Fichtenalter

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TomE
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Fichtenalter

Beitrag von TomE »

Hallo miteinander,
als es in einem schönen Eichenthema mal um das Alter unserer lieben Bäume gegangen ist, habe ich das Fichtlein bereits mal erwähnt und einen Thread angedroht. Dieser ist hiermit also gekommen.

In einem privaten Waldstück hatten ein paar wenige Fichten das Glück, etwas mehr als nur die Umtriebszeit zu erleben. Eine davon sticht besonders ins Auge, da sie besonders viele Probleme hatte in die Höhe zu kommen und etwas arg zerrupft aussieht. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist ihre Borke, die recht tiefe Furchen zwischen ihren länglichen Schuppen gebildet hat.
Das sind allerdings alles keine Dinge, welche zwingend auf das Alter schließen lassen. Also kurz die mir und dem Besitzer bekannte "Geschichte" an diesem Flecklein.
Nach dem Besitzer war es so, dass um 1900 ein starker Hagelschauer so ziemlich alles zerstört haben soll und danach wieder aufgeforstet wurde. Die Masse der Bäume dort ist ziemlich sicher aus dieser Zeit, auch an gefällten Bäumen der letzten Zeit konnte man das nachzählen. Dieser eine Baum und seine nicht ganz so großen Kollegen haben es damals aber wohl überlebt, sonst würden sie sich vermutlich nicht so deutlich von der Masse ihrer Artgenossen unterscheiden. Neben einem dieser Bäume mit ziemlich genau 1m BHD hat der liebe Niklas ein paar Buchen entwurzelt, welche nach ihren Ringen etwa 150 Jahre alt waren. Also wohl auch überlebende von vor 1900. In etwa 1892 ff. finden sich besonders schlanke Jahrringe, vielleicht Folgen dieses Unwetters.
Eine andere Sache ist noch die Neigung der Bäume. Alle älteren Fichten haben eine deutlich erkennbare Ostneigung, die vermutlich nach einer Freistellung entstanden ist. Der eine Baum hat sie auch, nur mit einer Abstufung mittendrin, welche sonst kein Baum dort hat. Er steht praktisch doppelt schief. Auf dunklen Bildern bei schlechtem Wetter lässt sich das recht gut erkennen.

Noch die Maße des Baumes:
Höhe: 44m
Durchmesser:
1,0m: 1,28m
1,3m: 1,21m
2,0m: 1,11m
5,0m: ~1,0m
Volumen: ~17m³

Seine Kollegen sind ähnlich hoch, die größeren 20-25cm in Brusthöhe schlanker.

Nun würden mich Meinungen interessieren. Ist der Baum auch einer der vermutlich 150 jährigen Bäume oder stammt er noch aus einer Zeit davor?
Ein sichere Antwort auf diese Frage wird es in absehbarer Zeit hoffentlich nicht geben. :roll:

Gruß
Tom
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hy Tom!

Der Umfang beträgt demzufolge ca. 380 cm.
Das ist ordentlich für eine Fichte, und nach Mitchell gerechnet, sollte das gute Stück zwischen 190 (Freistand, den sie in jüngeren Zeiten wohl durchaus mal hatte, und seit dem Erheben über die jüngeren Bäume quasi hat) und 300 Jahren (wüchse sie zeitlebens im gleich hohen Bestand) alt sein.

Da sie Deiner Beschreibung nach eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich hat und recht weit herab beastet ist, also ca. die Hälfte ihres Lebens Quasi- Freistand genoss, würde ich sie auf ca. 200- 240 Jahre schätzen wollen.
Sehr sehr ordentlich für eine Forst- Fichte...

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Hy TomE
Knapp über 200 Jahre würde ich dem Baum auch geben.

Ich habe bei uns im Register nachgeschaut, die dickste Baum 1027 hat über 6 Meter Stammumfang !
Der Masstab für unserer Register ist 4 Meter, es sind schon einige Fichten drin, aber auch welche unter 400 cm. Die hier würde also fast die Kriterien erfüllen.

Bei der DDG gibts bundesweit 12 Fichten , die mehr als 380 cm Umfang haben. Unsere in Tennenbronn kennen die aber nicht :wink:

Baumlaeufer
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Kiefernspezi
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Beitrag von Kiefernspezi »

Wow, beeindruckender Baum! Vor allem schön, dass man ihn in voller Pracht sehen kann. Super.

Viele Grüße

Gabi Paubandt
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Beitrag von Gabi Paubandt »

Durch Zufall kam ich auf die Wuchsform der Kandelaberfichte. Google brachte die passenden Ergebnisse. Die dickste und wohl schönste dieser Fichten habe ich in Arriach in Kärnten besucht. Sie zeigt ein besonders harmonisches Wuchsbild. Der Umfang liegt bei ca. 8 m.
Gruß Gabi
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TomE
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Beitrag von TomE »

Guten Abend,
danke für eure Meinungen.

Bei "normalem" Wachstum dürfte das wohl stimmen, allerdings kommt es mir so vor, als würde so manche Fichte an dem Standort gern etwas mehr auflegen.
Zwei gefällte Bäume als Beispiele:
Fichte 49jährig: 37cm Durchmesser (2,5m) - Dichtstand
Fichte 115jährig: 80cm Durchmesser (2,5m) - Waldrand

Unter den lebenden Bäumen gibt es eine Fichte, die ich für eine der 115jährigen Exemplare halten würde, diese hat auf 2m Höhe fast 91cm Durchmesser. Das sind nur 1,5cm weniger als die zweitdickste Fichte der vermutlich älteren. Unter den älteren Bäumen gibt es auch welche, die es nur auf BHD-Werte von unter 70cm gebracht haben.
Alles etwas durcheinander gewurschtelt, könnte ich mir also durchaus vorstellen, dass die eine Fichte ebenfalls etwa 150 Jahre alt ist und nur sehr stark gewachsen ist.

Allgemein beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass alle Wälder in meiner direkten Umgebung nicht älter als 150 Jahre sind. Auf alten Bildern sind manche Wälder (mit ebenfalls Fichten bis 1m BHD) noch recht klein, vielleicht 20-25m hoch. Auch die Waldrandeichen, die hier gern mal um die Wälder stehen, sind nicht älter. Für mich gibt es daher zwei Möglichkeiten, entweder wurde zu dieser Zeit ein radikaler Kahlschlag durchgeführt oder die Felder aufgeforstet.
Ziemlich sicher bin ich mir nur, dass diese Fichten die größten in den ganzen 600ha Waldstreifen sind. Eine Erklärung warum das so ist gäbe es auch, denn angeblich war hier mal ein Förster, der Freude daran hatte gezielt die stärksten Bäume zu entnehmen. Da das wohl auch viele Private so handhaben, ist nur der 0815 Einheitsbreit übrig geblieben. Und die paar Bäume, die dank der Besitzer nicht entnommen wurden. Eine ältere Buche habe ich übrigens auch noch nicht gefunden. Ok, sie haben keine "Altersschilder", aber ab und an liegt leider doch eine neben den Wegen herum.

Hier kann man sich die vier größten Bäume auch ansehen, inkl. der heutigen Vermessung. Wobei der 3,36m BHU Baum m.M.n. jünger ist.

Gruß
Tom

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