlich schon ein bisschen besser als 11 Jahre. Ausserdem hast du ja auch noch so'n ganz präzises Höhenmessgerät mit dem du die Kernhöhe des Ur-Stamms und die Kronenhöhe der Stämmlinge vermessen kannst!
beste Grüße von Holger/PGS

Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert »

Holger, du schaffst es auch nicht, mir die Messung auszureden :wink: Also bei der Höhenmessung begnüge ich mich für gewöhnlich auf die Maximalhöhe. Mehr messe ich eigentlich nicht.

Viele Grüße,

Rainer

Hilmar
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Beitrag von Hilmar »

Hallo Rainer,

meine Taillenmessung erfolgte 50 cm über dem Erdboden. In 1,30 m Höhe habe ich 17,50 und 17,90 m, je nach Anzahl der eingeschlossenen Verdickungen, gemessen. Wenn eine junge Assistentin hilft sind auch exakte Messungen mit einem 10 m langen Maßband möglich. Ich bin auf den direkten Vergleich der Messergebnisse gespannt.

Gruß Hilmar

pgs
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Beitrag von pgs »

Rainer Lippert hat geschrieben:Holger, du schaffst es auch nicht, mir die Messung auszureden :wink: Also bei der Höhenmessung begnüge ich mich für gewöhnlich auf die Maximalhöhe. Mehr messe ich eigentlich nicht.

Viele Grüße,

Rainer
Na in diesem speziellen Fall wäre eine Messung der Kernstamm-Höhe sicher auch wertvoll, da sie ja etwa die Fußhöhe der Stämmlinge ist.
beste Grüße von Holger/PGS

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